Im AOK-Dreieck

Im AOK-Dreieck

oder auch:  Wandeln im Wilden Westen

Mushroom Rock, KS

Mushroom Rock, KS

Es soll hier sicherlich nicht über das deutsche Krankenkassenwesen geredet werden, schon gar nicht über einzelne Kassen. Auch die amerikanische Gesundheitsreform, die viel zitierte „ObamaCare“ mit der neuesten Skandalvariante durch die gehackte regierungsamtliche website, was selbstredend tagtäglich durch den journalistischen Blätterwald nicht nur der USA rauscht, spielt vom Thema her keine Rolle. Der Begriff der Überschrift benennt lediglich die drei States ARKANSA, OKLAMHOMA, KANSAS, auch Mid Continental States geheißen, die sich wie in ein Dreieck aneinander schmiegen.

Diamond State

So bezeichnet sich ARKANSAS gern selbst und schiebt immer wieder seine vier „C’s“ in den Vordergrund: Clear lakes and streams / Kristallklare Seen und Flüsse wie den Bull Shoals See, den  Norfolk See oder auch den Ouachita See. Kristallklares Wasser beim Mississippi River zu finden, ist schon mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Caves / Höhlen wie die im Ozark National Forest präsentieren den State „from the bottom up / von unten gesehen“. Colorfull  Contryside / Farbenfrohe Landschaft trifft der Besucher wohl am häufigsten an, besonders zu dieser herbstlichen Jahreszeit im ausgehenden Indian Summer.

Ungewohntes im Farbspektrum

Ein neuer Farbton mischt sich unter die bisherige Grün-Gelb-Orange-Rot-Farbmixtur. Ein strahlendes Weiß lässt riesige Baumwollfelder weithin leuchten.

Baumwollfeld, AK

Baumwollfeld, AK

Es herrscht viel Aktivität in den flachen Ebenen am Mississippi, denn es ist die Zeit der Ernte dieses kostbaren Rohstoffes.  Nicht Heerscharen von Baumwollpflückern sind anzutreffen, sondern haushohe Maschinen, Mähdreschern gleich, „pflücken“ die Watte aus den Schalen. Sofort zu runden oder eckigen Ballen gepresst, warten sie auf den Abtransport zur Weiterverarbeitung, vom Feld direkt in die Fabrik.

Charles Duffel, einer dieser Baumwollfarmer zeigte uns voller Stolz „seine“ „Weißen Felder“, d.h. er fuhr in seinem Pickup gut zwei Stunden mit uns querfeldein und erklärte Wachstum, Reife und Erntevorgang. Vier bis fünf Maschinenführer benötige er nur noch, trockenes Wetter und eine Woche für sieben große Felder. Die gute Nachfrage auf dem Weltmarkt für Baumwolle stabilisiere positiv die Preise, meinte er. Außerdem baue er noch Sojabohnen (z.Zt. Spitzenpreise) und Weizen an. Mit diesen beiden Produkten habe er pro Jahr zwei Ernten, im Mai den Weizen, im Oktober die Sojabohnen. Wie lange er schon Farmer sei, wollten wir wissen. „Die Ländereien gehören uns in der dritten Generation. Ich selbst bin jetzt 80 Jahre alt.“ Man sah es ihm nicht an!

Er konnte eigentlich gar nicht so recht verstehen, dass wir monatelang auf Reisen sind und obendrein noch Freude daran haben. „Ich selbst brauche das nicht. Ich bin glücklich hier inmitten meiner Felder. Meine Frau unternimmt hin und wieder mal eine Busreise, damit sie etwas Abwechslung hat“, fügte er verschmitzt lächelnd hinzu.

Gegenteiliges

Bei so viel Lebensfreude und Schaffenskraft, wie Charles Duffel sie ausstrahlt, trifft der Hinweis auf den „Trail of Tears / Straße der Tränen“ wie ein Schock. Natürlich wollten wir wissen, was sich dahinter verbirgt. Gemeint sind damit die Routen, auf denen die Cherokee Indianer und  viele andere Stämme wie die Comanche, Osages oder Kiowas uvm. Mitte des 19. Jahrhunderts im Rahmen ihrer Zwangsumsiedlung die angestammten Gebiete u.a. in North Carolina, Georgia und Arkansas verlassen mussten, um weiter westlich in Oklahoma wieder angesiedelt zu werden. Es heißt, dass  die Anzahl der damals gut 16.000 Cherokees während dieser in der amerikanischen Geschichte unrühmlichen Aktion  sich fast um die Hälfte dezimiert hat.

Eine dieser Routen führt vorbei am Arkansas Post National Memorial. In diesem Areal mit Park und Museum, an den Ufern des White River gelegen,    bildete allerdings die Geschichte einer ersten Besiedlung des Gebietes durch europäische Siedler den Mittelpunkt, detailliert aufgeblättert im langwierigen, oft kriegerischen Hin und Her zwischen Franzosen, Engländern, Spaniern und Portugiesen. In diesem Tumult ging die Cherokee Tragödie so gut wie unter.

Auch nicht gerade ein Ruhmesblatt

Man stelle sich vor: Erst 11.500  bewaffnete Soldaten ermöglichen neun Schülerinnen und Schülern den Weg in eine öffentliche High School. So geschehen 1957 in Little Rock, Arkansas Hauptstadt!

Littel Rock, AR - Central High School

Littel Rock, AR – Central High School

Es herrschte noch die Ära der Rassentrennung. Sie war zwar auch damals bereits verfassungswidrig, aber das scherte die „weiße“ Bevölkerung oftmals nur wenig. Afro-amerikanische Jugendliche erhielten keinen Zutritt zu den öffentlichen Schulen, wurden so aller Bildungschancen beraubt.

Neun mutige, „dunkelhäutige“ Jugendliche durchbrachen  diesen Bann. Mit Hilfe ihrer Eltern und wenigen „weißen“ Unterstützern meldeten sie sich für das Schuljahr 1957/58 in der städtischen Central High School an. Nachdem  aufgebrachte „weiße“ Bewohner den Zutritt am ersten Schultag Anfang September zu verhindern versuchten, die örtliche Polizei die Situation nicht in den Griff bekam, verzichteten die Jugendlichen zunächst einmal auf ihre „Einschulung“. Erst Präsident Dwight D. Eisenhower, der von der Angelegenheit erfuhr, setze die per Verfassung verbrieften Rechte der Jugendlichen durch, indem er jene o.g. Soldaten per persönlicher Entscheidung in Marsch setzten ließ und so den Zugang zur Schule absicherte.

Seither werden diese neun Afro-amerikanischen Jugendlichen als Helden und Wegbereiter des Endes der Rassendiskriminierung gefeiert. Die Schule ist auch heute noch aktiv und mit rund 2.000 Schülern die größte High School der USA. Neben dem eigentlichen Schulbetrieb wird sie auch als National Historic Site gemanagt.

Regenerationsbedarf?

Nach so viel schwerer Kost kommt eine Entspannungs- und Regenerationsphase sehr gelegen. Hierfür bietet sich der Kurort Hot Springs bestens an. Nicht erst seit diesen Tagen, sondern seit bereits gut 150 Jahren versprechen die 47 sprudelnden, bis zu 60°C heißen Quellen Erholung und Entspannung.

Hot Springs, AR

Hot Springs, AR

Das eigentliche bergige Quellgebiet ist heute ein National Park. Artesische Brunnen, an denen man das heilende Nass kostenlos genießen und sogar abfüllen kann, sind über den gesamten Ort verteilt. In der „Bathhouse Row / Bäderstraße“ reiht sich ein (Spa-) Resort an das andere. Allerdings gab es nur wenige „Kurgäste“, so dass der Eindruck einer „niedergehenden Badekultur“ entstand.

Florierende Entwicklung

Weder von Niedergang noch von Stagnation ist hingegen die „Welt des größten Einzelhandelskonzern“ (so die Eigenbezeichnung) betroffen. Wir sprechen vom Kaufhauskonzern „Walmart“.

Berntonville, AR - Walmart Eiscafé der 50ger Jahre

Berntonville, AR – Walmart Eiscafé der 50ger Jahre

Im kleinen Örtchen Bentonville in der obersten, nordwestlichen Ecke Arkansas gründete 1950 sein Erfinder und Besitzer, Sam Walton, das erste Geschäft. Nach dem Motto „helping people save money – and live better / den Leuten helfen, Geld zusparen und dadurch besser zu leben“ waren die gesamten USA und Kanada 50 Jahre darauf mit den Walmart-Märkten zugepflastert. Zusätzlich wurde der mitgliedspflichtige „Uncle Sam’s Club“ gegründet, über den dann weitere erhebliche Preisnachlässe in Hotels, Restaurants etc. aber auch in eigenen Supermärkten gewährt werden.

Heute steht Walmart zusätzlich besonders in China und in einigen ersten Staaten in Afrika auf festem Boden. In Europa hat sich diesbezüglich  vorerst nur England hervorgetan.

Für uns Camper genießt Walmart als kostenfreie „Overnight Parking“ – Möglichkeit mit Einkaufsgelegenheit einen besonderen Stellenwert. Wie lautete Sam Walton’s Motto? „Helping people save money…!“ Wir nehmen es gern in Anspruch.

Berühmtheiten

Sehr viel hat Arkansas in puncto „Celebrities“ nicht zu bieten. Aber einen berühmten Sohn darf der State doch vorweisen: den früheren amerikanischen Präsidenten Bill Clinton. Mit 32 jungen Jahren war er seinerzeit immerhin der jüngste „Govenor“ der USA, anschließend, nach einer verlorenen Wiederwahl und somit einer zweijährigen Zwangspause, noch einmal weitere vier Amtsperioden, bevor er Präsident wurde.

Little Rock, AR - Blick vom Clinton Center

Little Rock, AR – Blick vom Clinton Center

Kein Wunder also, dass er stateauf – stateab vermarktet wird. In einem Heft „Passport to Clinton Places“ darf sich der Spurensucher bescheinigen lassen, welche Clinton-Orte er denn bereits besucht hat, ob nun das Clinton Center in Little Rock, seinen Geburtsort in Hope, das Haus seiner Jugend in Hot Springs oder seinen Hochzeitsort Fayetteville.

Als wir am 26. Oktober (2013) das Clinton House Museum in Fayetteville besuchten, wurden wir freundlich empfangen mit dem Hinweis, dass heute der Eintritt (normalerweise $8) frei sei. Warum? Nun, Hillary Rodham (Clinton) feierte just an diesem Tag ihren 66. Geburtstag. So konnten wir auch ein wenig an der Geburtstagsfeier teilnehmen. Herzlichen Dank!

Ostentativ Rostrot

Sie gerät sofort ins Blickfeld, die dominierende Farbe OKLAHOMAS. Die Erde selbst leuchtet teilweise tiefrot. Die Bäume im ausgehenden Indian Summer haben von leuchtend auf mattes Rostrot gewechselt. Selbst die Wiesen schimmern nunmehr rötlich, begleitet von den Gewässern in eher rostbraunem Farbton. Zu den ca. 200 Seen in Oklahoma sei angemerkt, dass keiner von ihnen natürlichen Ursprungs ist. Alle sind von Menschen künstlich angelegt und werden aus den wenigen Flüssen der Region gespeist.

Südstaaten Flair

An den milden Temperaturen zwischen 15°C und 25°C merkt man, dass man in einem eher südlich geprägten State der USA reist. Der Spitzname „Little Dixie“ (amerikanisch für „die Südstaaten“) weist darauf hin. Für die Südostecke gilt diese Beschreibung uneingeschränkt. Demgegenüber überwiegen im Norden Weizenfelder inklusive der dazugehörigen Speicher, was eher auf einen „Midwestern“-Charakter hinweist. Ansonsten prägt hügelige Prärie oft ohne Baum und Strauch die Landschaft.

Kreuzungsbereiche

Passender erscheint der Ausdruck „The Nations’s Crossroads“. Das gilt sicherlich zunächst hinsichtlich der zahlreichen Interstates, welche in alle vier Himmelsrichtungen den State durchkreuzen, nicht zuletzt auch die legendäre „Route 66“. Stärker trifft dieser Begriff aber auf die Entwicklungsschiene zu. Bevölkerungsmäßig zeichnet sich ein buntes Gemisch ab aus ehemals vertriebenen, besitzlosen American Indians (sprich: Indianerstämmen), ebenfalls seinerzeit (1930ger Jahre) durch die „Dust Bowl“ gebeutelten Farmern, den legendären Cowboys sowie europäischen Siedlern. Sie alle haben heue mehr oder minder ihr Glück gemacht, nicht zuletzt durch den Ölboom des letzten Jahrhunderts.

Schweres Erbe

Wie bereits erwähnt traf es  die Indianstämme am schwersten. Hier im damaligen „Indian Territory“, dem heutigen Oklahoma (Bildung als eigenständiger State erst 1907) wurden sie  wieder angesiedelt. Das durch die Vertreibung „frei“ gewordene Land wurde unter der „weißen“ Bevölkerung entweder verlost oder teilweise eigenständig, ohne Gesetzesgrundlage in Besitz genommen. Am bekanntesten ist jedoch der von der Regierung veranlasste sogenannte „Great Land Race“ von 1889. Eines Tages im April wurde der Startschuss gegeben. Alles stürmte los und konnte ein Stück Land für den eigenen Nutzen „besetzten“. Später wurde es dann staatlich garantiertes Eigentum. Das „Cherokee Heritage Center“ in Tahlequah aber auch das „Washita Battlefield National Historic Site“ nahe des Ortes Cheyenne dokumentieren beeindruckend diesen  Abschnitt amerikanischer Geschichte.

Nicht nur über diesen historischen Abschnitt sondern auch über die vielen anderen Indianerstämme im nördlichen Amerika informiert im kleinen Ort Anadarko die „Hall of Fame for Famous American Indians“. In einem Gespräch mit dem Leiter des Museums, Carl  Jennings, einem Angehörigen der Kiowa Indianer, beklagte dieser sich über das falsche Bild, welches immer noch von Indianern gezeichnet wird: Federschmuck und Kriegsbemalung. Besonders ungehalten war er über ein deutsches Fernsehteam, das vor drei Jahren eine Reportage drehte und gerade diese im Alltag nicht mehr existierenden Merkmale hervorgehoben hatte.

Die folkloristischen Züge der Indianerwelt werden erhalten auf den landesweit zelebrierten „Pow Wows“. Diese indianischen „Ritustänze“ werden sowohl als Feste  als auch als  Wettkämpfe durchgeführt.

Bemerkenswerterweise zog er  dabei eine Parallele zu Deutschland bei der Zeichnung eines verfälschten Bildes.  Selbst im heutigen Amerika gibt es auch unter Jugendlichen noch viele Ansichten über Deutschland, die lediglich aus den Erzählungen der Väter und Großväter aus dem Zweiten Weltkrieg herrühren. Und dabei symbolisiere doch die „Schwarz-Rot-Gold-Flagge“ gerade das „neue“ Deutschland. So wünsche er sich auch ein Bild und Symbol des „neuen, modernen“ Indianers.

Keine Legende

Cowboys

Cowboys

Sie sind weltbekannt, die Cowboys der „vergangenen Zeit“. Hier in Oklahoma sind sie und ihr Wirken noch am stärksten verankert. Aus Texas kommend  trieben sie riesige Rinderherden gen Norden an die Eisenbahnverladestationen in Kansas. Die eigentliche Arbeit der Cowboys hat sich überholt durch die Schwerlastverkehr und die überall stattfindenden Viehmärkte. Sie werden aber auch heute noch gebraucht beim Zusammentreiben von Herden auf den riesigen Prärieflächen.

Einen annähernd realistischen Einblick gibt dabei die „Woolaroc Ranch“ in Bartlesville, wobei der  eigentliche Akzent auf „Wildlife Refuge und Museum für Indianerkunst“ liegt. In jedem Fall ist diese Ranch, deren Name eine Abkürzung für „Wood, Lake und Rock“ ist, einen Besuch wert.

Wildlife pur

Jetzt aber schnell zurück ins Wohnmobil

Jetzt aber schnell zurück ins Wohnmobil

Wichita Mountains, OK - Prairie Dogs

Wichita Mountains, OK – Prairie Dogs

Vielfältige Beobachtungsmöglichkeiten hierfür bieten die „Wichita Mountains“ in der südwestlichen Ecke Oklahomas. Zum Fotoshooting reizen dabei nicht nur die „Dogtowns“ mit den lustigen Prairie Dogs“.   Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf den Büffelherden. Dieses Gebiet hat sich einen Namen erworben als erfolgreiche Wiederansiedlung der fast ausgerotteten  amerikanischen Bisons. Aus dem New York Bronx Zoo kommend, wurde 1907 eine kleine Herde von 15 Tieren in diese südlichen Plains gebracht. Heute sollen es bereits wieder 650 Tiere sein.

Wichita Mountains, OK

Wichita Mountains, OK

Bei allem Erfolg darf man aber nicht vergessen, dass es im 18. und 19- Jahrhundert die Jagd- und Pelzhandelsindustrie war, deren Gewinnstreben die seinerzeit geschätzten 60 Millionen (!) Büffel auf rund 1.000 Exemplare reduzierte und damit diese Tierart so gut wie zum Aussterben verurteilte.

Boomtowns

Oklahoma hat aber mehr zu bieten als Prairie, Indianer, Rinder und Cowboys. Die beiden größten Städte, Oklamoma City, kurz OKC genannt, und Tulsa haben sich dank der sprudelnden Ölquellen zu wohlhabenden Metropolen entwickelt. Wohlstandsflair wird überall sichtbar, im privaten wie im öffentlichen Sektor.

Tulsa, wegen seiner Fülle an Parks und Gärten auch als  „Green Country“ bezeichnet, kann sich zahlreicher Wolkenkratzer im „Art Deco“ – Stil rühmen, bunte, reichverzierte Fassaden statt grauer Betontristesse.

OKC steht dem in nichts nach. Das beginnt z.B. bei den „Myriad Botanical Gardens“ mit dem „Crystal Bridge Tropical Conservatory“, dieser malerischen Oase der Ruhe inmitten pulsierenden Verkehrs.

Reich ausgestattete Museen, wie das „National Cowboy and Western Museum“, das „American Banjo Museum“ im Vergnügungsviertel „Bricktown“ oder das „Oklahoma City Museum of Art“ sind allemal einen Besuch wert. Dabei kann man das Auto gern auf einem der großzügigen, kostenlosen Parkplätze abstellen und in den ebenfalls kostenfreien „City Trolley“ steigen, der den Besucher an alle wichtigen Besichtigungsstätten der Innenstadt befördert.

9/11 in OKCOklahoma City - Memorial

Und plötzlich wirst du herausgerissen aus dieser beschaulichen, heilen Welt. „Oklahoma City National Memorial“ lautet das Stichwort. Es erinnert an den Vorläufer der New Yorker „9/11 – Tragödie“.

Am 19. April 1995 legte ein Bombenattentat – Autobombe in einem geparkten Miet-LKW – das „Murrah Building“, ein Regierungsgebäude, in Schutt und Asche. 168 Todesopfer, darunter viele Kinder der dort beheimateten Kita waren zu beklagen, ebenso rund 300 Verletzte.

Genau an der Stelle, an der das Gebäude gestanden hatte, ist nunmehr die Gedenkstätte errichtet worden, im gleichen Ausmaß wie das ehemalige Haus. Als Zeichen des Gedenkens sind mit Namen versehene 168 Stühle, für jedes Todesopfer einen, in das Memorial integriert. Bei Dunkelheit werden die Stuhlsockel aus Acryl beleuchtet. Zwei große Steinpforten mit den eingelassenen Uhrzeiten „9.01am“ und „9.03am“, den Zeiten der Bombenexplosion und dem Zusammenbruch des Gebäudes begrenzen den Park. Tief beeindruckt verließen wir nach zweimaligem Besuch, einmal tagsüber, das andere Mal abends wegen der Beleuchtung, diese Gedenkstätte.

Nicht weniger unter die Haut gehend präsentiert sich das angrenzende Museum. In ihm werden die Katastrophe selbst, aber auch die Rettungsmaßnahmen, das Leben vor und nach dem Bombenattentat sowie die juristische Entwicklung des Falles aufgezeichnet. Beide Täter wurden gefasst. Der Haupttäter wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet, sein Komplize erhielt eine lebenslängliche Freiheitsstrafe „ohne Möglichkeit der Begnadigung“. Dieser Teil des OKC-Besuches war in der Tat ein nicht nur nachdenklich stimmender, sondern  auch schwer zu verkraftender Einblick in eine Stadtgeschichte.

Und  noch eine Katastrophe

Natürlich wollen wir hier nicht einem Katastrophentourismus das Wort reden. Doch manchmal geschieht es, dass man unausweichlich, wenn auch als Nebenprodukt, mit katastrophalen Ereignissen der Vergangenheit konfrontiert wird.

Mittlerweile sind wir im Bundesstaat KANSAS gelandet, dem nördlichsten im „AOK – Dreieck“.  Die Rede ist von dem kleinen Flecken Greensburg inmitten der Prärie. Diese Gemeinde wurde 2007 von einem Tornado heimgesucht und dadurch innerhalb von fünf Minuten in Schutt und Asche gelegt. Stehen blieben lediglich ganz wenige, stabile Steinbauten.

Erstaunlich anzusehen ist, wie schnell der Ort wieder aufgebaut wurde, nach eigenem Bekunden alles in „grüner Technologie“. Sehr hübsche, dieses Mal „feste“ Bauten lassen die noch vorhandenen Baulücken schnell vergessen.

Auch das „Big Well Museum“, unser eigentliches Ziel, ist neu erstanden. Es beherbergt den „jemals per Menschenhand gegrabenen“ tiefsten Brunnen Nordamerikas: 35 m Tiefe mit 10m Durchmesser. Auf einer Wendeltreppe kann man in den Brunnen hinabsteigen, der heute nicht mehr als Wasserquelle ,sondern nur noch als Touristenattraktion dient.

Prärie mit Weitblick

Kansas - Weite, einsame Prärie

Kansas – Weite, einsame Prärie

Wie auf einem Plateau auf 700m bis 800m Höhe gleitet man durch diese Landschaft. Aber wir sind „More than just Flatlands / Mehr als nur flaches Land“, wird allerorten betont. Die stark landwirtschaftliche Struktur dieses States ist allerdings nicht zu verleugnen. Besonders die vielfältigen Rinderzuchtstationen und –mästereien (Feed Yards) fallen dabei ins Auge. Ein kleiner Viehzuchtbetrieb umfasst nur ca. 20.000 Rinder, der normale ungefähr 50.000 Stück, ein großer geht bis 100.000 Tiere. Entsprechend hoch ist dann auf den Straßen auch die Zahl der Viehtransporter.

Wie flach dieses Landstrich ist, zeigt sich auch daran, dass man die Silos auf weite Entfernungen hin – bis zu 25km – mit bloßem Auge ausmachen kann. Wie Kirchen oder Kathedralen recken sie sich gen Himmel oft mit einem Siloturm, der den Eindruck eines Kirchenumrisses untermauert.

Einem großen Präsidenten gewidmet

Das Eisenhower Museum mit Presidential Library, Boyhood Home und Mausoleum ist dem wohl beliebtesten amerikanischen Präsidenten der jüngeren Zeit gewidmet. Held des Zweiten Weltkrieges nicht zuletzt aufgrund der Normandie – Invasion 1944 beschäftigt sich das „Eisenhower Center“ in Abilene ausführlich mit seinem Leben und Wirken. Voller Respekt und Anerkennung wird dabei auch die Rolle seiner Frau, Mamie Eisenhower,  gewürdigt.

Schwarzes Gold

Ruhelos als einzige Bewegung in der ansonsten leblosen Graslandschaft wippen die Ölpumpen beständig auf und ab und fördern wie in Oklahoma das „Schwarze Gold“ zutage. Von der Außenperspektive her ist allerdings nicht gleich auszumachen, dass die Ölförderung dem State und seinen Bewohnern, im Vergleich zu Oklahoma, auch Wohlstand gebracht hat. Vielen Häusern und anderen Gebäuden in den ländlichen Gebieten würde ein Topf Farbe oder eine Reparatur des Daches bzw. der Fassade sehr gut tun.

Cowtowns

Wichita, KS - Old Cowtown

Wichita, KS – Old Cowtown

Zahlreiche Orte nennen sich „Old Cowtowns“ und erinnern somit an die „goldenen, vergangenen Zeiten“, als sie noch  Anlaufpunkte und Handelszentren für die Cowboy – Trecks waren. Das gilt für Wichita ebenso wie für Dodge City.

Wichita betreibt zum Erhalt des Erbes als „Ort im Wildwest Country“ ein lohnenswertes „Cowtown – Freilichtmuseum“ mit historischer Ladenzeile, an der man auf einem überdachten Bürgersteig aus Holzbohlen entlang flanieren kann.  Die Straßenschießerei darf dabei ebenso wenig fehlen wie die Fahrt auf dem Planwagen (Chuckwaggon).

Nicht auf Wildwestleben zielend sondern auf die „Schätze dieser Welt“ spielt das entsprechende Museum im Wichita an. Eigentlich ist es ein „musealer Kramladen“, in welchem von ägyptischen Mumien und Schrumpfköpfen über Dinosaurier Skelette hin zur „Halle der amerikanischen Präsidenten“, Ausstellungen zu verschiedenen Kriegen, Poeten und Komponisten die Rede ist. Als „Überraschungspaket“ fanden wir allerdings ein Originalsegment der „Berliner Mauer“ nebst dazugehöriger Dokumentation in Bild, Text und Film der deutschen Wiedervereinigung. Wie gesagt: „World Treasures“ – Schätze dieser Welt!

Lebendiger Wilder Westen

Dodge City ist unter diesem Aspekt ein Kapitel für sich. Im historischen Teil der Stadt wird ebenfalls „Western Life“ dargeboten, am ausgeprägtesten im „Boot Hill Museum“. Eigentlich diente dieser „Boot Hill“ einst als Friedhof. Den Namen erhielt er, weil die meisten verstorbenen Cowboys dort gleich in ihren Stiefeln begraben wurden.

Die nachgebaute ehemalige „Frontier Street“ gewährt Einblick in das Gesellschafts- und Geschäftsleben der ehemaligen Cowtown. Im geöffneten Saloon werden Drinks nach den alten Rezepten kredenzt, zu denen der Barpianist live alte Cowboy – Melodien spielt.

Dodge City, KS - Saloon mit Livemusik

Dodge City, KS – Saloon mit Livemusik

Dodge City, KS - Saloon

Dodge City, KS – Saloon

Bei so ausdrucksstarker Wildwest Renaissance darf natürlich das „Verbrechen“ nicht fehlen. Wyatt Earp, der wohl berühmteste Sheriff, versuchte hier in Dodge City den Unholden Einhalt zu gebieten. Nicht nur ein Denkmal von ihm ziert das Stadtbild.

Fluchttunnel

Offensichtlich waren die Sheriff-Aktivitäten, nicht nur von Wyatt Earp, nicht immer sofort von Erfolg gekrönt. Unweit von Dodge City, im Dorf Meade, erinnert das „Dalton Gang Hideout Museum“ an zunächst erfolgreiche kriminelle Tatkraft. Die vier Dalton-Brüder hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts auf Bankraub spezialisiert. Obwohl ihr Aufenthaltsort bei ihrer Schwester in Meade eigentlich bekannt war, konnten sie sich ihrer Verhaftung doch immer wieder entziehen. Denn lange Zeit unbekannt war ihr Fluchttunnel vom Wohnhaus in eine Scheune, von der aus sie dann in den Weiten der Prärie verschwanden.  Letztendlich aber siegte die Gerechtigkeit. Drei Brüder wurden bei Gefechten mit dem Sheriff und seinen Gehilfen erschossen, der vierte verhaftet und später hingerichtet, wie im Wilden Westen damals üblich „an einem Baum aufgeknüpft“.

Es mag genug sein mit diesen „Horrorstories“.  Wir ziehen weiter, rund 1.000 Meilen, zurück an die Atlantikküste Richtung Georgia und South Carolina.

Wichita Mountains, OK - Sonnenuntergang

Wichita Mountains, OK – Sonnenuntergang

Wolf Leichsenring

 

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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