Motor an – Alltag aus

20 Feb Motor an – Alltag aus

Als Reisejournalist hat man nicht nur den Bonus, dass man mit seiner Presseakkreditierung kostenlos auf eine Motorradmesse kommt, nein, man kommt auch noch vor allen anderen rein und kann sich Neuheiten und Highlights als erster anschauen und Messeluft vor allen anderen schnuppern, um auch frühzeitig darüber berichten zu können.

Und wie ist sie dann solch eine Motorradmesse wie die heute startende HMT 2015 in Hamburg? Kann man sich doch vorstellen: Das Dröhnen von Motoren, der Geruch von Benzin, spärlich-ledrig verpackte Mädels, die sich auf Maschinen räkeln, heiß gebrutzelte Grillware, hämmernde Musik, kühles Bier dazu und der Traum von Weite und Freiheit!

Achja!

Und so war ich heute einer der ersten auf der HMT. Zu hören ist eher das Geklapper beim Aufbau als das Dröhnen von Motoren, auch kein Benzinduft in der Luft, da das Anwerfen der Bikes den Ausstellern nicht erlaubt wurde, lediglich bei Harley zündet manchmal „versehentlich“ eine Maschine mit einem Donnerschlag, das dem Verkäufer beim Anpreisen des Motorrads irgendwie der Schlüssel ins Zündschloss gerutscht sein und sich gedreht haben muss. Die Bühnen sind leer, da die Studentinnen, die sich entsprechend aufgetakelt und mit Klebetattoos zu Motorradvamps verwandeln sollen entweder noch an der Uni oder in der Maske sind, lediglich an zwei Ständen sind frisch vollgejährte Mädels in jahreszeitfremden Hotpants zu sehen, die sich ständig mit noch nicht volljährigen Jungs auf Selfies bannen lassen müssen. Das von mir bestellte Spanferkelbrötchen hat zumindest einen Hauch von Outdoorerlebnis und ein Bier trinke ich natürlich vor 12 Uhr mittags nicht. Also einen Latte Macchiato dazu. Man kann das Leben als Reisejournalist trostlos sein ;-)

Und doch, selbst als stolzer Besitzer von zwei Motorrädern zweier unterschiedlicher Marken kann ich sagen: Es könnte noch weitere geben, die mir gefallen. Immer wieder eine Triumph – oder Moto Guzzi, die mich als einzige Marke hier (Indian ist als Aussteller nicht vertreten) mit ihren neuen Modellen überraschen können. Vielleicht eine Royal Enfield – in Indien produziert nach britischem Reinheitsgebot – die offensichtlich endlich einen Importeur in Norddeutschland haben oder eine Heinkel Tourist. Seit 1964 nicht mehr gebaut nun nicht wirklich eine Neuheit, aber ein wunderschönes Kuriosum, zudem mit einem Namen, der einem Globetrotter gut zu Gesicht stehen würde ;-)

Und darüber hinaus? Ich habe den Eindruck, es gibt mehr und mehr Anbieter von Motorradreisen mit Angeboten auf allerlei Zwei- oder Trikerädrigem durch aller Herren Länder über alle Kontinente zu cruisen – organisiert, vorgebucht, mit Roadbook ausgestattet oder auch einfach mit dem Mietuntersatz unlimitiert drauflos.

Wann wird’s mal wieder richtig Frühling?!

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Jens Freyler
Jens Freyler
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