Extrem cachen – einmal anders

Extrem cachen – einmal anders

Unter den Cachern gibt ja nun eine extreme Häufung von Verrückten und wahrscheinlich bin ich mittlerweile auch einer von Ihnen, so lasst euch mal kurz erzählen, wie ich meine 731-Tage-Nonstop-Challenge/2 Jahre durchcachen und meinen 2500.Cache mit diesem besonderen Event feierte.

Schon im Mai als ich das erste Mal das Listing vom Rhöner Extrem Wanderevent  las, war ich Feuer und Flamme dafür, das sollte mein Highlight des Jahr werden. Nun musste natürlich alles geplant werden, Arbeit und Familie schon raushalten und die Zeit freischaufeln und auf die runde Nummer hincachen, war nicht immer einfach, das könnt ihr glauben. Dann kam doch 2 Tage vorher noch was mit der Arbeit dazwischen, aber absagen wollte ich auf keinen Fall. Mit Schlafen war in der Nacht zum 14.09.2013 nicht zu rechnen, ich musste ein wichtiges Bauteil von Emden/Nordsee nach Leipzig/Sa. bringen (500km quer durch Deutschland), unterwegs erreichte mich dann noch ein Anruf, die Plakate für den Bundestags-Wahlkampf sind da und wurden falsch geliefert, also noch ne Fuhre quer durch den Harz, bei einem Kumpel Nähe Artern noch fix 2 Expresso reingezogen und so ging es für mich ab auf die Piste Richtung Kneshecke in die Rhön, immer schön die A71 langcachend, also insgesamt knapp 1000km Anreise, damit ich um früh 0500 pünktlich starten konnte.

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Als Flachlandcacher Vor Ort dann schon mal früh im Dunkeln die Berge respektvoll beäugt, als es dann nach der freundlichen Begrüßung zügig losging und ich die Gruppe schon kurz nach dem ersten Cache verloren hatte, stand ich mit Ernesto allein in der dunklen Rhön, nur in der Ferne sah ich noch die davon stapfenden 60km-Extremos-Lampen, aber bei deren Tempo hatte ich keine Chance, bei der Aufholjagd. Richtung Friesenhausen dann irgendwie falsch abgebogen, also erstmal Richtung Steinwand hoch, das war doch schon mal geil im Morgengrauen die Felswände zu erklettern und auch gleich das erste Gipfelfoto mit Ernesto geschossen. Von da oben hab ich dann mal über die Notrufnummer Bescheid gegeben, damit mich nicht noch einer suchen musste. Als ich hörte, wie weit die schon waren, war mir klar das ich chancenlos abgeschlagen war.

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Also blieb mir nur eine Alternativroute auszudenken, ab zum nächsten Berg, über die Maulkuppe ging es so zum Stellberg, wo dann dichter Niesel einsetzte, aber dank Wald und guter Tarnkleidung war das kein Hindernis und so konnte auch hier cachend der Gipfel  erreicht werden. Weiter  vorbei am  Hauenstein über den steilen Anstieg zur ’nassen Wiese‘ auf die Milseburg, echt gewaltig die Steigung bis zum Keltenwall, hier hatte ich wirklich mächtig zu kämpfen, um so schöner die Aussicht auf die Milseburg. Im Extrem-Wandern-Eiltempo den Hang hinauf, auf den über 800derter.

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Zwar war das Wetter hier oben echt stürmisch und ordentlich Wasser kam runter, aber dafür genoss ich hier oben ein tolles Rhöner Mittagsmahl auf der Berghütten und so konnte ich gestärkt und etwas gemächlicher Richtung Teufelsstein marschieren, natürlich nicht ohne den ein oder anderen Cache am Wegesrand zu besuchen.

Am Grabenhofer Steinteufel hab ich mich dann etwas schwer getan, erst die Zugangswege nicht gefunden und dann beim Erklettern mit Ernesto ordentlich das Bein verknackst, auf nassen Moos rutscht man halt … Aber der Erfolg mich fotografisch hier oben mit meinem Ernesto (Mein GC-Maskottchen – naja  jeder Cacher ist halt auf seine Weise Verrückt) zu verewigen, rechtfertigt manchen Schmerz und so musste ich weitere Wegpläne aufgeben und hoffen mit geringeren Tempo wenigstens den Rückweg zu bewältigen. 2500_GC45XVX_052 Als ich gerade auf der erweiterten Zielgeraden war, überholt mich, die doch noch recht munter aussehende 30km-Gruppe, aber ich hielt auch durch. Zwar wusste ich absolut nicht mehr, wie viel Strecke ich auf dem Zähler hatte, weil das GPS zwischendrin mehrfach abgestürzt war, aber dafür war  ich umso glücklicher so ziel nah noch auf den Beinen zu sein, jetzt weiß ich, wie sich Marathonläufer fühlen müssen, die nur noch ankommen wollen. Und so schleppte ich mich fast bis zum Parkplatz, wo mich die freundlichen Mitstreiter gegen 1700 begrüßten. Ich weiß nicht mehr, ob ich vor Anstrengung noch strahlen konnte, aber ich war sau sau glücklich mit meinen Ernesto an der Seite meine heutige #2500-Tour in 12h durchgezogen zu haben.

Das Nachspiel:  Leider konnte ich nach den ca.30km-bis-an-meine-Grenze-wandern nicht zum Abendbrunch bleiben, weil ich so seit fast 36h wach war und noch 300 km Rückfahrt vor mir hatte, also allen vor Ort noch gedankt , für dieses wirklich außergewöhnliche Event-Gross-Ereignis.  Schnell einen Pott Kaffee an der Tanke hinter geschlürft und ab auf die Piste Richtung Heimat, na klar damit es nicht langweilig wurde, noch nen Autobahncache gehoben und da hat es mich dann erwischt, durch die plötzliche Frischluftzufuhr muss ich wohl direkt beim Aufstehen aus dem Cachemobil im Sitzen, weggenickt sein. Da Nächste was ich sah, war der freundliche Autobahnpolizist, der mich fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei, weil besorgte Pausen-Muggel sie informiert hätten. Nach einer kurzen Aufklärung und Alko-Test etc. brauchte ich erstmal ne Weile um zu kapieren, welch Glück ich hätte es noch bis zum Parkplatz geschafft zu haben.

Klar war, das nächste Mal besser planen und nicht übermüdet fahren, aber das Cachen geht weiter und im nächsten Jahr schaff ich bei entsprechend Vorbereitung auch die 60 km-Strecke, auf jeden Fall ist Rhön-Wander-Cachen jetzt ein Geheimtip, welches ich nur weiter empfehlen kann.

cookroach
No Comments
  • Jens
    Posted at 09:26h, 06 Oktober Antworten

    Coole Tour! Ich glaub‘ das muss ich mir mal für 2014 merken – aber ich bin für’s „erste Mal“ dann wohl auch eher in der 30er-Truppe…

  • Trude
    Posted at 11:07h, 07 Oktober Antworten

    Da kann man nur den Kopf schütteln… verrückt sein hin oder her: Sich alleine in solch einem Zustand auf die Wanderstrecke zu begeben ist ja das eine – danach ins Auto steigen und fahren das andere! meine Meinung nach sehr verantwortungslos – keine Geschichte für ein Buch.

    Trude

  • cookroach
    Posted at 13:33h, 07 Oktober Antworten

    Hallo Trude,
    danke für deine kritische Äußerung zu meinem Bericht, natürlich hast du recht und es war leichtsinnig von mir, aber habe ich schon erwähnt BITTE NICHT NACHMACHEN, zu mindest nicht SO. Ich glaub in meinen Bericht ist eine Portion Selbstironie nicht zu verkennen und meine Empfehlung bezog sich lediglich auf die schöne Gegend in der Rhön. Gerade auch um die verschiedenen Facetten des Geocachens zu zeigen, sollte mein Bericht schon mit rein mMn, ich verstehe natürlich deine Besorgnis über Nachahmer, also Nochmal: BITTE NICHT NACHMACHEN …

  • Bernhard Hoecker
    Posted at 09:11h, 15 Oktober Antworten

    Das „Bitte“ würde ich streichen „Nicht Nachmachen!“.
    Glück gehabt. Wir haben auch schon nach längeren Nachttouren irgendein Motel angesteuert. Diese Dinger in denen in amerikanischen Filme Junge Pärchen ermordet werden.
    Aber die Tour klingt nach einer echten Herausforderung…

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