Von den Großen Seen zum Großen Teich

Von den Großen Seen zum Großen Teich

Nach der Serie der „Einzelstaaterei“ werden wir im Folgenden etwas zügiger voranschreiten.  Der Herbst naht, es lockt der „Indian Summer“ in den Neuenglandstaaten. Es fehlen nur noch die beiden letzten Great Lakes, Erie und Ontario. An beiden fahren wir die Südküste entlang, dann immer ein wenig nördlich und viel östlich  bis an den Atlantik.

Grand View Promenade-Pittsburgh PA

Grand View Promenade-Pittsburgh PA

Passieren werden wir dabei die nördlichen Teile der States PENNSYLVANIA (PA), NEW YORK (NY), Vermont (VT), NEW HAMPSHIRE (NH) und gelangen in MAINE (ME) schließlich wieder ans Meer.

Zum Ersten Mal

PENNSYLVANIA (PA) darf nur einen winzigen, nördlichen Teil mit Zugang zum Eriesee zu seinem Gebiet zählen. Dafür aber kündeten einige  Ereignisse und Entdeckungen nach dem Motto „Zum Ersten Mal“ von neuer Hoffnung. Als Bedeutendstes ist wohl zu nennen, dass in PA als dem ersten State die Sklaverei abgeschafft wurde. Des Weiteren zeitigte in der Gegend von Titusville eine Bohrung nach Erdöl zum ersten Mal Erfolg.  Dr. Jonas Salk entwickelte an der Universität in Pittsburgh die erste Polioimpfung.

Selbst auf dem Gebiet der Religion ergab sich eine Premiere. Die blutigen Kriege der Einwanderer gegen die indianische Urbevölkerung veranlassten den Quaker William Penn 1681 dazu, eine „Quaker Kolonie“ auszurufen. Dieses „Heilige Experiment“, wie er es nannte, war als „Glaubens- und Regierungsleitlinie“ absoluter, gegenseitiger, nicht nur religiöser Toleranz verpflichtet. Wäre er noch am Leben, er könnte sehen, wie sein Experiment erblüht wäre. Amish, Dunkers, Mennoniten und natürlich „seine“ Quaker folgen auch heute noch seiner einfachen, ländlichen, rückständig wirkenden Lebensweise, die sich in den vergangenen beiden Jahrhunderten offensichtlich nur wenig verändert hat. Sie alle sind wie selbstverständlich integriert in die moderne amerikanische Gesellschaft.

Als nicht so politisch oder wissenschaftlich dafür aber umso eiskalt leckerer erwies sich die Pittsburgher Schöpfung des „Banana Splits“. In der gleichen Stadt konnte zum ersten Mal „Bingo“ gespielt werden.

Blitzsauber trotz verschmutzender Industrie

So präsentiert sich Pittsburgh, ca. 200km südlich vom Eriesee gelegen. Umzingelt von heute fast unsichtbarer, früher stark ausgebauter Kohle- und Eisenerzindustrie laden die zahlreichen Uferpromenaden, die Downtown mit gepflegten Parks und nicht zuletzt die Wanderwege mit „Grand View / Herrlicher Aussicht“      entlang der Felshänge zum  Verweilen ein.

Winter Garden-Pittsburgh PA

Winter Garden-Pittsburgh PA

Mitten in der Innenstadt wird der Ohio River geboren, nämlich durch den Zusammenfluss von Allegheny River und Monongahela River. Ein State Park  am Ort des Zusammenflusses würdigt seine Entstehung.  Wer dieses Ereignis auf dem Wasser erleben möchte, unternehme einen Raddampferausflug.

Ride The Duck-Pittsburgh PA

Ride The Duck-Pittsburgh PA

Wasser-Land-Kombination bietet die Stadt-Fluss-Rundfahrt „Ducky Tours“ in Amphibienfahrzeugen.

Als hervorstechendstes Gebäude der Innenstadt fällt der „Winter Garden“ sofort ins Auge. Die zwei Millionen getönten Fensterscheiben  wirken wie eine „Burg mit Spiegeln“.

Ein „Andy Warhol Museum“ und das „Center of American Music“ ehren auch diese künstlerischen Zweige. Beide Einrichtungen befinden sich auf dem riesigen, anmutigen Universitätsgelände der Stadt.

Cathedral of Learning-Pittsburgh PA

Cathedral of Learning-Pittsburgh PA

Die Universität darf sich obendrein mit der die „Cathedral of Learning“ eines Alleinstellungsmerkmales rühmen.  Dieser 42-stöckige, in gotischem Stil erbaute Turm nennt sich die „höchste, jemals gekannte Schule“.

An der Weinstraße

Dass die Süduferstraße am Erie See ein „Scenic Byway“ ist, überrascht sicherlich niemanden. Je nachdem, welche Karte man zur Hand hat, nennt sie sich zwischen den Städten Erie (PA) und Buffalo (NY) – und weiter den Lake Ontario entlang – entweder „Seaway Trail“ oder „America’s Byway 105“. Der gesamte „Seaway Trail“ erstreckt sich übrigens auf rund 750km von der Stadt Erie (PA) bis in den nördlichen Teil von New York State, entlang des Erie See, Niagara Rivers, Ontariosees und des amerikanischen Abschnittes des St. Lorenz Stroms.

Dem Aussichts- und Naturerlebnis kann die Bezeichnung egal sein. Erfreulicherweise gibt es viele Möglichkeiten zum direkten See- und Wasserkontakt, um  Ausblicke auf die häufigen Steilküsten genießen zu können.

Unerwartet ist es aber doch, am Straßenrand Hinweisschilder zu finden mit der Aufschrift „Grape Country / Traubenland“. In der Tat, die Maisfelder werden abgelöst durch ausufernde Flächen voller Weinstöcke. „Chautauqua Wine Trail“ heißt das grenzüberschreitende Zauberwort, hinter dem sich der Weinanbau mit jeder Menge an Weinkellern und Probierstuben verbirgt. Womit wir dann  in New York State, dem sogenannten „Empire State“ angelangt wären.

„Und noch zehn Minuten bis Buffalo“

Das Gedicht „John Maynard“ von Theodor Fontane nistet sich wie von selbst in die Gedanken ein, wenn man bei rauer See am Erie See entlangbummelt. John Maynard war der Steuermann des Passagierschiffes „Die Schwalbe“, auf der bei einer Überfahrt von Detroit nach Buffalo Feuer im Maschinenraum ausbrach. Sein umsichtiges Handeln und Durchhaltevermögen rettete den Passagieren das Leben, sein eigenes verlor er dabei.

Eine viel größere Rolle für Buffalo spielte und spielt jedoch der ehemalige Präsident Theodore („Teddy“) Roosevelt. Das Besondere an seiner Amtsübernahme war, dass er nicht im Weißen Haus in Washington seinen Amtseid ablegte und in sein Amt eingeführt wurde, sondern im  Bibliothekszimmer eines Freundes. Denn nach der Ermordung seines Vorgängers McKinley (T. Roosevelt war sein Stellvertreter) im September 1901 blieb keine Zeit für großes Zeremoniell. Kurzerhand bestellte man das damalige Kabinett nach Buffalo, wo das Attentat geschehen war, ebenso den Obersten Richter, und ließ Theodor Roosevelt den Amtseid schwören. Zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag wurde das Haus des Roosevelt Freundes, Ansley Wilcox, in einen sehr informativen National Historic Site umgestaltet.

Lake Ontario und St. Lorenz Strom

Eigentlich müsste an dieser Stelle ein Absatz über die Niagara Fälle folgen, die sich in unmittelbarer Nähe  befinden. Wir ersparen uns Redundanzen, denn dieses Naturspektakel haben wir ausführlich in dem Buch über unsere vorherige Nordamerikareise beschrieben. Gleiches gilt auch für die „Thousand Island Strecke“ am St. Lorenz Strom.

Ab Buffalo, insbesondere ab Youngstown an der Mündung des Niagara Rivers und am Westende des Lake Ontario ändert sich das Bild. Die Weinfelder werden ersetzt durch schier endlose Pfirsich- und Apfelplantagen, durchmischt mit Mais- und Sojabohnenflächen. Die Küstenstraße nennt sich nunmehr zusätzlich auch „Niagara Historic Trail“ oder „Lake Ontario State Parkway“.

Vom See zum Strom-Cape Vincent

Vom See zum Strom-Cape Vincent

Der Name Roosevelt hat sich auch in dem kleinen Ort Oswego am südlichen Lake Ontario eingekerbt. Dieses Mal ist es allerdings nicht Theodore, sondern sein Namensvetter Franklin, bekanntlich Präsident von 1933 bis 1945. Dank seiner Aktivitäten konnten sich 1944 knapp 1.000 Holocaust-Flüchtlinge in Sicherheit bringen. Nach der Flucht per Schiff bot das dortige Fort Ontario den Opfern Schutz vor weiterer Nazi-Verfolgung.

Eigentor

Nur wenige Kilometer weiter, im Örtchen Sackets Harbor unweit des Beginns des St. Lorenz Stroms, ist folgende Begebenheit aus dem Britisch-Amerikanischen Krieg (1812-1814) überliefert. Demnach standen sich in einer „Seeschlacht“ fünf britische und ein amerikanisches Kriegsschiff gegenüber. Die amerikanischen Truppen erhielten  schwache Unterstützung  vom Ufer aus, d.h. von einer „Gruppe von Farmern mit einer einzigen Kanone“.

Eine Kanonenkugel der Briten landete in der Nähe dieser Gruppe. Der Blindgänger wurde von den „Bodentruppen“ flugs wieder eingesammelt, in die eigene Kanone gesteckt und zurückgeschossen. Sie zerstörte den Mast des Flaggschiffs. Daraufhin sollen sich die Briten, nunmehr „kopflos“ geworden, endgültig zurückgezogen haben.

Man sollte vielleicht nicht jede Information auf die Goldwaage legen. Wie gesagt, diese Küstenstraße nennt sich auch „Historic Trail“ mit einer Reihe von „Historic State Parks“ über diese Epoche.

Vom See zum Fluss

Der Lake Ontario endet kurz nach Sacket Harbor und wird einige Kilometer weiter in und am Cape Vincent zur regen Wasserstraße des St. Lorenz Stromes. Wir folgen ihm noch ca. 100km flussabwärts auf einer malerischen Uferstraße bis nach Roosevelttown an der kanadisch-amerikanischen Grenze.

Auf ungefähr der Mitte dieses Streckenabschnitts lohnt in Ogdensburg ein Besuch der Schleusen und des Staudamms sowie des angrenzenden State Parks.

Abwechslung

Gipfel des Whiteface Mountain Adirondack Gebirge NY

Gipfel des Whiteface Mountain Adirondack Gebirge NY

Viele Wochen und Kilometer haben die Großen Seen unser Interesse beherrscht. Nun ist es Zeit für Abwechslung. Da der St. Lorenz Strom sich endgültig nach Kanada verabschiedet, biegen wir ab nach Süden ins Àdirondack Gebirge mit seinen rund 45 Gipfeln zwischen 1.300m und 1.700m.

Natürlich eignen sich besonders  Wanderungen dazu, diese malerische Gegend zu erkunden. Der Skisport ist  ebenfalls stark vertreten. Entsprechend sind Dörfer und Städtchen ausgerichtet, der Tourismus boomt.

Apropos Wintersport: Lake Placid ist sicherlich noch vielen ein Begriff. Dieser Ort am Whiteface Mountain war 1980 Austragungsort für die Olympischen Winterspiele. Ein weiteres Mal wurde dem Bergstädtchen bereits 1932 diese Ehre zuteil. Natürlich ist die gesamte Infrastruktur der Region noch vom „Olympiagedanken“ beseelt. Man strebt bereits eine dritte „Olympiasaison“ an.

Abendstimmung am Lake Ontario NY

Abendstimmung am Lake Ontario NY

Von Lake Placid aus führt eine gebührenpflichtige Panoramastraße auf den einzigen per Auto erreichbaren Gipfel dieses Mittelgebirges, nämlich auf den Whiteface Mountain. Kurz unter dem Gipfelkreuz mit Wetterstation hat sich in den 1930ger Jahren ein steinreicher Amerikaner mal wieder ein Schloss errichten lassen, wie immer mit unverbaubarem Ausblick. Ob er je darin gewohnt hat, ist nicht belegt. Heute dient das Felsengebäude als Café und Souvenirshop. Wem die letzten Meter Aufstieg   auf felsigem Untergrund zu mühselig sind, der nehme den in den Felsen gehauenen Fahrstuhl. Nach einem 300m langen Fußmarsch in einen Felstunnel wird man dann 27 Stockwerke in die Höhe geliftet.

Der Weg hinauf lohnt auf alle Fälle. Bei klarer Sicht schaut man über die Großen Seen, bis nach Toronto und gen Osten schimmert über die States Vermont, New Hamshire und Maine hinweg mit etwas Fantasie der Atlantik.

Ausable Chasm Canyon NY

Ausable Chasm Canyon NY

Doch die Adirondacks bieten mehr. Der „Ausable River“ durchquert die Gebirgslandschaft. Zu mehreren Gelegenheiten kann man auf „hängenden Pfaden“, also an canyonartigen Felswänden befestigten Laufstegen die tosenden Fluten, Stromschnellen und Wasserfälle aus nächster Nähe erleben. Besonders hervorheben wollen wir den „Ausable Chasm“ bei Keeseville und den „High Falls Gorge“ unweit von Wilmington“. Ausgewiesene „Abenteuerwege“, meist in mehreren Varianten und Schwierigkeitsgraden, abhängig von eigener Ausdauer und Schwindelanfälligkeit machen derartige Wanderungen zu einem unvergesslichen Erlebnis.

So viel Natur beherbergt selbstverständlich ein Umwelt- und Naturschutzzentrum. In diesem Fall heißt es „The Wild Center“ und ist im Ort Tupper Lake zu finden. Eigentlich repräsentiert es eine Mischung aus Zoo, Museum und Naturlehrpfaden.

Mit Hilfe eines „Indoor Rivers“ wird  Eiszeit verdeutlicht: Aufbau, „Blütezeit“ und Zurückgehen vom Eispanzer. Die Vielfalt dieses Naturcenters lässt einerseits die Urzeit quasi wieder auferstehen, andererseits die Uhrzeit vergessen.

Bevor wir New York State verlassen, bietet sich noch eine kleine Erläuterung zu dem o.g. Begriff „Empire State“ an, denn es ist schon ein recht edler, herausragender Spitzname. Kein geringerer als der erste amerikanische Präsident George Washington soll bereits 1785 New York State in dieser Weise tituliert   haben, eine Auszeichnung, auf die man heute noch sehr stolz ist.

Bunt sind schon die Wälder

Beginnender Indian Summer NY

Beginnender Indian Summer NY

Ja, in der dritten Dekade des Monats September ist der „Indian Summer“ schon deutlich spür- und sichtbar. Spürbar durch die einsetzende Kälte, die auch bei Sonnenschein die Mittagstemperaturen nicht mehr wesentlich über 15°C steigen lässt, die Nachttemperaturen hingegen sich zielsicher der Frostgrenze nähern.

Sichtbar wird diese aus Sicht der Einheimischen  „schönste Jahreszeit“ durch das aufflammende Rot der Laubfärbung, jeden Tag ein wenig intensiver. Die Ahornbäume entfalten ihre bunte Farbvielfalt, besonders in Vermont und New Hamshire mit ihren bergigen Landschaftsformen.

Der süße Strom

Einmal auf dem Whiteface Mountain im Adirondack Gebirge angekommen, kann man auch in die routenmäßige Zukunft blicken, d.h. auf die Green Mountains in Vermont und den Mount Washington in den White Mountains in New Hamshire. Die Green Mountains müssen auch als Namensgeber für den State Vermont herhalten, denn als der französische Forscher Samuel de Champlain am Anfang des 17.Jh. die Berggipfel zum ersten Mal erblickte, soll er ausgerufen haben „Oh, Les Verts Monts“. Selbstredend wurde auch der größte See im State „Lake Champlain“ nach ihm benannt (im Westen an der State Borger zu New York State gelegen).

Vermont ist auch der State des weltbekannten Maple/Ahorn Sirups. Viele Farmen haben sich auf die Herstellung der zuckersüßen Flüssigkeit spezialisiert. Natürlich gibt es jede Menge diesbezügliche Besichtigungstouren auf den Gehöften mit den entsprechenden Hofläden.

Um einigermaßen gewinnbringend produzieren zu können, bedarf es mindestens 6.000 Ahornbäume auf engem Raum. Der Baumsaft wird von Ende Februar bis Mitte April gewonnen und dann sofort eingedampft. Das war’s an Produktionsschritten. Und warum ist der Sirup dann so teuer? Weil aus ca. 40 Gallonen (ca. 150 Liter) lediglich eine Gallone (knapp vier Liter) Sirup gewonnen werden kann.

Wer diese Köstlichkeit auch mit Eiscreme intensiv kosten möchte, hat hierzu in der USA bei „Ben&Jerry’s Ice Cream Factory“ Gelegenheit. In ihren „Soop Shops“ gibt es jede Woche einen ganzen Tag lang diese Leckerei kostenfrei. Man muss nur herausbekommen in welchem.

Mitten in den lieblichen, von Mischwald geprägten Green Mountains gibt es eine weitere kleine Attraktion zu erkunden. Auf unserer vorherigen Nordamerika-Tour in 2011 haben wir Salt Lake City, die Hauptstadt der Mormonen, mit dem Temple Square besucht (vgl. dazu das entsprechende Kapitel in unserem Buch „Atlantik – Pazifik – Atlantik“) Hier in Vermont, im Dorf Sharon ist der Gründer dieser Religionsgemeinschaft, Joseph Smith 1805 geboren. Eine entsprechende Gedenkstätte mit Museum und Kapelle würdigt diesen Ort.

Lebe in Freiheit oder stirb!

„Live free or die.“ Um New Hampshires grob wirkendes Motto zu verstehen, muss man einen kurzen Blick auf des States wegweisende Geschichte werfen. Während andere States nach Besiedlung mit europäischen, besonders englischen, schottischen und irischen Auswanderern noch fast ein Jahrhundert lang durch  Untertanen- und Treueverpflichtungen der englischen Krone verbunden blieben, erklärte New Hampshire (1776) als erster State kurzerhand eigenmächtig seine Unabhängigkeit und gab sich eine provisorische Verfassung. Dieser „Husarenschritt“, verbunden mit dem Namen des Genaral Sullivan führte dann auch schließlich zu dem/den „Befreiungskrieg/en“ zu Beginn des 19.Jh.

White Mountains NY-Mount Washington winterlich

White Mountains NY-Mount Washington winterlich

Viel angenehmer sind hingegen Ausflüge in die White Mountains mit dem Mount Washington als dem höchsten Berg (gut 2.000m) im dem östlichen USA Bergland. Ab Bretton Woods mit der Basisstation Mansfield fahrt die Zahnradbahn „The COG Railway“  auf den Gipfel oberhalb der Baumgrenze. Für uns war das auch der Wechsel von mildem Herbst in winterliche Gefilde, zumindest ab halber Höhe auf die Bergspitze. Es handelt sich dabei um die erste und älteste (Jahrgang 1869), heute noch funktionierende Bergbahn Nordamerikas mit Steigungen bis zu 37°. Deshalb hat man auch die Sitzbänke entsprechend „schief“ eingebaut.

Zahnradbahn von 1869-White Mountains NY

Zahnradbahn von 1869-White Mountains NY

Im weiteren Verlauf lohnt es sich, Zeit zu investieren für eine Rundfahrt durch die White Mountains. Auf der US 302 geht es zunächst südöstlich in den Wintersportort Conway und anschließend wieder westlich über den unbeschreiblich schönen Kancamagus Highway (US 112).

Getanzte Religion

Schütteltänze als ein Zeichen von Gottergebenheit charakterisiert die freikirchliche Glaubensrichtung der „Shaker“. Diese eigenständige religiöse Gruppierung ist Mitte des 18Jh.hervorgegangen aus den Quäkern „Shaking Quaker = Shaker“. Weit verbreitet waren sie in den States New York und Maine. Sie zeichnen sich durch hohe Arbeitsethik, filigrane Handwerkskunst besonders auch in der Möbelherstellung und geniösen Erfindungsreichtum aus.  Ihr klösterliches, zölibatäres Leben fordert die Auflösung des Familienverbandes und die Aufgabe jeglichen Privatbesitzes. Alles gehört der Gemeinschaft. Ein Zusammenleben der Geschlechter ist verboten. Männlein und Weiblein schlafen in getrennten Schlafsälen, sitzen nicht gemeinsam am Tisch und haben getrennte Eingänge und Sitzbänke in den Versammlungsräumen. Priester in unserem Sinne gibt es nicht. Der Gottesdienst ist geprägt von Gebeten der Gläubigen und den Tänzen, wobei allerdings auch jegliche körperliche Berührung verboten ist.

In Canterbury (NH) kann ein solches Shaker Dorf besichtigt werden, allerdings nur noch als Museumsdorf mit Film und Führung. Einige Meilen weiter östlich, bereits dann in Maine, existiert noch eine der in gesamt USA verbliebenen aktiven Gemeinden. Man vermutet, dass auch diese beiden Gemeinden mangels eigenen Nachwuchses sowie äußeren Zuwachses bald „ausgestorben“ sein werden.

Ferienland

So bezeichnet sich Maine gern selbst. Drei touristische Jahreszeiten geben hierfür den Ausschlag: Der Sommer mit seinen schier unendlichen Wassersportmöglichkeiten auf den mehr als 5.000 Seen und Flüssen und der Atlantikküste; der Winter für Ski- und Snowmobile-Aktivitäten im hügeligen Binnenland; der Herbst, wenn die „Leaf Peepers“ die Gegend bevölkern. Mit diesem Begriff werden die Touristengruppen bezeichnet, die extra zum „Indian Summer“ angereist kommen, um die Laubfärbung zu bestaunen. Auf unserer Herbsttour durch diesen Landstrich genießen wir in vollen Zügen die Rolle der „Blattangucker“, so die freie Übersetzung des englischen Begriffes.

„Pine Tree State“ lautet eine weiterer Spitzname Maines wegen seiner endlosen, dichten Fichtenwälder. Und wo viel Holz ist, wird natürlich auch viel gesägt und gefällt. Entwicklung und Hintergründe des Holzfällerberufes erfährt man im nördlichen Ort Patten im „Lumbermen’s Museum / Holzfällermuseum“, nach eigenen Angaben dem einzigen derartigen Museum in ganz Nordamerika.

Mount Katadhin ME

Mount Katadhin ME

Für die mühselige und oftmals gefährliche Arbeit des Fällens und Flößens wurden die Arbeiter in den 1920ger Jahren allerdings nur äußerst karg entlohnt. Unterkunft und Verpflegung waren zwar frei. Der Holzfäller erhielt allerdings  nur $2,60 pro Tag. Die Tätigkeit des Beladens eines Wagens oder Schlittens brachte auch nicht mehr ein. Und der Flößer verdiente nur noch $2,30 pro Tag. Da ging es dem Chefkoch, der die gesamte Mannschaft zu versorgen hatte, doch erheblich besser. Seine Tätigkeit war immerhin $4,00 wert, die seines Gehilfen nur noch $2,50. Alles versteht sich natürlich vor Abzug von Steuern und inklusive Sonntagsarbeit.

Meeresgeruch

Atlantikküste bei Lubec ME

Atlantikküste bei Lubec ME

Hängt es nun zusammen mit den unaufhörlich flacher werdenden Hügeln, wenn man einmal  von dem knapp 1.700m hohen Mount Katadhin im Dexter State Park absieht,  führt nun der Wunsch als Vater des Gedankens Regie, oder entspricht es der Realität? Wir jedenfalls glauben, mitten im Wald den nahen Atlantik bereits zu riechen. Und das in einem State, in dem mehr als 90% der Landfläche benadelt und belaubt sind.

Vielfach die US 1 an der kanadischen Nord-Süd-Grenze entlang erreichen wir Calais, eine Kleinstadt am St. Croix River, der sich einige Meilen weiter südlich in den Atlantik ergießt. Eastport heißt die nächste Station, ebenfalls Grenzstadt mit die beiden Länder verbindender Brücke. Die Ufer- und Küstenausblicke sind geprägt von der Insel- und Schärenwelt. Und schließlich öffnet sich an einem von der Sonne durchfluteten Tag Ende September  die Weite des Atlantiks im Fischerdorf „Lubec“.

Bevor es im nächsten Kapitel dann mit einer Küstenfahrt durch die südlich gelegenen Neuenglandstaaten weiter geht, schließen wir für dieses Mal mit einem weiteren „Tipp für Wohnmobilisten“

Wir hatten ja bereits berichtet, dass freies Übernachten auf den riesigen Parkplätzen der Supermarktkette „Walmart“ in der Regel erlaubt ist, ebenso auf Rückfrage an den Casinos oder bei größeren Motels. Hinzu kommen nunmehr die Parkplätze der Baumarktkette „The Home Depot“. Einmal kurz am Informationsschalter Bescheid sagen, der Bitte folgen, nicht direkt vor dem Kundeneingang sein Gefährt abzustellen, und schon ist der Übernachtungsplatz perfekt und vor allen Dingen viel ruhiger als bei Walmart, denn der Baumarkt schließt meistens um 22 Uhr. Darüber hinaus kann man dort in aller Ruhe den Internetzugang „attwifi“ als „Free Wifi“  benutzen, wie bei McDonald’s. Und sollte dann der Trinkwasservorrat zur Neige gehen, im Außenbereich des Gartencenters findet sich oft ein Zugang zu einem Wasserhahn. Einfach mal kurz nachfragen. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Amerikaner haben wir ja schon zum wiederholten Male positiv hervorgehoben.

Wolf Leichsenring

 

 

 

 

 

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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