Reise-Blogs

What a perfect timing! Als Pilot Kelly Bay zur Landung auf dem McCarthy Airstrip ansetzt, erreichen die ersten Schleierwolken die Wrangell Mountains und stehlen uns den strahlend blauen Himmel, den wir den ganzen Nachmittag über genießen konnten. Hinter uns liegen die spektakulärsten 70 Minuten unserer bisherigen Nordland-Reise: eine Flightseeing-Tour über den Bergen und Gletschern des größten Nationalparks der USA. Sechsmal die Größe von Yellowstone, oder die Fläche der US-Bundesstaaten New Hampshire and Vermont zusammen, mag den Amerikakennern etwas sagen. In nackten Zahlen heißt das: 5,3 Millionen Hektar unberührte Wildnis. Über 150 Gletscher zieren den Park, der längste davon 120 Kilometer lang. Zusammen mit dem angrenzenden kanadischen Kluane National Park, dem Tatshenshini-Alsek Wilderness Park in British Columbia und dem in Südost-Alaska anschließenden Glacier Bay National Park bildet er das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet der Erde, von der UNESCO als 'World Heritage Site' anerkannt.
Mit seinen neugierigen Äuglein schaut uns der Seeotter verdutzt an, obwohl es sicher nicht das erste Mal ist, dass Captain Stan Stephens mit seiner ‚Glacier Spirit’ ihn umrundet. Er ist hier genauso zu Hause wie Stan und seine Crew, und 16 Jahre nach der unglückseligen Havarie der Exxon Valdez scheint das Leben im Prince William Sound wieder in Ordnung. Der Otter lässt sich auf dem Rücken liegend von den Wellen schaukeln, so als läge er auf einer Luftmatratze im Swimmingpool eines Fünf-Sterne-Hotels, dreht sich ab und zu um seine Längsachse, um die wärmende Luftschicht zwischen den Haaren seines Fells aufzufrischen, und schaut uns scheinbar amüsiert nach, bis das Ausflugsboot sich neuen Attraktionen zuwendet.
Was kann man an einem Regentag in Valdez machen? Die Stadt mit dem Ölverladehafen am Südende der Alaska-Pipeline hat dem Besucher wenig zu bieten, wenn tief hängende Wolken die Bergwelt dicht über den Häusern abschneiden. Vor Jahren konnte man eine sehr informative Tour durch den Alyeska Pipeline Terminal mitmachen, aber seit ‚nine-eleven’ gehen die Uhren in Amerika anders. Zu hohes Sicherheitsrisiko! - Stimmt schon: ein potentieller Selbstmordattentäter könnte hier zwischen den 18 Öltanks, die jeweils 80 Millionen Liter Rohöl fassen, ein höllisches Feuerwerk veranstalten. No tours anymore!
Welch eine Freude, in Ross River den einzigen Automechaniker im Umkreis von 300 Kilometern kennen zu lernen! Nicht nur dass Paul Minder an jenem herrlich sonnigen Sonntagnachmittag zu Hause ist – dass Montag ein Feiertag ist, war uns erst gar nicht bewusst –, sondern dass er auch gerade auf dem Weg in seine Werkstatt ist, um einen Truck zu untersuchen, können wir mal wieder unter der Rubrik ‚Glück im Unglück’ verbuchen. Die Reifenreparatur ist Routinesache, das mit dem Schluckauf schon weniger. Pauls Diagnose bestätigt die negativste Variante, dass nämlich ein ‘Injection Module’ anscheinend dabei ist, den Geist aufzugeben. Ein nicht nur teures, sondern vor allem für ein 1984er Modell made in the US of A schwer aufzutreibendes Ersatzteil. Er baut es aus, wir untersuchen es auf eventuelle sichtbare Schäden – sieht innen drin aus wie ein Transistorradio – finden aber keine. Wieder eingebaut, fest verschraubt, Steckkontakte gereinigt … “Try to find one in Whitehorse.”
Straßen in die Einsamkeit – davon gibt es im Norden Kanadas viele. Eine der abenteuerlichsten ist sicherlich die Canol Road. In den vierziger Jahren als Begleittrasse zu einer sehr kurzlebigen Ölpipeline zwischen Norman Wells am Mackenzie River und dem Alaska Highway in die Wildnis geschlagen, verkam sie schon kurz danach zu einer wertlosen Buschpiste. Brücken wurden im Laufe der Jahre von den Frühjahrsfluten der Flüsse zerstört, Straßenabschnitte ausgewaschen. Nördlich der Mackenzie Mountains, auf dem Gebiet der Northwest Territories, existiert sie nur noch als Relikt. Inzwischen wieder unberührte Wildnis, Land der Wölfe und der Grizzlies … und einiger wagemutiger Wanderer, die sich zu Fuß auf den 350 Kilometer langen Canol Heritage Trail machen.
‘Wow, they’ve got water everywhere!’ Alletha ist ganz fasziniert von den vielen Seen und Flüssen hier in Kanada. Das ist alles so anders als in ihrer Heimat Namibia, wo es außer an den Grenzen zu den Nachbarländern Angola, Zambia, Botswana und Südafrika keinen einzigen ganzjährig Wasser führenden Fluss gibt. Auf meinen Reisen in Namibia zwischen 2002 und 2005 habe ich Menschen getroffen, die im Erwachsenenalter zum ersten Mal überhaupt ein Fließgewässer gesehen haben. Das Landesinnere ist einfach zu trocken: Dornbuschsavanne zwischen den großen Wüstengebieten der Namib und der Kalahari.