Moto Croatia – Ich kaufe ein A

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Sturzwarnung - Kurven in Kroatien

Sturzwarnung – Kurven in Kroatien

Habt Ihr Euch als Kinder auch gefragt, woher Graf Zahl immer die ganzen Buchstaben hat? Oder woher Peter Bond vom Glücksrad sich die ganzen Vokale beschafft? Wir haben es herausgefunden, ganz plötzlich kam die Erkenntnis über uns als wir auf einem TRG (kroatisch für „Platz“) in VRH (kroatische Ortschaft) auf KRK (Insel in der Kvarner Bucht) saßen.

Doch fangen wir von vorne an. Bei den Überlegungen, welche Reise wir uns zum Sommerausklang noch vornehmen könnten, wo wir einen Motorradsommer vielleicht verlängern könnten, der in Deutschland gar keiner war, war die Himmelsrichtung klar, die Verkehrsmittel im Grunde auch. Bevor wir mit dem Motorrad uns über deutsche Autobahnen quälen, sollte uns der Autozug nach Süden bringen. So prüften wir die Routen, glichen sie mit unseren Kalendern ab und stellten fest, dass die Bahn der Ansicht ist, der Sommer müsse am 31.08. enden. Ab 01.09. galt der Winterfahrplan und das italienische Adriastädtchen Trieste sollte bis zum Frühjahr von Autozügen verschont bleiben. Für uns machte es die Planung leichter, das Ergebnis war klar: One-way mit dem Autozug nach Trieste, mal eben kurz durch Italien und Slowenien nach Kroatien rüber und dann je nach Lust, Laune, Wetter und Straßenlage durch Kroatien, bevor es auf zwei Rädern über Österreich, Ungarn, die Slowakei, die Tschechei und einige neue und alte Bundesländer zurück nach Deutschland gehen konnte.

Ohne große Vorbereitung waren Sonne, Cevapcici und ein paar schöne Küstenstraßen die zentralen Merkmale, mit denen wir rechneten. Darüber dass Kroatien, das seit geschlagenen 3 Monaten die Wettercharts ohne einen Tropfen Niederschlag austrocknete, auch den gefürchteten Nordwind Bora mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h und anhaltendem Regen aufzubieten hat und dass es neben den „normalen“ Alpen auch die sogenannten Dinarischen Alpen gibt, die sich wie eine karge Felsmauer hinter der dalmatischen Küste von der slowenischen Grenze südöstlich bis nach Bosnien-Herzegowina ziehen und das Meer vom Festland abriegeln, wurde uns erst im Autozug von einem alten Goldwing-Haudegen erläutert.

Und er sollte recht behalten. In Trieste angekommen, erwartete uns bereits die südländische Mentalität. Nur weil der Zug angekommen ist, sollte man ja nicht meinen, dass man sein Fahrzeug nehmen und davon fahren kann. Nach einer ausgiebigen Wartezeit, deren einziger Grund der Umsatzbedarf der Bahnhofsgastronomie gewesen sein mag, konnte es endlich losgehen. Trieste, die Stadt am östlichen italienischen Adria-Zipfel zeigte sich sogleich mit beeindruckender Architektur und erdrückender Hitze. Die Frage, warum Motorradkombis nicht weiß sein können, verwarfen wir zwar schnell wieder, schauten uns die Stadt an, kühlten innerlich mit einem Eis gegeben und entschlossen uns doch lieber mal eben kurz ein paar Kilometer durch Slowenien zu schlawenzeln und Istrien anzusteuern.

Auch den Gedanken, Venedig noch eine Stippvisite abzustatten, haben wir verworfen, ohne zu ahnen, das Venedig uns noch einige Zeit verfolgen sollte. So scheint halb Kroatien (zumindest die Küsten- und Inselstädte im Westen des Landes) eins zur Dogenrepublik Venedig gehört zu haben und so prangt überall der geflügelte Löwe als Wahrzeichen dieser Zeit. Kroatien hat damit nicht nur Küste und Kurven zu bieten, sondern auch eine beachtliche Geschichte, eine beeindruckende Architektur und irgendwie wirkt dieser, größtenteils vom Balkankrieg verschonte Teil Ex-Jugoslawiens, als reise man von einem mittelalterlichen Piratennest zum nächsten.

Altstadt und Campanile von Rovinj, Kroatien

Altstadt und Campanile von Rovinj, Kroatien

Jedes Städtchen scheint wie ein Nest in Buchten und über natürlichen Häfen zu kleben, die Kirchen werden von Campaniles überragt, Kopfsteinpflastergassen zu eng für jedes Auto ziehen sich über die Hügel und Wäsche spannt sich von Fenster zu Fenster zwischen den Hauswänden. In den Häfen selbst liegen kleine und größere Boote, manchmal gar Kreuzfahrer, frischer Fisch wird hier wirklich noch gefangen und allabendlich in Restaurants, Kneipen und Spelunken serviert für all diejenigen, die nicht auf der Durchreise sind und sich am Straßenrand von einem verlockend vor sich hin bruzzelnden Spanferkel abfangen lassen.

Dazu ein Asphalt der meistens ordentlich, manchmal aber zu rutschig ist und eine Landschaft die so zerklüftet ist, das Kurven und Serpentinen selbst da auftauchen, wo auf der Landkarte ein harmloser Strich zu sehen ist. Von den anderen Stellen ganz zu schweigen, die mit abwechslungsreichen Steigungen versuchen, die Dinarischen Alpen zu erklimmen oder gar zu überwinden.

Doch wie die Geister, die der Goldwing-Fahrer rief, brach am zweiten Tag unserer Tour, der Bora über uns herein, brachende Regen peitschende Winde, durchweichte unsere Motorradklamotten und forderte einen vorsichtigeren Umgang mit der Straße. Ungebunden wie wir waren, studierten wir das Regenradar, passten unsere Route an, entschlossen uns, nicht zu weit nach Südosten zu fahren, um nicht tagelang unter dem Bora her zu reisen, sondern ließen uns Zeit auf Istrien und auf den Inseln der Kvarner Bucht, um den Bora über uns hinweg ziehen zu lassen.

Noch etwas durchnässt kamen wir so auf Cres an und entschlossen uns, diesen Ort für drei Nächte zu unserer Heimat zu erklären. In einem Privathaus am Museumsplatz bekam das Motorrad einen Parkplatz in der Werkstatt, während wir vom obersten Geschoss aus den Blick auf den Hafen, die Bucht und das Meer genießen konnten – so wir denn im Zimmer waren und nicht den Ort erkundeten, die Strände besuchten oder mit dem Motorrad zu einem Ausflug über die Landbrücke von Osor nach Mari Losinj und Veli Losinj aufbrachen.

Strandparkplatz in Karlobag, Kroatien

Strandparkplatz in Karlobag, Kroatien

Am dritten Tag setzen wir dann schließlich mit der Fähre nach Krk und von dort über die monumentale Straßenbrücke an die kroatische Küste über. Von hier aus führte uns die Straße nun gen Südosten, immer auf der früher „Autoputt“ genannten Route, deren Fahrzeugverschleiß sagenumwoben war. Heute ist sie gut zu befahren und die teilweise als Entlastung bereits fertiggestellte Autobahn ist ein Segen für Motorradfahrer, die die küstennahe Straße bevorzugen. Dabei heißt küstennah nicht immer auch auf Meeresniveau. Das Blau des Mittelmeeres in Sichtweite, schraubt sich die Straße nicht selten über Ortschaften in die Höhe und verschwindet in den grauweißen Felsen der Bergwelt.

Bis Karlobag folgen wir dieser Route, bevor wir ins Landesinnere zum UNESCO Weltnaturerbe Plitzwitzer Seen abbiegen – auf eine Bundesstraße, auf der uns zwar häufiger Motorradgruppen begegenen, der Schwerverkehr aber leider überhand nimmt.

Bevor ich nun noch zu viele Worte über Slowenien, den Osten Österreichs, Ungarn, die Slowakei, die Tschechei und die Heimreise durch Deutschland verliere, lasse ich lieber mal Bilder sprechen. Doch ein paar Dinge gilt es vorher noch festzuhalten. Kroatien ist gerade für kurveninteressierte Biker eine Reise wert, Zagreb ist eine unglaublich beeindruckende Stadt, der wir bei weitem nicht zugetraut hätten, was wir dort zu sehen bekamen – und auch die rollenden Hügel der Tschechei sollte man sich nochmal für eine separate Tour auf der Landkarte markieren…

traveldiary
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