152.799 Schritte auf dem HARZER-HEXEN-STIEG

152.799 Schritte auf dem HARZER-HEXEN-STIEG

Einmal den Harzer-Hexen-Stieg wandern, den Wunsch trug ich einige Jahre mit mir rum. Doch irgendwie war ich zu bequem gewesen es einfach in die Tat umzusetzen und so blieb es lange nur ein Traum. Als mir dann am Anfang des Jahres meine Leipziger Freundin „Riccii“ erzählte, dass sie für eine ziemlich lange Wanderung trainieren müsse, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopfe und erzählte ihr von meiner Sehnsucht. Eine knapp 100 Kilometer lange Wanderstrecke von Osterode über den Brocken nach Thale, wäre für sie sicherlich das perfekte Training und für mich würde damit ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung gehen. Gemeinsam mussten wir nicht lange überlegen, wir waren das perfekte Duo für den Hexenstieg und somit war unsere Verabredung sofort besiegelt. Mein Herz pochte vor Freude, doch auch der Respekt vor dieser Wanderung war allgegenwärtig.

Ende März sollte es losgehen. Die Planung verlief reibungslos und schnell in einer lustigen Telefonkonferenz. Mit einem Blick auf die Wanderkarte hatten wir uns unsere Etappen schnell abgesteckt und uns für eine 4-Tages-Tour mit Übernachtung in Altenau, Schierke und Rübeland entschieden. Wir umgingen die einschlägigen Buchungsportale und fanden mit Hilfe der Google-Suche ein paar für uns angemessene Unterkünfte, welche dann schnell per Telefon gebucht waren. So blieb nur noch die Frage, wie kommen wir von Wernigerode (unserem Ausgangspunkt) zum Start nach Osterode und wie vom Ende in Thale wieder zurück nach Hause. Für die Hinfahrt entschlossen wir uns für eine Fahrt mit der guten alten Deutschen Bahn, mit zweimal umsteigen und einer Fahrtzeit von etwas mehr als einer Stunde lag diese absolut im Rahmen. Für die Rückreise gab es eine sehr gute Busverbindung, aber in Anbetracht der dann bereits überwunden Strapazen entschieden wir uns für den privaten Limousinen Service meiner daheim geblieben besseren Hälfte.

..alles gepackt, kann losgehen

..alles gepackt, kann losgehen

Jetzt hieß es nur noch Rucksack packen. So leicht wie möglich, wenn möglich! So verbrachte ich viel Zeit damit mein Gepäck auf das Nötigste zu komprimieren und wollte auf den gewohnten Luxus verzichten. Letztendlich brachte es mein 36 Liter Rucksack auf knappe 10 Kilogramm. Das Gewicht lag im gut tragbaren Bereich, trotzdem brachte mich das erste Aufsitzen meines Gepäckboliden mächtig aus dem Gleichgewicht. Es war doch eine ungewohnt hohe Last auf meinem Rücken, welches der bevorstehenden Wanderung gleich nochmal etwas mehr Respekt einflößte.

 

 

Riccii und Tine on Tour

Riccii und Tine on Tour

Dann war es endlich soweit, der erste Tag unserer Hexen-Stieg-Tour brach an und ehe wir uns versehen hatten, saßen wir im Zug nach Osterode. Um kurz nach elf Uhr trafen wir hoch motiviert und nach einem kleinen Piccolo Sekt (nur als Einstieg in einen schönen Wanderurlaub) leicht angeheitert am Bahnhof in Osterode-Mitte ein. Bei kaiserlichem Wetter sollte unsere Wanderung beginnen, wir hatten circa 25 Kilometer zu laufen und einige Höhenmeter zu überwinden. Nun war der Tag schon etwas voran geschritten und unser erstes Etappenziel sollte nicht erst nach Einbruch der Dunkelheit erreicht werden. So starteten wir mit erhöhtem Tempo bergauf Richtung Altenau. Auf unserem Weg wollten wir ein paar Geocaches finden und alle Stempelstellen der Harzer Wandernadel stempeln, welche für die Wandernadel „Harzer-Hexen-Stieg“ nötig waren. Unser erster Haltepunkt und die erste Stempelstelle, war der Eselsplatz. Diesen erreichten wir nach gut 4 Kilometern und mehr als 200 überwundenen Höhenmetern, ziemlich schwer atmend. Zum ersten Mal setzten wir unsere Rucksäcke ab und ließen uns erschöpft auf die dort vorhandene Sitzgruppe nieder. Das fing ja schon mal gut an. Optimistisch und immer noch voller Euphorie holten wir uns den ersten Stempel, suchten einen vor Ort versteckten Cache und holten das zweite Frühstück aus dem Rucksack. Nach einem Blick auf den Kilometerzähler und die Uhr, ging es zügig weiter. An dieser Stelle entschieden wir uns auch unachtsamer Weise für den falschen Abzweig, welcher uns dann auch leider erst viel zu spät auffiel. Nach einem prüfenden Blick auf die Wanderkarte und das mitgeführte GPS-Gerät, konnten wir unseren Patzer aber ohne größere Verluste ausgleichen und fanden schnell wieder zurück auf den Stieg der Hexen. Jetzt hatten wir auch bereits die nächsten 100 Höhenmeter erklommen und befanden uns mit qualmenden Füßen am Mangelhalber Tor wieder. Ein Tor welches hier symbolisch für ein ehemaliges Baudenkmal errichtet wurde und uns gut genug für eine weitere Pause erschien. Hier oben lag trotz schönstem Frühlingswetter auch noch etwas Schnee, welcher uns auf eine Idee brachte. Wir stellten die Rucksäcke am hier vorhandenen Rastplatz ab, zogen die Schuhe aus und hüpften barfuß in das kühle Weiß. Wir schnappten tief nach Luft und spürten sofort die Wohltat dieser Erfrischung. Hier hätten wir noch Stunden verweilen können und so bemerkten wir gar nicht wie sehr wir doch das Trödeln anfingen. Nebenbei fand sich auch hier eine kleine Dose aus der kleinen Wanderserie „Harzer Försterstieg“, welche uns auch noch ein Stückchen mit weiteren Caches auf unserer Route erfreuen sollte. Langsam hatten wir unseren Blick auch auf die Wegführung geeicht, denn der Harzer Hexen Stieg ist auf der kompletten Strecke sehr großzügig mit einer wegweisenden Hexe markiert. So durften Karte und GPS-Gerät in der Tasche bleiben und wir entspannt den Weg genießen. Das einzige was uns hier immer wieder ins Auge stach und ein bisschen frustrierend war, sind die Wegweiser. Mir ist es ja erst nicht so aufgefallen, da ich kein Freund von Zahlen bin. Aber Riccii’s Frust wurde spürbar größer, als jedes Schild eine andere Entfernungsangabe versprach. Gerade wenn man schon leicht abgekämpft dem Etappenziel entgegen fiebert und die Kilometer auf den Tafeln wieder mehr, statt weniger werden. Wer auch immer da im Amt geträumt hat, es zog mächtig an unseren mittlerweile müde gewordenen Kräften und den damit verbundenen Nerven.

Wasserkunst am Sperberhaier Damm

Wasserkunst am Sperberhaier Damm

Unterdessen hatten wir aber das Oberharzer Wasserregal erreicht, welches uns mit vielen sehenswerten Bauwerken der bergbaulichen Wasserversorgung beeindruckte und ablenkte. Nun hatten wir auch eine angenehme Reisehöhe im Höhenprofil erreicht und ließen unsere Gedanken durch die parallel laufenden Wassergräben erfrischen. Naja, eigentlich ging unsere Fantasie etwas mit uns durch. Wir begannen damit Verschwörungstheorien auszubrüten und Parallelwelten zu überdenken. Vielleicht waren wir auch Statisten in einer großen Fernsehshow und wussten nur nichts davon? Oder vielleicht gab es doch eine Matrix und unsere ganze Welt ist eine einzige Illusion? Am Höhepunkt unserer schrägen Gedanken angelangt, fanden wir sogar Harry Potters Zauberstab mitten auf dem Waldweg liegend. Ein simpler Zweig, wir ließen ihn aber zurück, denn keiner von uns beiden wusste damit umzugehen. Allmählich bekamen wir den Eindruck, dass der Harzer-Hexen-Stieg anfing an unserem Geist zu knabbern. Vielleicht war es aber auch nur das drohende Ende unserer langsam ausgehenden Gesprächsthemen? Wir konnten es jedenfalls nicht abstreiten, wir hatten eine gute Quelle für noch mehr Unterhaltungsstoff entdeckt.

Irgendwann hatten wir dann aber doch unsere körperlichen Grenzen überschritten und es kehrte Stille auf den letzten Kilometern ein. Unsere erste Etappe näherte sich Gott sei Dank dem Ende. Erschöpft, verschwitzt, kaum noch vollständiger Sätze mächtig erreichten wir nach guten 26,5 Kilometern und keinen Blasen an den Füßen, endlich unsere urig gemütliche Pension in Altenau. Auf Grund des Werktages und der noch nicht begonnen Saison, kamen wir hier auch in den Genuss die einzigen Gäste des Hauses zu sein. Nach einer liebevoll zubereiteten Brotzeit, ließen wir den ersten Tag im kleinen Schwimmbad der Pension ausklingen.

Nach einer für mich unruhigen Nacht in einem fremden Bett, begannen wir den zweiten Tag unserer Harzer-Hexen-Stieg-Tour mit einem reichlichen Frühstücksbufett und einer guten Tasse Kaffee. Wir waren im Urlaubsmodus angekommen und bereit für die nächste Hürde. Heute stand die Überquerung des Brockens an der Tagesordnung. Ich hatte dabei weniger Bedenken, denn dort befand ich mich wieder auf meinem heimischen Terrain. Erstmal hieß es aber raus aus Altenau, neben den wunderschönen Wassergräben und der steilen Wand entlang, bis hin zum Torfhaus.

..die Weg weisene Hexe am Oberharzer Wasseregal.

..die wegweisene Hexe am Oberharzer Wasseregal

Die steile Wand ist eine 150 Meter steil abfallende Felswand, welche den nordöstlichen Rand des Bruchbergmassivs bildet. Die Wegstrecke des Harzer Hexen Stieges verläuft hier über einen schmalen Pfad bergseitig am Hang. Der Weg war nicht ganz einfach, mit den schweren Rucksäcken auf unseren Schultern sogar beinahe gefährlich. Auf dem teilweise nur einen knappen Meter breiten Weg, lag reichlich gefrorener Schnee, der die Sicherheit zum neben uns steil abfallenden Hang erheblich beeinträchtigte. Zuversichtlich ging es aber Schritt für Schritt voran, denn wir befanden uns in einer landschaftlich sehr aufregenden Gegend mit tollen Felsformationen. Gegen Mittag erreichten wir mit müden Beinen das Torfhaus. Gegenwärtig hatten wir die ersten 200 Höhenmeter der heutigen Route überwunden und befanden uns nun circa 800 Meter über Normalnull. Wir blickten Richtung Brocken in eine dichte Wolke, der Berggipfel hüllte sich heute in einer besonders grauen Mütze und genau da sollte es gleich hin gehen. Nach einer stärkenden Pause ging es dann für uns an diese größte und anstrengendste Hürde. Es sollten weitere 300 vertikale Meter auf einer Strecke von knapp 8 Kilometern überwunden werden. Wir bekamen schnell zu spüren, dass uns der Weg heute nicht nur im Anstieg belasten würde. Eine Schneedrecke aus sulziger Konsistenz versuchte uns aufzuhalten. Wir sackten mit den Schuhen im angetauten und wieder überfrorenen Schnee ein. Rutschten immer wieder eine halbe Schrittlänge zurück und kämpften um jeden Meter. Es war so unglaublich kräftezehrend, wir hätten in diesem Moment alles für eine Mitfahrgelegenheit bezahlt, aber es gab keine und wir wollten den Hexenstieg ja auch ohne Hilfe schaffen.

...die Harzer Schmalspurbahn auf dem Weg zum Brocken

…die Harzer Schmalspurbahn auf dem Weg zum Brocken

Der Gedanke an eine warme Mahlzeit im Goethesaal auf dem Brocken hielt uns auf den Beinen, ansonsten waren unsere Köpfe nur noch mit dem Durchhalten beschäftigt. Eigentlich sah ich den Brocken nie als eine große Hürde an, ich dachte ihn mit all seinen Tücken zu kennen. Aber dass uns so ein bisschen Schnee am Boden so kaputt machen könnte, damit hatte auch ich nicht gerechnet. Völlig verschwitzt, entkräftet und mit blank liegenden Nerven erreichten wir das stürmische Brockenplateau und mussten feststellen, dass der Goethesaal heute keine warmen Speise für uns hatte. Der Speisesaal hatte nämlich geschlossen. Wir guckten uns an und ich glaube, wir wären beide in diesem Moment am liebsten heulend zusammen gebrochen. Doch im letzten Augenblick kam mir in den Kopf, dass es in den oberen Stockwerken des Hotels noch ein Café gibt. Hier bekamen wir dann zwar keinen großen Teller Nudeln, aber eine leckere Erbsensuppe mit Wiener Würstchen und einen doppelten Schierker Feuerstein für unsere Nerven. Nach einer ganz langen Pause ging es dann mit neuer Motivation bergab Richtung Schierke. Jetzt war nicht mehr viel Energie nötig und keine Schneeflocke vermochte uns mehr aufhalten zu können. Dankbar erreichten wir gegen 19 Uhr, nach gut 29 Kilometern auf dem GPS-Gerät und in den Gliedern spürbar, endlich unsere Pension. Mit der Brockenüberquerung hatten wir diesmal unsere körperlichen Grenzen mehr als überschritten, jedoch gab es bis auf ein paar Ermüdungserscheinungen, nicht eine einzige Blase an unseren Füßen. Nach einem sehr leckeren Abendessen, einem weiteren doppelten Schnaps und einer heißen Dusche ging es dann zeitig ins Bett.

Der dritte Tag brach nach einer recht guten Nacht in einem eigentlich viel zu weichen Bett mit einer ganz unangenehmen Plastikauflage unter dem Laken an. Nach den gestrigen Strapazen fühlten wir uns nur bedingt erholt. Der Brocken steckte uns noch mächtig in den Knochen und wir waren mehr als froh, dass uns heute nur eine kurze Etappe mit kaum spürbaren Steigungen erwartete. Erstmal genossen wir aber das mit viel Liebe zubereitete Frühstück unserer Pensionswirtin hier in Schierke und sammelten noch einmal etwas Kraft. Der Blick aus dem Fenster war heute leider weniger berauschend, denn es zog ein Sonne-Wolken-Regen-Mix über den Himmel und wir entschieden uns somit lieber gleich für die Regenkleidung. Dieses Wetter begleitete uns dann auch eher feucht, dafür ließ es sich aber auf weniger verschneiten Wegen besser laufen. Trotz angenehmer Etappe quälten wir uns heute mehr als die Tage zuvor. Die Muskulatur war verkrampft, es fehlte irgendwie die Energie und auch die Euphorie der letzten beiden Tage war etwas abgeebbt. Wir legten viele Pausen ein, lüfteten unsere Regenponchos in den trockenen Wetterphasen und hatten eigentlich nur die nächste Unterkunft als Ziel in unseren Köpfen. So richtig nach Freude war uns heute irgendwie nicht.

Regenpause auf der Burgruine Königsburg mit Blick auf Königshütte

Regenpause auf der Burgruine Königsburg mit Blick auf Königshütte

Als sehr sehenswert empfand ich auf dieser Strecke den Königshütter Wasserfall, die Ruine Königsburg mit Blick auf Königshütte und die angenehme Wegführung bis Susenburg. Wir machten jedoch drei Kreuze, als wir nach mageren 22,5 Kilometern, endlich unsere Unterkunft in Rübeland erreicht hatten. Es drängte uns doch immer mehr zu einer ganz langen Ruhepause und der Hoffnung auf Erholung. Leider hatten wir diesmal mit der Wahl zu unserer Übernachtung ein wenig Pech gehabt, Essen und Service ließen sehr zu wünschen übrig. Dafür war das Zimmer aber wenigstens sauber und die tiefe Duschwanne war auch ein guter Kompromiss um die erschöpften Gliedmaßen etwas zu wärmen. Uns wurde hier aber nochmal sehr deutlich, dass man nach einer solchen Wanderung zwingend gutes Essen und ein Bier benötigt, um bei Laune zu bleiben. Demzufolge bemühten wir zwei uns, den ganzen Abend friedlich miteinander auszukommen, ohne den anderen anzufallen. Hier hatte ich das Gefühl, das unsere Freundschaft unter den Lasten des Harzer-Hexen-Stieges zum ersten Mal zu leiden begann. Dafür waren wir aber auch stolz auf unsere bereits überwundene Strecke und die damit verbundenen Höhenmeter. Das Höhenprofil nahm jetzt auch stetig ab, so dass sich langsam zu unserer Freude das große Finale andeutete. Nun hieß es aber erstmal Beine hoch legen, dass Beste aus der Unterkunft machen und möglichst fit in den nächsten Tag starten.

Der letzte Tag brach an und unsere Motivation war wieder da, denn heute ging es auf die Zielgerade zu. Nachdem gestern unser Abendessen nur schwach ausgefallenen war, legten wir keine besondere Hoffnung in ein anständiges Frühstück. Doch die Wirtin konnte uns tatsächlich noch einmal überraschen und präsentierte uns ein reichliches Büfett. Wie in den anderen Unterkünften immer genutzt, verzichteten wir hier aber auf das völlig überteuerte Lunchpaket für unseren weiteren Weg. Wir schlugen uns kräftig die Bäuche voll und planten ein warmes Mittagessen auf halber Strecke ein. Um kurz nach neun Uhr starteten wir dann auf unser letztes Teilstück. Mittlerweile hatten wir uns an den schweren Rucksack gut gewöhnt, er fühlte sich schon körpereigen an. Die nächtlichen Ruhephasen reichten aber nicht mehr zur Erholung aus, unsere Gliedmaßen fühlten sich inzwischen gut 20 Jahre älter an. Die Füße schmerzten und die Beine waren lahm. Das war jetzt aber nebensächlich, denn eine herrliche letzte Etappe lag vor uns, die uns nicht mehr mit Schnee oder heftigen Höhenmetern erschüttern würde. Auf der Landkarte schlängelte sich der Wanderweg seicht entlang der Bode und versprach eine traumhafte Landschaft. Genau so war es auch!

Hexen und Teufel auf unserem Weg

Hexen und Teufel auf unserem Weg

Kurz hinter Neuwerk, einem versteckten Ortsteil von Rübeland, verließen wir die Zivilisation. Wir folgten einem märchenhaften Pfad entlang des Bodeufers. Hohe Fichten und mit Moos verwilderte Wiesen säumten den Wegesrand. In Mitten des Flusses formten sich immer wieder kleine Inseln auf denen hohe Buchen wuchsen. Eine Gegend, die absolut zum Träumen einlud. Wir folgten dem Weg und erreichten kurz nach dem Mittag recht ausgehungert Altenbrak. Der Hunger zerrte auch heute wieder ganz schön an unseren Nerven, aber hier fanden wir sehr schnelle und leckere Erlösung beim Harzer-Jodlermeister, wo wir auch höchst persönlich von ihm bedient wurden. Das Essen war hervorragend und so ging es für uns gut gestärkt bei schönster Nachmittagssonne auf die letzten 14 Kilometer unserer Harzer-Hexen-Stieg-Tour.

...Rast an der Sonnenklippe im Bodetal

…Rast an der Sonnenklippe im Bodetal

Es folgte der schönste, aber für uns auch der anstrengendste Teil des Bodetals. Nebenbei hatten wir uns als Abschluss unserer großen Wanderung noch einen EarthCache vorgenommen, welcher uns mit einigen Aufgaben auf den letzten 10 Kilometern von Treseburg nach Thale beschäftigen sollte. Hinter Treseburg verschwanden wir dann im Funkloch und kurze Zeit später standen wir vor einer großen Absperrung mitten auf unserem Harzer-Hexen-Stieg mit der Aufschrift „Durchgang verboten, Lebensgefahr – Steinschlag!“. Nach einigem hin und her vor Ort, entschieden wir uns die Absperrung zu ignorieren und folgten dem Trampelpfad, welcher um den Zaun herum führte. Mit einem leicht unwohlen Gefühl im Bauch ging es weiter und zu unserer Überraschung stellten wir schnell fest, dass wir nicht die einzigen Wanderer hinter der Absperrung waren. Gegenwärtig begannen wir wieder den Kampf gegen unsere eigene Erschöpfung aufzunehmen. So richtig reden oder Späße machen wollte keiner mehr. Wir waren müde, die Füße taten weh, unser Gehirn begab sich langsam in den Standby Modus und tätigte nur noch die nötigsten Abläufe. Einen Schritt vor den anderen setzen und einfach weiter gehen. Mittlerweile zeigte das GPS-Gerät einen zurückgelegten Track von über 30 Kilometern an. Wir sprachen kaum noch ein Wort miteinander, mehr als ein paar unvollständige Sätze waren auch nicht mehr zu erwarten, wir waren mit unseren Kräften einfach am Ende. Jetzt wollten wir wirklich nur noch in Thale ankommen.

Gegen 19 Uhr erreichten wir dann endlich unser Ziel und wurden prompt von einer Rotte Frischlinge direkt vor uns auf dem Wanderweg begrüßt. Alle beteiligten blieben kurz stehen, blickten sich an und während wir vor Angst versteinerten, drehten die niedlichen kleinen Babyschweinchen ab und liefen direkt zu ihrer Mutti. Die böse Bache befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in (fast) sicherer Entfernung und trotzdem sahen wir zu, dass wir uns halbwegs zügig aus der Gefahrenzone entfernten, was in Anbetracht unserer müden Beine nur bedingt möglich war. Als wir uns dann in Sicherheit wogen, tauchte die mittelgroße Schweinefamilie tatsächlich nochmal neben uns auf. Das beruhigte uns persönlich weniger, wir konnten die Situation aber mit einer kurzen Flucht über eine nahe gelegene Fußgängerbrücke der Bode schnell entschärfen. Nun waren die Lebensgeister mit einem Schreck wieder erwacht und wir durften mit Freude feststellen, dass uns unsere Füße auf der 4 tägigen Harzer-Hexen-Stieg-Wanderung bis ins Ziel getragen hatten.

Einen Augenblick später traf auch unser privater Limousinen-Service an der Seilbahn in Thale ein und wir begannen uns langsam auf der Heimfahrt nach Wernigerode zu entspannen.

Wandernadel - Harzer-Hexen-Stieg... unsere Belohnung!

Wandernadel – Harzer-Hexen-Stieg… unsere Belohnung!

Fazit: Auch wenn die Anstrengungen teilweise sehr groß waren und wir unsere Nerven sehr strapazieren mussten, der Harzer-Hexen-Stieg ist eine ganz tolle Erfahrung die jeder Mal gemacht haben sollte. Neben dem Verzicht auf Luxus und der Erforschung der eigenen körperlichen Grenzen, entdeckten wir traumhafte Landschaften und fanden viel Ruhe.

Ich würde den Harzer-Hexen-Stieg jeder Zeit wieder wandern!

T.I.N.E.

 

 „Einen besonderen Dank möchte ich meiner lieben Freundin Riccii für die vielen tollen Momente aussprechen. Wir waren das perfekte Duo!“


 

* Der Harzer Hexen Stieg ist ein Projekt vom Harzer Tourismusverband e.V. und dem Harzklub und ist nebenbei in das System der Harzer Wandernadel mit eingebunden. Informationen bekommt man an allen Touristen-Informationen im Harz und/oder auf www.hexenstieg.de

Christina Busch
Christina Busch
2 Comments
  • conny diestreuenerin
    Posted at 14:14h, 14 April Antworten

    Welch schöner Bericht :)
    Besonders putzig finde ich die Begegnung mit den Wildschweinen. Alle Beteiligten erstarren und haben wahrscheinlich die gleichen Gedanken. :D

    So eine Weit-Wanderung ist einfach eine interessante Erfahrung. Habe ich bisher noch nicht gemacht, aber ich denke öfters darüber nach.

    Viele Grüße & herrliche Zeit.
    Conny

  • michael
    Posted at 23:00h, 14 April Antworten

    Sehr schöner Bericht. Wir waren auch ganz begeistert. Mit Kind habe ich aber etwas länger gebraucht :-)
    harz.soziales4u.de

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