Heute so, morgen so

Heute so, morgen so

Planungen am Bus

Planungen am Bus

Tourguide von 11 Tourteilnehmern zu sein ist schon etwas anderes als alleine oder mit einer kleinen Gruppe zu fahren. Man ist, neben denn sonst täglichen Aufgaben (alle Motorräder vor Abfahrt komplett durchchecken, Bus-Check, Gepäck verstauen und sortieren, Streckenplanung etc) ständig damit beschäftigt, es allen möglichst recht zu machen oder Kompromisse zu finden mit denen sich alle einverstanden erklären. Da es nun mal keine Pauschalreise ist, sondern eine organisierte Gruppen-Individualreise, sind weder die Hotels vorgebucht, noch die Strecken zu 100% festgelegt. Hotels vorzubuchen macht einfach keinen Sinn, da ja eben die Strecken auch noch individuell besprochen werden können. Bei manchen Streckenpunkten besteht die Wahl, ob man sie anfährt oder sie aufgrund der längeren Distanz und dem „Umweg“ auslässt. Es wird dann in der Gruppe besprochen und sich meistens dann doch dafür entschieden. Oft ist es so, dass wir dann am Tag vorher kurz mit Sven und Werner auf die Karte schauen und gucken, welche Strecke für die Biker am schönsten zu fahren und welche Strecke für den Bus am schnellsten bis zum Ziel führt. So kommt es dann auch zwischendurch mal vor, dass wir andere Strecken als die Biker fahren und uns erst am Abend oder auch am Tag danach erst wiedertreffen.
Die Strecke runter nach Olympos z.B. sind die Biker an der Küste entlang gefahren. Wir nicht, es machte einfach keinen Sinn, eine auf der Landkarte klein eingezeichneten Route zu folgen. Auch macht es für uns als Busteam keinen Sinn, permanent an die 600km-Strecken zu fahren. Da sitzt man den ganzen Tag im Bus und kommt im Dunkeln an. Da sind die Motorradfahrer einfach schneller unterwegs und können solche Etappen lockerer fahren als wir. Das war auch der Grund, warum wir uns nach Göreme für zwei verschiedene Routen entschieden haben. Wir sind von Göreme über Erzerum und Erzincan nach Dogoubayazit, zusammen mit Sven, Goawolff-Harald und Daniel. Goawolffs Bike verlor Öl und daher waren sie auf unserer Strecke auf der sicheren Seite, wenn das Bike striken sollte. Wir hätten es hinten aufladen können. Das wäre nicht machbar gewesen, wenn diese drei auch die Strecke über Bingol bis zum Vansee und dann Richtung Norden hoch nach Dogoubayazit gefahren wären, so wie es der Rest der Gruppe tat. Aber zum Glück hielt das Bike durch. Auch freuten sich die drei, einmal in einer kleinen Gruppe fahren zu können. Fuhren sie nämlich alle zusammen, so heizte der Schweden-Express Helge vorne weg und gerne mal komplett samt Navi außer Reich- und Sichtweite. Daniel z.B. genoss die Tour lieber bei entspannterem Tempo und das konnte er in der kleineren Gruppe nun voll auskosten. Werner ließ Helge seinen Turn machen – so war Helge zufrieden und die Gruppe ebenfalls und Werner fuhr eh meist nach Karte.
Ein weiterer Punkt, wo jeder einmal öfter Kompromisse eingehen muss, ist der abendlichen Stellplatz und die Schlafmöglichkeit. Das ist dann zwischendurch wie Lotto spielen. Nach drei Wochen zusammen sollte man denken, man kennt die Gewohnheiten der Teilnehmer, doch der ein oder andere überrascht in diesen Dingen gerne immer wieder aufs Neue, nach welcher Schlafmöglichkeit ihm heute mal zumute ist. In Istanbul gab es ein Guest Hostel, von Werner und Helge vor Ort ausgesucht und gebucht. Ob man hier bei unserem Stellplatz nicht auch campen könnte? Nein, leider nicht. Denkt man natürlich: ah, es wird gerne gecampt! Und als am nächsten Tag gecampt werden soll, ist das aber nicht mehr gewünscht. Lieber ein Hotel. Und günstig soll es sein. Das nächste Hotel war dann günstig, aber wohl zu günstig? Auf jeden Fall wieder nicht das Richtige, so wie das 5 Sterne Hotel an einem anderen Tag, das dank Wechselkurs im Verhältnis günstig war. Was auf jeden Fall immer gewünscht ist, ist Frühstück inklusive. Frühstück bedeutet aber dann auch wieder, dass man spät los kommt. Heißt wiederum, man kommt bei einer längeren Etappe erst abends an. Auch nicht immer das Gelbe vom Ei. So ist man also ständig am abwägen, was schlimmer ist: kein Hotelfrühstück (stattdessen selbst Eingekauftes im Bus frühstücken) oder zur Rush-Hour am Abend durch eine große Stadt zu fahren… Campen oder ein günstiges Hotel? Günstiges Hotel oder Komfort-Hotel? Je weiter wir Richtung Osten kommen, desto weniger Auswahl haben wir allerdings…Und so hofft man trotzdem regelmäßig, dass man ein paar Richtige auf seinem heutigen Lottoschein hat. Mal sehen, ob wir den Jackpott bei 11 Teilnehmern irgendwann knacken!

Amelie de Boer
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