Mit dem Orangetrotter im Schmetterlingstal

Mit dem Orangetrotter im Schmetterlingstal

Ahnungslos passieren wir die nepalesische Grenze. Nichts Auffälliges, auch die Grenzbeamten nett und lässig wie immer. Nach den ersten Kilometern bemerken wir dankbar, dass sehr wenig Verkehr herrscht. Keine LKW, keine Busse, ein Traum. Ist heute Sonntag? Nein. Dann tauchen die ersten Straßensperren auf. Ein paar große Steine oder ein dicker Stamm über die halbe Straße, und immer ein paar brennende Reifen. Menschenansammlungen, rote Fahnen mit Parolen. Alles klar, die Maoisten haben wieder zum Streik aufgerufen, und irgendwie machen alle mit, obwohl sie angeblich keiner mag. Sie lassen uns passieren! Irgendwann sehen wir die ersten ausgebrannten LKW. Verlassen stehen sie mitten auf der Straße. Nur die Führerhäuser sind ausgebrannt. Wahrscheinlich Streikbrecher, die nachts, wenn´s rund geht, brutal überfallen, geprügelt und auch Schlimmeres wurden, wie wir später aus der Zeitung erfahren. Uns wird mulmig. Ein Fest für die Transport-Rikschafahrer. So viel hatten sie lange nicht mehr zu tun. Unglaublich, was sie alles auf ihren Dreirädern transportieren. Ganze Baumstämme, 6 Meter lange Stahlstrippen, einmal geknickt und lässig angebunden, Reis und Getreidesäcke bis zu 2 Meter hoch. Unmenschliche Lasten. Meistens wird nur noch unter größter Anstrengung geschoben. Auch die Motorradfahrer lassen sich etwas einfallen, um den Gütertransport am Leben zu erhalten.

Wir verlassen den Mahendra Highway Richtung Kathmandu auf einer – laut unserer Karte – Hauptverkehrsstrecke. Auch in der Hoffnung, dass der Streik dort nicht so ernst genommen wird. Die Straße wird bald zur Schotterpiste. Und wieder eine Straßensperre. Wir halten an und fragen den 300 Meter zuvor stationierten Polizisten, ob wir gefahrlos passieren können. Er versteht kein Wort und wir auch nicht, aber seine Körperhaltung rät eher ab. Wir müssen da durch! Ganz langsam rollen wir an die Absperrung, alles strömt zusammen. Plötzlich steht ein eher älterer Mann mit einem fußballgroßen Stein vor uns, schreit irgendwas und droht unsere Frontscheibe einzuschmeißen. Ein paar jüngere halten ihn schnell ab, würgen ihn dabei. Vorsichtig kommen ein paar Fragen, das Übliche, aber sehr ernst, bis sie uns schließlich passieren lassen. Puh! Die Piste wird immer derber, schmaler und bergiger. Wir erreichen nach ca. 30 Kilometern eine Stadt, die alles andere als zum Übernachten einlädt, und verstecken uns zwischen den parkenden Bussen. Nachdem die erste Neugier der Einheimischen gestillt ist, gibt’s eine ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen weiter hoppeln. Und auf einmal wie aus dem Nichts eine perfekt geteerte Straße, die sich in den nächsten Kilometern zu einer vorbildlichen, von höchster Ingenieurskunst erschaffenen Passstraße entwickelt. Da würden selbst die Schweizer neidisch! Wir sind total baff, kein einziges Schlagloch, Drainagen, Entwässerungsgräben, fünf bis sechs Meter breite Fahrbahn und dann ein Schild: nepalesisch-japanisches Gemeinschaftsprojekt. Ein Hochgenuss! Wer schon in Nepal unterwegs war, weiß, was ich meine. Rauf auf 2.600 Meter, endlich mal Sightseeing für den Fahrer. Runter, wir freuen uns auf die nächsten 120 Kilometer. Und dann? So wie es angefangen hat, hört es auf. Von einem Zentimeter auf den anderen, finden wir uns auf einer knapp zwei Meter breiten Dreckstraße und wenig später in einem Flussbett wieder. Haben wir uns verfahren? Unmöglich, es gab nie irgendwo eine Abzweigung! Die Piste, die folgt, zwingt uns zur Umkehr. Extrem steile, tiefe Sandpassagen, Löcher, so tief, dass eine Kuh rein passt. Wir setzen auf, unsere Bodenfreiheit reicht nicht aus.

Orangetrotter im Schmetterlingstal, NepalAber bevor wir zurückkehren, verbringen wir zwei Tage in diesem wunderschönen Tal. Helga tauft es „Schmetterlingstal“. Wir haben tolle Begegnungen mit den Einheimischen, waschen uns wie alle anderen im Fluss, werden mit Orangen beschenkt und verschenken Seife, eine Brille und Stofftiere für die Kinder. Wir genießen das Leben und die Natur, mal abgesehen von der Maus, die sich in den wirren Gängen unseres Orangetrotters eingenistet hat. Die Jagd in dieser langen Nacht ist erfolglos, obwohl wir uns immer wieder mal in die Augen schauen können. Eigentlich ganz putzig. Helga hat allerdings diese Nacht kein Auge zugemacht. So zieht der mehrtägige Streik an uns vorbei, hier interessiert das niemanden. Irgendwann wird dieses Straßenbauprojekt fertig gestellt, dann ist´s vorbei mit der Ruhe. Aber so, wie es aussieht, dauert das noch sehr, sehr lange.

So stelle ich mir das Paradies vor. Dieses Tal ist so bezaubernd. So viele verschiedene Schmetterlinge in allen Größen und Farben. Bunte Blumen, der leise vor sich hin plätschernde Bach, in den sich ein kleiner Wasserfall ergießt. Ideal zum Wasser holen. Die unglaubliche Stille in der Nacht, die angenehmen Menschen. Es spricht sich schnell herum, dass sich Fremde am Fluss niedergelassen haben. Eine ältere Frau, barfuß, in rote Tücher gekleidet, setzt sich vor unseren Bus auf den Boden und schaut. Sie beobachtet uns, sagt nichts. Ein komisches Gefühl. Sie bietet uns Pistazien an, wir geben Kekse zurück. Staunend und bewundernd zeigt sie zuerst auf meine weißen, glatten Füße, dann abwertend auf ihre eigenen. Dunkelbraun, ledrig, ausgegerbt von der Sonne und dem vielen Barfußlaufen. Das Ganze wiederholt sich mit unseren Händen. Ihre faltig, mit tiefen Furchen von der harten Arbeit auf dem Feld. Meine weiß und glatt, europäische Bürohände eben. Sie signalisiert, dass sie auch schlecht sieht. Uns fällt die Brille ein, die wir irgendwo in der Türkei gefunden haben. Ich hole sie aus dem Auto und gebe sie ihr. Sie setzt sie auf, betrachtet erstaunt ihre Hände. Ob sie mit der Brille besser oder schlechter sieht, können wir nicht wirklich in Erfahrung bringen. Doch bei unserer Wanderung durch das Tal am nächsten Tag, kommen wir am Haus der Frau vorbei. Sie führt uns in ihr bescheidenes Heim. Ein kleiner Raum, drei große Vorratssäcke mit Reis, Mehl und Korn stehen an der einen Wand und ihr Bett an der anderen. Stolz hebt sie das Kopfkissen und zeigt auf ihren neuen Schatz. Dort liegt die Brille, die sie von uns bekommen hat.

Am nächsten Tag besucht sie uns wieder am Orangetrotter. Begleitet wird sie von einer jungen, hochschwangeren Frau. Ihre Tochter oder die Nichte? Genau ist das in Zeichensprache nicht herauszufinden. Hoffentlich bekommt sie ihr Baby nicht direkt vor unserm Bus. Überhaupt taucht da die Frage auf, wo sie ihr Baby bekommen wird. Zu Hause oder im Krankenhaus? Der Weg in die nächste Stadt ist weit. Was, wenn es Komplikationen gibt? Auf einmal erscheint das wunderbare, abgelegene Idyll sehr bedrohlich.

Dann kommen noch ein paar andere Menschen und gesellen sich zu uns. Wir schauen uns schweigend an, gestikulieren wild mit den Händen, bekommen Orangen geschenkt, verschenken Seife. Oft ringen wir nach Worten, wir würden uns so gerne unterhalten, fragen, wie sie das Leben hier empfinden, was sie schon alles erlebt haben und was sie sich von ihrer Zukunft erwarten. Auch sie sind neugierig, fragen, zeigen, lachen. Da kommen die Schulkinder in ihren blauen Uniformen gerade recht. Sie sprechen teilweise englisch, doch für all die vielen Fragen und Geschichten reicht es leider noch nicht.

Sehr wohl fühlen wir uns hier und nur wenn man sich und den Menschen die Zeit gibt, sich etwas anzunähern, erlebt man Situationen wie diese. Das sind unbezahlbare, tief prägende Begegnungen.

Nur die Maus, die bringt mich tatsächlich ziemlich aus der Fassung. Dass wir sie nicht fangen können, macht mich sehr unruhig. Ich kann nicht mit einer Maus im Bus schlafen, das geht einfach nicht. Die Vorstellung, dass die mir nachts über die Bettdecke läuft, ertrage ich einfach nicht. Als wir diesen friedvollen Platz verlassen, besorgen wir uns in einem kleinen Städtchen zwei Lebend-Mausefallen. Ich bestehe darauf, die nächste Nacht in einem Gästehaus zu verbringen. In Hetauda quartieren wir uns günstig ein. In der Küche besorge ich etwas Käse. Wir stellen die Fallen auf und hoffen, dass das nepalesische Mäuschen auch auf Käse steht. Die Nacht ist laut. Im Raum unter uns wird lautstark Hochzeit gefeiert und alle Gäste schlafen ebenfalls in dem Hotel. Die Gänge sind sehr hellhörig und wir wissen wieder einmal zu schätzen, was wir an unseren zweieinhalb Quadratmetern Essen, Wohnen, Schlafen mit Bad haben. Das Mäuschen ist uns leider auch nicht in die Falle gegangen, aber auf noch eine Nacht im Hotel haben wir beide keine Lust. Und irgendwann verschwindet die Maus dann so, wie sie gekommen ist – unbemerkt. Noch einige Nächte schlafe ich unruhig, weil ich nicht recht glauben kann, dass sie nicht mehr bei uns wohnt. Außerdem habe ich Sorge, dass sie irgendwo im Bus gestorben ist und sich bald Verwesungsgeruch breit macht…

Wir fahren weiter Richtung Kathmandu. Als wir in der Hauptstadt ankommen, sehen wir im Vorbeifahren einen kleinen, einladenden Parkplatz, der zum Hotel Vayra gehört. Spontan beschließen wir, dort nachzufragen, ob wir für die Nacht oder sogar für ein paar Tage hier stehen bleiben können. Beim Betreten verlässt uns schon fast der Mut, da unverkennbar ist, dass es sich hier um die gehobene Preisklasse handelt. Aber wo wir schon mal da sind… Und wir haben Glück. Die Hotelmanagerin ist eine Deutsche und wir dürfen für 100 Rupien pro Nacht stehen bleiben. Das ist umgerechnet nicht mal ein Euro. Als wir abends vom Stadtbummel zurückkommen, haben wir einen Zettel an der Windschutzscheibe. „Wenn ihr duschen wollt: Zimmer 305, Ihr seid herzlich willkommen.“ Der Deutsche, den wir kurz vor unserem Abendspaziergang getroffen haben, weiß, was Leute wie wir brauchen. Dieses Angebot nehmen wir gerne an und haben eine sehr anregende Unterhaltung. Karl hat früher in der Gegend Mountainbike-Touren organisiert. Als wir ihm von unserem bevorstehenden Abenteuer erzählen, äußert er Bedenken. Er hält die Aktion zu dieser Jahreszeit für unberechenbar, die Höhe und die Probleme, die die Höhe mit sich bringen kann, seien nicht zu unterschätzen. Er bringt uns mit seinen Gedanken noch einmal ganz schön ins Grübeln. Ist die Entscheidung richtig? Ist das Risiko wirklich so groß? Doch zu sehr freuen wir uns auf diesen Abschnitt der Reise, hat sie doch fast schon Expeditions-Charakter. Was soll´s. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und außerdem ist es sowieso schon zu spät. Die Kosten für die chinesische Agentur, die uns die Papiere beschafft hat und den vorgeschriebenen Guide, ohne den wir gar nicht durch China reisen dürften, sind schon überwiesen. Die Schneeketten, die in Lhasa/Tibet extra für uns angefertigt werden, sind bereits bestellt und ebenfalls bezahlt. Und die anderen rechnen auch fest mit uns. Apropos die anderen, auf die sind wir auch schon sehr gespannt. Wir wollen uns alle in ein paar Tagen in Bodnath, einem Stadtteil von Kathmandu treffen.

Zuvor möchten wir uns unbedingt noch Bhaktapur ansehen, die drittgrößte Stadt des Kathmandu-Tals auch „Stadt der Gottergebenen“ genannt. Nur ca. 16 km müssen wir bis dorthin fahren. Schon am Eingang werden wir abgefangen. Es ist ein sehr touristischer Ort, der motorisierte Verkehr darf nicht in den Stadtkern. Es muss eine „Eintrittskarte“ gekauft werden, auf der die Anzahl der Besuchstage notiert wird. Der Großteil der Eintrittsgelder wird zum Erhalt der alten Stadt verwendet. Der junge Nepali, der uns aufgehalten hat, lotst uns in den Innenhof einer Art Kaserne. Er sagt, dass er mit dem Chef gesprochen hat, und der sagt, dass es in Ordnung geht, dass wir hier übernachten. Wenn uns jemand fragt, sollen wir nur sagen, dass wir bei der Drogenhilfsorganisation im Krankenhaus an einem Kurs teilnehmen. Wir verstehen kein Wort von dem, was er uns eigentlich sagen will. Bevor wir noch einmal nachfragen können, drückt er uns einen Zettel mit seinem Namen und der Telefonnummer des Krankenhauses in die Hand, wir sollen ihn unbedingt morgen dort anrufen. Und weg ist er. Kaum dass er fort ist, schließt sich das große Tor, und wir sitzen in der Falle, sind umzingelt von Soldatinnen und Soldaten in der Ausbildung, die sich intensiv für unser Fahrzeug interessieren. Nur mit viel Mühe schaffen wir es, auch den letzten Neugierigen wieder aus unserem Bus zu bekommen. Wir schließen die Schiebetür von innen und holen erst einmal tief Luft. Was machen wir hier eigentlich? So überrumpelt sind wir schon lange nicht mehr worden. Wir kommen gar nicht zum Überlegen, denn schon klopft es wieder an der Tür. Der Oberchef der Einrichtung möchte wissen, was wir hier wollen. Wir zeigen brav den Zettel, den uns der junge Unbekannte gegeben hat, der Oberchef gibt seinem Kollegen irgendwelche Anweisungen und schickt ihn mit dem Zettel weg. Noch bevor wir überlegen, ob es eine gute Idee ist, von der Teilnahme an dem Kurs im Krankenhaus zu berichten, kommt sein Gehilfe zurück. Er hat im Hospital angerufen, dort kennt uns keiner, welch Wunder. Bevor wir hier in Erklärungsnot kommen, beschließen wir die Wahrheit zu sagen. Dass wir, ehrlich gesagt, keine Ahnung haben, was wir hier sollen, dass der Junge uns geraten hat, das mit dem Kurs zu sagen, und wir gar keine Chance hatten uns zu wehren. Daraufhin ruft der Boss selbst im Krankenhaus an. Als er zurückkommt, ist der Ansatz eines Lächelns zu erkennen. Der Junge arbeitet in dem Krankenhaus und ist einschlägig bekannt. Er will uns wohl am nächsten Tag dort vorstellen um evtl. etwas zu spenden oder irgend etwas in der Art. Hier auf dem Militärplatz können wir jedoch auf gar keinen Fall übernachten. Der Arzt im Hospital hat aber angeboten, dass wir vor dem Krankenhaus parken können. Hier werden ständig Dinge über unseren Kopf hinweg für uns entschieden. Das macht uns ganz nervös. Ich muss vielleicht erwähnen, dass es nicht einfach ist, in dieser Stadt überhaupt irgendeinen Parkplatz für die Nacht zu kommen, darum beschließen wir, die Sache einfach laufen zu lassen. Weiterfahren können wir ja immer noch, wenn uns der nächste Platz nicht gefällt. Das Ganze endet mit einer unglaublichen Kurverei durch die engen, verschachtelten Gassen der nahezu intakten mittelalterlichen Stadt. Wir fühlen uns so was von fehl am Platz, dass es schon wieder Spaß macht. Nur noch eine schmale Gasse müssen wir meistern. Die jedoch hat es in sich. Mehrere Kurven, steil abfallend, nur zwei erhöhte gemauerte Streifen, jeder gerade so breit wie einer unserer Reifen, wir fahren wie auf Schienen. Dazwischen tiefe Rinnen, in denen das Wasser abfließen kann. Wenn Jürgen jetzt nicht genau auf dieser Spur bleibt, nur ein paar Millimeter abkommt, in die Rinnen rutscht, dann stecken wir fest. Und wie wir aus diesem Dilemma dann jemals wieder herauskommen sollen, dafür fehlt sogar mir die Phantasie. Ich sitze verkrampft, tief in den Beifahrersitz gedrückt und versuche den Mund zu halten, was mir sehr schwer fällt. Denn als ob die ganze Situation nicht schon kniffelig genug wäre, kommt jetzt auch noch Gegenverkehr. Ein alter Mann, der einen Karren vor sich her schiebt, will unbedingt an uns vorbei. Meine Nerven liegen blank. Dass auch Jürgen nervös ist, macht mich nur noch zappeliger. Irgendwie schafft er es auch diesmal, den Orangetrotter und uns da heil durchzubringen und dann stehen wir auf dem Parkplatz des Krankenhauses. Dort will keiner etwas von uns wissen und einen Ansprechpartner gibt es nicht. Egal. Hier bleiben wir jetzt, schauen uns die Stadt an und verlassen sie dann wieder. Hoffentlich etwas leichter, als wir hinein gekommen sind.

Das Bild der Stadt wird bestimmt von der Landwirtschaft, der Töpferkunst und besonders von einer lebendigen traditionellen Musikszene. Die Einwohner von Bhaktapur gehören ethnisch zu den Newar und zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Bauern der Jyapu-Kaste aus. Sie sind zu ca. 90 Prozent Hindus, der Rest Buddhisten. Bhaktapur hat drei große Plätze, den Durbar Square, den Taumadhi Square und den Tacapal Square, die durch alte Straßen und Gassen miteinander verbunden sind. Die 172 Tempelanlagen und die vielen alten, mit Holzreliefs verzierten Wohnhäuser bieten einiges an Geschichte. Deshalb beschließen wir ausnahmsweise Geld für einen ortskundigen und gut englisch sprechenden Stadtführer auszugeben. Ein großes Erdbeben 1934 verursachte viele Schäden an den Gebäuden, doch konnten diese wieder so instand gesetzt werden, dass Bhaktapurs architektonisches Erbe bereits seit 1979 auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes steht. Nicht nur die Stadt selbst ist beeindruckend, besonders das Leben, das hier stattfindet, zieht uns in seinen Bann. Wie in einem Ameisenhaufen laufen die Menschen durcheinander. Kleine Gruppen von alten Männern oder Frauen haben sich im Schatten der Tempel niedergelassen und unterhalten sich angeregt, man sieht Gemüsekarren, die durch die Straßen gezogen werden, Träger, die Waren transportieren, Kinder, die von Tauben umzingelt sind und kreischend vor Freude versuchen, die Vögel einzufangen. Unser Führer Palden Lama überrascht uns mit seinem Wissen über die Stadt und noch mehr, als er uns die übliche Frage stellt: „Where do you come from?“ Und wir sagen: „From Germany.“ „Which town?“, will er wissen. „From Memmingen, nowbody knows this town.“ Er: „Oh, I know. I lived there for some years, I know.“ Wir denken, er will uns veräppeln, doch als er die Ortschaften Heimertingen, Pless und Bonlanden aufzählt, die nur ein paar Kilometer von unserer Heimatstadt entfernt liegen, müssen wir ihm wohl glauben. Er hat bei einer Baumschule gearbeitet und in Bonlanden gewohnt. Er hat geschafft, was nicht viele von sich behaupten können. Er hat uns beide sprachlos gemacht!

56.000 km sind Helga Negele und Jürgen Dommer unterwegs und erleben atemberaubende “Augenblicke einer Weltreise”. Wohin Sie ihre Reise führte, lest ihr in ihrem neuen Buch über diesen abenteuerlichen Trip…

Helga Negele
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