Oksbol – Rudbol

Oksbol – Rudbol

Oksbol – Rudbol – 124 km

Beim Fruehstueck spricht mich ein vermeintlicher Holländer an. Das Ehepaar stammt aus Monterrey/Kalifornien und bereist Schweden und Dänemark per Auto, wobei man aus Kostengruenden in JHG uebernachtet. Interessant, wenn man bedenkt, daß die beiden per Kreuzfahrtschiff über den Atlantik nach Amsterdam gekommen sind, mit dem Mietwagen von/nach Amsterdam fahren und dann eine Kreuzfahrt von dort in die Ostsee nach Helsinki, Sankt Petersburg und die Metropolen des Baltikums machen.
Gemeinsam mit einem jungen Pärchen aus HH, die mit dem Rad unterwegs sind unterhalten wir uns angesichts anhaltenden Dauerregens sehr lange und empfehlen den beiden Ami’s dringend auf ihrer Rückfahrt nach Amsterdam nicht in Kiel und Bremen wie geplant da im Reiseführer empfohlen (Norddeutschland ist demzufolge ein Anhängsel bei den detaillierten Beschreibungen zu Dänemark – unter Deutschland werden nur Berlin, Muenchen und Koeln mit Rhein näher erläutert). Wir konnten die beiden ueberzeugen, das es sich lohnt zwei Tage in HH zu verbringen, der Stadt von der sie noch nie etwas gehört hatten.
Interessant ist noch die Historie der JHG in Oksbol. Hier war nach dem 2. Weltkrieg eine Lager für deutsche Fluechtlinge zum Ende des Krieges. In 5 Jahren sollen rd. 35000 Menschen hier eine voruebergehende Bleibe gefunden haben. Das Areal lief unter dem Status einer Selbstverwaltung.
Ich komme erst um 10.15 Uhr los, aber es gießt immer noch. Na ja, das kenne ich ja schon in DK. Bis zur Sadtgrenze von Esbjerg gießt es, die Straßen stehen stellenweise unter Wasser. Erst bei der Monumentalskulptur „Menschen am Meer“ schließen sich die Himmelsschleusen. Am Eingang von Esbjerg hat man vier riesige Menschenfiguren plaziert, die aufs Meer schauen. Warum, wieso, weshalb, keiner weiß, was der Kuenstler und die Stadt damit sagen will. Na ja, heute konnten die vier sowieso nichts sehen, weils so diesig war.
Durch Esbjerg durch (eine relativ junge Industriestadt) Richtung Ribe, der angeblich ältestens Stadt Skandinaviens.
Wen treffe ich beim Eintreffen – die beiden Kalifornier. Großes Hallo usw.
Kurzer Rundgang (sehr nettes historisches Stadtbild in der Innenstadt) und zur Stärkung für den Weg den obligatorischen Fransk Hot Dog.
Die Landschaft ändert sich ab Esbjerg voellig. Flaches weites Land mit Wattenmeer vor dem Festland. Deiche, Kooege, Ackerbau, kaum noch Bäume. Viele Vogelstimmen, Schafe und Kuehe.
Weiter gehts, kaum bin ich unterwegs, fängt es wieder an zu schmuddeln und es wird immer duesterer, bis es schließlich wieder wie aus Kuebeln gießt. Im kräftigsten Regen begegnet mir noch ein Paar aus Hannover, das nur noch ein paar Kilometer bis zur Uebernacht bei Freunden kurz vorm Abzweig nach Romö hat. Ich habe es auch nicht mehr weit, als mir die zweite Speiche wegknackt (nach der Reparatur der beiden in Hirtshals also schon die Nr. 4). Endlich komme ich in Rudbol 300 m vor der deutschen Grenze in der JHG um 17.25 Uhr an. Kein internet, kein Fruestueck – super.
In der JHG trifft unmittelbar nach mir noch einen Radfahrer (Peter) aus der Nähe von Manchester ein, der nach Istanbul per Fahrrad über den Elberadwanderweg bis Prag und dann über Tchechien, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien in die Tuerkei will – rd. 3.200 km (?).
Zum Abschied aus DK verbrate ich meine letzten Dänenkronen in einem dänischen Kro – Filetsteak vom allerfeinsten mit Pommes und Gemuese der Saison – ausgezeichnet, so gut habe ich lange nicht mehr gegessen. Der Preis? Knapp EUR 30,–.
Die Daten des Tages: 50 km im heftigsten Regen, 30 km im Nieselregen, Durchnittsgeschwindigkeit 20,9 km/h, knapp 6 Stunden im Sattel

Horst Reimers
No Comments

Post A Comment

eighteen − fourteen =