9/11 – 2013

9/11 – 2013

Ein schwieriger Gedenktag

Eastlake-Mahnmal 9-11

Eastlake-Mahnmal 9-11

 

Wir erinnern uns an diesen schrecklichen Tag im Jahre 2001:  Die „Twin Towers“ des World Trade Centers in New York wurden durch  einen terroristischen Anschlag in Schutt und Asche gelegt. Rund 3.000 Menschen verloren dabei ihr Leben.

Und heute?  12 Jahre danach? Wie gedenkt man dieses Tages?

Wir haben uns hier in und um Cleveland, Ohio  danach erkundigt, welche Erinnerungen dieser Tag hervorruft. Darüber hinaus haben wir uns mit Freunden und Bekannten hier aus den USA in Verbindung gesetzt, welche wir auf unserer ersten Nordamerikatour 2011 kennengelernt haben, und sie um ihren Gedanken zu diesem Tag gebeten.

Einen ersten Hinweis erhielten wir im Universitätsviertel der Stadt Cleveland, wo an einer Kirche ein  Laufband leuchtete mit der Aufschrift: „Don’t forget 9/11- Vergesst 9/11 nicht!“ Kein weiterer Hinweis auf einen eventuellen Gedenkgottesdienst oder eine ähnliche Gedenkfeier.

In der städtischen Touristeninformation konnte man uns hinsichtlich einer Gedenkfeier oder eines entsprechenden Denkmals auch nicht weiterhelfen. Zwei Mitarbeiter versuchten eine halbe Stunde lang durch Telefonate und im Internet fündig zu werden. Kein Ergebnis!

Natürlich waren wir an ihren persönlichen Gedanken zum 11.September 2001 interessiert. Doch hier stießen wir auf eine Mauer des Schweigens. „No Comment!“ war das einzige, was wir ihnen entlocken konnten.

Fähnchen in Cleveland für die Opfer von 9-11

Fähnchen in Cleveland für die Opfer von 9-11

Flagge mit Namensschild

Flagge mit Namensschild

Nun, der Zufall half, gleich mehrere Male. In dem Uferpark von Clevelands „Science Center & Museum“ hatte die Opferorganisation „I Will – 9/11 Tribute Movement“ für den Gedenktag ein eigenes Mahnmal geschaffen. Rund 3.000 kleine Amerikaflaggen waren in den Rasen gesteckt, für jedes Opfer eine Fahne, jede versehen mit dem Namensschild.

Cleveland Science Center Dr. Katz,links-Herb Schieman, rechts

Cleveland Science Center Dr. Katz,links-Herb Schieman, rechts

Im Museum selbst fanden wir zwei Gesprächspartner, Herb SCHIEMAN und Dr. Gene KATZ, beide ehrenamtlich (volunteers) hier tätig. Sie erteilten uns bereitwillig Auskunft. Übereinstimmend gaben beide an, zunächst lediglich „überrascht“ gewesen zu sein, hielten es aber noch nicht für die grausame Wahrheit. Die wurde ihnen erst später bewusst. Dr. Katz fügte hinzu, dass er bei dem „zweiten Flug durch den zweiten Tower“ schon nicht mehr hinsehen konnte. Man glaubte zunächst an den Ausbruch eines neuen Weltkrieges. Später machte sich nur noch Erschütterung breit über die vielen Opfer und darüber, dass die Piloten offensichtlich in den USA selbst ausgebildet worden sind. Dr. Katz schloss seine Ausführungen mit einem bemerkenswerten Gedanken: „We have an infinitive amount to learn both, from nature and from each other. But do we, in fact? / Wir haben eigentlich ein unerschöpfliches Bestreben, nämlich beides – von der Natur und voneinander zu lernen. Aber machen wir es wirklich? “

Euclid-Greg Fondran, links, von Homeland Security

Euclid-Greg Fondran, links, von Homeland Security

In einer östlichen Vorstadt von Cleveland, in Euclid sprach uns Greg FONDRAN an, nicht auf 9/11, sondern weil er unser deutsches

U.S. Coast Guard-Allzeit Bereit

U.S. Coast Guard-Allzeit Bereit

Nummernschild am Wohnmobil gesehen und selbst zwei Jahre als Soldat in der Gegend um Stuttgart gelebt hatte. Heute arbeitet er bei dem „U.S. Department of Homeland Security – United States Coast Guard“. Selbstverständlich kam das Gespräch schnell auf 9/11.

Zur Zeit der Anschläge hatte er  seinen Militärdienst bereits beendet und war als Student in der Universität von Ljubljana / Slowenien eingeschrieben. Allerdings war er weiterhin als Reservist tätig. „Ich wusste nicht, was ich tun sollte“, berichtete er. „Ich fühlte mich hilflos. Und das war das Schlimmste! Ich ahnte nur, dass dort etwas ganz Grausames geschehen sein musste“.

Zunächst jedoch hielten er und seine Kommilitonen die Fernsehbilder für einen geschmacklosen „news flash“. Erst Telefonate mit Freunden in New York brachten für sie die Wahrheit ans Licht. Er wollte die Realität aber auch deshalb nicht wahrhaben, weil er in früheren Jahren als Fremdenführer Touristen durch die Twin Towers geleitet hatte, so fuhr er fort. Die Anschläge waren für ihn auch Anlass, seinen weiteren beruflichen Werdegang und Lebensweg in Richtung dieser „Behörde für innere Sicherheit“ zu lenken. „Ich brauche mir nur noch einmal die Bilder von damals hervor zu holen, auf den die Leute aus dem 100. Stockwerk des World Trade Centers sprangen. Dann weiß ich, warum ich heute bei der Homeland Security arbeite.“

Greg Fondran gab uns noch den Hinweis, einige Kilometer weiter östlich nach Eastlake zu fahren. Dort habe man an der  „Boulevard of 500 Flags“ ein Ehrenmal für 9/11 errichtet.

Freunde aus Ancorage,  Alaska,  Linda und Mike PARKER , welche wir auf unserer 2011-Nordamerikareise kennenlernten und mit denen wir uns im Oktober 2013 in Colorado wiedertreffen werden, sandten uns eine kurze Schilderung zu diesem Thema. Wir übernehmen ihren Bericht wörtlich:

„9/11 war ein Schock. Mike erledigte gerade seine Morgentoilette als er die Nachricht im Radio hörte.  Sofort schalteten wir den Fernseher in unserem Schlafzimmer ein. Vor Schreck erstarrten wir bei den übertragenen Bildern. Ich (Linda) war erschüttert über diesen hasserfüllten Anschlag. Erst später wurde mir bewusst, nachdem ich aus meiner Erstarrung erwacht war, dass die Welt nie mehr so sein würde wie vorher.  Wenn der Hass auf jemanden oder auf etwas sich so ausdrückt, kann man das nur noch erschreckend und zerstörerisch nennen. Dahinter verbergen sich keine Logik und kein nachvollziehbarer Gedankengang. Vorherrschend ist nur noch das Streben danach, jemandem Leid zuzufügen bzw. zu töten, der nicht in gleicher Weise denkt und handelt wie man selbst.“ Soweit diese Gedankengänge.

Ein weiteres befreundetes Ehepaar, John und Loni HIGGS aus South Dakota mailte uns folgenden Bericht zu: „Am 11. September 2001, gegen Abend waren wir gerade in Paris auf dem Nordbahnhof, um nach Brüssel weiter zu reisen. Der Bahnhof war voller Polizisten,

Eastlake-Mahnmal 9-11 Granite from Pentagon

Eastlake-Mahnmal 9-11 Granite from Pentagon

bewaffnet u.a. mit Maschinengewehren. So gut es ging, versuchten wir den Grund hierfür zu erfahren. Wir mochten zunächst gar nicht glauben, dass es mit unserem Land zu tun haben sollte. In Brüssel bot sich ein ähnliches Bild. TV-Übertragungen und Telefonate mit unseren Familien in der Heimat bestätigten unsere Befürchtungen.

Wir ahnten bald, dass ‘DEREN HASS‘ den gesamten Planeten bald mit Furcht und Schrecken überziehen würde. Ein Gefühl machte sich in uns breit, dass es keine Mittel und Wege geben würde, ‘SIE‘ zu stoppen. Wir empfanden das Alles als einen

Eastlake-Mahnmal 9-11 Grass from Pensilvanya

Eastlake-Mahnmal 9-11 Grass from Pensilvanya

äußerst erschütternden Moment in der Geschichte unserer Erde. Unser Leben wird nicht mehr das gleiche sein. Wir werden niemals mehr vergessen können, und wir werden immer in die Vergangenheit auf dieses Datum blicken. Aber nur in Trauer und Angst zu leben, ist auch keine Lösung. Dieser feige und terroristische Akt hat uns alle zutiefst verändert.“

Eastlake-Boulevard of 500 Flags

Eastlake-Boulevard of 500 Flags

Eastlake-Boulevard of 500 Flags-Schild

Eastlake-Boulevard of 500 Flags-Schild

Zurück zu den „gesprochenen und visuellen Gedanken“. Das Mahnmal in Eastlake ist sehr authentisch gestaltet. Die Twin Towers sind in Miniaturausgabe als zwei Säulen dargestellt, umgeben von echten Eisentrümmern des eingestürzten World Trade Centers, Mauerstücken der zerstörten Teile des Pentagons, sowie Grassoden von der damaligen Flugzeugabsturzstelle in Pensylvania.

Eastlake-Ted WHITTINGTON,Feuerwehrchef

Eastlake-Ted WHITTINGTON,Feuerwehrchef

Eastlake-Mahnmal 9-11 Light Post World Trade Center

Eastlake-Mahnmal 9-11 Light Post World Trade Center

Da bei den Rettungsversuchen seinerzeit auch viele Feuerwehrleute ums Leben kamen, hat die örtliche Feuerwehr die Pflege des Mahnmals übernommen. Ted WHITTINGTON, der Chef, und Edvard KIRKNER , sein Stellvertreter, meinten: „Bei aller Tragik, unsere Kollegen haben ihren Job gemacht und sich darin geopfert. Wir fühlen mit den Opfern und ihren Angehörigen. Zunächst dachten wir, dass Terroristen weltweit solche Aktionen verübt hätten. In unserem Job muss man auch bereit sein, sich für das Land zu opfern. Es war damals

Eastlake-Mahnmal 9-11 Eisenträger World Trade Center

Eastlake-Mahnmal 9-11 Eisenträger World Trade Center

ungefähr 8.00Uhr morgens. Wir wurden in Alarmbereitschaft versetzt, um ggf. nach New York oder an den Ort des Flugzeugabsturzes in den benachbarten State Pensylvania geflogen zu werden.“

Es war eine Auswahl von persönlichen Momenten und Gedanken, die hier geschildert wurde. Eine auch heute noch tiefe Erschütterung wurde spürbar. Die Terrorakte bleiben  unbegreiflich. Wie im Krieg kennt jeder irgendeine Familie, die Opfer zu beklagen hat. In dieser tiefen Aufgewühltheit mag auch ein Grund mit liegen, warum im alltäglichen Leben – nicht zuletzt auch durch starken kirchlichen Einfluss – an mehr Mitmenschlichkeit, Gemeinsamkeit und Liebe untereinander appelliert wird.

Wolf Leichsenring

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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