Rudbol – Husum

Rudbol – Husum

Rudbol – Husum – 111 km

Morgens der bange Blick aus dem Fenster – es ist trocken, aber die Wolken hängen tief und ziehen schnell aus der falschen Richtung (Gegenwind ist angesagt).
Erstes Fruehstueck besteht aus einigen Bissen Schokolade, zu Trinken habe ich auch nichts. Aber in Deutschland wird ja alles besser, das gibt es sicherlich gleich eine Fahrradwerkstatt und man kann sich endlich wieder in der Heimatsprache unterhalten.
Um 10 Minuten nach 8 gehts los, nach 300 m befahre ich deutschen Boden. Richtung Niebuell, da gibt es alles, was eine Radfahrerseele gluecklich macht – na ja, fast, bis auf eine Werkstatt. Ein ausgiebiges zweites Fruehstueck, ein Wassereinkauf von sagenhaften 44 Cent bei ALDI (davon hole mir 25 Cent Pfand gleich wieder). Geld abheben bei der „Wild-Westbank“. Und weiter gehts es Richtung Nordsee durch einen Koog und noch nen Koog und immer weiter ueber Deiche und durch Koöge bis ich in Dagebuell an die Nordsee kommen – und das Wetter wird immer besser, der Wind weht auf einmal nicht mehr von vorn sondern schräg seitlich von hinten, die Sonne lacht – herrlich. Ich fahre ab Dagebuell bis nach Nordstrand durchgängig vor dem Abschlußdeich von einer Schafpforte zur Nächsten. Die Pforten trennen die jeweiligen Schafherden. An diesem Tag sehe ich glaube ich mehr Schafe als Schleswig-Holstein Einwohner hat.
Also links der Deich, rechts das Watt. Die Stimmung steigt, das Thermometer auch. Ich biege ab zur Hamburger Hallig, 4,5 km vor dem Deich im Wattenmeer gelegen. Genieße die Nordseeluft und das Panorama des Wattenmeers mit den Halligen und den groeßeren Inseln. Eine Dame nimmt auf der Hamburger Hallig (es ist gerade Flut) ein Bad im Meer, angeblich soll das Wasser 15 Grad warm sein.
Auf der Hamburger Hallig steht ein typischen reetgedecktes Haus, in dem eine Gastronomie betrieben wird. Bei zwei Weizenbier (endlich wieder Radlergrundnahrungsmittel) und Matjes mit Bratkartoffeln (lecker) lass ich es mir gut gehen. Weiter geht es nach Nordstrand. Unterwegs treffe ich mehrfach zwei Ehepaare aus Albstadt im Ländle, die in einer Woche von Flensburg über Sylt und Foehr nach Hamburg radeln.
Nach einer kurzen Kaffeepause auf Nordstrand geht es Richtung Festland Husum. Am Suederhafen knackt es mal wieder im Hinterrad, die Speichen drei und vier haben sich verabschiedet. Nun wird es bedenklich. Ich rufe in der JHG in Husum, um zu hoeren wo in Husum eine Fahrradwerkstatt ist, die bis 18.00 Uhr geöffnet hat. Um 17.50 Uhr erreiche ich die JHG, der Herbergsvater erklärt mir kurz wo ich hin muß, um 17.59 Uhr erreiche ich den Fahrradladen. Ueberstunden sind für die beiden Herren in der Werkstatt kein Fremdwort, der Schaden wird sofort behoben, Vier neue Speichen und das Hinterrad läuft nach längerer Feinjustierung wieder fast gerade (die Felge hat wohl auch einen weg bekommen). Das alles für EUR 10,– – Super.
Abends fahre ich mit dem Rad in die Innenstadt von Husum. Ich finde dort kein Restaurant (außer Kochlöffel) – gibt es doch nicht. Ich gebe nicht auf und lande endlich nach langer Suche am Hafen und genau im „richtigen“ Restaurant. Krabben auf Schwarzbrot mit Spiegelei und einen Pino Grigio. Herz was willst du mehr? Ich setze mich zu zwei älteren Damen an einen Tisch, wo noch die Abendsonne draufscheint. Es stellt sich raus, daß das Fischhaus Loof der Treffpunkt der Honoratioren der Stadt ist und das Inhaberehepaar einige Flaschen Wein auf den Nachbartisch und meinen Tisch schmeißt. Es wird ein sehr netter Abend und erhalte die Beschreibung, wie ich auf kuerzestem Weg zurück zur JHG komme. Ich bin fast volltrunken, und das fuer EUR 2,50. Husum, das heißt für mich nicht mehr „Graue Stadt am Meer“ sonderm „Blaue Stadt für mehr“.

Horst Reimers
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