Südliche Sonne Weicht Wachsendem Winter

Südliche Sonne Weicht Wachsendem Winter

Atlantik bei ‍Savannah, Georgia

Atlantik bei ‍Savannah, Georgia

Und nun sind wir wieder angekommen an der Atlantikküste nach gut zwei Tagen Fahrt und 1.000 Meilen, von Oklahoma quer durch Arkansas, Mississippi, Alabama und Georgia.

Bei der West-Ostquerung von Georgia war gut diese kontrastreiche Landschaft des States zu beobachten, vom rund 1.500m hohen Mittelgebirge des Chattahoochee-Oconee Waldes hinab in die Marsch am Atlantik. Savannah, die historische Stadt mit Südstaatenausstrahlung in der nördlichen Atlantikecke hieß unser Ziel.

Hier soll es spuken

Wer die Stadt im Flair des 19. Jahrhunderts erleben möchte, der schlendere den Factory’s Walk am Savannah River entlang. Einen umfangreicheren Einblick in diese „City of Trees, Parks and Squares“ bietet der Trolley, der abends dann auch zur „Ghost Tour“ aufbricht durch „America’s Most Haunted City“, also die Stadt, in der es am meisten spukt. Mit Einbruch der Dunkelheit schimmert matt gelbes Licht der stillvollen Laternen in den Straßen. Magisch richtet sich der Blick in das Halbdunkel der Gassen und Höfe. Jeden Moment könnten dort Gestalten aus den Zeiten der Kolonialisierung wieder aufleben, sagt die Fantasie.

Sonnendurchfluteter Strand

Auf der vorgelagerten Tybee Island bewahrheitet sich dann der „Sonnige Süden“ mit milden Temperaturen um die 20°C. Ein Sonnenbad am fast menschenleeren Strand oder in den Dünen mit dem unendlichen Blick auf den Atlantik lässt vergessen, dass es bereits Mitte November ist. Realistischer hört sich da eher die Wettermeldung aus New York City über den ersten Schneefall an. Und hier unten steckt man mitten in der Melonenernte!

Sommerassoziationen, das gilt nicht nur für dieses Eiland, sondern natürlich auch für die zahllosen anderen Inseln, wie z.B. der „Isle of Palms“ in South Carolina. Gerade sie hat sich als „Tummelplatz für Betag(ch)te und Betuchte“ herausgeputzt.

Marschland soweit das Auge reicht

Und in diese Ebene hinein, quasi aus dem Sumpf gestampft, wurde dann Ende des 18. Jahrhunderts das Fort Pulaski gestampft, heute ein National Monument. Man sollte aber hinzufügen, dass außer ein paar nachgebildeten Kanonen, einem gut gepflegten Rasen um die Befestigungsmauern herum das Lohnendste der Ausblick von der obersten Forterhebung über die Sumpflandschaft ist.

Dieses „Lowcountry“, so wird die Marsch auch im sich anschließenden South Carolina bezeichnet, setzt sich nun über hunderte von Kilometern nordwärts fort. Hier gibt es mehr Wasserwege als feste Straßen, mehr Bootshäuser als Wohnunterkünfte. Der stark frequentierte „Intracoastal Waterway“ trägt sein gehöriges Scherflein dazu bei.

Anziehungspunkt

Es gibt stets Orte, zu denen man gern immer wieder zurückkehrt, wie von einem Magneten angezogen. Einer dieser Orte heißt Charleston, die Hauptstadt von South Carolina.

Historisches Charleston, South Carolina

Historisches Charleston, South Carolina

Wir haben ein kurzes Bild dieser „Historical Town“ ja bereits in 2011 in unserem Buch „Atlantik – Pazifik – Atlantik“ gezeichnet. Eine weitere auch auf dieser Reise in 2013 für uns unumgängliche Besichtigung führte u.a. in das „Old Slave Mart Museum“. Dabei steht der Besucher auf authentischem Grund und Boden des früher hauptsächlichen Sklavenmarktes dieses Südstaates. Ein Gefühl des Erschauderns lässt sich nicht unterdrücken, wenn man die Schicksalsberichte der betroffenen Afro-Amerikaner liest. Die Baumwollfelder, die unterwegs am Straßenrand zu erspähen sind, vertiefen diesen Eindruck, wenn man bedenkt, unter welchen unmenschlichen Bedingungen dort gearbeitet werden musste.

Das Thema Sklaverei nimmt auch einen gewichtigen Teil im nördlichen State Virginia ein, dem Land der Tabak- und Baumwollfarmer. Inmitten von rieseigen Baumwollfeldern stößt man neben einigen anderen auch auf die Shirley Plantation bei Charles City. Neben Herrenhaus, fantastischem Blick auf den James River bietet diese, heute in der 11. Generation seit nunmehr exakt 400 Jahren (Gründung 1613) bewirtschafteten Farm einen guten Einblick in mit Sklaven betriebene Landwirtschaft. .

Rundfahrten

Beide erwiesen sich in Kombination (als Kombiticket recht preiswert) als ausgezeichnet, die Fahrt mit dem Boot durch die Inselwelt und entlang der Wolkenkratzer freien Stadtsilhouette mit sich anschließender Kutschfahrt durch die Architektur der Altstadt mit ihren überweigend „Ante Bellum Residenzen“. Wenn in Amerika von „Ante Bellum / Vorkriegszeit“ gesprochen wird, meint man damit die Epoche vor dem Bürgerkrieg, also vor 1860.

The Grand Strand

Vorbei ist es mit der Beschaulichkeit der größeren und kleineren geschichtsträchtigen Orte, fährt man rund 200km nördlich Richtung Myrtle Beach. Rund 100km südlich und nördlich dieses Massentourismuskerns gilt nur eins: Fun and Adventure. Jeder Winkel ist bebaut, die Sicht auf den Atlantik durch riesige Hotelbauten verstellt. An der Anordnung der Unterkünfte, Shops und Restaurants kann man gut erkennen, welchen Radius man dem „vermassten Touristen“ zumutet, denn alle 1 1/2 bis 2 Meilen wiederholt sich das Angebot derselben Hotel- bzw. Restaurantkette bzw. desselben Strandshops. „Sun, Sea and Surf“ heißt die Parole, ergänzt abends durch den Bummel über den „Broadway“, einem eigenen Amüsierviertel in dieser Glitzerwelt. Dieser Grand Strand rühmt sich, die größte Dichte an Golfplätzen vorweisen zu können, nämlich ca. 100 Stück. South Carolina wird eh oft gleichgesetzt mit dem „Golf Staat“. Eine Nummer kleiner als Minigolf steht dem in Nichts nach. Also, wer es denn mag, Have Fun, All Year Round!

Die grüne Hölle

Cypress Gardens in Monckes Corner, South Carolina

Cypress Gardens in Monckes Corner, South Carolina

Jedenfalls bezeichnen die Bootsführer in den „Cypress Gardens“ so ihren Park im Sumpfgebiet South Carolinas nahe Moncks Corner. Hauptsächlich bevölkert von Alligatoren und Schildkröten bietet das weitläufige Gelände viele Wildlife-Beobachtungsmöglichkeiten. Lautlos und gemächlich gleiten Kanus (als geführte oder eigene Tour möglich) durch diese Wasserwelt der gigantischen Zypressen. Die Schildkröten sonnen sich gern in der warmen Herbstsonne. Alligatoren zeigen sich nur, wenn sie Hunger oder gute Laune haben. Außer der Bootsfahrt lohnen Wanderungen auf den zahlreichen Wanderwegen quer durch die Swamps. Aber Achtung, man sollte doch gut aufpassen, dass man nicht auf einen Alligatoren tritt.

Eine zweite Reptilienfundstelle zeigt sich einige hundert Kilometer weiter nördlich nunmehr bereits in North Carolina, nahe dem Ort Manteo unweit des Hatteras National Sheashore. Das „Alligator River National Wildlife Refuge“ beherbergt nicht nur die Reptilien,  sondern auch Bären, Schildkröten und den seltenen „Red Wolf“. Und wie gesagt, wenn die Tiere gute Laune haben, zeigen sie sich auch.

Wiedersehen

Mit North Carolina und später dann auch mit Virginia können wir fröhliches Wiedersehen feiern, denn beide States passierten wir bereits an deren Westflanke auf unserem Weg in die Mid-Continent States, und zwar via den Blue Ridge Parkway sowie den Smoky Mountains. Nunmehr zieht uns die Atlantikküste in ihren Bann. Dort bietet sich ein gemischtes Programm für den Reisenden, eine bunte Mischung aus Naturerlebnis und Historie. Das in Myrtle Beach (SC) so stark ausgeprägte „Fun-Adventure-Profil“ hat hier nicht Einzug gehalten, selbst wenn die Küstenstreifen eine intensive touristische Infrastruktur aufweisen.

Das erste Licht der Freiheit

Einen Hoffnungsgedanken auf ein besseres Leben hier im freien Amerika trugen die ersten Siedler  in sich, als sie gegen Ende des 16. Jahrhunderts, also noch vor den Pilgrimfathers, an der Küste bei den Hatteras Inseln anlandeten. Doch die Geschichte entwickelte sich nicht sehr positiv. Als ihr Organisator, Sir Walter Raleigh, der sich zwischenzeitlich einmal kurz in die Heimat nach England absetzt hatte, zwei Jahre später wieder zurückkehrte, fand er seine Gründungskolonie nicht mehr wieder. Seither spricht man von „The Lost Colony“. Diese Episode ist so bedeutend, dass auch ein entsprechendes „Symphonic Outdoor Drama“ kreiert wurde, welches jeden Sommer Massen an Zuschauern anzieht. Natürlich spielt darin auch die Geburt des „ersten englischen Kindes auf amerikanischem Boden“ eine gewichtige Rolle.

Dem Forscher, Poeten und Soldaten Raleigh ist heute ein National Historic Site gewidmet. Gleich nebenan umschwirren die Düfte der „Elizabethan Gardens“ den Spaziergänger. Dieser Botanische Garten in strengen, formalen Stil der englischen Gärten jenes Jahrhunderts soll der damaligen Königin Elizabeth I als Ort der Erholung und Entspannung gedient haben. Fragt sich nur, wie oft Königliche Hoheit dieses Refugium genießen konnte.

Cape Hatteras, North Carolina

Cape Hatteras, North Carolina

Freedmen’s Colony

Rund 300 Jahre später, zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, wurde diese Bezeichnung Symbol eines „von der Sklaverei befreiten Lebens“. Aus der Knechtschaft entlassene oder entflohene Sklaven versuchten sich in diesen Nordzipfel North Carolinas durchzuschlagen. Gefahr drohte ihnen dabei nicht nur von den Sklavenfängern der Südstaaten, sondern sie mussten auch erst einmal den Alligator River lebend durchqueren. Dort mehr oder minder heil angekommen, wurden sie von den Soldaten der Nordtruppen geschützt und versorgt.

Luftsprünge

Als viel mehr kann man die Flugversuche der Gebrüder Orville und Wilburg Wrigth in der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts zunächst noch nicht bezeichnen. Bis zur ersten Atlantikquerung per Flugzeug war noch ein weiter Weg zurückzulegen. Denn der erste „Flug“ dauerte gerade mal 12 Sekunden mit einer Länge eines „modernen Flugzeuges“. Aber der Bann war gebrochen, dieser Luftsprung hat die Welt auf Dauer verändert. Man konnte sich von der Erdanziehungskraft lösen und schaffte bald einen ersten wirklichen Flug von rund 38 Minuten. Das alles geschah auf dem nördlichen Hatteras Eiland bei den „Kill Devil Hills“ (Nomen est Omen!). Einen Besuch des dazugehörigen „Wright Brothers National Memorials“ sollte man möglichst nicht auslassen.

Endlose Dünenlandschaft

Endlose Dünen am Cape Hatteras, North Carolina

Endlose Dünen am Cape Hatteras, North Carolina

Wo sich Land und Meer vermischen, wo man mit Schneeschiebern den Dünensand tagtäglich von den Straßen räumen muss, um diese passierbar zu halten, wo Sturmfluten die Eilande einfach wegwischen und wo deshalb die Häuser auf Stelzen gebaut sind, da kann es sich nur um „Hatteras National Seashore“ handeln. 200km lang sind diese „Outer Banks“, aber oftmals weniger als einen Kilometer breit. In einem Bogen die North Carolina Küste schützend treiben Wind und Wellen diese sandige Hügellandschaft immer weiter gen Küste, so dass die Lebensdauer der dortigen Binnengewässer und Sunde vielleicht nicht mal mehr als 300 Jahre beträgt.

Doch nicht nur geschützte Natur zeichnet diese Inselgruppe aus. Ihr  Küstenstreifen hat sich auch einen Namen erworben als „Friedhof des Atlantiks“. Rund 600 Schiffshavarien wurden in den letzten 400 Jahren gezählt, darunter auch die eines deutschen U-Bootes aus dem zweiten Weltkrieg, die U-85.

Strandleben

Strandleben im November am Virginia Beach

Strandleben im November am Virginia Beach

Nunmehr bereits weiter nördlich, in Virginia, tummeln sich die Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein immer noch in sommerlichen Höhen. 25°C bis 30°C sind an der Tagesordnung, nachts bleiben sie auch noch zweistellig.

Kein Wunder also, dass am Atlantik, wie z.B. in Virginia Beach, noch recht reges Strandleben herrscht. Surfer genießen die meterhohen Wellen, Badelustige schwimmen immer noch im doch schon kühlen Wasser. Die Saison ist längst vorüber, viele Geschäfte, Restaurants und Hotels sind geschlossen. Und dennoch herrscht relativ reges Touristentreiben in den Badeorten. Bei so viel Strandleben mutet es doch komisch an, wenn die Strände   dekoriert sind mit weihnachtlichem Schmuck. Die gesamte drei Meilen lange Strandpromenade von Virginia Beach ist zugepflastert mit Leuchtfiguren, hier ein Reh, dort ein Tannenbaumwald, und Santa Claus auf dem Schlitten darf natürlich auch nicht fehlen. Weihnachtliches in Bermuda Shorts eben!

Allerdings soll dieses Comeback des Sommers nicht der jährliche Alltag sein, versicherte man uns. Es bildet die Ausnahme, denn eigentlich schwingen Mitte November Regen, Stürme und Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt das Zepter. Was soll’s, wir genießen die Ausnahme.

Brückenschlag

Mit dem „Chesapeake-Bay-Brücken-Tunnel“ ist ein wahrhaftiges Meisterwerk der Ingenieurkunst gelungen. Knapp 30 Straßenkilometer geht es über diesen breiten Sund, mal auf einer der drei Brücken, mal durch den einen der beiden Tunnel. Künstliche Inseln dienen quasi als Stützpunkte. Mehrere Parkplätze mit Aussichtspunkten laden zum Verweilen ein. Dieser „Panorama-Spaß“ ist seine $12 wert. Aber Achtung: Wer zurückfahren und nicht doppelt bezahlen möchte, sollte direkt vor der gegenüber liegenden Mautstation einen U-Turn machen, also die Kehrschleife benutzen. Sonst wird es doppelt so teuer. Zwei weitere ähnliche, nicht ganz so imposante Überbrückungen finden sich in nördlicher Richtung, insgesamt ein sehenswertes „Brückendreieck“.

Historisches Dreieck

Damit bleiben wir bei dem Begriff und begeben uns in das sogenannte „Colonial Triangle“. Es erstreckt sich zwischen Jamestown, Williamsburg und Yorktown, unweit oder direkt an der Chesapeake Bay gelegen. Natrülich ist alles touristisch perfekt durchdrungen. Informative Visitors Centers, Shuttlebusse und der 30km lange, alles verbindende Colonial Parkway laden zu mehrtägigem Besuch ein. Hinterher weiß man, dass in diesem Landstrich der Unabhängigkeitskampf Amerikas mit der Unterstützung Frankreichs gegen die britische Krone große Fortschritte gemacht hatte, ein Kapitel, auf das man hier natürlich besonders stolz ist.

Richmond – nicht alles gelungen

Unaufhörlich führt der Weg weiter gen Norden, unaufhörlich müssen wir auch Abschied nehmen von den Sommertemperaturen. Richmond, die State Capital liegt auf dem Weg.

Wir haben die Stadt allerdings nicht nur positiv erlebt. Die Verkehrsbedingungen sind oft eine Zumutung. Die Äußerung bezieht sich nicht so sehr auf die Verkehrsdichte, sondern eher auf den Straßenzustand. Und wenn gebaut und gesperrt wird, bleibt der auswärtige Autofahrer kopfschüttelnd und suchend zurück. Denn die Umleitungen führen einfach „ins Leere“ oder buchstäblich in eine Sackgasse. Da kam sich auch der Navi recht hilflos vor.

Von den lohnenswerten Besuchs- und Besichtigungszielen waren mindestens zwei, das State Capitol und das „American Civil War Center“  deshalb so gut wie nicht erreichbar bzw. geschlossen. Ersteres, weil am 11. Januar 2014 (!) dort der neue Gouverneur in sein Amt eingeführt werden soll, wohingegen diese Zeilen Mitte November davor geschrieben werden.

Aber wir wollen nicht einseitig argumentieren und heben im Gegenzug zwei Museen positiv hervor. Das „Edgar Allen Poe Museum“ bietet viel Interessantes und Wissenswertes über das Leben und literarische Schaffen dieses Meisterpoeten des Grusels und der tiefgründigen Psychologie.

„Tolerance Through Education / Toleranz durch Erziehung“ lautet das Motto des „Virginia Holocaust Museum and Memorial“. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Intoleranz, Antisemitismus, Rassismus, Vorurteile, Furcht und Hass zu bekämpfen durch Wissen, Verständnis, Leidenschaft, Mitgefühl und Akzeptanz. Das Authentische daran ist, dass von den drei Museumsinitiatoren, Al Rosenbaum, Mark Fetter und Jay M. Ipson der letztere als Sohn eines Überlebenden des Holocaust, Israel Ipson, das von seinem Vater begonnene Werk der Aufarbeitung fortsetzt.

Holocaust Memorial in Richmond, Virginia

Holocaust Memorial in Richmond, Virginia

Beeindruckend greifbar, im wahrsten Sinne des Wortes präsentiert es sich. Ohne Effekthascherei wird die Verfolgung der europäischen Juden aufgezeigt. Von den Anfängen bis zur Gründung des Staates Israels kann der Besucher die Entwicklung mitverfolgen, auch in ihrer Bitternis und Grausamkeit. Dabei scheut man sich auch nicht, den Besucher durch eine „Gaskammer“ zu führen, vorher wird ganz anschaulich  „die Kleidung“ abgelegt.

Drei Mal „Washington“

Wir werden hier nicht von der Hauptstadt der USA berichten, sondern beziehen uns auf die Menschen.

Da ist zunächst der berühmteste, George Washington, erster Präsident des unabhängigen Amerikas. Unweit der Hauptstadt, nahe Fredericksburg, sollte man einen Besuch der Stätten seiner Kindheit sowie seines Geburtsortes nicht  auslassen.

Mary Ball Washington, seine Stiefmutter, machte sich einen Namen als Opponentin zur Politik ihres Sohnes George. Nichtsdestotrotz wird ihr Name hoch in Ehren gehalten, ebenfalls in Fredericksburg, durch ein eigenes Museum, Straßenname und Erinnerungsstele. Nun, bei so einem berühmten Sohn!

Washington Nr. 3 ist eng verknüpft mit dem Thema „Sklaverei“. Booker T. Washington, als Sklave auf einer Plantage geboren, schaffte es nach seiner Befreiung vom Sklaventum bis zum Prasidentenberater unter Theodore Roosevelt. Berühmt ist eine seiner Reden unter der „Emancipation Oak“ in Hampton, jener Eiche, unter der auch bereits Abraham Lincoln 1863 seine berühmte „Emancipation Proclamation“ veröffentlichte. Heute eine sogenannte „National Historic Landmark“ symbolisierte sie in der Ära des amerikanischen Bürgerkrieges einen wichtigen Zufluchtsort für entlaufene Sklaven.

Und ein viertes Mal Washington – D.C.

Lincoln Memorial in Washington D.C.

Lincoln Memorial in Washington D.C.

Diese Metropole ist für uns keine Unbekannte mehr, Auf unserer Tour in 2011 haben wir sie schon einmal besucht (s. unser Buch über diese Tour). Doch von dieser Stadt kann man eigentlich nie genug haben, so vielfältig und aufregend kommt sie daher. Und in diesen Washington-Tagen haben uns viele Erlebnis- und Besichtigungspunkte der vergangenen Monate wieder eingeholt.

Allen voran natürlich Abraham Lincoln, in bildhafter, skulptureller und tragisch historischer Form. Die Portraits aller 44 amerikanischen Präsidenten können in der National Portrait Gallery bestaunt werden. Aber natürlich nicht nur sie! Diese riesige Gallerie beherbergt darüber hinaus alles an darstellender Kunst, was der Kunstliebende begehrt, von der Antike bis zur Moderne, fotografisch bis abstrakt. Bei freiem Eintritt mit genügend Zeit ein einziger Hochgenuss.

Einem Pilgerort gleich präsentiert sich das Lincoln Memorial an der National Mall mit den Memorial Parks. Wie von einem Thron blickt er aus einem griechischen Tempelgebäude auf die Stadt und seine Menschen, in direkter Sichtachse zum Capitol. Wer will kann auf einem mehrstündigen Spaziergang noch das Washington Momument erklimmen, am Thomas Jefferson vorbei schlendern und die Martin Luther King Jr. Statue bestaunen. Natürlich fehlen in diesem Memorialpark auch Gedenkstätten für die verschiedenen Kriege nicht, Korea-,Vietnam- und Zweiter Weltkrieg. Im Vergleich dazu fällt dann die Ehrenstätte im Constitutional Garden für die 56 Unterzeichner der ersten amerikanischen Verfassung eher bescheiden aus.

Bücher über Abraham Lincoln

Bücher über Abraham Lincoln

 

Historisch tragisch begegnet man Lincoln dann schließlich noch im Ford’s Theatre und dem gegenüberliegenden Haus in der 10. Straße. In dem Theater wurde er während einer Vorstellung ermordet, in dem Haus, wohin er nach dem Attentat zunächst gebracht wurde, verstarb er dann am nächsten Morgen. Beide Gebäude sind ausgebaut zu einem National Historic Site. Das Theater selbst ist gleichzeitig Museum und wie früher wieder ein Spieltheater mit laufendem Programm.

Wir haben die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und haben dort eine Vorstellung von Charles Dickens „A Christmas Carol“ besucht, eine gelungene Mischung aus Literaturoriginal und musikalischen, weihnachtlichen Einlagen.

In die Unterwelt

Der Information, wohl aber auch der Belehrung dient das National Crime Museum. Auf der einen Seite werden  Kriminelle „der ersten Liga“ präsentiert, allen voran natürlich wieder Al Capone und Bonny & Clyde. Auf der anderen wird das ganze Bündel an Sanktionen und Strafmaßnahmen dargelegt, von der Bewährungs- bis zur Todesstrafe. Man scheut sich auch nicht, „gebrauchte Tötungsmaschinen“ wie Guilloutine, Galgen, elektrischen Stuhl oder Gaskammer auszustellen. Das Gruseln scheint einkalkuliert. Informativer sind da schon die Abteilungen über kriminalistische Forensik bzw. wirkliche Detektivarbeit. Amüsant ist der Vergleich von Verhalten, Handlungen und Darstellungen in Krimiserien und der Realität. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, lässt fast ausschließlich Hollywood mit der Traumfabrik grüßen.

Unweit dieses „Gruselkabinetts“, sowohl räumlich wie auch thematisch, bringt das „International Spy Museum“ den Besucher auf alte und neue Formen und Erkenntnisse von Spionagetätigkeit. Die Aktualität hört aber eigentlich bei „James Bond“ auf mit zarten Ansätzen in die „Hackergegenwart“.

Was gibt’s Neues?

Newseum in Washington D.C.-Gedenkkonzert für JFK

Newseum in Washington D.C.-Gedenkkonzert für JFK

Im NEWSEUM an der Pennsylvania Avenue wird man hierüber aus erster Hand informiert. Eigentlich zählt es zu den Museen der Stadt mit dem Schwerpunkt „Geschichte der Presse und des Journalismus“. Was zunächst nach Museumsroutine klingt, entwickelt bald eine ungeheure Anziehungskraft. Vielleicht ist deshalb auch die Eintrittskarte für zwei Tage gültig.

Drei Themenkomplexe schälten sich als besonders attraktiv heraus: Da war zum einen die pressemäßige Dokumentation der Ereignisse von 9/11. Ein verkohlter Eisenträger der ehemaligen Twin Towers unterstrich die Authenzität dieser Tragödie.

Großen Anklang bei den Besuchern fand der Ausstellungsteil mit dem Fall des DDR-Regimes und der Berliner Mauer. Um diese schicksalshafte Wende deutscher Politik zu verdeutlichen, sind mehrere Elemente der ehemaligen Mauer aufgestellt, zusammen mit einem damaligen Wachturm an der Stacheldrahtgrenze.

Wir besuchten dieses Museum am 22.November 2013, d.h. dem 50. Jahrestag der Ermordung J.F. Kennedys. Mit einer Sonderausstellung wurde dieses Datums gedacht. Damit nicht genug: Das NEWSEUM ist eben nicht ausschließlich Museum , sondern auch eine voll funktionstüchtige Radio- und Fernsehstation. So konnten wir an einer TV-Livesendung über dieses Thema teilnehmen.

Den Abschluss dieses denkwürdigen Tages bildete ein kurzes Konzert, in dem Ausschnitte der Beerdigungsmusik für JFK gespielt wurde, alles ohne großes Orchester, sondern von zwei Dudelsackpfeifern. Da das Museum über sechs Stockwerke hinweg ein einziges, riesiges Forum bildet, drang diese eindringliche Musik in jeden Winkel des Gebäudes, wobei die Musiker auf einer Plattform der zweiten Etage spielten.

Auch die Printmedien sind in diesem Haus ständig präsent. Von 1.000 Zeitungen aus der ganzen Welt werden hier  die tagesaktuellen „Front Pages“ digital veröffentlicht.

Black in Wax

Was dem einen recht ist, ist dem andern billig. Warum nicht Mme Tussaud’s Wachfigurenkabinett und ihren vielen Ablegern mit all den „weißen“ Wachsberühmtheiten einmal Konkurrenz machen? Ein Museum in Baltimore ist dieses Wagnis eingegangen. „The National Great Blacks In Wax Museum“ nennt es sich. Vom Altertum bis in die Gegenwart ist alles wächsern präsent, was in der „farbigen Bevölkerung“ Rang und Namen hatte bzw. hat. Natürlich spielt die Epoche der Sklaverei eine besondere Rolle. Ein nachgebautes Sklavenschiff lässt die damaligen Zustände erahnen. Daneben kommen Musiker, Schriftsteller Sportler, Politiker, Menschenrechtler zur Ausstellung. Für uns sicherlich viele unbekannte Persönlichkeiten, für viele Afro-Amerikaner gelten sie jedoch als Helden. Wen wundert es da, dass dem aktuellen und ersten afro-amerikanischen Präsidenten Barak Obama eine Sonderausstellung gewidmet wird.

Aber das Museum war erstaunlicherweise leer. Wir waren die einzigen Besucher. Liegt es am Desinteresse an diesem Teil der amerikanischen Geschichte? Oder liegt es an der Gegend, in dem das Museum beherbergt ist. Denn das Museum befindet sich in einem von Verfall und Vermüllung geprägten Stadtviertel Baltimores. Eigentlich schade, denn ein Museumsbesuch lohnt sich wirklich.

Umschalten

Innerhalb einer Nacht haben sich die sommerlichen Temperaturen verabschiedet und sind dem Frost gewichen. Minus 7°C überraschten uns in Annapolis, der Hauptstadt Marylands. Um die Landzungen des nicht weit entfernten Eastern Neck Island Refuge hatte der starke Wind in den ruhigen Buchten der Chesabpeake Bay erste Eisschollen aufgetürmt.

Baltimore-WoMo bereit zur Rückverschiffung

Baltimore-WoMo bereit zur Rückverschiffung

Also schnell die Winterkleidung hervorgekramt, denn laut Wettervorhersage bleibt es jetzt auch bei winterlichen Temperaturen. Vielleicht passt dieses Wetter ja dann auch besser zum adventlichen New York City. Erst noch das Wohnmobil zur Rückverschiffung nach Hamburg in Baltimore im Hafen „abgeben“ und dann geht es per Zug weiter in das sicherlich adventlich geschmückte Häusermeer.

 

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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