Bluegrass Boxen Benjamin

Bluegrass Boxen Benjamin

Die Fahrtstrecken werden länger, denn wir wollen New York City im weiten Bogen umfahrend gen Philadelphia reisen, im Südostzipfel des States Pennsylvania gelegen. Unterwegs passieren wir wie im Fluge die beiden Ministates Rhode Island und Connecticut.

„Was wollt Ihr denn in Philadelphia?“, fragte der Werkstattleiter eines Reifenservices erstaunt bis abfällig. Da sei doch nichts los, fuhr er fort.

Die Aussicht auf den zu erwartenden ersten Schneefall im später avisierten Appalachen Gebirge und den höher gelegenen Scenic Byways „Skyline Drive“ bzw. „Blue Ridge Parkway“ veranlassten uns aus Gründen der Sicherheit Winterreifen aufziehen zu lassen. Hier in USA sind diese erheblich preiswerter zu erstehen als in Deutschland.

Die Wiege der Nation

Benjamin Franklin Statue

Benjamin Franklin Statue

Ja, wenn er nur wüsste, unser Werkstattleiter, wie spannend die Geburt einer Nation sein kann. Nun hat es ja zwischen der Ankunft der Pilgrim Fathers 1620 und der Gründung der USA immerhin noch ca. 150 Jahre gedauert. Zwischenzeitlich hatte der Quäker William Penn den heutigen State Pennsylvania „gegründet“, d.h. er bekam die ehemalige Kolonie von dem deutschen Kaiser Karl II als Begleichung einer Geldschuld überschrieben (vgl. hierzu auch die Anmerkungen im Kapitel „Von den Großen Seen zum Großen Teich“).

Die Innenstadt von „Philly“, wie Philadelphia von seinen Bewohnern genannt wird, ist quasi ein einziger Historic National Park. Eng verbunden mit der Stadt sind natürlich auch die Namen der ersten amerikanischen Präsidenten George Washington, James Adams und Thomas Jefferson. Sie gelten letztendlich als Gründer und Festiger der Nation.

Freiheitsglocke

Freiheitsglocke

Independance Hall

Independance Hall

The Constitutional Walking Tour führt vorbei an den hauptsächlichen Orten der Gründungsgeschichte, wie der Independance Hall, dem National Constitution Center, dem United States Courthouse. Kristallisationspunkt aller Anlaufstationen bleibt allerdings das „Liberty Bell Center“ mit der Freiheitsglocke, die anlässlich der Unabhängigkeitserklärung erklang.

Verehrt auch ohne Präsidentschaft

Er war zwar niemals Präsident, aber als Vordenker und Gründungsvater der Vereinigten Staaten von Amerika wird das Allroundtalent (Drucker, Verleger, Schriftsteller, Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann)  Benjamin Franklin auch heute noch hoch verehrt. Das Benjamin Franklin Institut, eine Mischung aus Forschungsstätte und Wissenschaftsmuseum,  legt hiervon Zeugnis ab.

Denn es war dieser Genius, der viele Einrichtungen der Stadt und der Nation erst ins Leben gerufen hat. So schuf er das erste Postamt, die erste wirkliche Universität, die erste Freiwillige Feuerwehr sowie das erste Hospital in Amerika. Seine Erfindung des ersten Blitzableiters nahm einer der bedrohlichsten Naturerscheinungen ihren Schrecken.

USA bleibt geschlossen

Der noch (Mitte Oktober 2013) andauernde mehrwöchige „shut down“ ließ natürlich auch hier viele Türen und Tore bundesstaatlicher Einrichtungen geschlossen halten. Glücklicherweise kann aber vieles besichtigt werden, was staatlich nicht „abschließbar“ ist. Das gilt besonders natürlich für die unzähligen privaten touristischen Unternehmen, deren Geschäfte in dieser Zeit durchaus stärker boomen. Mit viel Erfindungsreichtum bei moderaten Kosten zeigen sie die Stadt „von außen“. Und außerdem waren ja auch nicht alle touristischen Einrichtungen von dem Ausgabenstopp betroffen.

Moderner Strafvollzug

Normale Zelle

Normale Zelle

Gefängnisflur

Gefängnisflur

Zum einen gilt das für das „Eastern State Penitentiary“-Museum, einem ehemaligen Gefängnis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es galt damals als „moderner Strafvollzug“, denn die Gefangenen wurden zur Arbeit angeleitet und waren in Einzelzellen untergebracht, ausgestattet mit einer Bibel zum „Überdenken ihrer Missetat“.

Al Capones Zelle

Al Capones Zelle

Alle Gefangenen sollten gleich behandelt werden. Aber einige waren denn wohl doch gleicher als gleich. Das zeigt sich zum Beispiel an der Behandlung und Zellenausstattung (Stehlampe, weiches Bett, gemütlicher Sessel, Radio) von Al Capone, der auch hier einst ca. acht Monate einsaß.

Stars and Stripes

Betsy Ross Haus mit historischer Flagge

Betsy Ross Haus mit historischer Flagge

Der  „Constitutional Walk“ führt ebenfalls vorbei am „Betsy Ross House“. Betsy Ross, wir würden sie heute Innendekorateurin nennen, erhielt seinerzeit (1777) von George Washington persönlich den Auftrag, dem Kongress den Vorschlag für eine US-Flagge zu unterbreiten. Ihr Muster wurde akzeptiert, und so entstand die heute noch wehende Fahne der „Stars and Stripes“.

Unabschließbar

Für Kunstliebhaber bietet sich eine Tour zur Besichtigung der „Murals / Wandbilder“ an. 3.600 solcher Gemälde zählt die Stadt. So unterschiedlich diese Murals auch sein mögen, das Motiv „FRANK“ verbindet sie alle. Natürlich lugt auch hier wieder der Benjamin FRANKlin hervor, aber nicht nur er, auch FRANK Sinatra strahlt herab auf den Betrachter, andere amerikanische und lokale Berühmtheiten ebenso. Schließlich reiht sich auch das FRANKforter-Würstchen in den Bilderreigen ein.

Neben diesen Wandbildern schmückt sich die Stadt mit fast ebenso vielen Statuen, Plastiken und Denkmälern. Drei seien beispielhaft herausgegriffen. Rodins “Denker“ weist den Weg ins Rodin-Museum. Griechenland hatte der Stadt einstmals eine „Göttin der Weisheit“-Statue vermacht als Geschenk der „alten“ Demokratie an die „neue“.

Boxstar Rocky als Statue

Boxstar Rocky als Statue

Und als Dritter im Bunde ballt der Boxer „Rocky“ statuenhaft die Fäuste, gleich neben der „Rocky-Treppe“. Die Filme über sein Leben (mit Sylvester Stalone) erreichten bekanntlich Weltruhm. Diese Treppe sollen mehr Menschen bestiegen haben als es Besucher im berühmten Philadelphia Kunstmuseum gegeben hat.

Als unabschliessbar erweisen sich natürlich auch die vielfältigen städtischen Parks. Mit dem Fairmount Park verbindet sich die Geschichte der in „Philly“ geborenen und später berühmten Filmschauspielerin Grace Kelly. Dieser öffentliche Park befand sich damals im privaten Besitz ihrer Eltern. Als der Vater von den Hochzeitsplänen seiner Tochter mit Fürst Rainier III. von Monaco erfuhr, soll er außer sich vor Sorge um die adäquate Standesmäßigkeit dieser Verbindung gewesen sein. Seine Tochter soll ihn mit dem Hinweis beruhigt haben, dass der elterliche Park größer sei als das Fürstentum ihres Zukünftigen.

National Military Park

Wer kann schon ein ganzes ehemaliges Schlachtfeld abschließen. Wir haben Philadelphia nunmehr verlassen, um nach Gettysburg, einem weiteren überaus geschichtsträchtigen Ort der USA zu reisen. Hier hat sich das Blatt während des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) in der Schlacht um Gettysburg zugunsten der Nordstaaten gewendet. Wer weiß, wie die USA heute dastehen würden, wenn die Südstaatler die Oberhand behalten hätten.

Wenn auch die eigentliche Autotrundtour vom „shut down“ betroffen war, das geöffnete Visitor Center, der Film über den amerikanischen Bürgerkrieg und das  Cyclorama als Multimediashow boten einen guten Einblick in diesen Teil der Geschichte. Das gesamte Gelände ist obendrein so weitläufig, dass von vielen öffentlichen Straßen die Open Air Besuchsstationen und Monumente eingesehen werden können. Die Parkverwaltung hat denn auch flugs eine Straßenkarte herausgegeben, mit deren Hilfe man diese Besichtigungspunkte  auch auf nicht gesperrten Straßen anlaufen kann. Improvisation heißt das Stichwort dieser Tage.

Skyline von unten

Und so blickt man denn stets nach oben auf die Bergeketten des „Skyline Drive“. Aber als Teil des „Shenandoah National Park“  war auch diese Teilstrecke durch das Appalachen Gebirge vom „shut down“ betroffen, d.h. Park und Panoramastraße wurden kurzerhand gesperrt.

Was zuerst nach großer Enttäuschung aussah, glättete sich schnell. Denn erstens durchkreuzen die Straßen des Shenandoah Tales eine malerische, von Bergketten gesäumte Landschaft. Zweitens waren die Berggipfel an diesem regnerischen Tag ausnahmslos in Nebel gehüllt, so dass die Gipfel nur erahnt werden konnten bzw. im anderen Fall der Blick ins Tal versperrt gewesen wäre.

Lichtblicke

Blue Ridge Parkway

Blue Ridge Parkway

Im doppelten Wortsinn hat sich die Weiterfahrt durch das Appalachen Gebirge Richtung Süden gelohnt. Nicht nur der Himmel klarte auf, sondern auch der sich gleich an den „Skyline Drive“ anschließende „Blue Ridge Parkway“ war offen. Beide Panoramawege gehen nahtlos ineinander über und durchlaufen gemeinsam eine Distanz von rund 570 Meilen, also gut  900km.

Bereits 1935 noch unter dem Präsidenten Franklin D. Roosevelt wurde mit dem Bau dieser beiden Gipfelstraßen begonnen. Aber erst 1987 war sie vollkommen fertiggestellt. Offiziell verbinden die beiden Parkways den nördlichen Shenandoah National Park (Ausgangsort: Front Royal) in Virginia mit dem südlichen Great Smoky Mountains National Park (Endpunkt: Cherokee) in North Carolina.

In einem Vergleich ausgedrückt bedeutet dies, dass man von Flensburg bis nach München mit höchstens erlaubten 70km/h auf einer zweispurigen Asphaltstraße entlang trödelt, meistens auf einer Höhe von 600m bis 1.800m, mal links den Blick ins Tal, mal rechts, oft auch beidseitig. Der Parkway ist absolut LKW-frei, kein Fahrstress durch rücksichtlose Drängler oder Überholer. Wer hier fährt genießt die Zeit und die Natur.

Reichhaltige Farbpalette

Natürlich zeigt sich jetzt Mitte Oktober der „Indian Summer“ in seiner vollen Pracht. Die bewaldeten Berghänge ähneln in ihrer Farbvielfalt einem bunten Patchwork Teppich, selbstredend  dominieren die Farben Orange, Rosa und Rot in allen Schattierungen. Kein tiefdunkles Grün von Nadelgehölz verschluckt die Strahlen der Herbstsonne. Das unendliche Farbspektrum der Laubgewächse, besonders von Ahorn und Essigbaum schickt so manchen Lichtstrahl zurück ins Firmament. So eine Fahrt durch diese bunte Blätterwelt bedeutet ohne Einschränkung Hochgenuss pur.

Malerische Fantasie legt nicht nur die Natur an den Tag. Auch die Namen der Berggipfel zeugen von Einfallsreichtum: Humpback Rocks, Grandfather Mountain,  Peaks of Otter,  Chimney Rock, und wie sie alle heißen mögen. Die schroffen Felsformationen sind dabei eher im Streckenabschnitt in North Carolina zu finden, wie The Black Mountains, The Psgah Ledge, The Craggies und The Balsams. Die Schroffheit der Bergketten äußert sich auch dadurch, dass in Virginia lediglich ein Tunnel vonnöten war, in North Carolina hingegen gut zwanzig.

Nicht nur Sport

Wir wenden uns nach der Boxlegende „Rocky“ zum zweiten Mal dem „Boxen“ zu. Allerdings geht es dieses Mal nicht um den Boxsport. „Boxerwood“ heißt das Stichwort, hinter dem sich in Lexington, Virginia, ein Naturzentrum, besser gesagt ein Arboretum, verbirgt. Also, wer von den Wanderpfaden, Bergbesteigungen und zahllosen Aussichtspunkten der Parkways noch nicht genügend Naturerlebnis in sich aufgesogen hat, der schlendere doch noch durch die „Allee der erlesenen Bäume und Sträucher“ in dieser weitläufigen Gartenanlage.

Perlen am Wegesrand

Gut ausgearbeitete Übersichtskarten und Broschüren als Reisebegleiter geben exakt die unterschiedlichen Besichtigungspunkte am Rande der Strecke an, meist in  idyllischen Talorten gelegen. Bei so viel berauschendem, stunden- und tagelangem Naturgenuss kommt eine  Abwechslung wie gelegen. Zum Tanken, Einkaufen und ggf. Übernachten ist eine Talfahrt zwingend notwendig, wenn man einmal von den wenigen Lodges und Campingplätzen am luftigen Wegesrand absieht. Ebenso wie die staatlichen Visitor Centers und Museen mussten aber auch diese Übernachtungsstätten ihre Türen verschlossen halten.

Nicht so die oft privat betriebenen „Roadside Attractions“, also die Sehenswürdigkeiten am Wegesrand.

Natural Bridge

Natural Bridge

Als diesbezügliches Highlight zählt die „Natural Bridge of Virginia“ beim Dorf Glasgow

hierzu. Ein gut 50m hoher Felsbogen überspannt das Tal des „Cascade Rivers“. Zu finden ist dieses Naturwunder in der Nähe der Abfahrt „Milepost 62“ des Blue Ridge Parkways. Nicht nur die Wanderung durch dieses Canyontal lohnt sich.

Natural Bridge-Drama of Creation

Natural Bridge-Drama of Creation

Bei gleichem Eintrittsgeld wird während der Abenddämmerung noch zusätzlich ein Augen- und Ohrenschmaus geboten „The Drama of Creation“. Zu klassischer Musik sowie den entsprechenden Texten des Alten Testaments entfaltet sich ein Lichterspiel an den Felswänden der steinernen Naturbrücke, zum Nachempfinden der „Sieben Tage der Schöpfung“.

Die „Befreiung“ Europas

In der jüngeren amerikanischen Geschichte besitzt der Begriff „D-Day“ eine besondere Bedeutung. Gemeint ist damit der 6. Juni 1944 als Beginn der Anlandung der alliierten Truppen in der Normandie, ein Datum, welches als Beginn der „Befreiung Europas von der Braunen Pest Hitler-Deutschlands“ markiert ist. Im Städtchen Bedford, Virginia wird dieses Ereignisses und seiner Opfer mit einem pompösen National Memorial gedacht.  Die Szenerie, dargestellt in der abstrakten Form des Pariser Triumphbogens, umgeben von Statuen, Skulpturen, Büsten und Bodenmalereien schildert die Entwicklung der Anlandung von den Entscheidungsprozessen bis zum Einmarsch der westlichen Alliierten in Paris. Ein sehr beeindruckendes Memorial.

Schocktherapie

Besucher der beiden idyllischen National Parks, Shenandoah im Norden, Great Smoky Mountains im Süden, verbunden durch die o.g. Panoramastraßen quer durch Virginia und North Carolina, werden abrupt desillusioniert durch die am Fuße der Great Smoky Mountains liegenden Orte Gatlinburg und insbesondere Pigeon Forge. Las Vegas ähnliche Vergnügungsmeilen durchziehen die Städte. Dichtgedrängt schieben sich Vergnügungssuchende durch die Straßen. Alles ist auf Kommerz getrimmt. Aus ist es mit Ruhe und Beschaulichkeit!

„Hang Down Your Head….“

So beginnt der Schlager aus den 50ger Jahren über den vermeintlichen Mörder Tom Dooley (richtiger Name: Tom Dula). Allerdings war 1958 nicht die erste Einspielung des eigentlichen Folksongs. Bereits 1929 gab es eine amerikanische Vertonung.

Und was hat das mit dem Blue Ridge Parkway zu tun? Ganz einfach: Dieser Kriminalfall spielte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in North Carolina ab, und zwar in der Region, durch die heute diese Panaromastraße verläuft. Eine Gedenktafel an einem Parkplatz mit Postkartenausblick erinnert an diese Begebenheit.

The Bluegrass State

So wird Kentucky auch genannt, ist zusätzlich aber mindestens ebenso berühmt für seine  Pferdederbys. Louisville im Norden des States, die am Ohio River gelegene Stadt mit einem umfangreichen französisch geprägten historischen Erbe (Ludwig XVI), hat sich hier besonders hervorgetan. Ist die Landschaft mal nicht von den bewaldeten Ausläufern des Appalachen Gebirges geprägt, überzieht bestimmt ein großweidiges Pferdegestüt die Gegend.

Und ein weiteres Mal „Abe“

Lincolns Geburtshütte im Memorial

Lincolns Geburtshütte im Memorial

Spätestens am Geburtsort Abraham Lincolns in Hodgenville (ca. 60km südlich von Louisville) hat den Reisenden die Beschaulichkeit wieder eingeholt. Dieser National Historic Site ist den Amerikanern so wichtig, dass sie gleich ein tempelartiges Memorial darin integriert haben. In diesem Gedenktempel, in welchen man normalerweise Denkmäler oder Gräber der Berühmtheiten betrachten kann, ist die doch winzige Geburtshütte des großen Präsidenten wieder aufgebaut worden .Andächtig wandeln die Besucher um sie herum, blicken durch das einzige kleine Fenster in das dunkle Innere der Holzhütte. Auf diese Weise soll dokumentiert werden, aus welch bescheidenen Verhältnissen Lincoln entstammt. Unterstrichen wird dieser Eindruck weiterhin durch den angegliederten Historic Site seiner Jugend (Boyhood), der sich 15 km entfernt befindet. Hierhin musste die Familie aus Gründen einer Eigentumsfrage ausweichen, baute dort eine neue, identische Holzhütte, an einem malerischen Bach gelegen. Für den jungen Lincoln waren diese Jugendjahre wie im Paradies, wie er selbst einmal sagte.

Böhm Beam Bourbon

Jim Beam

Jim Beam

Ja, wer hätte gedacht, dass der Deutsche Jacob Böhm, als er 1787 in Amerika anlandete, einmal ein weltumspannendes Whiskey-Imperium schaffen sollte. Nun, es war es nicht allein, der das Unternehmen trotz aller Klippen und Fallstricke zu diesem Erfolg führte. Aber er hat den Grundstein dafür gelegt, und kam damals nach Kentucky, lediglich ausgerüstet mit seinem Wissen um Landwirtschaft und Schnapsbrennerei. Heute wird das Unternehmen in der siebenten Generation geführt. Einen ersten entscheidenden Schritt zum Erfolg trug jener JACOB BÖHM schon dadurch bei, als er die Änderung seines Namens vornahm in JIM BEAM. Die Produktionsstätte inklusive Chipkarten gesteuerter Kostproben kann besichtigt werden in Clermont, ebenfalls etwas südlich von Louisville.

So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass man über viele Meilen einem „Bourbon Trail“ folgen kann, um auch noch all die anderen Destillerien anzusteuern und gelegentlich auszuprobieren. Die spätere Ausnüchterung kann anschließend auf dem „Bluegrass Trail“ erfolgen.

Als unternehmerische Fußnote sei erwähnt, dass in diesem State auch die weitläufig bekannte Restaurantkette „KFC – Kentucky Fried Chicken“ beheimatet ist. Sie tritt aber auch hier im Heimatstate nicht häufiger in Erscheinung als im übrigen Land.

„Ich bin der Größte“

Das ist kein Werbeslogan des Whiskey-Herstellers sondern die eigene Betitelung eines der berühmtesten Boxeridole unserer Zeit: Cassuis Clay, nach seinem Übertritt zum Islam MUHAMMAD ALI gerufen. Louisville hat diesem als exzentrisch geltenden Sohn seiner Stadt ein eigenes „Muhammed Ali Centrum“ gewidmet, ein vielstöckiges Gebäude am Ufer des Ohio Rivers. Wer möchte, kann in dem Ring, in dem er die Weltmeisterschaft im Schwergewicht gegen Jo Frazier letztendlich doch gewann, virtuell mit ihm trainieren. So eine Bewegungsstunde lässt auch den vorher goutierten Whiskey wieder schneller aus dem Körper verdampfen.

Ohio River in Louisville KY

Ohio River in Louisville KY

Blaues Grass

„Entschleunige Dich selbst, weg von Termindruck, Computerabsturz,  Verkehrsinfarkt und all die anderen Wehwehchen modernen Lebens“, könnte man sagen, wenn Du auf den Scenic Byways an weiß getünchten Weidezäunen entlang fährst, hinter denen das Gras der Wiesen in der Tat blaugrün schimmert. So hat dieser Anblick und der Begriff „Bluegrass“ ein Eigenleben gewonnen, welches sich nicht nur in der Natur, sondern auch in der Literatur und besonders in der Musik wiederfindet. „My Old Kentucky Home“, vom Songwriter Stephen Foster deshalb liebevoll so benannt, stellt sich heute als typischer Bluegrass State Park dar.

Bekannter ist sicherlich der gleichnamige Bluegrass-Musikstil, in den 1940ger Jahren entstanden. Dem „ Begründer“, Bill Monroe und anderen Bluegrass-Musikgrößen hat man in Owensboro (ebenfalls am Ohio River gelegen) ein eigenes „International Bluegrass Music Museum“ errichtet. Ein Film von 90 Minuten führt nicht nur in das Thema ein, sondern gestaltet sich wie ein Konzert.

Steppdecken als Kunstwerke

Kentucky bietet in seiner äußersten Nordwestecke, in der Stadt Paducah – immer noch am Ohio River- ein außergewöhnliches, künstlerisches National Heritage: The Quilter National Museum. Der eigentliche Quilt (nicht zu verwechseln mit dem Schottenrock KILT) wurde geboren als einfache Steppdecke, dann aufgewertet zur Tages- bzw. Zierdecke und erlebt den Gipfel seines Ruhmes als kostbares Kunstwerk. Die schönsten Quilts aus aller Herren Länder werden in diesem Museum in all ihrer Feinheit, Vielfalt und Farbenpracht präsentiert. Wie viel Einfallsreichtum, Geduld und kunsthandwerkliches Geschick muss in die Herstellung eines solchen früheren Kleidungsstückes stecken.

Wie? Kleidungsstück? Ja, denn von China ausgehend, waren Quiltstoffe im gesamten Orient verbreitet. Kreuzritter nutzten den Stoff für Unterhemden, die sie unter der Rüstung trugen, und brachten die Kunst des Quiltens nach Europa. Eine starke Kältewelle

Blue Ridge Parkway

Blue Ridge Parkway

im 14. Jahrhundert in England führte zu einer weiten Verbreitung von Quilts in Form von Kleidung, Decken und Wandteppichen.

Bevor uns der Hauch der Geschichte übermannt, kündigen wir lieber an, dass im nächsten Kapitel vom Wilden Westen die Rede sein wird.

Ohio River Brücke bei Owensboro

Ohio River Brücke bei Owensboro

Wolf Leichsenring

 

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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