Trike-Globetrotter

In 988 Tagen die Welt entdecken – die etwas andere Weltumrundung in einem fliegenden Motorrad… Der Trike-Globetrotter Andreas Zmuda berichtet auf traveldiary.de regelmäßig in Wort und Bild!

Mhythos Amazonien

13.10.2014
Flug ueber das Amazonasdelta, die Sicht ist nicht prickelnd

Flug ueber das Amazonasdelta, die Sicht ist nicht prickelnd

Was erzaehlt mir der kleine schwule Koordinator vom Flughafen in Paragominas da aufgeregt von Riesenschlangen und Phythons? Ich dachte immer das sind Annacondas, hier im Amazonasdschungel. Egal, keine Zeit darueber zu diskutieren. Es daemmert bereits und wir heben ab, auf nach Belem – das Tor zum Amazonas.

Die faszinierende gruene Hoelle unter uns

Die faszinierende gruene Hoelle unter uns

Dschungel, Dschungel und nochmals Dschungel, soweit das Auge reicht. Tiefgruen und undurchdringlich. Wieviele Flugzeuge werden jedes Jahr von dieser wunderschoenen, faszinierenden und ebenso gefaehrlichen gruenen Hoelle verschlungen und nie mehr gefunden! Angespannt lauscht Andreas auf jedes kleine Geraeusch, jede noch so winzige Bewegung wird von ihm registriert.“Schatz sitzt du gerade?“, ertoent es in meinem Funk. „Ja“ antworte ich knapp und verstehe die unausgesprochene Botschaft an mich still zu sitzen. Der Flug ist rockig, die Sicht schlecht, in ca. 1500 ft. Flughoehe kaempfen wir uns vorwaerts. 8.00 Uhr, puenktlich zum Fruehstueck landen wir beim Flugclub in Belem. Die etwas klapprigen und verrosteten Tueren vom Hangar oeffnen sich und ich glaube zu traeumen. Hinter dieser windschiefen Tuer befindet sich ein komplett ausgestattetes Appartment, ausgebaut ueber 2 Etagen und vom allerfeinsten. Wie ein richtiges Wohnhaus, mit Wohnzimmer, mehreren Schlafzimmern, Kueche, Bad – vollstaendig eingerichtet. Unser zu Hause fuer die naechsten Tage. Auch liegt der Flugclub direkt im gruenen am idyllischen Flussufer und verfuegt ueber einen Pool und ein Restaurant wo es traditionelle und deftige Kueche gibt wie Casavebrot mit Butter bestrichen und hervorragenden Fisch sowie Ananassaft mit frischem Pfefferminz (sehr zu empfehlen).

Wer hat wohl das groessere Maul?

Wer hat wohl das groessere Maul?

Hier im Flugclub gibt es ca. 50 Hangar und hinter jedem Tor verbirgt sich ein luxurioes ausgestattetes Appartment wie unseres, nein besser Einfamilienhaus.
Heute Nacht ist die Nacht der Naechte. Heute fuehrt mich Andreas in eine echte Sambabar aus. Ich hole eigens dafuer mein Kleid, mein Einziges, ja das Bluemchenkleid aus meinem Gepaeck und trage sogar etwas Lippgloss auf. Die Brasilianerinnen geizen ja nicht mit ihren weiblichen Reizen. Wo wir deutschen Frauen eher alles verstecken, wird hier selbstbewusst betont, hervorgehoben, hochgeschnallt und kokettiert egal ob es die Figur hergibt. 24.00 Uhr beginnt die Party. Eigentlich nicht unsere Zeit und eigentlich sind wir muede. Aber als Andreas die jungen, feurigen Brasiliaenerinnen in ihren superengen, superkurzen Stofffetzen entdeckt, die eigentlich nichts verhuellen, auf ihren 15 cm hohen Absaetzen, auf denen diese kaum stehen, geschweige denn gehen koennen, ist er schlagartig munter. Aber auch fuer mich gibt es etwas zu bestaunen. Die durch und durch maennliche Sambaband hat wirklich knackige Taenzer. Ja, ausschliesslich Taenzer. Die wackeln vielleicht mit ihren Hueften, scheinen keine Gelenke zu besitzen. Durchtrainierte, muskulloese Koerper und auf der braungebrannten Haut glaenzt ein leichter Schweissfilm. Samba, de Janei!

Wer liesse sich von diesem Hexendekolltee nicht verzaubern?

Wer liesse sich von diesem Hexendekolltee nicht verzaubern?

Heute ist Markttag. Ich will Sie sehen, die mysterioesen Riesenfische, die Kraeuter, Elixiere, Pulver und Salben auf dem Hexenmarkt und die exotischen Fruechte, mit Namen wie Cupuacu (eine Art Kakao), Pitanga (Surinamkirsche),Tamarindo (auch Sauerdattel genannt), Murumuru…… die ich mir einfach nicht merken kann. Fuer die ganz grossen Fische sind wir etwas spaet dran, trotzdem find ich die ausliegenden Exemplare nicht zu verachten. So eine richtige alte Kraeuterhexe, mit einem verunzelten Gesicht, einer Hakennase und einer fetten Warze darauf finden wir auch nicht. Die Hexen sind heutzutage eben alle etwas moderner genau wie ihre Produkte. Eine junge, huebsche Hexe mit blonden Zoepfen, traegt ein pinkfarbenes Kleid mit einem grossen Dekolltee aus dem ein zarter weisser Spitzen BH hervorlugt. Ihr Outfitt erinnert mich an ein Dirndl und Sie mehr an Zensi von der Alm als an eine Kraeuterhexe. Kompetent erklaert sie mir allerdings die aphrodisierenden Cremes und Seifen mit Moschus und Patchouli, verschiedene Traenke, manche leuchten so giftgruen oder pink die wuerde ich nicht ausprobieren, und Pulver die aus Kuhhorn zubereitet werden. Alles fuer Amore!

Cashju Nuits

Cashju Nuits

Gibt es denn nicht auch ein Mittelchen um den Wettergott gutzustimmen? Fuer die naechsten Tage sind die Wetteraussichten unfliegbar und so nehmen wir den Dampfer und fahren nach Soure zur Insel Marajo. Marajo ist die groesste Suesswasserumflossene Insel der Welt, obwohl Teile der Insel auch den Atlantik beruehren. Die Einwohner selbst sagen ueber ihre Insel: „Es gibt hier 2 Dinge, naemlich Bueffel und Straende“. Die kolossalen Wasserbueffel dienen nicht nur der berittenen Polizei als Fortbewegungsmittel sondern schmecken auch hervorragend. Das Fleisch ist etwas dunkel und wird vor der Zubereitung mariniert. Wir bekommen unser Bueffelfilet mit Bueffelmozarella ueberbacken serviert, es ist ganz zart und schmeckt lecker. Am wunderschoenen Strand „Praia de Peixces“ lassen wir die Seele baumeln, versuchen es selbst mit einem Bueffelritt (darueber erzaehlen wir mehr im naechsten Buch) und nehmen ein Suesswasserbad im Atlantik. Am Abend wandern wir zu idyllischen Fischerdoerfern und betten uns in der kleinen Posada von Denise, eher ein windschiefer Bretterverschlag, direkt am Strand. Das Quakkonzert gibt es gratis zum Einschlafen dazu. So haben wir genug Kraft getankt fuer das naechste Flugabenteuer, denn nun geht es einmal quer ueber das Amazonasdelta.

Easy Rider per Wasserbueffel

Easy Rider per Wasserbueffel

Wir sind fuer diesen schwierigen Flug gut vorbereitet. Gemeinsam mit dem Mechaniker haben wir den Motor gecheckt und die Dichtungsgummis an den Abdeckkappen ausgetauscht. Seitdem tropft hier nichts mehr. Der Oelwechsel ist erledigt und neues fuer diese heissen Temperaturen geeignetes Oel eingefuellt, die Zuendkerzen ausgetauscht. Das Wetter steht unter Dauerbeobachtung von Andreas, es sieht gut aus heute morgen. Mit der Gewissheit fuer 2,5 Stunden nun nichts ausser Dschungel und Amazonas unter uns zu sehen heben wir ab. Die Sicht ist sehr diesig. Ich sehe die vielen kleinen verzweigten Nebenarme des Amazonasriesen. Hier und da ein kleines Boot und wieder die gruene Hoelle. Ich bin begeistert. Andreas ist konzentriert. Meine Gedanken schweifen ab, 3 Jahre zurueck, als wir uns auf der „Mhythos Amazonien“ Expedition kennen und lieben gelernt haben. Damals sind wir mit einem kleinen Holzboot von Peru ueber Bolivien bis nach Manaus in Brasilien den Fluss entlanggeschippert. Haben Indianersiedlungen besucht, Schulen tief im Busch und auch dort uebernachtet. Haben das muntere Treiben hunderter, von den grossen bunten Aras (Papageien) an der Salzlecke beobachtet und Nachts auf einer Holzplattform tief im Dschungel Tapiren aufgelauert. Und nun sind wir hierher zurueckgekehrt und sehen das alles aus einer etwas anderen Perspektive, eben der Vogelperspektive.

Fischerdorfidylle

Fischerdorfidylle

Wie ich noch so meinen Erinnerungen nachhaenge, sehen wir in der Ferne die Silohuette von Breves und die Landebahn. „Ja, wir haben es geschafft!“ Jubelt mein Kapitaen und die ganze Anspannung loest sich.
Eure Trike Globetrotter

Doreen


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Auf dem Weg zum Amazonas

28.09.2014
Watermarked Photo2

Morgenstimmung ueber dem Araguia Fluss

Urspruenglich wollten wir von Brasilien nach Venezuela und dann weiter in die Karibik fliegen und zwar auf den Spuren von Jimmy Angel, dem Entdecker das weltweit hoechsten Wasserfalls der Erde, dem Salto Angel. Mit seinen Tafelbergen, weiten Savannen, Traumstraenden, Dschungel und dem Orinoco ist Venezuela landschaftlich gesehen ein Paradies. In meinen Traeumen habe ich uns nicht nur ueber den Salto Angel, sowie den spektakulaeren Canaima Nationalpark fliegen sehen sondern auch in Camaratas am Fusse des Auyan Tepui, den Tafelberg den wir vor 3 Jahren noch bestiegen haben, landen. Aber Planaenderung! Aufgrund der aktuellen Situation in Venezuela, wo es sogar an Grundnahrungsmitteln fehlt und wir mit unserer amerikanischen Zulassungsnummer vermutlich ohnehin keine Einreiseerlaubnis bekommen haetten, fliegen wir nun von Brasilien nach Franz. Guiana, Suriname, Engl. Guyana und dann weiter in die Karibik. Ja, genau damit sind wir in allen Laendern Suedamerikas gewesen, ausgenommen Venezuela und Bolivien. Bis wir Brasiliens Grenze erreichen nehmen wir allerdings erst einmal Kurs in Richtung Amazonas – Belem auf. Einige tausend Flugkilometer liegen vor uns.

Einer der schoensten Fluege in Brasilien ueber den Araguia Fluss

Einer der schoensten Fluege in Brasilien ueber den Araguia Fluss

Mit dem ersten Morgenrot brechen wir in Brasilia auf. So frueh ist noch niemand hier im Flugclub APub und so flattern wir in aller Stille davon. Das Abenteuer Amazonas, Belem, ruft. Das erste Ziel ist Urucau. Wir befinden uns im Cowboyland. Zu unseren Fuessen sehen wir endlose Farmen, Weideland, Vieh beim grasen. Der Ort ist staubig und trocken, bruetende Hitze. Maenner mit spitzen Cowboystiefeln, engen Jeans mit dicken Silberschnallen verzierten Guerteln, Baerten und klassischen Cowboyhueten auf dem Kopf, haengen rund um die Plaza herum, rauchen und trinken Bier. Die Pferde sind an einem Baum festgebunden. Ich muss unwillkuerlich an einen John Wayne Film denken und haette gar nicht gedacht, das es Sie noch gibt – die echten Cowboys.

Im Tiefflug mit 110 km/h ueber den Araguia Fluss

Im Tiefflug mit 110 km/h ueber den Araguia Fluss

Bei 27 Crad in der Luft, schwitzen wir nun sogar hier oben. Die Heizjacken und 2 Pulloverschichten haben wir bereits weggelassen. Am Boden ist die Hitze fast unertraeglich. In Sao Miguel verbringen wir die Nacht auf dem Vorfeld im Flughafen nur mit unserem Moskitonetz, ausser Gunther ist sowieso kein anderes Flugzeug hier. Der Motor macht Probleme. Die Motorentemperaturen sind im oberen roten Bereich. Wir fragen Carlos unseren Freund und Rotaxmechaniker aus Costa Rica um Rat. Und Carlos hat auch gleich eine ToDo – Liste fuer uns: „1. Luftfilter reinigen; 2. Oel pruefen und nachfuellen; 3. Kuehlmittel pruefen und nachfuellen; …… . Alles kein Vergnuegen bei 40 Grad im Schatten, nur Schatten gibt es hier nicht. Wir finden heraus, das das Oel, welches wir beim letzten Oelwechsel in Cascavale (Brasilien) eingefuellt haben fuer die jetzigen Temperaturen ungeeignet ist. In Cascavale haben wir uns bei Temperaturen um die Null Grad den Hintern abgefroren und nun schwitzen wir bei 40 Grad im Schatten.

Dieses Zubehoer darf nicht fehlen!

Dieses Zubehoer darf nicht fehlen!

Von Sao Miguel fliegen wir nach Sao Felixe do Araguaia immer den Araguia Fluss entlang. Ich sehe weisse Straende die das Flussufer saeumen, kleine Indianerdoerfer und Dschungel mit gelben und lilafarbenen Bluetenkleksen. Das ist einer unserer schoensten Fluege hier Brasilien und ich koennte heute ewig weiterfliegen. Aber Gunther braucht Nachschub. Auf dem Flughafen in Sao Felixe feuhlt man sich dem Amazonas schon viel naeher. Tukane, die mit dem grossen orangefarbenen Schnaebeln, machen Rabatz, Papageien, bunte Blueten und farbenfrohe Schmetterlinge. Ebenfalls Excotisch ist der kleine, kullerunde Flughafenmanager in seinen bunten Shorts und seinem mit Tucanen bedruckten T-Shirt anzusehen. Wir goennen uns einen frisch gepressten Zuckerrohrsaft mit viel Limetten, mmhhh das erfrischt und dann muessen wir uns auch schon wieder auf den morgigen Weiterflug vorbereiten. Morgen werden wir nochmals eine reichliche Stunde ueber diesen spektakulaeren Fluss fliegen, das wird toll freue ich mich.
Doch was ist das. Klong, peng, Motor aus. Andreas saust ums Trike. Ein Steinschlag im Propeller. Die Piste hier ist sehr schlecht. Alles mit Schotter und losen Steinen uebersaet. Und einer hat davon unseren Propeller getroffen. Wir messen, pruefen, schlagen in den technischen Handbuechern nach, messen nochmals.“Das sollte gerade noch im Limit sein“, sagt Andreas. Puhhh, zum Glueck, atme ich erleichtert auf. Unser Ersatzpropeller ist in Florida und hier in diesem kleinen Dschungeldorf ohne Landverbindung ist es unmoeglich einen neuen Propeller aufzutreiben und zurueck bis Brasilia haetten wir eine Ewigkeit gebraucht. Ich weiss nicht ob ich es schon erwaehnt hatte, unsere Genehmigung fuer Gunther laeuft ja auch bald ab. Verlaengerung? Nicht moeglich, war die Antwort der Zollbehoerde.

Steinschlag!

Steinschlag!

Aber konzentrieren wir uns auf die Reperatur des Propellers. Der ist ja aus Carbon und mit etwas Backingsoda laesst sich die Delle im Propeller ausgleichen. 24 Stunden Trocknungszeit und der Prop ist wie neu. Ja, 24 Stunden reicht nicht ganz bis morgen frueh, aber 21 tuns ja bestimmt auch. Wir nehmen ein Bad im Araguia Fluss, das Wasser ist richtig warm, und schauen etwas neidisch zu den Einheimischen hinueber. Die nehmen gleich eine ganze Kuehlbox voller Bier, Tische, Stuehle und Sonnenschirm mit in den Fluss und lassen es sich gut gehen.
In goldfarbener Seidenunterhose ueber die sein kleiner Kullerbauch haengt, empfaengt uns recht verschlafen, der Flughafenmanager heute morgen. Woww, denke ich schmunzelnd. Wir sind Beide etwas nervoes wegen dem Propeller und hoeren schon die Maeuse piepsen. „Hoer genau hin, vibriert da nicht doch etwas?, fragt mich Andreas. „Ich glaube der klingt wie immer“ antworte ich. „Oder doch nicht?“, frage ich mich in derselben Sekunde. Der atemberaubend schoene Flug, tief ueber die weissen Sandbaenke des Flusses und die Baumkronen hinweg lenkt unsere Gedanken ab. Hier und da sehen wir ein kleines Indianerdorf und ein paar Fischer in ihren kleinen Holzbooten, die zu uns aufsehen und uns zu winken. Das erste Morgenlicht spiegelt sich wie eine goldgelbe Kante am Flussufer wieder. Der Propeller haelt.
Ganz Santana, aufgeweckt von unserem Motorengeraeusch ist mit dem Moped zun Flughafen geduest um uns zu begruessen. Der Flughafen ist komplett offen – kein Zaun ,nur eine Piste – keine Gebauede, nebenan ein Stundenhotel. Aber der Nachtwaechter verspricht uns gut auf Gunther aufzupassen, MMmh, nur wissen wir aus Erfahrung, das die Nachtwaechter in der Nacht am seeligsten von allen schlummern!
Von Santana do Araguaia fliegen wir nach Imperatriz und weiter nach Acailandia. Wir machen das nun ausschliesslich auf brasilianische Art, d.h. ohne Flugplan, was enorm Zeit und Nerven spart. Immer in kleinen Etappen von ca. 2 – 2,5 Stunden am fruehen Morgen, das bringt mehr Sicherheit, das Klima bleibt vorhersehbarer und wir vermeiden die starke Thermik, die hier ab 9.00 Uhr sehr pumpy einsetzt und ab 10.00 Uhr fast unfliegbar ist. Die Thermik haelt sich bis zum spaeten Nachmittag, 15.00 Uhr sind hier die Hoechsttemperaturen erreicht. Nur in der Nacht kommt etwas Abkuehlung.

Ich fuehle mich wie ein Grillhaehnchen!

Ich fuehle mich wie ein Grillhaehnchen!

 

Araguina

Araguina

Acailandia ist eigentlich nur unser Alternativflughafen. Aber die Wolken die sich vor uns auftuermen sehen so bedrohlich aus, das Andreas entscheidet hier auf der grossen Asphaltpiste zu landen. Eine Privatpiste inmitten eines Fabrikgelaendes. Beim Landeanflug sehe ich unzaehlige, dick qualmende Schornsteine, Brennoefen und weite Aufforstungsflaechen mit Eukalypthosbaeumen. Die Piste ist von einem hohen Maschendrahtzaun umgeben und am Tor haengt ein fettes Vorhaengeschloss. Zum Benzin holen duerfen wir diesen Kaefig unter der Obhut eines Mitarbeiters kurz verlassen, danach schmoren wir hier in der Hitze wie ein hilfloses Huehnchen auf dem Grill. Ich streife die warmen Fliegerboots samt Socken von den Fuessen, aber autsch! Der Asphalt ist so heiss das ich mir die nackten Fusssohlen verbrenne. Es gibt keinen Schatten hier. Alle 30 Minuten guckt ein Mitarbeiter ueber den Zaun, vielleicht ob wir noch leben oder was? Sind wir denn hier im Zoo? Zwei Exoten im Kaefig? Irgendwann hat einer Mitleid und reicht uns Wasser und Mittagessen durch den Zaun.
Am naechsten Morgen koennen wir unserem Gatter in Richtung Paragominas davonfliegen. In 1400 ft mit 20 Knoten Headwind kaempfen wir uns langsam voran. Im ersten Morgengrauen sehen die grossen feuerspeienden Oefen der Fabrik gespenstisch aus. Es ist ein sehr unruhiger Flug erst ueber, dann durch und dann unter den Wolken. Hauptsache nicht zurueck, bete ich. Paragominas ist ueberraschend ganz nett und morgen erreichen wir Belem und Amazonien.

Viele Gruesse eure Trike Globetrotter
Doreen

 


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“Vogelfrei – Die Geschichte zweier fliegender Nomaden zwischen Himmel & Hölle”

12.09.2014

Auf dem Weg zu unserer Strandhütte....

Auf dem Weg zu unserer Strandhütte….

 

Unser zweites Buch ist ab sofort im Handel! Die Nachricht erreichte uns auf unserem Transfer zu unsere Unterkunft hier im Norden Brasilien… (Bild).

“Vogelfrei – Die Geschichte zweier fliegender Nomaden zwischen Himmel & Hölle”

Diesmal von uns allein geschrieben, noch authentischer, noch spannender und noch fesselnder!

“Die beiden Extremabenteurer Andreas Zmuda und Doreen Kröber haben ihr bisheriges Leben in Berlin aufgegeben und brechen ohne große Vorplanung auf ins Ungewisse. Im offenen Ultraleichtflugzeug entdecken sie die Erde von oben und erleben Menschen, deren Uhren ganz anders ticken.

Die beiden campieren in Bambushütten an karibischen Stränden in Panama, in Frachtcontainern in Costa Rica und in der gefährlichsten Stadt der Welt in Honduras. Ihr Trike trägt sie über Dschungel, Dörfer und Vulkane, führt sie zu Punkern und Models in den Towern abgelegener Flughäfen und zum weltberühmten Bananenmarathon in Ecuador. Stürme lassen sie mehrmals notlanden, Kampfjets holen sie in Kolumbien vom Himmel und in Peru wird ihr Flugzeug konfisziert.

Andreas und Doreen scheuen nicht die Auseinandersetzung mit einer fremden Welt, die Herausforderungen einer packenden Natur und die Begegnungen mit Menschen, die ihnen immer wieder helfen, dem Ziel ihres Weltrekordfluges näher zu kommen – es bis nach Sydney, Australien zu schaffen.

imageEin Jahr nach Veröffentlichung ihres ersten Flugreisetitels „Abflug“, erscheint zur Frankfurter Buchmesse 2014 mit „Vogelfrei“ ein weiterer rasanter und abenteuerlicher Reisebericht mit spektakulären Bildern, Einblicken in die Fliegerei, das Leben in Mittel- und Südamerika und die irrwitzige Welt der Abenteurer Andreas Zmuda und Doreen Kröber”

Eine ganz große Bitte! Kauft das Buch unbedingt online hier auf dieser Seite bei AMAZON und vorerst NICHT im Buchladen. Wir kommen bei jedem Kauf eines Buches über AMAZON in der Bestseller-Liste höher und das ist extrem wichtig für uns, damit auch Leute die uns nicht kennen auf das Buch aufmerksam werden.

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Wichtig ist auch eine gute Bewertung bei AMAZON! Wir sind uns sicher das Euch das Buch super gut gefallen wird und werden jedem der das Buch bewertet eines unserer A1 Multivisionsshow-Plakate zusenden.


 

imageVogelfrei
Die Geschichte zweier fliegender Nomaden zwischen Himmel & Hölle

Autoren:
Andreas Zmuda, Doreen Kröber
ISBN 978-3-944365-46-6
Ladenpreis EUR 16,80
280 Seiten inklusive Farbbilder und Karte
Neuerscheinung Oktober 2014

Pressekontakt:
traveldiary.de Reiseliteratur-Verlag Jens Freyler
Stühmtwiete 3 D
22175 Hamburg
Tel.: 040/53430022
Fax: 040/53430023
Mail jens@traveldiary.de http://presse.traveldiary.de


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Von Rio de Janeiro bis zur Hauptstadt Brasilia

30.08.2014
Abflug in Rio - Barra

Abflug in Rio – Barra

Heute ganz frueh am Morgen verlassen wir unser kleines Inselmimiparadies Gigoia. Dieses liegt inmitten von Rio ist aber nur per Boot zu erreichen und es hier weder Autos noch Mopeds. Jeder kennt jeden und wir haben hier herrliche Ausblicke auf Rios Berge. Hier herrscht himmlische Ruhe und man vergisst das man inmitten einer Grossstadtmetropole ist. Sowie man mit dem kleinen Holzboot uebersetzt ist man in einer anderen Welt. Hier fuehrt die Strasse Los Americas eine viel befahrene Hauptstrasse entlang. Baustellenlaerm vom U-Bahnerweiterungsba, Verkehrslaerm, hektische Menschen verschaffen einem erst einmal einen kleinen Kulturschock und man moechte am liebsten gleich wieder zurueck auf das kleine Holzboot fluechten. Aber nicht fuer uns. Heute ist endlich unser Flugtag, Brasilia ruft! In 4 Flugtagen wollen wir in Brasiliens Hauptstadt sein.

 
1. Flugtag von Rio de Janeiro nach Sao Joao de Rei und nach Divinopolis

5.00 Uhr treffen wir am Clube de Aeronautica ein, wo unser kleiner Mosquito steht. Noch ist keine Menschenseele hier. Der Club oeffnet ja auch erst 9.00 Uhr. Aber wir lieben es mit dem ersten Sonnenlicht am Morgen abzuheben und geniessen die Stille. Nur das brummen der Helikopter vom nahegelegenen Jabaquara Flughafen, welche unermuedlich die Arbeiter zun den Oelplattformen hinausfliegen und zurueck dringt in unsere Ohren. Andreas schreitet zum 3. Mal die Graspiste ab. Wir sind zu schwer, sagt er immer wieder. „Schatz, die Piste ist 450 m lang, wir hatten schon viel kuerzere. Denke mal an Alfreados Sandpiste in Puerto Penasco in Mexico zurueck, wo wir fast im Kaktus gelandet waeren“, versuche ich ihn zu beruhigen. Doch die Anspannung bleibt. 6.30 Uhr ist es dann soweit. Einsteigen. Motor warm laufen lassen. Vollgas! Nun beisse auch ich die Zaehne zusammen und denke, komm schon – los heb ab. Doch bereits 100 Meter vor der Linie sind wir in der Luft. Auf unseren Gunther ist eben Verlass.

Ein letzter Blick auf Rio

Ein letzter Blick auf Rio

Das Wetter scheint perfekt zu sein. Kein Wind, kein Regen und so frueh am Morgen auch noch keine Thermik. Denkste! Ueber den Hochhaeusern am Barra Strand werden wir ordentlich durchgeruettelt. Aber danach beruhigt sich alles und wir geniessen einen letzten Blick auf Rios weite Straende, gruene Berge samt Zuckerhut, Christus, die weiten Baufelder wo die neuen olympischen Einrichtungen entstehen. Wir fliegen bereits im Korridor Charly als ich meinen Augen nicht traue. Direkt vor uns kommt uns einer von den ganz grossen Voegeln entgegen geflogen. „Traffic 12Uhr“ schreie ich ins Microfon. „Was“ fragt Andreas zurueck. Oh ne. „Traffic 12 Uhr“ schreie ich erneut. Nun sieht Andreas die Boing auch, aber diese dreht schon links weg und ist keine Gefahr mehr fuer uns. Puh, hier ist aber auch viel los in diesen Korridoren. Die zu ueberfliegenden Berge, vor denen uns alle Piloten hier gewarnt haben, sind kein Problem. Wenn ich da an die Anden oder Mexicos Berge zurueckdenke, das war schon eine andere Herausforderung. Die Landschaft unter uns besteht nun aus hunderten von gruenen Huegeln, so wie im Schneewittchenland. Brasilien haette ich mir so nicht vorgestellt. Ohne weitere Vorkommnisse landen wir in Sao Joao de Rei.

Entzueckt, endecken wir dieses huebsche Kolonialstaedtchen im Bundesstaat Minas Gerais. Der historische Stadtkern lockt mit seinen huebschen Plaetzen, gut erhaltenen Haeusern, Kirchen, den kleinen Gassen und huebschen Cafes. Auch wir fruehstuecken erst einmal kraeftig im kleinen Cafe Rosita und werden freudig begruesst: „Ihr seid die ersten Deutschen in meinem Cafe, Herzlich Willkommen!“ Wir probieren alle Gebaeckteilchen, die die Auslage hergibt. Mein Lieblingsteilchen ist eine Art Teigball mit Huehnchen gefuellt, den Namen habe ich leider vergessen.

Von Sao Joao de Rei gelangt man auch mit der alten Dampflokomotive Maria Fumaca ueber die historische Eisenbahnstrecke, entlang herrlicher Landschaften nach Tiradentes, einem kleinen Kuenstlerort. Doch wir muessen weiterfliegen, schade hier waeren wir gerne etwas geblieben.

Je mehr wir uns von Rio ins Landesinnere entfernen, um so heisser und trockener wird die Luft. 36 Grad im Schatten zeigt das Thermometer an. Kein Wind, keine Wolken. Wir quaelen uns in die schoen warmen Fliegerklamotten. „Was solls die 1,5 Stunden, die schaffen wir schon“. 16.00 Uhr heben wir zum zweiten Mal heute ab. Doch was ist das? Unser Trike tanzt wie ein Tennisball durch die Luft. Mann, mit so starker Thermik haben wir nicht gerechnet. Andreas kaempft. Ich sehe wie er immer wieder die verkrampften Haende lockert und wuerde am liebsten mit anpacken. 17.30 Uhr landen wir in Divinopolis. Geschafft! Hier ist Avgas, hier ist euer Hangar und mit ein junger Flugschueler mit seiner Freundin faehrt uns in die Stadt auf einen Acai. Ich liebe dieses lilafarbene Zeug, das von den Fruechten einer Palme aus dem Amazonasgebiet gewonnen wird und mit Wasser verarbeitet als eine Art Eiscreme (pueriertes, gefrorenes, Fruchtmark) oder Saft gereicht wird. Andreas liebt das erst nachdem er das ganze mit reichlich Schokostreuseln, Bananen und Kondensmilch verfeinert hat. Dabei sagt man der Frucht nach, das diese Sexuell Stimulierend und Entschlackend wirken soll.

Huegellandschaft

Huegellandschaft

 

2. Flugtag von Divinopolis nach Partos de Minas
4.50 Uhr ring, ring, ist die Nacht vorbei. Routine setzt ein. Packen und der junge Flugschueler bringt uns zum Flughafen. Mit dem Flugplan, das erledigen wir heute auf brasilianische Art und fliegen ohne. Das spart enorm viel Zeit und noch mehr Nerven. Es ist ein ruhiger Flug, die Landschaft wird sehr trocken, fast trist. Ausser einiger grossen Minengebebiete gibt es nicht soviel Spannendes zu sehen. Gegen 9.00 Uhr landen wir. Da steht eine grosse Menschenmenge mit Fahnen und Plakaten. „Ist das unser Empfangskommitee?“, witzeln wir herum. Nein, natuerlich nicht, das ist wohl eher fuer einen der Hunderten angehenden Praesidentschaftskanditaten hier, denn Brasilien steckt im Wahlfieber. Aber zwei interessieren sich doch fuer uns und auch die regionale Presse. Gunther bekommt sofort einen Hangar, der regionale Polizeichef faehrt persoenlich mit uns Benzin und Geld holen und dann wartet man in der Flughafencantine schon mit dem Mittagessen auf uns. So eine richtig dicke, schwarze Mama mit Haarnetz und Schuerze und einem breitem Lachen zeigt uns ihre grossen Toepfe. Ich sehe Bohnen, Lorbeer, Wuerstchen, Speck, Knochen und dicke fette Schwarte in dem Topf herumschwimmen. Ich lasse Andreas den Vortritt und angele mir ein paar Bohnen und Wuerstchen aus dem Topf. Dazu gibt es Reis, das gruene Gemuesezeug – sieht aus wie Algen, Tomaten, Orangen, Rindfleisch und ein kaltes Bier. Uns schmeckts in der Gesellschaft hier supergut. Am Abend zeigt uns der Polizeichef die Stadt. Es ist kein touristischer Ort und es gibt auch nicht wirklich etwas zu sehen, aber wir lernen seine Nachbarn und andere nette Leute kennen. Wir sind eigentlich noch vom Mittagessen satt, aber die bereits 3. Einladung in die Stadtbeste Lanchonette (Imbiss) koennen wir nicht ausschlagen. So wie die Lanchonette Zeppelin hat auch jeder Burger und jedes Sandwich einen Flugzeugnamen. So werden wir unserem Ultraleichtflugzeug heute untreu, das ist naemlich der kleinste Burger, und bestellen uns lieber einen Helicoptro.

Da waren Sie wieder unsere Kornkreise, nur dieses Mal leuchtend rot.

Da waren Sie wieder unsere Kornkreise, nur dieses Mal leuchtend rot.

 

3. Flugtag von Partos de Minas nach Unai
Der Sicherheitsmann vom Flughafen holt uns am Morgen, Sonntagmorgen, 5.30 Uhr ab. Nanu da sind ja schon so viele Autos am Flughafen und Kaffeeduft? Dieses Mal sind die 20 Leute wirklich wegen uns da um uns zu verabschieden. Beim Vorbereiten des Trikes sind alle Augenpaare auf uns gerichtet. Noch nie hatten wir soviele Zuschauer. Das mach mich etwas nervoes. Schnell noch ein Gruppenfoto und dann geht es auch schon los. Die Landschaft bleibt eher trist. Felder, weite Flaechen, hier und da ein See oder Fluss. Strecke machen heisst unsere Devise. Die Piste in Unai ist ebenfalls riesengross. Dabei gibt es auch hier nur wenige private Flugzeuge. Aber das Willkommen ist hier ebenso herzlich wie bei den vorangegangenen Etappen. „Wil – der Fliegende Hollaender- das ist mein Freund und nun auch ihr“, sagt Bruno. Kommt rueber in meinen Hangar und Avgas habe ich hier auch. Wir geniessen auch hier die unglaubliche Gastfreundschaft und werden von einer japanischen Familie zum Mittagessen und in ihr Haus eingeladen. Die Japaner trinken Whiskey, wir bleiben lieber bei Bier. Den Rest des Tages muss alles neu geladen, sortiert und fuer den morgigen Weiterflug vorbereitet werden. Unai selbst hat keine Attraktionen, hier dreht sich alles um die Landwirtschaft. Morgen werden wir Brasilia erreichen.

Grosswaschtag am Flughafen

Grosswaschtag am Flughafen

 

4. Flugtag Unai nach Brasilia
Heute dann doch lieber mit Flugplan, denn bestimmt ist in Brasilia soviel los wie in Rio, dachten wir uns. Also rief Andreas beim Zustaendigen in Brasilia auf dem Flughafen an. „Wo wollen Sie abfliegen? In Unai? Das geht nicht, das ist keine zugelassene Piste!“ „Oh scheisse und nun?“ „Tragen wir doch einfach ZZZZ ein“ sagte der Bearbeiter. Zum Glueck konnte man mit dem reden, das waere ja beinahe in die Hosen gegangen. Der Flug ist ruhig, das Morgenlicht erstrahlt, entspannt flattern wir in Richtung Hauptstadt. Als erstes erspaehe ich den Digital TV Tower – mit seiner Blumenform und dann die Silhouette der Stadt. „Wo ist denn die Piste?“, reisst mich Andreas aus meinen Gedanken. Davorne, die geht aber steil bergauf. Mit einem dreifachen bongs, bongs, bongs setzen wir auf, was meinen Kapitaen sehr aergert. Dabei hat es keiner gesehen. Trike in den Hangar, Appartment im Hangar bezogen und auf zur Stadtbesichtigung.
Brasilia ist eine sehr junge Stadt. Sie ist naemlich erst rund 50 Jahre alt, erzaehlt uns unser privater Stadtfuehrer. Sie ist mehr oder weniger auf dem Reissbrett entstanden. Verantwortlicher Stadtplaner war Lúcio Costa. Der Architekt Oscar Niemeyer trug als Chef des staatlichen Bauamtes die Verantwortung für das Projekt Brasília und entwarf die öffentlichen Gebäude. Schutzpatron der Stadt ist Johannes Bosco. Don Bosco hat in einer Prophezeiung am 30. August 1883 von einem „versprochenen Land, in dem Milch und Honig fließen werden“ als Quelle einer neue Zivilisation gesprochen und auch Koordinaten „zwischen den Parallelen 15 und 20“ erwähnt. Darauf nahmen die Gründer der neuen Hauptstadt Brasiliens Bezug.

Landeanflug Brasilia

Landeanflug Brasilia

Als Grundriss für die Stadt wurde die Form eines Kreuzes gewählt. Die Unterlagen Costas zum städtebaulichen Wettbewerb trugen damals den Namen Plano Piloto. Wegen der Ähnlichkeit der Stadtanlage mit dem Umriss eines Flugzeugs und der Bezeichnung Plano Piloto wird aber oft davon ausgegangen, dass der Plan auf die Darstellung eines Flugzeugs zurückgeht. Von anfangs ca. 36000 Einwohnern leben heute in Brasila ca. 2,9 Mio. Einwohner. Die Architektur ist beeindruckend und modern wie z.B. die Kathedrale, der Congresso Nacional, der Präsidentenpalast, der Oberste Gerichtshof und als neuestes Gebäude ein Pantheon zur Erinnerung an Tancredo Neves (1910–1985) – ein Mahnmal für die Demokratie sowie der Amtssitz des Präsidenten, der Palácio do Planalto ……….. .

Aber auch hier muessen wir weiterziehen, in Richtung Amazonas, das naechste grosse Etappenziel ist Belem.

Viele Gruesse eure Trike Globetrotter
Doreen

 


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Trike Globetrotter im brasilianischen Fernsehen!

24.08.2014

Klickt mal auf das Bild!

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Brasilien – Von den Iguazu Wasserfaellen bis zum Zuckerhut

17.08.2014
Flug ueber die Iguazu Wasserfaelle

Flug ueber die Iguazu Wasserfaelle

Nur ein kleiner Huepfer ueber den Fluss trennt uns noch von Brasilien. 15 Minuten Kampf, denn die Thermik laesst unser Trike heute in der Luft hin und her tanzen und dann setzen wir unsere Fuesse bzw. Raeder auf brasilianischem Boden, dem internationalen Flughafen Cataratas  in Foz de Iguazu  auf. Vor uns steht ein kleiner Mann in Uniform und empfaengt uns mit den Worten: ” Ich bin Hector, ihr kennt mich zwar nicht, aber ich bin extra gekommen um euch mit den Formalitaeten zu helfen” und so haben wir ruck zuck alles erledigt. Nur die Landegebuehr von 217 USD drueckt uns schwer auf den Magen und so fliegen wir schnell weiter zum Aero Clube und bereiten uns auf den Flug ueber die Iguazu Wasserfaelle vor. Die Iguazú-Wasserfaelle bestehen aus 20 groesseren sowie 255 kleineren Wasserfaellen auf einer Ausdehnung von 2,7 Kilometern. Einige sind bis zu 82 Meter hoch und zaehlen zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Name Iguazu hat seinen Ursprung aus den guaranischen Woertern Y fuer Wasser und guasu fuer gross, also grosses Wasser. Der  schoenste Panoramablick ist von der brasilianischen Seite aus moeglich. Aber wie spektakulaer wird das Ganze erst aus der Luft aussehen? Ich bin aufgeregt. Alle Kameras werden nochmals poliert und zum Dritten mal geprueft. Mit dem ersten Sonnenlicht heben wir am naechsten Morgen ab. Zunaechst fliegen wir ueber weite Teile undurchdringlichen Dschungels bis wir in der Ferne die aufsteigende Gischt sehen, die sich wie Rauchsaeulen in den Himmel emporrecken. Leider gibt es fuer den Ueberflug sehr starke Restriktionen und so ist es strengstens verboten tiefer als 4000 ft also 1200 m zu fliegen. Aber auch aus dieser Entfernung haben wir einen fantastischen Panoramablick ueber diese herrlich ausschweifende Laune der Natur.

Ein Strauss bunter Trikes in Attibaia

Ein Strauss bunter Trikes in Attibaia

Weiter geht es mit flotten Schwingen nach Cascavale. Schnell lassen wir den Dschungel hinter uns und fliegen nun ueber gruene Huegel, viele Huegel, fast wie im Zwergenland. Es erinnert mich irgendwie ans Allgaeu. Auch in Cascavale werden wir herzlich empfangen. Die Hangar- und die Haustueren stehen uns offen. Seitdem wir die brasilianische Grenze ueberflogen haben sorgen Thatiane von Icaros Trikes und Ihre Freunde wie unsichtbare Engel im Hintergrund fuer unser Wohlergehen. Von Cascavale aus fliegen wir ueber Telemaco Borba und Tatui in Richtung São Paulo,  nach Attibaia um unsere Engel auch mal persoenlich zu treffen und auch Wil, ¨den fliegenden Hollaender¨, der mit seiner brasilianischen Frau Fabiane bereits den Amazonas im Trike ueberflogen hat und mit dem wir seit dem Start unserer Tour vor zwei Jahren in Kontakt sind, wollen wir dort treffen.  Doch zuvor machen uns die Korridore, die das hohe Flugaufkommen um São Paulo herum regeln und strikt einzuhalten sind,  einige Kopfschmerzen. Die Korridore sind 3 km breit, der ganze Flugverkehr ist in 5000 ft, in beiden Richtungen, so wie auf einer Autobahn. Grosse und kleine Flieger, langsame und schnelle die sich miteinander koordinieren muessen und das bei 1200 Helikoptern und 3200 privaten Flugzeugen  der 32 Millionen Metropole São Paulo.

Auch das Trommeln half nicht!

Auch das Trommeln half nicht!

Dem nicht genug kreuzen die Korridore auch noch einander. Als wir es wagen und gerade inmitten eines solchen Korridores fliegen, faellt das GPS aus. Andreas schimpft und flucht aber das GPS gibt kein Signal mehr von sich. Der Airtraffic Cotroller dirigiert uns zum naechstgelegenen Flughafen, dem Sorocapa Flughafen. Teure Landung, aber Hauptsache sicher unten. In Attibaia vermisst man uns derweil, es wird bereits dunkel und die Trikepiloten suchen die Korridore nach uns ab. Kein N217TG in Sicht!

Mit frisch geladenem GPS starten wir am naechsten Morgen erneut, der Aitraffic Controller hat so frueh am Morgen wohl noch keinen Bock, Englisch -noe, bitte portugiesisch und koordinieren muesst ihr euch selbst-, damit endet der Funkkontakt. Zum Glueck ist heute noch nicht soviel Flugverkehr in der Luft und wir erreichen die rote Lehmpiste von Attibaia.  Hier  stehen 25 bunte Voegel im Hangar, noch nie habe ich soviele Trikes an einem Platz gesehen, und Gunther ist in bester Gesellschaft. Endlich koennen wir Thatiane, Wil, Luis, Paulinho, Alex und alle Trikefreunde hier in die Arme schliessen. Nach einem tollen Trikertreffen, 1…2….6……Grillspiessen und vielem mehr hat Andreas allerdings nur noch eins im Kopf – Nein! Ausnahmsweise nicht fliegen! Es ist mehr rund – klar die Fussball -WM! Eigens fuer die WM legen wir eine Pause in Paraty (das liegt genau zwischen Rio und São Paulo) ein und die Familie kommt zu Besuch. Die Brasilianer selbst haben geteilte Meinungen zum Fussballspektakel, gerade in São Paulo gibt es taegliche Demonstrationen, aber hier in dem idyllischen Oertchen Paraty, sind die Strassen und Haeuser bunt bemalt, alles mit Fahnen und Wimpelketten geschmueckt und selbst die Strassenlaternen tragen die brasilianischen Farben. Die Maenner tragen stolz die Trickots mit den Nummern ihrer Favoriten und die Damen entsprechendes make up. Alle Geschaefte sind  geschlossen, die Strassen menschenleer, man trifft sich auf dem zentralen Platz vor der grossen Leinwand und es wird getrommelt was die Trommeln hergeben. Das Spiel Deutschland gegen Brasilien sehen wir uns am Strand an. Wir sind umzingelt von Brasilianern, deutsche Landsmaenner sind nicht in Sicht. Nach dem 5 zu Null geben uns die Brasilianer ein Bier aus. Bei dem 6 zu Null klatschen Sie fuer Deutschland und nach dem 7 zu 1 tanzen wir alle zusammen Samba am Strand. Faire Verlierer die ihre Lebensfreude  auch dann nicht verlieren! Beim Endspiel druecken ohnehin ale Brasilianer fuer Deutschland die Daumen, denn die Argentinier moegen sie nun gar nicht!Zuxkerhut WM

Megabuerokratie!

Megabuerokratie!

Rio de Janeiro ruft. Zuckerhut, Christusstatue, Copacabana, Samba und vieles mehr. Sorgfaeltig muessen wir den Flug ueber Rio vorbereiten. Auch hier gibt es strikt einzuhaltende Korridore und Regeln ueber Regeln und enorm viel Flugverkehr. Die Luft schwirrt nur so von den vielen Helicoptern, die Touristenrundfluege machen oder die Arbeiter zu den Oelplattformen aufs Meer hinaus fliegen. Wir starten unseren Rundflug vom Clube de Aeronautica. Ueber den vielen Hochhaeusern ist es anfangs etwas unruhig, wir fliegen den Strand von Barra am Atlantik entlang und sehen schon bald den Zuckerhut, die Christusstatue, den Strand von Ipanema und die Copacabana. Aus der Luft betrachtet ist Rio die schoenste Stadt der Welt, glaube ich zumindest in diesem Moment. Ich sehe das Maracana Stadion, das heute allerdings im Schatten der Christusstatue ruht, und Christus selbst in die Augen, wir sind so nah dass ich ihm fast die ueberdimensionale Hand shuetteln kann. Hunderte von Segelbooten ankern in der Guanabara Bucht am Fusse des Zuckerhutes und die Segel wehen wir weisse Wimpelketten ueber dem Atlantik und die Strandratten und Sonnenanbeter tummeln sich munter an der Copacabana und am Ipanama Strand. Rio wie bist du wunderbar!

Nach Rio wollen wir nun weiter zur Hauptstadt Brasilia fliegen. Alle einheimischen Piloten raten uns immer wieder: ¨Fliegt schoen tief, macht den Transponder aus und alles ist kein Problem!¨Aber wir als vorbildliche Deutsche wollen natuerlich alles richtig machen, was soviel heisst wie: Wir brauchen einen Flugplan! So machen wir uns auf den Weg zum Internationalen Flughafen Galao. Ein grosser Fehler! Die Buerokratie kostete uns den naechsten Flugtag (darueber werden wir im naechsten Buch ein Kapitel widmen) und nur soviel an dieser Stelle “Brasilien hat Belize in Sachen Buerokratie geschlagen!” und das will was heissen!

Brasilien wie bist du wunerbar!

Viele Gruesse eure Trike Globetrotter

 


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Paraguay – Feuertaufe, Soja und deutsche Landsmaenner!

02.07.2014
Auf nach Paraguay! Take off mit den ersten Sonnenstrahlen in Posadas.

Auf nach Paraguay! Take off mit den ersten Sonnenstrahlen in Posadas.

Von Concordia ueber Curazu und Posadas (Argentinien) fliegen wir  bis nach Ciudad el Este  in Paraguay, dem 15 Land auf unserer Welttour, und landen vor der TAM auf dem Guarani International Airport. Hier in Paraguay wollen wir unserem Regenwaldaufforstungsprojekt  einen Besuch abstatten. Allerdings sind fuer die naechsten Tage heftige Gewitterstuerme im Anmarsch und es ist nicht sicher ob wir ueberhaupt in Richtung Colonia Independencia fliegen koennen. Es gibt dort keinen Hangar und nur eine provisorisch vorbereitete Piste, die bei starken Regenfaellen wortwoertlich im handumdrehen davon gespuelt wird.

Weite Wiesen und Felder. Hauptanbauprodukt ist Soja.

Weite Wiesen und Felder. Hauptanbauprodukt ist Soja.

Doch zunaechst muessen wir uns um die Einreiseformalitaeten kuemmern. Der Empfang ist auch hier sehr herzlich, niemand hat anscheinend das El Capital gelesen und ruck zuck haben wir unsere Stempel. Wir machen Gunther gerade bei den Feuerwehrleuten  wetterfest, als gelbe Panzerwagen auf das Vorfeld rollen. Ich zaehle 1,2,..5,…15 – das nimmt kein Ende. Eine kleine Chessna steht dort auf dem Vorfeld und ich kann es nicht richtig erkennen, irgendetwas wird dort verladen. Gold, Diamanten, …? Ich staune nicht schlecht, was alles in die kleine Maschine passt. Mit dieser Fracht ist das ein millionenschwerer Goldvogel. Doch dann werde ich abgelenkt. Was ist denn da drueben bei den Feuerwehrleuten los? Ein junger Flugschueler wird zuerst mit Wasserfontaenen aus den Feuerwehrautos bespritzt. Wie ein begossener Pudel steht er da. Aber damit nicht genug, seine eigenen Pilotenkollegen schuetten ihm dickes, triefendes, schwarzes Motorenoel ueber den Kopf , einer nach dem anderen. Das pechschwarze Oel tropft von ihm herab und er steht da wie die Pechmarie aus Frau Holle. Dann kommen wieder die Wasserfontaenen zum Einsatz. Eine echte Feuertaufe! Nikolas, der Flugschueler hat heute seinen ersten Soloflug absolviert und das soll nun Glueck bringen. “Ja und heute Abend feiern wir bei einem zuenftigen Asado auf seine Rechnung und  Ihr seid herzlich eingeladen”, ruft uns sein Fluglehrer zu.P1310674_neu

Nach einigen Tablas und noch mehr geleerten Biersaeulen ist Marios, der kleine dicke schon etwas in die Jahre gekommene Flugleher, nicht mehr zu stoppen. Zuerst schwaermt er von seinem herrlichen Land, aber noch mehr schwaermt er von den wunderschoenen Frauen hier. Seine aktuelle Freundin ist 30 Jahre juenger als er. “In Paraguay gibt es so vieeel mehr Frauen als Maenner, auf 10 Frauen kommt ein Mann – ich liebe dieses Paradies!” und mein Kapitaen? Der spitzt die Ohren.

Ein richtig zuenftiges, paraguayisches Asado gibt es am naechsten Abend mit viel Johnny Walker und eine Huehnersuppe, im grossen Kessel ueber dem offenen Feuer zubereitet, am naechsten Morgen, lecker! Nur der Typ der uns mindestens 99 mal ins Haus seiner Eltern zu einem gegrillten Amarillo (Guerteltier) eingeladen hat, hat das wohl nach dem 10 Glas Johnny Walker nun doch vergessen. Aber wir sind ohnehin genudelt und haben nun etwas Zeit um die Stadt zu erkunden.

Paraguay - Rote Erde und Soja!

Paraguay – Rote Erde und Soja!

Ciudad el Este ist fuer mich eine der haesslichsten Staedte die ich je gesehen habe. Das Zentrum ist ein riesengrosser Shoppingmoloch. Nobelkaufhaeuser eingekeilt zwischen schmutzigen Strassenstaenden. Uberteuerte Taxis, millionen “fliegender Strassenhaendler”, Penner und eine Armada an Sicherheitskraeften und Polizei mit schwerer MP. Pures Chaos. Verstopfte Strassen und Gassen und meterhohe Muellberge. Ich fuehle mich hier sehr unwohl, halte meine Hosentaschen zu und fluechte ins erstbeste Kaufhaus, das Mona Lisa. Hier ist etwas Zivilisation, ich atme durch und staune nicht schlecht. Hier gibt es bekannte Markenartikel und vor allem Parfuem und Kosmetikartikel sowie erlesene Weine alles vom allerfeinsten und zu Superschnaeppchenpreisen. Beispielsweise kostet hier mein Lieblingsparfuem, auf das ich nun schon zwei Jahre verzichte, 22 USD statt 65 Euro. Ich neble mich mit einer dicken Probewolke ein. Wie in Trance wandeln wir durch diese Glitzerwelt. Laufen die Rolltreppen empor und wundern uns nicht das diese nicht mehr funktionieren, wundern uns auch nicht das ausser uns nur noch Sicherheitskraefte und 1-2 Verkaeufer im Geschaeft sind. Wir erreichen das oberste Stockwerk, den Restaurantbereich und hier werden wir jaeh von einem schwarzbekleideten Sicherheitsmann gestoppt. Wir moechten ihm doch bitte hinunter folgen und das Kaufhaus verlassen. “Wieso dass, ich bin doch noch gar nicht fertig mit gucken!” Elegant und dezent weisst uns der Mann in schwarz darauf hin, das das Kaufhaus bereits seit einer halben Stunde geschlossen ist. Aber es ist doch erst 16.30 Uhr? Als ich an dem schwerbewaffeneten Wachmann hinaus auf die Strasse trete, traue ich meinen Augen nicht. Alle Strassenstaende sind verschwunden, alle Geschaefte geschlossen, geblieben sind die Berge voll Muell und unheimliche Gestalten. Mit dem Dunkelwerden werden die Buergersteige hochgeklappt und alle fluechten aus dieser Zone. “Schatz, komm wir sollten hier lieber auch schnell verschwinden!”P1310736_neu

Fliegen oder nicht fliegen, das ist wieder einmal die Frage aller Fragen. Die Gewitterwolken haben das Gebiet um Colonia erreicht, die Piste ist sicherlich unbenutzbar und das Risiko festzusitzen und nicht rechtzeitig in Brasilien zu sein viel zu hoch. Totzdem wollen wir einen besseren Eindruck von Paraguay bekommen. Immerhin sind fast 120.000 Deutsche hierher ausgewandert und jaehrlich werden es mehr. So auch Peter (Ultraleichtpilot) mit seiner Familie. Sie leben in der deutschsprachigen Kolonie Independencia mit 5600 Einwohnern. Das Gebiet liegt rund 180 km östlich von der Hauptstadt Asuncion und wurde 1919 durch Winzer aus Baden gegruendet. Wein finden wir hier allerdings nicht mehr. Dafuer gibt es im zuenftigen Wirtshaus mit antiker Kegelbahn ein ordentliches Weissbier, Kartoffelsuppe mit Frankfurter Wuerstchen, Rinderleber Berliner Art und vieles mehr. Es gibt einen deutschen Baecker, Fleischer, Friseur, Hotel, Zahnarzt, Schule – einfach alles. Eine deutsche Enklave in einer fremden Welt. Doch nach ein paar Tagen der herzlichen Gastfreundschaft muessen wir weiter. Brasilien und die WM ruft und der Flug ueber die Iguazu Wasserfaelle.

Eure Trike Globetrotter

Doreen

 

 


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Argentinien – Uruguay und “Du” Herr Gouverneur!

26.06.2014
Nur ein Hopser ueber den Rio Uruguay und wir sind in Uruguay

Nur ein Hopser ueber den Rio Uruguay und wir sind in Uruguay

Endlich koennen wir den Trubel in Rosario hinter uns lassen. Hier oben in ca. 3500 ft hoeren wir nur das vertraute brummen unseres Motors. Ca. 3,5 Stunden dauert der Flug. Unter uns sehe ich Wiesen, Felder, weite flache Landschaften, das Ganze wirkt sehr beruhigend auf mich. Lasse meine Gedanken fliessen, als wir uns Concordia naehern. Beim Landeanflug fliegen wir direkt ueber eine Autorennstrecke,die Motoren droehnen fast so laut wie unserer. Einige Testfahrer sind auf der Piste unterwegs und ich hoffe das es Schumi bald besser geht. Der Funk reisst mich aus meinen Gedanken. Das darf doch nicht wahr sein! Wieder sitzt uns ein zweites Flugzeug im Genick. Ich spuere wie sich mir die Nackenhaaerchen aufstellen und ich bin sofort hellwach. Der andere meldet bereits “Final” und so werden dieses Mal Wir auf eine Ehrenrunde geschickt. Geschaetzte 500 Meter unter uns, auf 3 Uhr sehe ich das Flugzeug landen. Ok, keine Gefahr mehr.

Auch hier in Concordia liest man das El Capital! Der Empfang ist herzlich, “Ihr seid doch die beiden Deutschen die fast mit der TAM zusammen gestossen sind!” “Ha, ha” – lautes Gelaechter. Nun, mit 3,5 Flugstunden Abstand koennen auch wir darueber lachen. Der Tankwart, mit seinem grossen Kullerbauch, beweist Managerqualitaeten. “Dort koennt ihr parken, einen Hangar besorge ich euch, aber jetzt fahren wir schnell Mittagessen, ihr seid bestimmt hungrig und ach, ein billiges Hotel kenne ich auch. Alberto, da drueben der mit dem Hangar, der nimmt euch mit in die Stadt! Also der  Mann weiss was wir zwei Flieger jetzt brauchen!

Autorennstrecke vorgelagert dem Flughafen in Concordia

Autorennstrecke vorgelagert dem Flughafen in Concordia

Doch die Dusche muss noch warten. Wir wollen ja von Concordia, Argentinien, nach Salto in Uruguay ausfliegen und Concordia ist kein internationaler Flughafen. Damit das moeglich ist, muss in Buenos Aires beantragt werden, das der Flughafen fuer einen bestimmten Zeitraum als internationaler Flughafen autorisiert wird. “Und das soll funktionieren?, frage ich skeptisch. Ueberraschend schnell und unbuerokratisch ist das per e-mail und Telefon geklaert. Auch Uruguay haendelt das sehr entspannt. Nur der Zoll in Concordia hat heute kein Personal, so dass  wir erst am naechsten Morgen fliegen koennen. Schade, nun ist Uruguay schon so nah, das wir fast hinueber spucken  koennen.

Rio Uruguay - die Grenze zwischen Argentinien und Uruguay

Rio Uruguay – die Grenze zwischen Argentinien und Uruguay

“Was solls, den kleinen Huepfer ueber den Grenzfluss schaffen wir auch morgen frueh” sage ich zu meinem Kapitaen und wir machen uns auf das nette Staedtchen zu erkunden. Bislang hat sich Andreas ja erfolgreich davor gedrueckt Mate, das bittere Nationalgetraenk der Argentinier zu probieren. Jung und Alt trinkt es, von frueh bis spaet und an allen Orten wird es zelebriert. Ohne Thermoskanne und Matebecher geht hier niemand aus dem Haus. Durschnittlich betraegt der Jahreskonsum ca. 6,8 Kg (getrocknete Blaetter) pro Kopf. Der Jahreskonsum an Bier betraegt ca. 126 Liter pro Kopf in Deutschland.

Aber nun stand da diese nette, junge Dame, mit den knallroten Lippen und einem umwerfenden Laecheln mitten auf der Plaza und bereitwillig folgte Andreas ihr in ihren Truck – zur Mateverkostung. Brav trinkt er Mate traditionell, schoen bitter, Mate gekocht (aehnlich wie Teebeutel) und loeffelt seinen geeisten Mate in sich hinein. Dabei klebt er foermlich an den Lippen der Dame um ihren Erlaeuterungen zu folgen. Nun jedenfalls hat das Getraenk eine recht belebende Wirkung auf uns.

Salto Uruguay - Das 14 Land auf unserer Tour

Salto Uruguay – Das 14 Land auf unserer Tour

Am naechsten Morgen fragt Uruguay schon ungeduldig nach, wo wir denn bleiben. Schnell das bisschen Papierkram erledigen, Flieger gucken, 25 USD an den Fahrer vom Zoll abdruecken (natuerlich ohne Quittung) und ab geht die Post bzw. Gunther. Hop`s ueber den Rio Uruguay und schon sind wir drueben. Pass auf, Stempel rein, 30 USD Einreisegebuehr und ab zu den heissen Quellen.

Wir goennen uns eine Nacht in Dayman. Dieser kleine Ort kommt mir geisterhaft skuril vor. Alles was die Leute hier tragen sind Bademaentel. Ob jung oder alt, Mann oder Frau, ueberall weisse Bademaentel. Im Hotel, im Restaurant, im Supermarkt, an der Tankstelle, an der Bar – ueberall Leute im weissen Bademantel. Nur wir fallen aus dem Rahmen, denn in unserem Minigepaeck ist kein Platz fuer einen Bademantel.

Neuer Fashiontrend - "Alles Bademantel, oder Was?"

Neuer Fashiontrend – “Alles Bademantel, oder Was?”

Wie neu geboren und um 100g schwerer treten wir den Rueckflug nach Argentinien an. 100g schwerer weil ich nun einen Amethyst, den Nationalstein Uruguays, bei mir trage. Ein Geschenk vom Barmann. Dasselbe Prozedere wie zuvor, Flughafen Concordia internationalisieren, Ausreisestempel, Hops ueber den Fluss, Einreisestempel. Ich staune nicht schlecht was hier fuer ein Empfangskommitee auf uns wartet. Ein supermoderner Hubschrauber steht abflugbereit auf dem Vorfeld und da kommt ein schnittiger Laerjet angedonnert. Wir plaudern etwas mit dem Passagier, verteilen unser Kaertchen, der mit der Profikamera schiesst ein paar Fotos und dann verabschiedet sich auch schon unser Passagier mit den schwarzen auf Hochglanz polierten Lackschuhen, der eleganten schwarzen Buegelfaltenhose, dem bluetenweissen Hemd und dem leicht grau meliertem Haar: “Ich muss leider weiter, ich bin uebrigens der Gourverneur”. Mit diesen Worten steigt er in seinen Privathubschrauber und fliegt nach Hause. Tschuess “Du” Gouverneur denke ich, aber ich glaube er hat uns das “Du” nicht uebel genommen. “Naechstes Jahr kandidiert er als Praesident”, verraet uns Alberto. “Schatz drei Tage keine Haende mehr waschen” ;).

Eure Trike Globetrotter

Doreen

 


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“TAM GO AROUND” Fastzusammenstoss beim Landeanflug in Rosario Argentinien

18.06.2014

P1310082 Wo war ich doch gleich stehen geblieben? Ja, richtig Rufino und Venato Tuerto in Argentinien. Sorry das wir euch so vernachlaessigt haben, aber wir mussten unbedingt puenktlich zum WM Start unser Domizil in Brasilien erreichen und das zweite Buch “Vogelfrei” fertig stellen. Wir  sind geflogen, was Gunther und das Wetter nur so her gaben und haben unglaublich viel erlebt. Also, wo fange ich nun an zu berichten, Argentinien, Uruguay, Paraguay oder beim WM Fieber in Brasilien? Ok, eins nach dem anderen, schliesslich moechte ich euch nichts vorenthalten.

Wir sind Argentinien. Es ist der 04.05.2014. Wir lassen Rufino mit den Millionen von Moskitos und Venato Tuerto mit all unseren Freunden hinter uns. “Que barbaro” was soviel heisst wie “unglaublich” klingt noch in unseren Ohren nach. Wir nehmen Kurs auf den internationalen Flughafen Fisherton in Rosario. 30 Milen entfernt vom Flughafen nimmt Andreas Kontakt mit dem Tower auf. Er teilt dem Tower unsere exakte Position und unsere Absicht dort zu landen mit. Der Tower antwortet: “N217TG please report 10 miles out.”

P1310083Einige Zeit spaeter und 10 Milen vom Flughafen entfernt meldet Andreas wie vorgegeben unsere Position. Der Tower antwortet nun:”N217TG please report 4 Miles out, airport insight. Nur Sekunden spaeter meldet ein Airbus von der brasilianischen Fluglinie TAM: “40 miles out for landing in Rosario”. “40 Meilen entfernt zur Landung in Rosario?!” Mir wird heiss und kalt zugleich, das bedeutet der Airbus landet zur gleichen Zeit wie wir! Gut, waehrend unserer Tour hatten wir bereits solche Erlebnisse und so beruhigte ich mich. Schliesslich gibt es ja einen Tower. Bestimmt schickt uns der gleich auf einen anderen Kurs, so dass wir einige Minuten nach dem Airbus landen. Angestrengt lausche ich auf meinen Funk. Nichts. Keine Reaktion vom Tower!? Also fliege ich weiter auf meinem Kurs in Richtung Rosario und weise Doreen an Ausschau zu halten nach irgendwelchem Verkehr.

Ich bin nur noch 4 Meilen entferntund melde dem Tower: “Rosario Tower, N217TG. I`m 4 miles out from your airfield”. ATC antwortet:”report short final”. Dann hoere ich nur wenige Sekunden spaeter die TAM:”10 miles out”. Und der Tower? Nichts! Keine Reaktion. Ich habe ein ungutes Gefuehl, fliege seitlich, nicht auf der direkten Linie in Richtung Landebahn und immer absteigend um in letzter Minute wegdrehen zu koennen. Krampfhaft suche ich den Himmel ab, kein Airbus hinter mir zu sehen. Die Landebahn ist bereits in Sicht. Scheiiiisseee, was ist das? Direkt vor uns. Ich hoere gerade noch wie der Tower schreit:“TAM GO AROUND”!!! und der riesige Airbus zieht steil fast gerade wie eine Rakete, nach oben weg.

Ich lande! Der Airbus dreht eine Extrarunde und landet ca. 15 Minuten spaeter. Das war aber knapp denke ich bei mir und will mit dem Tower sprechen. Doch Operation erklaert uns sofort das das ein Fehlverhalten des TAM Piloten gewesen ist und der Tower alles richtig  gemacht hat. Naja, wie auch immer wir sind heil unten und froh in Rosario zu sein.

P1310099

Einen Tag spaeter ist in allen Zeitungen  zu lesen: “Schwerwiegender Zwischenfall…..”; “Ein Flugzeug der TAM ist fast mit einem Ultraleichtflugzeug bei der Landung in Fisherton kollidiert”; “Tower gab uns ok zur Landung aber hinter uns kam ein grosses Flugzeug”; …… . Der Vorfall ist auf allen Titelseiten zu lesen und auf den Innenseiten der Zeitungen auch noch.

Schlagartig waren wir ueberall bekannt, die Telefone ruhten nicht und wir mussten das Hotel wechseln um den zudringlichen Journalisten zu entgehen. Ungewollt waren wir in einen politischen Konflikt zwischen Flughafenleitung und der Presse / Zeitung geraten und standen nun zwischen den Fronten. Der Flughafen wollte den Ball flach halten und moeglichst von einer grossen Untersuchung ablenken, die Presse wollte alles haarklein an die Oeffentlichkeit bringen. Und wir? Wir wollen ja eigentlich nur fliegen und keinen Aerger!

Andreas musste bei der Sicherheitsabteilung des Flughafens eine Schilderung der Situation abgeben, von einer Anzeige haben wir abgesehen. Trotzdem waren wir froh als wir endlich nach Concordia, dem letzten argentinischen Ort vor Uruguay, weiterfliegen konnten. Hoffentlich liest hier niemand das el Capital :).

Eure Trike Globetrotter

Doreen


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Blutruenstige Monster, Tango und Boca Juniors

11.05.2014
Morgenstimmung beim Flug ueber die Weiten der Pampa

Morgenstimmung beim Flug ueber die Weiten der Pampa

Wir erreichen Santa Rosa, was auch noch in La Pampa liegt, aber etwas mehr Kleinstadtcharme versprueht. Kaum sind wir gelandet werden wir auch schon vom Kapitaen der Aerolinas Argentinas auf einen Freiflug nach Buenos Aires eingeladen. Wir ueberlegen nicht lange und ab geht die Post mit dem grossen Vogel in die Metropole des Tangos und des Fussballs. Einmal war ich bereits in dieser lebendig, charmanten Stadt und ich freue mich darauf Andreas seine Stadtfuehrerin zu sein, aber auch darauf mit ihm gemeinsam Neues zu entdecken und diese Stadt einfach zu fuehlen.

Morgennebel ueber den Wiesen

Morgennebel ueber den Wiesen

Ich sage nur San Telmo – beruehmt fuer den riesengrossen Antiquitaeten- und Troedelmarkt und die Tangobars, La Boca – mit El Caminito (dem kleinen Weg) der bekannt ist fuer die bunten Wellblechhaeuser die aus dem Blech alter Schiffswrackes gebaut wurden und dem beruehmten Fussballstadion “La Bombonera” (Pralinenschachtel) des Fussballclubs Bocas Juniors, die von den Argentiniern als groesste Strasse der Welt bezeichnete Avenida 9 de Julio mit dem Teatro Colon und dem Obelisken, das Stadtzentrum mit den schoenen historischen Gebaeuden, aber auch moderner Architektur am Puerto Madero, Palermo Hollywood mit seinen  vielen Restaurants, Clubs, Cafés, Strassenmusikanten und seinem aktivem Nachtleben, Recoletta mit dem Geschichten erzaehlenden Friedhof und dem Grab von Eva Peron und vieles mehr ……..Plattfuesse! Ob wir ein Fussballspiel der Bocas Juniors live gesehen haben, Andreas nun Tango tanzen kann und was wir noch so erlebt haben, das koennt ihr im Buch nachlesen dafuer reicht der Platz hier nicht aus. Auf jeden Fall war dieser Ausflug kulturell, kulinarisch und sportlich gesehen ein Abenteuer fuer sich.

Grandiose Stimmung in den Weiten der Pampa

Grandiose Stimmung in den Weiten der Pampa

Von Santa Rosa aus heisst unser heutiges Flugziel Rufino. Eine kleine Graspiste die ca. 3 Flugstunden von Santa Rosa entfernt liegt und wo wir zelten koennen. Noch ist starker Nebel und der Flughafen in Santa Rosa gesperrt, aber wenigstens warten wir dieses Mal nicht alleine, sondern die Mannschaft vom Militaerhubschrauber mit uns. Die duerfen naemlich auch nicht starten. Die Piloten sind genauso ungeduldig wie Andreas. Zu Dritt marschieren Sie nun alle 30 Minuten zu Operaciones und erkundigen sich nach der aktuellen Wetterlage. Gegen 11.00 Uhr bekommen wir endlich Startfreigabe. Wir geniessen den Flug, alles ist ruhig und entspannt. “Schatz das sieht alles sehr sumpfig aus da unten”, bemerke ich so nebenbei. Die Kuehe stehen im Wasser, die Felder sind ueberschwemmt. Alles sieht aus wie ein endloses Sumpfgebiet.

Ueberschwemmungen nach starken Regenfaellen

Ueberschwemmungen nach starken Regenfaellen

“Schnuddelbacke, davorne siehst du unsere Piste? Auf der linken stehen Pfuetzen. Ich nehme die Grosse rechts. Wenn ich weiter vorne aufsetze, das sieht doch ganz gut aus!” Wir landen soft im weichen Rasen und sind prompt umzingelt von Millionen von ausgehungerten Blutsaugern. Wir springen und tanzen wild um uns schlagend herum, nehmen weder die Helme noch die Brillen ab. Unsere Geheimwaffe “OFF” versagt total. Nur mir wird schwindlig von dem beissenden Duft des Antimueckensprays. “Zelten hier, kannst du vergessen. Los lass uns abhauen hier!”, meutere ich. “Einsteigen bruellt mein Kapitaen.”   Wir heben ab ohne Plan wohin, mit nicht mehr sehr viel Benzin im Tank. Mir egal, ich will nur weg hier. Unendlich lange Minuten vergehen bis der Kapitaen mitteilt: “Hier in Venado Tuerto ist eine Asphaltpiste, das koennen wir mit unserem Benzin schaffen”. Asphaltpiste, ich kann unser Glueck kaum fassen. Asphaltpiste bedeutet bestimmt weniger blutruenstige Monster. Rufino das muss das argentinische Wort fuer Moskitos sein!

Watermarked Photo 5

Ich muss lachen, bei dem Gedanken, das ich unbedingt ueber die Iberia Suempfe fliegen wollte. Zum Glueck liegt das nicht auf unserer Flugroute.

Nach 4 Stunden und 12 Minuten landen wir mit dem letzten Tropfen Benzin und ohne Navigation, das hatte vorher den Geist aufgegeben, in Venado Tuerto. Zum Glueck klappt das mit der Orintierung meines Kapitaens in der Luft besser als am Boden. Hier werden wir sehr herzlich empfangen, Gunther bekommt seinen Hangar und wir ein zuenftig argentinisches Barbecue.

Gut, ein paar von den kleinen Blutsaugern piesacken uns auch hier……..

Fortsetzung folgt

Eure Trike Globetrotter

Doreen


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