Von Pinguinen und anderen Fashion Victims

Von Pinguinen und anderen Fashion Victims

Letzte Woche bekam ich eine E-Mail, die mich überzeugen wollte, dass unser Verlag doch ein perfekter Kooperationspartner der Berlin Fashion Week sei. Ohne dies eines weiteren Gedanken zu würdigen, ohne die Mail überhaupt zu lesen, habe ich sie als überambitionierte Marketingstrategie klassifiziert und gelöscht.

Jetzt im Nachhinein… vielleicht fast schade, dass ich diese einmalige Gelegenheit habe ziehen lassen. Was wohl deren Ideen gewesen wären? Hätten wir den Gästen Büchern für langweilige Modenschauen bereitstellen sollen? Oder hätten unsere Autoren als Models für die Designer der Länder laufen sollen, über die sie schreiben? Oder hofft der Veranstalter, dass Karl Lagerfeld in unseren Programm seine neue Muse entdeckt, Guido Maria Kretschmer Inspiration findet? Ich weiß es nicht. Doch mangels gelöschter E-Mail wird es mir auch kaum gelingen, dieses Rätsel zu entschlüssen.

Penguin red jumper loresDoch das Thema Mode lässt mich nicht mehr los und tatsächlich bin ich da über einen Bereich gestolpert, bei dem zusammenpasst, was eigentlich nicht zusammengehört: Strickmäntelchen für Pinguine!

„Tierquälerei!“, mag der ein oder andere rufen, doch weit gefehlt. Hier geht es nicht um Mode für Schoßtiere sondern um eine sehr zweckmäßige Idee der australischen Penguin Foundation, die – wenig verwunderlich – zum Selbstläufer wurde.

So hat ein cleverer Australierer festgestellt, dass mit Öl verschmutzte Pinguine mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dem Tod geweiht sind. Einerseits weil sie das Öl versuchen aus ihrem Gefieder zu lecken, andererseits der doch sehr hartnäckige Fremdstoff das Gefieder verklebt, die Wasserundurchlässigkeit zerstört und so dazu beiträgt, dass die Pinguine sehr schnell auskühlen und nur noch eingeschränkt nach Futter jagen können.

Die Lösung: Sichtet man solch einen kleinen Kandidaten, so stript man ihm fix ein Strickjäckchen über und der Kleine kommt nicht mehr an den Ölfleck ran und wird gleichzeitig gewärmt. Sobald man sich nun in Ruhe um den Dreckspatz kümmern kann, reinigt man ihn feinsäuberlich, schaut dass das Gefieder wieder seine Aufgabe erfüllen kann und lässt den Pinguin wieder frei – ohne Strickmäntelchen. Das lassen die Tiere tatsächlich sogar freiwillig bei ihren Rettern zurück.

Was sich jedoch in Australien ereignete, als diese Idee publik wurde, war ein Segen für alle Schwiegersöhne, die endlich bei australischem Klima nicht mit Stricksocken, -schals und -handschuhen überversorgt wurden – dafür aber die Pinguine. Aber denen steht’s schon irgendwie ;-)

Penguin Toys Group Shot 1 (c) Penguin Foundation, Spotlight & AAT Kings

Da die Pinguine ihre „Jumper“ allerdings nicht mitnehmen und die Penguin Foundation mit Tausenden mehr oder weniger schicken Exemplaren überflutet wurde, brauchen sie wirklich bitte bitte keine mehr – und nein, auch nicht die mit den besonderes schönen Mustern!

Aber wenn Ihr etwas nach Australien schicken wollt, so ist solch eine Organisation immer auf finanzielle Unterstützung angewiesen und mit dem „Adopt a Penguin“-Programm könnt Ihr mit unterschiedlich hohen Beiträgen einen Beitrag dazu leisten, diese putzigen Tierchen, die echten coolen Frackträger der „Australian Fashion Week“, zu unterstützen – und vielleicht schickt Euch einer davon dann sogar ein Foto, wenn er mal wieder „Jumper“ trägt ;-)

Little penguin release at Summerland Beach by wildlife officer Rosie FennellInfos zur Organisation, zu Pinguinen um und vor Australien und zum Adopt-a-Penguin-Programm gibt es unter http://www.penguinfoundation.com.au.

Für die Bereitstellung der Bilder danken wir Phillip Island Nature Parks, alle Fotos in diesem Artikel unterliegen deren Copyrights.

Und Jungs: Ich find Ihr seht geil aus – im Naturfrack ebenso wie im bunten Sweater!

Was unsere Autoren angeht… vielleicht schicke ich die im nächsten Jahr auf den Laufsteg …

Jens Freyler
Jens Freyler
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