Pakistan – 6 harte Tage

Pakistan – 6 harte Tage

Wir sind in Indien! 6 harte Pakistan-Tage liegen hinter uns. Die erste Strecke von der Grenze nach Dalbandin war ok. Wir sind morgens zum Sonnenaufgang losgefahren und am frühen Nachmittag in Dalbandin gewesen. Der nächste Tag hatte auch wieder 300km bis nach Quetta für uns. Die Abfahrt verzögerte sich, da die Jungs vom Hotel erst ihren (Kiffer)-Rausch ausschlafen mussten und dann erst die Zimmer bezahlt werden konnten. Die Straßen waren hart und wir kamen im Dunkeln in Quetta an. Die Biker und Mitfahrer quartierten sich im Bloom-Star Hotel ein. Wir konnten nicht hier stehen. Der Bus ist für die Einfahrt zu hoch. Wo aber sollten wir parken? Polizei-Hof? Wir hatten keine andere Wahl und fuhren mit der Eskorte zum Polizeihof und waren positiv überrascht: super viel Platz und Rasen für Ole! Eine ruhige Nacht – bis ich um 4.30h mein Handy gecheckt hab. Nachricht von Daniel: Ruft uns bitte ganz dringend an! Ach herrjee! Wir waren am Abend nur noch ins Bett gefallen, ich hatte mein Handy nicht mehr gehört. Sollte ich da jetzt um diese Uhrzeit anrufen? Ich schrieb eine SMS und weckte Till. Mein Kopf ratterte: was war passiert?!? Dann endlich eine SMS von Daniel: „Alles ok, aber wir müssen morgen zu einem Amt, könnt ihr um 8 Uhr hier sein?“. Puh! Wir waren um 8 Uhr am Hotel und dann gings für uns aufs Amt. Denn ohne einen bestimmten Wisch (mit einer NOC-Number) konnten wir aus Quetta nicht mehr raus. Wir verbrachten den ganzen Vormittag und Mittag beim Amt, rannten von einem wichtigen Officer zum nächsten wichtigen Officer und wieder zurück und hatten dann endlich den Zettel, auf dem Daniel dann Mr. Suisse Schweiz hieß, Hugo hieß Hudo, Harald E. war gleich zweimal drauf und Harald S. einfach mal gar nicht. Yung wurde nach kurzem Hinweis von uns noch zugefügt – denn die Personen-Anzahl sollte stimmen, Namen werden die Polizei-Jungs schon nicht kontrollieren. Hauptsache wir haben endlich den Zettel und können morgen weiter! (Nach dem Zettel wurden wir übrigens nie wieder gefragt…) Wir verbrachten wieder eine Nacht auf dem Polizeihof und dann kam am nächsten Tag wieder eine heftige Etappe. 400km und die erste Stadt vor Jakobabad dann nur noch Schlaglochpiste. Hilfe!!! Hier hatte die Flut dieses Jahr wohl wieder zugeschlagen. Unzählige Flutopfer-Zelte waren an der Straße aufgebaut. Die letzten 100km waren nur noch heftig. Die Piste war eine reinste Staubpiste samt tiefster Schlaglöcher. Sichtweite unter 5m!! Und das Ganze für ca. 3 Stunden! Nachdem die Biker und Mitfahrer dann im Hotel eingecheckt hatten und wir endlich zum Circuit House um die Ecke fahren wollten, waren wir komplett eingeparkt. Hieß also für uns mal wieder: aufgrund von Schaulustigen und bellenden Kindern, Türen geschlossen halten und in der Hitze in den Schlaf finden…. Die Strecke von Sukkur nach Multan war ok und auch die Strecke bis Lahore zur Grenze Wagha Border war gut zu fahren. Wir hatten die ganze Zeit durchgehend Eskorte, was in diesem Fall gut war. Die Wechsel waren schnell, die Eskorten fuhren mit Blaulicht und lotsten uns gut durch den Verkehr und direkt zum Hotel. Leider waren die Biker hinter uns und hatten nicht diese Eskorte, sondern das auf Einkaufs-Tour gemünzte Navi, das die 9 Motorräder mal wieder auf kürzestem aber längerem Weg durch den Bazar von Multan lotste. Aufgrund dessen erreichten die Biker 3 Stunden nach uns das Sindbad Hotel. Den perfekten Weg durch bzw. über die Ring Road von Lahore fanden wir dann aber alle zusammen dank Bus-Navi und dann war sie da endlich, die Grenze nach Indien!

Nach längerem aber problemlosem Ausreiseprozedere fahren wir also gestern zum Grenztor um auf die indische Seite zu kommen. Und was war? Man hatte für uns so richtig aufgefahren! Musik-Kapelle, roter Teppich und Presse!! Wir fuhren mit dem Bus direkt über den roten ausgerollten Teppich, doch kaum hatten wir die pakistantische Seite verlassen, wurde auf der indischen Seite, dieser wieder eingerollt. Was? Doch nicht für uns? Wir mussten stehen bleiben. Ein Menschen- und Presseauflauf direkt vor uns. Plötzlich wenden sich alle ab und alle Augen sind auf den PKW gerichtet, der an der Seite auftaucht. Blitzlichtgewitter! Und wer steigt aus? Irgendein wichtiger Minister, der mit dem anderen wichtigen Minister aus Pakistan (ah, der Mann mit Krawatte und Turban, der plötzlich vor mir abgefertigt wurde bei der Passkontrolle?) scheinbar am Indisch-Pakistanischen Grenztor die Hände schütteln wird.

Denkt man ja natürlich, dass die Einreise wegen der allgemeinen Aufregung schnell geht…denkt man… Aber nun sind wir hier und genießen Mrs. Bhandaris Guesthouse, den Pool und den Zaun! (Theo kann nicht weglaufen!)  Es muss eigentlich nicht erwähnt werden, dass die Bikergruppe zu Mrs. Bhandaris Guesthouse wieder den kürzesten Weg über den hiesigen Bazar gepeilt hat und daher ähnlich pünktlich und verstaubt war, wie in den anderen Großstädten zuvor… Sitzfleischschwächen inklusive. Inzwischen haben sie dank dieser Bazar-Durchfahrten ja auch ihre Erfahrungen und bei engster Tuchfühlung mit den anderen Verkehrsteilnehmern auf Rollern, Eselskarren, Kleinwagen, Rikshas, Tuk Tuks und Bussen wird alles auch einfach nur noch so hingenommen, Hauptsache weiterfahren und die Herde zusammenhalten und irgendwann auch mal ankommen! ;-)

Amelie de Boer
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