On Tour 28- GB WA 3 „Liebeslöffel – Liebestöter – Liebesheirat”

On Tour 28- GB WA 3 „Liebeslöffel – Liebestöter – Liebesheirat”

Brecon Beacons

Brecon Beacons

Wenn man durch den südlichen Bruder des „Snodownia NP“, nämlich den „Brecon Beacons National Park“ tourt, wechselt die Szenerie alle 20 Minuten. Verschiedene Grünfarben lösen einander ab. Vom Wind getriebene Wolken verleihen ihnen durch die changierende Licht-Schatten-Wirkung einen besonderen Reiz. Der Park darf sich auch „Geopark“ nennen, d.h. er gehört zur Familie der weltweit insgesamt 100 Geoparks. Darunter wird die Landschaft subsummiert, welche sich durch ein besonderes geologisches, historisches und kulturelles Erbe auszeichnen. Vor vielen Millionen Jahren noch von Meer überflutet, dann durch das Aufeinandertreffen der Kontinentalplatte emporgehoben, teilweise auch tropische Klimaepochen durchlebt, präsentiert diese Landschaftsform sich nunmehr mehr oder minder abgeschliffen durch die mächtigen Gletscher der letzten Eiszeit. Schließlich gestaltet  seit rund 7.000 Jahren der Mensch mit „Axt, Pflug, Hammer und Hand“ ihre Geschichte und ihr heutiges Aussehen.

„Becon Beacons NP“ weist eine weitere Besonderheit auf. Er ist anerkannt als „International Dark Sky Reserve“, d.h. als Gegend, in der nur wenig künstliches Licht erzeugt wird, so dass nachts die gut sichtbare Milchstraße wie ein Bogen den schwarzen Nachthimmel überwölbt.

Liebeslöffel

Liebeslöffel

Und an der Nordkante dieses von Einheimischen genannten „kleinen Paradieses“ liegt der zentrale Ort Brecon. Der hübsche Marktflecken mit Burg und schöner  Flussuferpromenade lädt ein ins „Tower Café“. Dabei handelt es sich um ein Permanenzcafé  nicht nur mit umfangreicher Kuchenauswahl, sondern auch mit kostenfreiem WiFi-Zugang  in einem Seitenschiff der Kathedrale St. Mary. Das Konzept scheint aufzugehen. Das Café war gut besucht von Einheimischen wie Touristen.

Die zweite Besonderheit dieses Ortes zeigt sich in seinem Heimatmuseum mit der stattlichen Sammlung an Liebeslöffeln. Hierbei handelt es sich um eine walisische Tradition aus dem 17.-19.Jh. Selbstgeschnitzt aus einem einzigen Stück Holz und liebevoll mit Schnitzereien verziert galten sie als des Bräutigams „Heiratsantrag“ an die Braut. Wurden sie von der Auserwählten angenommen, nahmen sie quasi die Funktion einer Zustimmung bzw. eines Verlobungsringes an.

In der Regel ergeben sich daraus dann ja Liebesheiraten. Ob das bei dem seinerzeitigen nordwalisischen König Hywer im 9.Jh. auch der Fall war, bleibt offen.

Hywel Dda Zentrum und Garden

Hywel Dda Zentrum und Garden

Seine „Liebesheirat“ umgarnte alle übrigen walisischen Königreiche seiner Epoche zu einem einzigen. Nun, so ganz freiwillig war diese royale Heirat letztendlich wohl nicht. Doch um 930AD schuf der König Gesetze, die mit Fug und Recht auch heute noch als modern angesehen werden können, wie z.B. eine hälftige Eigentumsteilung bei Scheidung, der gerechte Verteilung von Fischfängen uvm. Das entsprechende „Hywel Dda Zentrum & Garden“ findet man in Whitland.

Eine „Liebesheirat“ mit verlassenen Tieren gingen allerdings die Tierschützer des „Schimpansen Gnadenhofes“ ein. Als der damalige örtliche Zoo geschlossen wurde und man bereits mit der Tötung der Tiere begonnen hatte, übernahmen die Ehrenamtler in einer Rettungsaktion die Pflege der noch verbliebenen Affen. Und deshalb wird hin und wieder Affengekreische in den Tälern der „ Brecon Beacons“ hörbar.

Wollspinnerei

Wollspinnerei

Doch auch von „Liebestötern“ soll hier ja die Rede sein. Im National Woollen Museum bei Newcastle Emlyn einer ehemaligen Wollspinnfabrik. Nicht das ausgezeichnete Museum gilt als solches. Doch die damaligen Schafwollprodukte vom Sonntagsstaat bis zur Gebrauchswäsche waren wohl nur mit äußerster Hautunempfindlichkeit zu ertragen, was sicherlich besonders für die Unterwäsche, den „Liebestötern“, galt. Doch der Handel mit diesen von Hand und später dann von Maschinen hergestellten Produkte wurde im Laufe der Kunstfaserentwicklung immer schwieriger. Viele dieser südwalisischen Spinnereien mussten deshalb gegen Mitte des 20.Jh’s wegen Unrentabilität schließen.

Besser erging es da dem „Tudor – Handelsimperium“ im 15.Jh. Ein städtisches „Musterhaus“ aus der damaligen Epoche kann im Badeort Tenby besichtigt werden. Europaweite Handelspartner sicherten einen stetigen Warenfluss.

Tenby

Tenby

Malerisch zeigt sich die Kulisse dieses Touristen- Hotspots. Auf einem Felsen gelegen, säumen mehrere Reihen bunter Häuser das Meer. Zwei Strände laden zu Aktivitäten ein. Promenadenwege direkt an der Felskante oder den Stränden entlang führen schließlich zu einem geschäftigen Hafen direkt unterhalb der Burgruine.

Kehren wir noch einmal zurück zu walisischen Naturschönheiten. Zum einen ist hier die Südwestspitze, die St. Davids Peninsula, zu nennen. Weite, weiße Strände prägen ebenso das Bild wie schroffe Felsküsten. Und die gleichnamige „Hauptstadt“ dieser Halbinsel beherbergt zugleich die seinerzeit (13.Jh.) größte Kathedrale Englands. Die Kirche dient heute noch als lebendiges Gotteshaus. Von dem ehemaligen Bischofspalast existieren nur noch besichtigungswürdige Ruinen, in denen im Sommer „biblisches Theater“ über das Leben des Heiligen St. David gespielt wird.

Worms Head Spitze

Worms Head Spitze

Worms Head Strand

Worms Head Strand

Als Naturperle erweist sich auch die Gower Halbinsel südlich von Swansea. Der Strand und der felsige „Worms Head“ gerieren sich als Anziehungspunkte für Surfer und Wanderer.

Bei unserem Besuch an einem sommerlichen Septembersonntag quoll diese Landspitze über von Besuchern aus dem nahen Swansea. Und es war wohl nicht nur das herrliche Wetter, welches die Tagesgäste hinauszog. Das Erscheinungsbild der Industrie- und Hafenstadt Swansea trug sicherlich ein übriges dazu bei. Wir reden dabei nicht von dem eleganten „Waterfront Museum“ oder dem „Literaturcenter“ mit Schwerpunkt des bereits erwähnten Dichters Dylon Thomas.

Blick auf Swansea

Blick auf Swansea

Nun, das allgemeine Straßenbild mit Massen an pflegebedürftigen Häusern prägt diesen Eindruck, ganz zu schweigen von dem auffälligen Straßenmüll. Vielleicht bemerkt man es eines Tages nicht mehr so, wenn man stets dort weilt. Uns stach es sehr schnell ins Auge, so dass ein Stadtbesuch auch nicht sehr lange dauerte.

Nur wenige Kilometer entfernt erlebt man Gegenteiliges. Wales‘ Hauptstadt Cardiff erscheint bunt, gepflegt und im Hafenbereich hanseatisch. Diese Stadt ist einen Besuch wert. In der historischen Innenstadt dominiert das riesige Castle mit seinem mit bunten Figuren verzierten Turm das Stadtbild, angrenzend an die verwinkelte Fußgängerzone. Die farbenfrohen Arkadengänge beherbergen Läden, Cafés und Galerien aller Art. Viktorianische Architektur dominiert das Universitätsviertel „hinter“ dem Castle – Alles gut zu Fuß zu erreichen,  sehr gefällig anzuschauen.

Cardiff Castle

Cardiff Castle

Autofahrern sei empfohlen, ihr Fahrzeug auf dem P&R-Platz am Millenium Stadium abzustellen und den Shuttlebus zu nehmen. Die zu zahlenden £3 beinhalten Parkgebühren für den ganzen Tag und Busticket für alle Insassen des Autos. Dafür gelangt man dann absolut unproblematisch ins Stadtzentrum und wieder zurück. Als empfehlenswert erweist sich ebenfalls das 24-Stunden-Ticket für eine städtische Sightseeingtour /Hopp-On-Hopp-Off mit ausführlicher Rundfahrt auch an der Waterfront und einem Ermäßigungsbon für das National Museum of Wales.

Caerleon - Römische Arena

Caerleon – Römische Arena

Wir beenden die Reiseberichterstattung über Wales mit einem Besuch der Ausgrabungen des römischen Forts in Caerleon, nördlich von Newport. Auch hierfür ist kein (Um-)Weg zu weit. Abgesehen von dem pittoresken Stadtbild des kleinen Ortes lohnt der Besuch der Ausgrabungsstätten „ehemaliges Fort“, „die Badehäuser“, die „Soldatenunterkünfte“ sowie das ehemals 6.000 Zuschauer fassende „Amphitheater“, das besterhaltene, das in Britannien je gefunden wurde. Ergänzt wird dieses archäologische Ensemble durch ein hervorragendes Museum. Wer nun an hohes Eintrittsgeld denkt, kann sein Portemonnaie ruhig stecken lassen. Alle diese Sehenswürdigkeiten gewähren „Freien Eintritt“.

Zweieinhalb Wochen Walesrundtour liegen hinter uns. Die Region steckt voller Mannigfaltigkeit in Bezug auf ihr Wetter, ihre Natur, ihr historisches und kulturelles Erbe, so dass sich die „Qual der Wahl“ – mit Ausnahme des Wetters – schnell einstellt. Andere mögen andere Schwerpunkte setzen. Wir verlassen nunmehr höchst zufrieden diesen Landstrich, denn die südlicheren Gebiete Somerset, Devon, Dorset und besonders Cornwall locken.

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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