Ein Blick zurück – im Zorn?

Ein Blick zurück – im Zorn?

Zu berichten gilt es über eine schon fast einzigartige Begegnung.

Robert Munn - rechts im Bild

Robert Munn – rechts im Bild

Memorial Chapel im Pattsburgh  NY

Memorial Chapel im Pattsburgh NY

Wo? In der Kleinstadt Plattsburgh, in der nordöstlichen Ecke von New York State gelegen.

Im Rahmen eines „National POW / MIA Memorial Day“ am 20. September in der dortigen Memorial Chapel trafen wir Robert MUNN, einen Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die beiden Abkürzungen „POW“  und „MIA“ bedeuten „Prisoner Of War / Kriegsgefangener“ sowie „Missing In Action / Vermisst während Kampfhandlungen“.

Was macht Robert Munn so besonders? Er war gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ca. acht Monate in deutscher Kriegsgefangenschaft. Auf ihn aufmerksam gemacht wurden wir durch die lokale Presse, den Plattsburgher „Press-Republican“.

Ehrenformation beim Einzug in die Kirche

Ehrenformation beim Einzug in die Kirche

Nachdem wir uns den Organisatoren der sehr stilvollen Feierstunde als Deutsche zu erkennen gegeben und unsere Bitte nach einem Gespräch mit Herrn Munn geäußert hatten, stellte man den entsprechenden Kontakt her. Herr Munn stand unserem Gesprächswunsch auch sogleich aufgeschlossen gegenüber. Nach der Gedenkstunde in der vollbesetzten  Kapelle hatten wir Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch.

Aus dem quicklebendigen, heute 89-Jährigen sprudelten lebhaft die Erinnerungen an seine damalige Gefangenschaft. Mit seiner Zustimmung haben wir seine Worte auf einem  Aufnahmegerät aufgezeichnet und geben sie hier teils wörtlich, teils sinngemäß in eigener Übersetzung wieder.

Memorial Chapel während der Gedenkveranstaltung

Memorial Chapel während der Gedenkveranstaltung

Er diente damals, 1944, im Alter von 20 Jahren als Navigator bei der US Luftwaffe. Auf dem Weg zu einem Bombenangriff auf Leipzig, am 12. September 1944 wurde sein B-17 Bomber nördlich von Berlin abgeschossen.

R .Munn: „Glücklicherweise konnte ich noch mit dem Fallschirm aus dem getroffenen Flugzeug springen, aus rund 6.000m Höhe, und landete sanft auf der Erde. Bevor es mir gelang, mich zu verbergen, kam ein älterer deutscher Soldat auf mich zugeritten. Er hatte eine Pistole auf mich gerichtet. Ich hob sofort die Hände und ergab mich“.Er wurde in ein Befragungszentrum gebracht und dann weiter in das „Stalag Luft 1“-Kriegsgefangenenlager nach Barth (heue bekannt als „Vinetastadt“ bzw. „Tor zur Oststee“ im Landkreis Vorpommern-Rügen) transportiert.

Natürlich hatte er im Vorfeld schon viel Schlechtes über „Deutsche Nazi-Gefängnisse und Gefangenenlager“ gehört. Dennoch hielt er es für einen Segen, in einem solchen gelandet zu sein.

R.M.:“ Ich war glücklich dran, Gefangener der Deutschen gewesen zu sein, besser jedenfalls als bei den Japanern. In deren Camps mussten die Leute mehr leiden,  als wir es taten. Die Deutschen ließen uns überwiegend in Ruhe“.

Man lebte zwar mit 10 oder 11 Leuten auf engstem Raum, fuhr er fort. Aber zum Zeitvertreib standen eine kleine Bibliothek und ein Trainingsraum zur Verfügung.

Die Männer haben wöchentliche Nahrungsmittelrationen erhalten, berichtete der 89-Jährige weiter. Diese Pakete erhielten u.a. die sogenannte „Rot-Kreuz-Box“, welche jeweils fünf Schachteln Zigaretten, Seife, und für jeden eine Dose „Spam“ enthielten. Das war Trockenmilch und „gedörrter Käse“ .

Gedenktisch-Robert Munn hinten Mitte

Gedenktisch-Robert Munn hinten Mitte

Als einziges Gemüse  hätten die Deutschen auch manchmal Kartoffeln und Weißkohl an sie verteilt. Auf den kleinen, mit Kohle betriebenen Öfen lernten man auch zu kochen. Und hin und wieder gaben die Deutschen „outlandish recipes / ausländische Rezepte“ an sie weiter. „Some of them were pretty good / Einige waren ganz gut“, ergänzte er.

R.M.: „Doch als der Krieg sich dem Ende zu neigte, wurden die Lebensmittelrationen spärlicher und kamen seltener. Die Eisenbahnwege waren ja zerstört, es konnte kaum noch etwas herbeigeschafft werden. Die „Box“, welche bisher für eine Person bestimmt war, musste nun für drei Kriegsgefangene reichen“.

Jeden Morgen seien die Gefangenen gezählt worden, wobei man sie mit den neuesten „Frontnachrichten“ versorgte.

R.M.: „Die waren natürlich alle zugunsten Deutschlands gefärbt. Jeden Tag nur Meldungen von Siegen. Wir aber hatten ein geheimes Radio und konnten die Nachrichten von BBC empfangen. Es war schon lustig, den Unterschied zwischen den deutschen auf Sieg getrimmten und den BBC-Nachrichten zu beobachten“.

Nach der deutschen Kapitulation und seiner Befreiung aus dem Kriegsgefangenenlager sei er zunächst nach Frankreich und später dann zurück in die USA geflogen worden.Robert Munn beim Auszug aus der Kirche

Nach dem Krieg habe er nach einem Studium ab 1949 weiterhin in der US Luftwaffe gedient, welche er schließlich 1984 als „Lieutenant Colonel“ (entspricht dem deutschen Oberstleutnant) verließ.

Zum Schluss unseres Gespräches wiederholte er noch einmal: „I’m thankful I was in a German Camp and not in a Japanese one / Ich bin dankbar, dass ich in einem deutschen Kriegsgefangenenlager war und nicht in einem japanischen“.

Und heute?  Er hege keinen Groll. „We did a job / Wir haben einen Job erledigt“.  Zweimal habe er Deutschland nach dem Krieg noch besucht. In Bayern sei er gewesen, in München zum Oktoberfest. Es sei wunderschön gewesen.

Die „fremdländischen Rezepte“, die er während seiner Gefangenschaft kennengelernt hatte, würden auch heute noch manchmal gekocht, wusste seine Frau zu berichten. Als Erinnerung an den „glücklichen Ausgang des Krieges für ihre Familie“ hätte z.B. eines von ihnen „Cabbage Soup / Weißkohleintopf“ mit auf dem Menüplan anlässlich ihrer „Eiserner Hochzeit/65 Jahre“ (2011) gestanden. Die gesamte Familie sei zu diesem Festtag gekommen. Das seien immerhin ca. 90 Personen gewesen, bei elf eigenen Kindern, den Enkeln und Urenkeln.

Robert MUNN, eine bemerkenswerte Persönlichkeit von fast 90 Jahren, von Altersmüdigkeit keine Spur. Auf der bereits erwähnten Gedenkfeier glänzte er als Sänger mit strahlender Tenorstimme mit einem anspruchsvollen Solo.

Robert Munn als Solosänger

Robert Munn als Solosänger

Wolf Leichsenring

 

 

 

 

 

 

 

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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