Fjerritslev – Fjaltring

Fjerritslev – Fjaltring

Fjerritslev – Fjaltring – 169 km; Hoellenritt im Regensturm

Der Tag beginnt gut, beim Aufwachen scheint die Sonne. Das Fruehstueck mit einer Fussballtruppe aus Oslo ist gut. Um halb neun geht es bei geschlossener Wolkendecke ab auf die urspruenglich geplante længste Etappe.
Erste Station ist der Bulbjerg. 47 m hoch. Ein Kalksandsteinfelsen an der Jammerbugten und DK’s einziger Vogelfelsen. Hier sollen sich ein besondere Spezie von Moewen paaren und brueten. Ich habe keine gesehen, dafuer aber einen von „Adolfs Mannen“ errichten Bunker, der heute als Toilettenhaus genutzt wird. Da hat doch dieser Teil des Atlantikwalls eine sinnvolle Nutzung erfahren und man kann auf Hitler „sch……“.
An der dænischen Kueste sind noch sehr viele Bunkeranlagen des von Skagen bis nach Spanien reichenden Atlantikswalls, der aber nie fertig wurde und letztlich Gott sei Dank auch nicht den Zweck erfuellte, den er haben sollte – siehe Landung der Allierten in der Normandie.
Auf der Strecke spricht mich eine Gruppe von dænischen Radrennfahrern an – small talk auf englisch, wo gehts hin usw. usw.
Vor und nach Hanstholm, an dem ich w/Kilometereinsparung vorbeifahre, ist es mal wieder etwas huegelig, ansonsten aber flach, flacher, am flachsten (das Streckenprofil, nicht was man sonst so denke koennte).
Kurz darauf nach 50 km fængt es wie angekuendigt an zu regnen. Also Regensachen anziehen und Gas geben, nur kurze Mittagspause. Leider ist der Regenueberzieher fuer den linken Fuss ziemlich kaputt (gibt ne Reklamation – Globetrotter soll da sehr kundenfreundlich sein) – Folge nasse und spaeter kalte Fuesse (beide, weil es im Tagesverlauf immer mehr an zu sauen fængt).
In Norre Voruper (den DK-Kennern sicherlich ein Begriff) bei Tages-Km 97 springe ich um 13.20 Uhr bei einem Bæcker rein. Muffin, Donut und Cola habe ich nach 10 Minuten weil die Kunden vor mir sich so schwer entscheiden koennen. Um 13.35 Uhr gehts los auf die letzten 38 km bis zur Fæhre ueber den Thyboron-Kanal, den Zugang des Limfjords zur Nordsee. Ich habe Zeit bis 15.20 Uhr, dann fæhrt die stuendlich verkehrende Fæhre dort – also Tempo, Tempo. Ich nehme jede dem Kartenmaterial zu entnehmende Abkuerzung (dank dem intensiven Kartenstudium am Vorabend). Das Wetter wird immer scheusslicher, mir ist richtig kalt, und mein vorderer Gepæcktræger læsst die „Ohren“ auf den Fahrradmantel hængen. Also anhalten, neu fixieren. Die Zeit læuft, aber der Wind ist mit mir, er treibt mich richtig zur Faehre. Die letzten 8,5 km geht es schnurgerade auf einem Damm zwischen Wasser links und Wasser rechts, Regenwasser von oben und Spritzwasser von unten dahin, der Tacho schwankt zwischen 30 und 35 km/h. 10 Minuten vor Abfahrt bin ich da. Geschafft. Auf der Faehre ist von Limfjord und Nordsee dank der Regenwænde nichts zu sehen.
In Thyboron geht es erstmal einen km gegen den Wind, da spuere ich erst, wie kalt es im Tagesverlauf geworden ist und wie der Wind blæst, es geht durch und durch. Mein Mitgefuehl gilt denen, die heute gegen den Wind und den Regen unterwegs sind.
Mir ist jetzt fast alles egal, Augen zu und durch. Eine Strecke ueber einen unbefestigten Weg wird fast zur Schlammschlacht, mein Gepæcktræger muss auch noch mal neu fixiert werden. Dann kuendigt sich auch noch ein „Hungerast“ an, den ich mit zwei Energieriegeln erfolgreich bekæmpfe. Endlich erreiche ich um 17.15 Uhr nach weiteren 35 km von Thyboron im stroemenden Regen die JHG in Fjaltring. Die Dame an der Rezeption bedauert mich unendlich, sie hatte eigentlich wohl nicht mehr mit mir gerechnet. Schnell noch zum Supermarkt um die Ecke und das Noetigste fuer heute Abend und das Fruehstueck Morgen frueh einkaufen und dann gibt es nur eins – 20 Minuten heiss duschen.

Was war sonst noch an diesem scheusslichen Tag?
Ein Fuchs lief vor mir ueber den Weg. Drei bepackte Radfahrer kamen mir entgegen, auf ein Gespræch wurde angesichts des Wetters u/o meines Zeitdrucks verzichtet.
Ansonsten ist Dænemarks Nordseeekueste fuer Radfahrer eher langweilig. Man sieht immer nur Wælder, Wiesen, Duenen, Heide, Ferienhæuser, Kuehe, Schafe und Pferde – ach ja die Schweine kann man meist im voraus riechen (heute allerdings erst wenn man vorbei war und die Stælle rechts von der Strecke standen).
Die JHG in Fjaltring ist uebrigens einmalig in der Hinsicht, dass sie ehrenamtlich von den Dorfbewohnern betrieben wird. Tolles, hyggeliges (gemuetliches) Haus mit Blick auf die Nordsee, wenn keine Regenschwaden dazwischen sind.
Technisch bleibt zu vermelden, 169 km mit einem Schnitt von 23,1 km/h in 7 Stunden 20 Minuten.

Horst Reimers
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