Karl der Marineflakhelfer – LPC

Karl der Marineflakhelfer – LPC

Zurückblickend hatte ich eigentlich eine ganz unbeschwerte Kindheit auf dem Hof meiner Eltern in der Nähe von Kiel. Ich spielte gerne mit meinem Hund Benno, dem Schäferhund mit dem einen Knickohr. Ich ärgerte zum Leidwesen meiner Eltern unentwegt meine kleine Schwester Luise und kannte mich im Jagen von Fröschen, Regenwürmern und manch anderem Getier bestens aus. Ich hatte gerade den Sprung auf die Oberschule für Jungen am Königsweg (heute Max-Planck-Schule) geschafft, als der Jahrgang 1933/34 zum Hilfsdienst bei der 5. Marine Flak Abwehreinheit 251 einberufen wurde.
Die Einheit, der ich zugeordnet wurde, befand sich in Flintbek Voorde. Leider war ich der einzige Junge aus meiner Klasse, der hier stationiert war, und befand mich nach damaligen Verhältnissen fernab meiner Heimat. Seit Mai 1944 bestand der wöchentliche Ablauf aus sich immer wiederholenden Übungen, Einsätzen und Schelmereien, die wir jungen Flakhelfer zwischen zwölf und 15 Jahren uns nicht nehmen ließen. Alleine die Wochenendurlaube alle vier Wochen, wenn sie denn nicht gestrichen wurden, gaben uns Anlass zur Hoffnung, dem Flak Alltag zwischen Geschützreinigen, Dienst an der Gasmaske und Reinschiff machen entfliehen zu können. Fast ein Jahr später nach meiner Stationierung sollte sich von einem Tag auf den anderen jedoch schlagartig alles verändern:
Eines Nachts hielten vier oder fünf LKW mit abgedunkelten Scheinwerfern und Tarnanstrich kurz vor der Wache unserer Batterie. Wir schoben gerade Nachtdienst als der Konvoi sich leise dem Areal näherte. Die Unteroffiziere und Offiziere tuschelten leise während der Oberleutnant von Schönhausen das Leitfahrzeug des Konvois empfing. Wir Jungs schauten aus dem Munitionsauswurfschacht des 10,5 cm Geschützes und versuchten alle, einen Blick auf das merkwürdige Geschehen zu erhaschen. Männer in uns unbekannter Uniform stiegen aus dem Fahrzeug. Wir hörten Wortfetzen wie Peenemünde, Raketen, Tarnung und Flüssigkeit.
Eine hölzerne Kiste wurde aus dem dritten LKW über die Ladefläche heruntergehoben und abgestellt. Jungfähnrich Heinen und ich wurden befehligt, die Kiste in den Munitionsbunker zu verbringen und dort rund um die Uhr unablässlich auf diese aufzupassen. Uns wurde Unteroffizier Stehnemann als bewaffnete Wache vor die Tür beigestellt. Während wir die große, aber leichte Kiste, in den Bunker verbrachten, setzte der Konvoi hörbar der Straße Richtung Kiel folgend die Reise fort. Zwei Tage später am 4. Mai 1945 wurde Alarm gegeben. Die Flak Stellung sei nach vollendeter Sprengung der Munitionsbestände und Unbenutzbarmachung der militärischen Einrichtung sofort zu verlassen. Uns wurden unsere Soldbücher ausgehändigt, ein anerkennender Klaps auf die Schulter gegeben und die verbliebenen Essensreste gerecht an alle Dienenden verteilt. Nur Jungfähnrich Heinen und ich mussten weiterhin diese Kiste bewachen. Uns wurde immer mulmiger zu Mute als nach der weithin hörbaren Sprengung der Munitionsvorräte und der uns umgebenden Stellungen eine gespenstische Ruhe einkehrte. Wir klopften von innen gegen die Tür, aber Unteroffizier Stehnemann antwortete nicht auf unser Zeichen. Wir versuchten es noch einmal und als wir wieder nichts hörten, schauten wir vorsichtig durch das Guckloch und sahen unsere verlassene Stellung. Jungfähnrich Heinen öffnete die Tür, nahm die Beine in die Hand und rannte davon, ohne sich noch einmal umzuschauen. Und so stand ich hier allein und verlassen mit der hölzernen Kiste. Erst jetzt kam eine gewisse Neugierde in mir hoch, was sich vielleicht in dieser Kiste befinden könnte, denn noch immer hatte ich den Auftrag, sie unter Einsatz meines Lebens zu schützen und bis zum Tode zu verteidigen. Ich öffnete diese Kiste und sah neben einigen anderen Dingen eine im Dunkeln des Munitionsbunkers leuchtende Flüssigkeit. Doch wohin mit dieser Kiste? Ich kannte aus dem Jahr meines Dienstes hier in der Stellung ein Versteck, wo ich hoffte, diese Kiste erst einmal vor den herannahenden Engländern verstecken zu können. Vielleicht meiner jugendlichen Neugierde geschuldet goss ich etwas von dieser interessant schimmernden und leuchtenden Flüssigkeit in ein neben mir stehendes Behältnis und verbrachte die Holzkiste in das Versteck. Denn ich wollte nicht weiter in dieser Stellung bleiben, sondern lieber wieder zu meinen Eltern und meiner Schwester zurück. Aber ich habe zumindest einige Hinweise hier hinterlassen, die dabei helfen können, Eingeweihten diese Kiste wieder zu finden.
Als ich fast 70 Jahre später als alter Mann diesen Platz mit meinem Enkel eher zufällig besuchte, kamen mir die versteckten Zeichen und Hinweise wieder in den Sinn. Ich nahm eine an meinem Schlüsselbund hängende Speziallampe, die ich von meinem Enkel geschenkt bekommen hatte und leuchtete in den alten Bunker. Die zuerst unsichtbaren Zeichen leuchteten wieder auf und einige alte Erinnerungen kamen wieder hoch. Trotz meines betagten Alters schaute ich mich in den alten Anlagen wieder um und fand noch weitere Hinweise, die ich damals hinterlassen hatte, um die Kiste wiederzufinden. Könnt Ihr mir helfen, alle Hinweise zu finden, um den Schatz zu bergen?

blickfang
No Comments
  • Jens
    Posted at 17:39h, 01 Oktober Antworten

    Also jetzt bin ich ja schon ein bisschen angefixt… Wer, wie, was, wo?!?

  • Bernhard Hoecker
    Posted at 09:32h, 15 Oktober Antworten

    KLingt sehr spannend…

  • DreiTreiser
    Posted at 21:18h, 13 November Antworten

    Spannungsbogen aufgebaut.
    Neue Erzählrichtung.
    Wie alt ist der Mann?
    Fortsetzung?
    Mystery ?
    Multi?
    Oder doch nur Cacherlatein?!
    Mehr davon.

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