On Tour 30- GB SÜD 2 Von Biestern&Priestern, Hexen und einem sagenhaften König

On Tour 30- GB SÜD 2 Von Biestern&Priestern, Hexen und einem sagenhaften König

Exmoor

Exmoor

Es ist schon eine mystisch verklärte Gegend, dieser Küstenstreifen zwischen dem südlichen Exmoor in Somerset und dem nördlichen Cornwall, die sich wie zwei Toastscheiben um den Nordteil der Grafschaft Devon legen.

Nicht umsonst rätselt man über das „Beast of Exmoor“, wobei „moor“ nichts mit unserem Verständnis von Moor zu tun hat, sondern eher Heide- bzw. Ödland bedeutet. Und in dieser Nebel durchwaberten, bergigen Einöde soll jenes Untier gesichtet worden sein, oder doch nicht? Es ist wie beim Yeti: Manche haben es gesehen, manche zweifeln daran. Unklare Umrisse werden beschrieben, getötete Schafe für seine Existenz ins Feld geführt, alle Arten von „wissenschaftlichen“ Untersuchungen angestellt. Irgendwie soll es sich um eine „große Wildkatze“ handeln. Selbst der Zoologe Carl Hagenbeck wurde um eine Stellungnahme gebeten. Die Bezeichnungen der „Realisten“ schwanken zwischen Panther, Leopard und Puma, die der „Legendenträumer“ ordnen das Phänomen schlicht unter „Märchen und Folklore“ ein. Am besten traf es wohl die BBC mit der Bezeichnung „Alien Big Cat“.

Bedruthan Steps

Bedruthan Steps

Sharpnose Point

Sharpnose Point

Eine ähnliche“ Biestergeschichte“ treffen wir am südlichen Punkt dieses Reiseabschnittes bei den „Bedruthan Steps“. Übriggeblieben von der Geschichte sind tupferartige, riesige Felsformationen an der cornischen Küste unweit vom Badeort Newquay entfernt. Dabei soll es sich um die Fußstapfen des gleichnamigen Riesen handeln. Also glauben wir auch dieser phänomenalen Erläuterung und genießen demütig den herrlichen Ausblick.

Nicht in das Reich der Legende hingegen gehören die Wellen umtosten Cliffs, die Gischt gepeitschten Steilküsten – eine Bucht, eine Felsnase schöner als die andere mit dazwischen gesprenkelten, weit ausladenden – besser: einladenden – goldgelben Sandstränden. Beispielhaft seien angeführt der Hartland Point (mit Leuchtturm), der Higher Sharpnose Point bzw. der Tintagel Head.

Hartland Point

Hartland Point

Als besonders besuchenswert haben wir die Dörfer Lyntonmouth/Lynton (Somerset) sowie Clovelly (Devon) empfunden. Beide an der Küste gelegen bieten sie dem Besucher Besonderes.

Lynmouth-Cliff Railway

Lynmouth-Cliff Railway

In Lyntonmouth lohnt sich eine Fahrt mit der „Cliff Railway“ in den oben auf dem Cliff gelegenen Ortsteil Lynton. Diese Bergbahn ist absolut emissionsfrei, denn sie wird nur mit Wasserkraft betrieben. Steile 60 Meter spult sie in rund 10 Minuten die Besucherströme auf und ab.

Für das Fischerdorf Clovelly auf der Anfahrt zum Hartland Point muss man Eintritt bezahlen, denn das gesamte Dorf ist einstmals von einem Millionär gekauft worden. Diese einzige Zufahrt hinein oder besser hinab ist für den öffentlichen Verkehr so gut wie gesperrt. Das ist auch gut so, denn bei 33% Gefälle, einer Straßenbreite von knapp 3,50m und keiner wirklichen Park- oder Wendemöglichkeit unten im Dorf wäre das Chaos vorprogrammiert. Also hat man am oberen Ende der Siedlung einen Großparkplatz mit Visitor Centre errichtet. Ein steiler Fußweg über senkrechtes Kopfsteinpflaster (Cobblestone), mehr Treppe als Weg, geleitet den Besucher durch enge Gassen und Gässchen hinab zum Hafen.

Clovelly

Clovelly

Grabstein

Grabstein

Ihre eigenen Transportprobleme müssen die Bewohner mit Hilfe hölzerner Transportschlitten lösen. Das Eintrittsgeld scheint gut angelegt, denn das Dorf präsentiert sich im Bilderbuchanblick.

Gleichfalls nicht in das Reich der Legende gehört die Geschichte um den Priester Robert Stephen Hawker (1834-1875). Sie wird aufgeblättert im Dorf Morwenstow, wenige Kilometer vom Badeort Bude entfernt. Der Gottesmann galt als Exzentriker, denn er soll schon mal in Gummistiefeln und Ölzeug von der Kanzel herab gepredigt haben. Verheiratet mit der eigenen Patentante, Opium schmauchend und Balladen dichtend, vielerlei magischen Kräften zugewandt, genoss er sein Leben in einer aus Treibgut errichteten Hütte. All das nahm man ihm nicht übel. In Gefahr – zumindest seitens der damaligen Amtskirche – geriet er nur, wenn er entgegen den kirchlichen Regeln Schiffbrüchige beerdigte. Denn das galt damals als Sünde und war einem Priester strikt untersagt. Ihn kümmerte dieses Verbot offenbar wenig, denn nichts hielt ihn davon ab, einmal eine gesamte ums Leben gekommene Schiffsbesatzung auf seinem Kirchhof zu Grabe zu tragen und als Grabstein die Gallionsfigur des zerschellten Schiffes aufzupflanzen. Strahlend weiß leuchtet sie auch heute noch neben seiner Kirche.

Im Hexenmuseum

Im Hexenmuseum

Priester spielten im Mittelalter während der Inquisition eine große Rolle bei den unzähligen Hexenaustreibungen und –verbrennungen. Das malerische Bergdorf mit felsigem Naturhafen Boscastle hat sich dieser Geschichte in seinem „Hexenmuseum“ angenommen. Doch der Begriff „Hexerei“ (oder:“Witchcraft“) wird viel umfangreicher ausgelegt. Thematisch aufgearbeitet werden alle möglichen Formen von „magischer Kunst“ oder „zauberartiger

Kraft“, vom Altertum bis in die Moderne. Wir wurden den Eindruck nicht los: Hat sich bis heute eigentlich viel verändert? Die Mittel sicherlich, das Denken vielleicht nicht immer.

Sagenhaft, sagenumwoben bleibt nachhaltig der berühmte King Arthur. Es ist die „unendliche Geschichte“ eines früheren Herrschers, dessen geschriebene und erzählte Biographie an die jeweiligen historischen Epochen immer wieder angepasst wurde.

Tingtagel-King Arthur Castle

Tingtagel-King Arthur Castle

Das Zentrum dieses Artus-Kultes liegt mit dem Arthur Castle in Tintagel (Cornwall). Die Burg oder das, was von ihr heute noch übrig geblieben ist, stammt zwar aus dem 13.Jh., Arthur soll aber bereits im 6.Jh. gelebt haben. Wie fügt sich das zusammen? Ganz einfach: Die Burg wird deklariert als Prestigeobjekt, Vorzeigecastle eines damaligen Königs Edward, der dem Arthur ein Denkmal setzen wollte. Bei allem schönen Anblick bildet sie jedoch nur einen Flecken auf dem

King-Arthur-Mosaikteppich, der das Land bedeckt. Mehreren „Arthur-Round-Tables“ sind wir begegnet, an unterschiedlichen Orten soll er begraben liegen. Wie soll da sein Andenken in Vergessenheit geraten! All das ist sicherlich angenehm fürs Auge, wohltuend fürs Gemüt und vor allem profitabel fürs Tourismusgeschäft.

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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