Vorsicht im Eifer des FTF`s

Vorsicht im Eifer des FTF`s

Vor einigen Monaten war es mal wieder soweit:

An einem verregneten Dienstag Abend machte sich ein neuer Cache über eine Push-Nachricht des E-Mailprogramms auf dem Tablet bemerkbar. Schwierigkeit und Entfernung waren für uns mit D3,5/T3 und 4 Kilometern Grund genug um kurz nach 22 Uhr zu dem neuen Multi aufzubrechen.

Alle (unserer Meinung nach) wichtigen Utensilien wurden ins Auto geworfen: Taschenlampe, GPS, Logwerkzeug, Multitool, Spiegel, Stabmagnet usw. Dann ging es los! Auf dem Weg zum Cache wurde dann die GPX-Datei noch fix von Handy aufs GPS übertragen und wir sahen, dass der Cache in einer Wohnsiedlung an einem Sportplatz sein muss. Hoffentlich muggeln da keine Hundemenschen rum, dachten wir uns.

Als noch 150 Meter zwischen dem Start und uns lagen, waren wir an einer Sand-/Schotterpiste, die um den Sportplatz herumführte, angekommen. Super, Parkplätze sind hier ja auch direkt, da wurde an alles gedacht ;). Aber nein, wir fassten den Entschluss mit dem Auto noch möglichst nah an den Cache heran zu fahren, also folgten wir dem spärlich beleuchtetem Weg. Bei 15m Entfernung zum Cache entschlossen wir uns rechts auf den Bolzplatz, einige Meter vom Tor entfernt, zu parken. Es flutschte und den Fahrer beschlich ein ungutes Gefühl. Ich stieg aus und musste die Vermutung bestätigen: Der Boden war total aufgeweicht und ich sackte gleich ein gutes Stück in den Rasen ein. Shit! „Ich schieb mal!“ rief ich. Also ging ich zur Motorhaube und wir versuchten das Auto zurück auf die Schotterpiste zu bringen. Ich schob und der Fahrer legte den Rückwärtsgang ein. Das Auto grub sich nur weiter in den Rasen ein und ich rutschte beim Anschieben nur nach hinten, da der Boden so viel Wasser gezogen hatte. Why?! Ok, nächster Versuch: Fußmatten aus dem Auto von hinten unter die Reifen schieben und dann nochmal probieren. Das Ergebnis war, dass die Fußmatten unter den Reifen durch den Boden beschleunigt wurde und einige Meter weit wegflogen, wobei mich eine Matte am Bein traf, selbiges unerwartet wegriss und ich plötzlich im Matsch lag…

Einige Minuten vergingen ohne, dass sich jemand traute etwas zu sagen. Im Kopf gingen wir die Möglichkeiten durch, die uns als erstes in den Sinn kamen, um aus dieser misslichen Situation wegzukommen: Gelbe Engel? Ne, die machen (kostenlos ;) nur was, wenn am Auto etwas kaputt ist, was ja nicht der Fall war. Polizei? Auch wenn sie unser aller Freund und Helfer sind, hätte die Erklärung, warum wir mitten in der Nacht auf einem Bolzplatz mit dem Auto feststecken, wahrscheinlich nur dazu geführt, dass Alkoholtests, wenn nicht sogar Drogentests durchgeführt worden wären.

Dann fiel uns ein, dass wir gerade Besuch zu Hause haben, der mit dem Auto da ist. Also riefen wir an und baten darum, dass dieser doch mal vorbeikommt, und ein dickes Seil mitbringt.

Tja, mehr konnten wir dann eh nicht machen, also besannen wir uns wieder auf das Wichtige: Den neuen Multi. Mit nun matschigen Händen schlugen wir uns ins Gebüsch durch und entdeckten recht schnell die Startbox und dahinter einen leeren Kanister. In der Box war dann die Anleitung zum Finden des Caches: so und so viele Schritte Richtung Norden zu Station 3. Von da dann in den warmen Süden zu Station 2 und dann dahin zu Station 1. Station 4 einige Schritte gen Osten. Aha, etwas verwirrend. Dann hatten wir nach einer vierten Stunde Station 1-3 entdeckt. Und plötzlich hörten wir in der Ferne ein Auto das näher kam…

P_20150114_152954… Es waren unser Besuch und die Daheimgebliebene. Also bemühten wir uns erst mal wieder darum, unser Auto, das mittlerweile bis zu den Felgen im Schlamm steckte, zu befreien. Leider hatten sie kein passendes Seil gefunden. Zum Glück hatten wir noch einige Zurrgurte dabei, die allerdings laut Etikett nicht sehr stabil waren und auch zum Abschleppen nicht zu empfehlen waren. Aber was sollten wir tun? Also halbierten wir die Gurte immer wieder und die ziehbaren Kraft nahm zu, sodass wir am Ende aus 3 Zurrgurten ein 1m langes Band gebaut hatten, das nach unseren Berechnungen bis zu 1,5 Tonnen belastbar sein sollte, was uns als akzeptabel erschien, da unser Auto knapp 1,2t wieg.

Also fuhr das andere Auto rückwärts an unseres heran, sodass wir die beiden Anhängerkupplungen miteinander verbinden konnten. Jetzt nur nicht auch das zweite Auto zu weit auf den Rasen schicken. Ne, müsste so passen. Dann ging es für mich wieder an die Motorhaube unseres Autos. Auf Kommando gab das Zugfahrzeug Gas, unser Auto wieder den Rückwärtsgang eingelegt und ich schob. 4 oder 5 mal schaukelte das Auto in der Kuhle vor und zurück, bevor es endlich wieder auf den Weg fahren (gezogen werden) konnte. Puh! Die Aufgabe wäre damit schon mal erledigt, jetzt galt es noch den Cache zu finden.

Also machten wir uns wieder an die Arbeit: Wasser wurde aus dem Teich gefischt, in gelöcherte Röhren gefüllt, die wir mit Panzertape abdichteten; der aufschwimmende Schlüssel öffnete uns die nächste Station, die eine verschlossene Box und eine Batterie enthielt; damit konnten wir dann bei wieder einsetzendem Regen einen Petling bekommen, der einen Schlüssel für die zuvor gefundene Box enthielt. Super, nun ins trockene Auto und Logbuch signieren. Überglücklich öffneten wir die Dose und trugen uns gegen halb 12 ein und hatten den FTF in der Tasche. Verdammt, das war ein nervlich und geistig forderndes Erlebnis. Wir besprachen dann noch, wie wir alles möglichst schnell zurück bauen können und daraufhin ging es ein letztes Mal in den Regen.

Und auf nach Hause! Kurz vor 12 waren wir dort, kamen aus der dreckigen Kleidung und den nun total herunter gekommenen Schuhen (jetzt haben wir halt noch ein Paar für die Gartenarbeit – immer alles positiv sehen), und fielen erschöpft in unsere Betten.

Abschließend kamen wir zu der Erkenntnis:

„Vorsicht im Eifer des FTF`s!“ :D

Was kam danach?

  • Zweit- und Drittfinder hielten uns für verrückt, Nachts bei Regen den Cache gemacht zu haben und sprachen ihren tiefsten Respekt dafür aus.
  • Am nächsten Tag, als wir auf der Arbeit ankamen, wurden wir begrüßt mit „Moinsen! Gestern Abend wieder Geocachen gewesen?“ Das Auto so mit den verschrammten Felgen, dem angetrocknetem Matsch und den Handabdrücken wieder auffällig abenteuerlich aus ;)
  • und… wir haben seitdem immer einen Handseilzug (max. 8 Meter lang und bis 2,5t einsetzbar) dabei, um im Notfall uns autark aus der Situation zu befreien. Die knapp 20€ sehen wir als gute Investition in unsere Cacherausrüstung an.

Liebe Grüße

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Eskil Schlewski
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