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Angefangen hat es am Russian River auf der Kenai Halbinsel, dort wo wir vor 11 Jahren diese wunderschöne Vier-Tages-Wanderung zu den Russian Lakes unternommen haben und den ersten Salmon Run unseres Lebens miterleben konnten. Startpunkt war ein überlaufener Campground, und auf den ersten zwei Meilen passierten wir Heerscharen von Anglern am Fluss. Zitat aus einem Alaska-Yukon Handbuch: “You’ll know that you’re in salmon country, and the fish-hook frenzy pervades all your senses (especially the olfactory).”
Na endlich! Fast hätten wir geglaubt, dass alle Bären ausgewandert sein müssen. Jetzt haben uns die Schwarzbären eines Besseren belehrt ... und dann gleich im Dutzend! Aber alles der Reihe nach. Ein sonniger Tag auf dem Glenn Highway mit dem Panorama der Chugach Mountains, gefolgt von tief hängenden Wolken im Matanuska Valley und einem verregneten Tag in Palmer. Gute Gelegenheit, unsere zweite Reifenreparatur vornehmen zu lassen. Ja, auf der McCarthy Road waren wir bei der Rückreise wohl einen Tick zu schnell; acht Kilometer vor dem Ende hat es uns erwischt: vorne rechts ein Plattfuß – und was für einer! Statt mit 50 km/h und nur 2 ½ Stunden Fahrzeit hätten wir doch strikt bei Tempo 40 bleiben sollen, so wie der langsame Pick-up mit dem Kanu auf dem Dach, den wir am Ortsausgang von McCarthy überholt haben … und der uns jetzt während unseres Radwechsels passierte.
Jetzt habe ich schon so viel erzählt vom Leben im Busch und von den Menschen, die fernab der Zivilisation ein glückliches und zufriedenes Leben führen, habe in persönlichen Gesprächen oft genug erwähnt, dass der Blockhüttenwinter an der Nisutlin Bay die schönste Zeit in meinem Leben war, da ist es nicht verwunderlich, dass Jims Angebot wie eine Bombe einschlug. Fragt er uns doch allen Ernstes, ob wir nicht Lust hätten, dauerhaft bei ihnen zu wohnen und dieses naturnahe Leben mit ihnen zu teilen. Unterkunftsmöglichkeiten auf dem 320.000 Quadratmeter großen Grundstück rund um seinen Airstrip sind vorhanden (ein leer stehendes Haus und eine kleinere alte Railroad Cabin), lediglich ein bisschen Eigeninitiative und handwerkliches Geschick wären vonnöten, um die Behausung wieder schnuckelig und wohnlich zu machen. Tja, die Versuchung ist groß, doch leider habe ich mich beruflich langfristig festgelegt, und das Sabbatjahr ist auch schon anderweitig verplant. Vielleicht später einmal?
Ist schon ein kurioses Städtchen, dieses McCarthy: seine beneidenswerte Lage im Herzen des Wrangell-St. Elias Nationalparks, umgeben von spektakulären Gletschern, geprägt von der Geschichte der Kennicott Kupfermine, die von 1900 bis 1938 das Leben hier bestimmte und heute als hässlich-schöne Industrieruine das Interesse der Touristen weckt. Zu erreichen ist der Ort über die berüchtigte McCarthy Road, über die in ‚Wüstensonne und Nordlichter’ ausführlich berichtet wurde (ehemalige Trasse der Copper River Northwestern Railroad von Kennicott noch Cordova, auf 100 km mehr Wellblech und Schlaglöcher als ebene Abschnitte, alte Eisenbahnnägel dicht unter der Fahrbahnoberfläche, etc.) ... und am Kennicott River ist Endstation für alle Kraftfahrzeuge, denn nur eine Fußgängerbrücke verbindet das Straßenende mit dem einen Kilometer entfernten Ortskern. Zumindest die ist neu. Vor 11 Jahren mussten wir uns noch in einer 2-Personen-Seilbahngondel, der berühmten 'Cable Tram' von McCarthy, mit Muskelkraft über den Fluss ziehen. Die Häuschen sehen so aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. Neun Monate im Jahr, d.h. außerhalb der Touristensaison, döst das Städtchen vor sich hin. Nur wenige Menschen leben hier 'year-round'.
What a perfect timing! Als Pilot Kelly Bay zur Landung auf dem McCarthy Airstrip ansetzt, erreichen die ersten Schleierwolken die Wrangell Mountains und stehlen uns den strahlend blauen Himmel, den wir den ganzen Nachmittag über genießen konnten. Hinter uns liegen die spektakulärsten 70 Minuten unserer bisherigen Nordland-Reise: eine Flightseeing-Tour über den Bergen und Gletschern des größten Nationalparks der USA. Sechsmal die Größe von Yellowstone, oder die Fläche der US-Bundesstaaten New Hampshire and Vermont zusammen, mag den Amerikakennern etwas sagen. In nackten Zahlen heißt das: 5,3 Millionen Hektar unberührte Wildnis. Über 150 Gletscher zieren den Park, der längste davon 120 Kilometer lang. Zusammen mit dem angrenzenden kanadischen Kluane National Park, dem Tatshenshini-Alsek Wilderness Park in British Columbia und dem in Südost-Alaska anschließenden Glacier Bay National Park bildet er das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet der Erde, von der UNESCO als 'World Heritage Site' anerkannt.
Mit seinen neugierigen Äuglein schaut uns der Seeotter verdutzt an, obwohl es sicher nicht das erste Mal ist, dass Captain Stan Stephens mit seiner ‚Glacier Spirit’ ihn umrundet. Er ist hier genauso zu Hause wie Stan und seine Crew, und 16 Jahre nach der unglückseligen Havarie der Exxon Valdez scheint das Leben im Prince William Sound wieder in Ordnung. Der Otter lässt sich auf dem Rücken liegend von den Wellen schaukeln, so als läge er auf einer Luftmatratze im Swimmingpool eines Fünf-Sterne-Hotels, dreht sich ab und zu um seine Längsachse, um die wärmende Luftschicht zwischen den Haaren seines Fells aufzufrischen, und schaut uns scheinbar amüsiert nach, bis das Ausflugsboot sich neuen Attraktionen zuwendet.
Was kann man an einem Regentag in Valdez machen? Die Stadt mit dem Ölverladehafen am Südende der Alaska-Pipeline hat dem Besucher wenig zu bieten, wenn tief hängende Wolken die Bergwelt dicht über den Häusern abschneiden. Vor Jahren konnte man eine sehr informative Tour durch den Alyeska Pipeline Terminal mitmachen, aber seit ‚nine-eleven’ gehen die Uhren in Amerika anders. Zu hohes Sicherheitsrisiko! - Stimmt schon: ein potentieller Selbstmordattentäter könnte hier zwischen den 18 Öltanks, die jeweils 80 Millionen Liter Rohöl fassen, ein höllisches Feuerwerk veranstalten. No tours anymore!