On Tour 25-GB LD 2 „Erst ABM dann FDH“

On Tour 25-GB LD 2 „Erst ABM dann FDH“

Eng, enger, unpassierbar

Eng, enger, unpassierbar

Sicherlich geht es im Folgenden weder um die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, obwohl der Reichtum und die Vielfalt an Sehenswürdigkeiten im Lake District schnell in Arbeit ausarten kann. Nicht beabsichtigt ist ebenfalls, die bekannt bewährte Abmagerungsmethode „FDH“ an dieser Stelle aufzubröseln. Die Vielfalt der Gastronomieangebote – vom Edelschuppen bis Imbiss – würde einem eine eventuelle, wohlgemeinte Absicht auch wirklich schwer machen.

Bilderbuchdorf Hawkshead

Bilderbuchdorf Hawkshead

Also nehmen wir die Abkürzungen zur Darstellung der breiten Angebotspalette an touristischen Highlights im „britischen Allgäu“.

Und so kommt als Erstes der doppelte „Arthur“ (ABM) daher. „King Arthur’s Round Tables“ gingen und gehen legendenhaft um die Welt. Man weiß ja bis heute nicht genau, ob es ihn wirklich so gab, wie oftmals in Schrift- und Filmform dargestellt wird.Was es aber gibt, sind die zahlreichen historischen Stätten, an denen King Arthur seine „Runden Tische“ abgehalten haben soll. Und einen davon finden wir in der Nähe der Stadt Penrith am Westrand des Lake Districts.

Sein Namensvetter heißt Arthur Ransome, und ihn gab es nachweislich wirklich. Vorrangig begeisterte er die „Jugend aller Altersstufen“ durch seine Abenteuergeschichten (z.B. „Auf ewig Schwalben und Amazonen“). Allerdings kann er nicht auf den Begriff „Schriftsteller“ reduziert werden, denn daneben galt er als Bohemien, Zeitungskorrespondent während der Russischen Revolution (womit wir auch wissen, wann er in etwa gelebt hat), Spion, Seeman, Fischer und passionierter Pfeifenraucher. Wer mehr über diese schillernde Persönlichkeit erfahren möchte, besuche das entsprechende Museum in Kendal etwas südlich von Penrith.

Himalaja Eule im World Owl Center

Himalaja Eule im World Owl Center

„Bird of Prey Center“ (ABM) lautet der nächste Abschnitt . Eine einzigartige Raubvogelrettungsstation bzw.  Aufzuchteinrichtung öffnet dem Besucher gern ihre Türen im Ort Lowther bei Penrith. Als Ziel nennen die Tierschützer, bedrohte Arten zu erhalten, Aufnahme von verletzten oder verwaisten Tieren sowie eigene Aufzucht. In dem weitläufigen Gelände schlendert man vorbei an Volieren mit Habichten, Adlern, Falken und vor allen Dingen Eulen. Selbstverständlich fehlt auch eine tägliche Flugshow oder Fütterung der Raubvögel nicht.

Genau auf der anderen, der westlichen Lake District Seite, an der Küste beim Dorf Ravenglass befindet sich im Garten & Park des Muncaster Castles ein Pendant, das „World Owl Center“. Die Zielsetzungen gleichen sich, wobei in dem gemeinnützigen Word Owl Trust ein stärkerer Akzent auf die Forschung gelegt wird.

Peter Rabbit

Peter Rabbit

Beatrix Potter (hat nichts mit „Harry“ zu tun) überstrahlt die gesamte Region. Gleich drei Museen widmen sich  der Kinder- und Bilderbuchautorin, alle im zentralen Lake District bei Windermere oder Hawkshead gelegen. Da ist zum einen “The World of Beatrix Potter“ (mehr Verkaufsstätte als Museum), dann ihre Sommerresidenz „Hill Top“ und schließlich die ausgezeichnete „Beatrix Potter Gallery“. Am bekanntesten in unserem Sprachraum ist wohl die Figur  des „Peter Rabbit“. Das ist der ungezogene „Struwelpeter-Hase“ mit den überlangen Ohren, dessen Vater bei einem Unglück in dem „Pie von Farmer Richardson“ gelandet ist.

Bilderbuchhaft malerisch nach dem Motto „Unser Dorf soll schöner werden“ präsentieren sich auch viele kleine Ansiedlungen in der Region. Hervorheben wollen wir Hawkshead und Cartmel mit seiner stattlichen Abteikirche.

Beispielgebend für regionale Hausarchitektur kann die Ausstellung „Lakeland Miniature Village“ im südlichen Flookburgh genannt werden. Wie der Name es bereits ausdrückt, ist hier eine große Ansammlung von schiefernen, selbst gebastelten Miniaturgebäuden aufgebaut, Bauernhöfe ebenso wie Landhäuser bzw. Burgen- und Kathedralarchitektur. Nichts zum Wohnen, aber nett anzuschauen.

Castlerigg Stone Circle

Castlerigg Stone Circle

Museen (ABM) gibt es natürlich überreichlich in diesem Gebiet. Jedes Castle ist ein Museum für sich. Die Auswahl fällt schwer, das Besondere zu treffen gelingt nicht immer auf Anhieb. Oder vielleicht doch, wenn man in den nördlichen Küstenbereich nach Maryport fährt. Nicht auf das übliche Maritime Museum wollen wir das Augenmerk lenken sondern auf den westlichen Eckpfeiler des im vorherigen Beitrag bereits erwähnten Hadrian Walls. Auf den Klippen thronte seinerzeit ein stolzes römisches Fort, heute das thematisch zuzuordnende „Senhouse Roman Museum“.

Besonderes weist auch das „Quaker Tapestry Museum & Exhibition“ in Kendal auf. Selbst nennt es sich „A Hidden Treasure / Ein Verborgener Schatz“. Die knapp 100 Stickereien von Künstlern aus 15 Nationen schildert die Geschichte der Quaker in England, beinhaltet natürlich überwiegend religiöse Themen, schildert in bildhafter Form aber auch soziales Leben der englischen industriellen Revolution des 19.Jh., berichtet über Medizin, Wissenschaft und Astronomie sowie über die „Abschaffung des englischen Sklavenhandels“ (Ja, den gab es hier auch!).

Quaker Tapestry

Quaker Tapestry

Oftmals romantisch verklärt, einfach nur emotional positiv, hat sich William Wordsworth in seinen unzähligen Gedichten geäußert. Auch ihm, dem englischen Nationaldichter (geb. 1770) sind in seinem früheren Lebensumfeld im Lake District mehrere Museen gewidmet. Eines davon, nämlich das Haus seiner Kindheit, wurde in dem nördlichen Ort Cockermouth eingerichtet. Daneben führen viele weitere Pfade in der Berg-Seenregion auf seine Spuren.

Bleistift mit Diamanten

Bleistift mit Diamanten

London Bridge aus Bleistiften P1160745Wer schreibt, der bleibt nicht nur. Er benötigt auch Schreibwerkzeug. In der Umgebung der nördlichen Stadt Keswig produziert eine von Europas größten Fabriken den lebenswichtigen Bleistift. Das wäre an sich sicherlich nicht so erwähnenswert, hätte die Produktionsstätte nicht auch gleich ein wunderbares „Pencil Museum“ angeschlossen. Bleistifte werden hier seit Mitte des 18.Jh’s produziert, seitdem man eine weiträumige Graphitmine entdeckt hatte. Neben allen Formen und Farben von Bleistiften kann hier der Welt größter Schreibstift bewundert werden, gut 7m lang und einige hundert Kilo schwer. Für das 60-jährige Thronjubiläum der Queen 2012 wurde selbstredend eine Sonderserie erstellt. Das Bleistiftgeschenk für die Jubilarin ist mit echten Diamanten versetzt. Da mag man das kostbare Stück dann gar nicht mehr anspitzen.

Dampfschiff auf dem Lake Ullswater

Dampfschiff auf dem Lake Ullswater

Und weiter Belehrendes lässt sich dort ebenfalls ausmachen, nämlich woher der Begriff „Schwarzmarkt“ stammt. Er wurde geboren in der Mitte des 18.Jh.‘s, als das Graphit eine begehrte Schmuggelware darstellte. Dadurch färbten sich Schmugglerhände schwarz, so dass jedermann ersehen konnte, welchem Geschäft der Betreffende nachging. Schade, dass so etwas bei den „White Collar Aktivisten“ heute nicht sofort erkennbar ist.

Jetzt wird es aber Zeit, einmal wieder in die freie Natur zu wandeln. Der Begriff „Fell“ beherrscht neben Lake, Water und Mere die Gegend. Alle Seen sind quasi eingerahmt von den „Fellen“ (FDH), womit das bekanntere Wort „Fjell“ gemeint ist. Der Namensfantasie für die recht kahlen, oft felsigen Hügel und Berge sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt.

Hier einige Kostproben: Common Fell, Swineside Fell, Little & Great Mell Fell, White Maiden Fell oder ganz einfach das High Fell. Also heißt es dann nur noch, die Wanderausrüstung an- und übergezogen und sich den Postkartenausblicken hingeben oder später dann im „Fell Foot Park“, also unten im Tal beim Dorf Lakeside, sich in den Wassern des Windermere abkühlen.

Richtung Muncaster Fjell

Richtung Muncaster Fjell

Blinder Passagier

Blinder Passagier

Für eine weitere Erholung bietet sich dann ein „Dampftag“ (FDH)an. Sauna soll bei einer FdH-Kur ja auch helfen. Das ist hier aber nicht unser Anliegen. Wir verstehen darunter zunächst eine Fahrt auf dem Ullswater auf einem per Dampf getriebenen Schiff. Gut drei Stunden lassen wir das Bergpanorama an uns vorüber gleiten, vom Nord- zum Südende und wieder zurück. Für die zweite Tageshälfte begebe man sich in der „Mittagspause“ dann nur 70km weiter, nach Ravensglass an die Küste und besteige die Schmalspurbahn, natürlich von einer Dampflokomotive gezogen. Die rund zweistündige Hin- und Rückfahrt in das Muncaster Fell lässt wegen der schmalen Holzbänke hinterher zwar den Allerwertesten schmerzen, verschafft aber wieder einmal unvergessliche Eindrücke dieser entzückenden Landschaft. Beide Touren kosten zusammen nur rund €20pP.

Levens Hall-Baumkunst

Levens Hall-Baumkunst

Zum Schluss noch ein Wort zu den Halls (FDH), oftmals eine Mischung aus Schloss, Herrenhaus mit Castle ähnlichen Zügen. Wer davon nicht genug bekommen kann, hier kann er seiner Leidenschaft ausgiebig frönen. Sizergh Castle, Wray Castle, Keswig Castle mit benachbartem Castelerigg Stone Circle, Swartmoor Hall und viele, viele andere heißen die Zauberbegriffe.

Eine davon wollen wir wieder extra hervorheben, die „Levens Hall“ bei Kendal. Sie kann als Paradebeispiel für britische Baumschneidekunst gelten. Alle möglichen Formen und auch Farben fügen sich auf einem großen Areal zu einem bildhaften Kunstwerk skulpturierter Bäume und Büsche. Hier darf der Gärtner nicht nur Gärtner sein sondern muss auch bildhauerische Qualitäten nachweisen.

Stan & Olli

Stan & Olli

Nicht Stan & Olli

Nicht Stan & Olli

Qualitäten völlig anderer Art sind bei unserem allerletzten, der Entspannung dienendem H-Begriff erforderlich. Das Stichwort lautet Hardy, und der passionierte Kinogänger erkennt sofort dass es sich dabei um das ehemalige Komikerduo Stan Laurel & Oliver Hardy handelt. Durch unsere Filmpaläste flimmerten sie als Dick & Doof. Und wie geraten die beiden gerade in den Lake District? Nun, Olli Hardy ist im südlichen Ulverston geboren. Ein ehemaliges Kino wurde ihm und seinem Partner zu Ehren zum „Laurel & Hardy Museum“ umgewidmet. Nach bereits amüsantem Museumsrundgang lässt man sich anschließend in die ausrangierten Kinosessel fallen, nicht ohne sich vorher mit einem Erfrischungsgetränk versehen zu haben, und genießt in Zwanzig- Minuten-Sequenzen einen Dick&Doof – Film nach dem anderen, wer will von 10 bis 17Uhr.

Wordsworth Museum - Living History

Wordsworth Museum – Living History

Schwerverdauliches und leichte Kost, Kunst & Kommerz, Geschichte, Literatur und Natur, manch Gedrängestress in den Orten und absolute Einsamkeit auf den Fjellhöhen, so haben wir den Lake District erlebt. Manch einer mag andere Erfahrungen gemacht haben.

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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