Auf Safari am Mohlabetsi River

Auf Safari am Mohlabetsi River

Ein Klopfen weckt mich aus meinem Tiefschlaf. Pünktlich um 5:30 Uhr startet der Tag im Camp der Moshlabetsi Lodge im Balule Private Game Reserve am nordöstlichsten Zipfel im Grenzgebiet zum Krüger Nationalpark. Schnell streife ich meine Safari Klamotten über. Lange Hose, feste Schuhe, Hut, Brille und Foto dürfen nicht fehlen. In der Lounge haben sich schon die ersten Safari Teilnehmer versammelt. Noch etwas verschlafen nehmen wir unseren ersten Tee und genießen die morgendlichen Geräusche, die frühen Vogelstimmen, das Zirpen der Grillen und sehen dem kleinen Äffchen zu, das sich aufgeregt von Ast zu Ast schwingt. Der Tag im Balule Game Reserve hat gerade erst begonnen.

Punkt 6:00 Uhr verabschiedet uns Toni, der Lodgebesitzer mit einem Lächeln: „Let´s go!“ Wir klettern auf den Safari Truck. Gameguide „Solly“ sitzt am Steuer, sein Kollege klettert auf den Spähsitz ganz vorne und schon geht es los. Kaum haben wir die Lodge verlassen, weht uns der noch kühle Savannenwind ins Gesicht, die Sonne lässt sich gerade über den Weiten der Graslandschaft blicken. Wir halten erwartungsvoll Ausschau. Die leere, weite Savanne, im Hintergrund die Umrisse der 2.000 m hohen Drakensberge, dürre Sträucher, von Wind, Wetter und Tierfraß gekennzeichnete Bäume, das von der Monate langen Trockenzeit ausgedörrte Gras und Buschwerk, nur ab und zu ein sattgrüner Baum oder Strauch, dessen Wurzeln sich aus der Tiefe das lebensnotwendige Wasser ziehen.

Das Land scheint nur darauf zu warten, den lang ersehnten Regen aufzunehmen, der die trockenen Tümpel, Flussbetten und Wasserlöcher wieder auffüllt. Die Tiere versammeln sich an den Resten der letzten Regenzeit: Antilopen und Büffel, Kudus und Giraffen, Zebras und Löwen, sie alle stillen an den Wasserstellen ihren Durst und finden dort Nahrung.

Kapzebramutter mit JungtierDoch die Savanne bietet ihren Bewohnern in ihrem trockenen Kleid auch Vorteile: in ihrem Schutz können sich die sandfarbenen Tiere tarnen, nur schwer sind sie vom Ton in Ton gezeichneten Hintergrund oder Vordergrund zu unterscheiden. Auch wir tun uns anfangs schwer, Tiere zu entdecken, doch je mehr wir uns auf die Umgebung einlassen, desto erfolgreicher wird die Fotobeute: hier ein aufschreckender Springbock, dort ein grasendes Zebra, und plötzlich eine ganze Herde von Impalas. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf einer entlegenen Lichtung auf. Die Ohren im Wind, die Augen in die Ferne, nach allen Richtungen hat die Herde ihr Revier im Blick, um bei Gefahr mit langen, grazilen Sprüngen im Dickicht der Savanne zu verschwinden.

Kurz darauf scheinen wir in einen Disney Film einzutauchen, drei Zebras haben sich vor uns aufgestellt. Ihre feine schwarz-weiß-braune Zeichnung, das typische Muster der Kapberg Zebras, entführt uns direkt ins Herz von Afrika, dorthin, wo sich über Jahrtausende die schillerndsten Muster ins Fell der Tiere gezeichnet haben, dorthin wo die ausgefeiltesten Überlebensstrategien die Tiere mit feinen Sinnen und Techniken ausgerüstet haben, um das Überleben in der Wildnis zu sichern. Mit ihrer typischen 180 Grad Stellung haben zwei Zebras die Chance, gemeinsam 360 Umkreis zu überblicken und nahende Feinde zu sichten. Neugeborene Zebras werden von ihren Müttern immer nah an ihrer Seite gehalten, damit sich die Jungtiere das individuelle Streifenmuster der Mutter einprägen können. Erst nach vier bis fünf Wochen finden sich die Jungtiere auch in größeren Ansammlungen zurecht.

Unsere Fahrt durch die Savanne geht weiter, über holprige Feldwege, durch ausgetrocknete Flussbetten, durch dichtes Buschwerk. Nashornvögel lassen sich auf den Bäumen nieder, wo sie majestätisch ihr Revier überblicken.

Unser Guide Solly stoppt den Truck und deutet die frischen Tierspuren im Sand: „Lion tracks“. Er entdeckt zwei Löwenfährten, die entlang der Straße mitten in den Busch führen. Wir folgen den Fährten und landen abseits der Piste. Da tauchen hinter dichten Sträuchern zwei Mähnen auf, eine scheint Lion King zu gehören, die andere seinem jüngeren Bruder. Wir bleiben stehen und beobachten, wie die Löwen Witterung aufnehmen. Längst haben sie uns gesehen, einer legt sich zur Seite, der andere sucht Deckung im trockenen Gebüsch. Etwas gelangweilt beobachten uns die Löwen aus den Augenschlitzen.

Sie sehen entspannt aus, doch nichts täuscht darüber hinweg, dass sie in Windeseile zum Sprung ansetzen und ihre Feinde in Sekunden erlegen könnten. Wir bleiben still, angespannt, mit gemischten Gefühlen, Auge in Auge mit dem „König der Tiere“. Wird der Löwe seinen Platz behaupten oder wird er davon ziehen? Er entscheidet sich für ersteres und so sind wir es, die nach dieser intensiven Begegnung mit Demut vor dem Prachtstück der Evolution das Revier räumen und dem Löwen das Terrain vollständig überlassen.

Giraffenmutter mit Nachwuchs, Balule Game RessortDie Fahrt geht weiter, unser Guide Solly gibt ein Zeichen und plötzlich zeigt sich eine Herde Giraffen am Wegesrand. Mit ihren Hälsen überragen sie die Umgebung und streifen anmutig durch den Busch. Die schöne Zeichnung der Giraffen und ihre Haltung machen sie zu einem Geschöpf, das geradezu majestätisch alle anderen Tiere der Savanne überragt. Gemeinsam mit Kudus, Antilopen oder Zebras bilden die Giraffen oft eine Weidegemeinschaft, die sich erfolgreich gegen nahende Raubtiere zur Wehr setzt. Denn von den langen Hälsen und von der Weitsicht der Giraffen profitieren all diejenigen, die in ihrer Umgebung weiden. Bei der geringsten Gefahr sind in Sekundenschnelle alle gewarnt.

Wir verabschieden uns von dem Giraffenclan, um an einer Wasserstelle Rast zu machen. Kaum sind wir ausgestiegen, entdecken wir im trüben Braun vier riesige Augenpaare, die uns von der Wassermitte her beobachten. Flusspferde haben die Wasserstelle besetzt, um sie mit einem gerade ins Wasser gleitenden Krokodil zu teilen. Wir beobachten gespannt, wie lange die Hippos im Wasser untertauchen. Es kann bis zu 8 Minuten dauern, bevor sie wieder auftauchen. Inzwischen hat ein Krokodil geschwind den See durchschwommen. Keine Beute wäre sicher vor ihm, eingeschlossen der drei Zebras, die sich dem Tümpel nähern und dann gleich wieder Abstand nehmen. Siegessicher geht das Kroko an Land und legt sich auf Beute wartend in die Sonne.

Etwas weiter entfernt hat eine Herde Impalas die Wasserstelle belegt, der See ist Treff und Futterstelle für die Tiere. Noch einmal hält unser Jeep an, im Sand macht unser Guide die Spuren eines Leoparden ausfindig. Unterstützt durch zwei Kollegen machen sich die Guides auf die Suche und verfolgen die Spuren, doch diese verlieren sich im Busch. Der Leopard hat sich längst in Sicherheit begeben. Erst nachts begibt er sich auf Jagd, uns bleibt er vorerst verborgen. Mit den Eindrücken unserer ersten „Game drive“ kehren wir zu unserer Lodge zurück und freuen uns auf das Frühstück.

Die Moshlabetsi Lodge im Herzen des Balule Game Reserve entführt uns drei Tage lang in die Welt der Safaris: 30 Säugetiere, mehr als 220 Vogelarten, Reptilien und Insekten, die Heimat von Marulabäumen, Akazien, Knobthorn und Leadwoods, das Land am Moshlabetsi River ist reich an Natur. Mit allen Sinnen lassen wir uns auf das Abenteuer ein und werden nicht enttäuscht. Elefantenherden, Wasserbüffel, Warzenschweine, Black Rhinos, White Rhinos, Zebras, Gnus und Impalas, Wildkatze, Stachelschwein und Hyäne, Nilpferde und Löwen, Giraffen und Krokodile, sie alle kreuzen unseren Weg – und am Ende fehlt nur einer, der Leopard gibt sich bedeckt. Er versteckt sich tags im dichten Gestrüpp und geht nachts im Dunkeln auf Jagd.

Abendstimmung am Moshlabetsi RiverDie Big Five, Leopard, Löwe, Nashorn, Elefant und Büffel, waren für die Großwildjäger des 19. und 20. Jahrhunderts eine besondere Herausforderung. Ihre feinen Sinne, ihre Schnelligkeit und ihre Unberechenbarkeit kostete manchen Jäger, der noch zu Fuß unterwegs war, das Leben. Heute sind es die Fototouristen, die sich auf die Spuren der Tiere begeben. Von ihrer Gefährlichkeit haben die Tiere nichts eingebüßt, allerdings scheint es fast unmöglich, Leoparden kurzfristig in freier Wildbahn zu entdecken. Doch unser Gameguide Solly gibt nicht auf.

Am letzten Tag durchkämmt er das Revier nach Fährten. Geduldig untersucht er jede Spur, bis er die Fährte eines weiblichen Leoparden entdeckt. Ganz nah kam das Tier der Lodge in der Nacht, doch tagsüber ist es wie vom Erdboden verschluckt. Während unserer Gamedrive sind wir mit dem Beobachten anderer Tiere so beschäftigt, dass wir den Leoparden fast vergessen. Erst als es dunkel wird, erinnert uns Solly daran, dass er noch immer den Leoparden sucht, dessen Spur er morgens auf der Straße entdeckt hat. Mit einer Lampe leuchtet unser Game guide den Weg ab und durchkämmt das Revier. Über eine kleine Erhebung gelangt er zu einem Wasserloch.

Inzwischen ist es dunkel geworden, nur die Sterne erhellen die afrikanische Nacht. Per Truck geht es zurück durch einen Graben, an dessen Rand dichtes Gestrüpp steht. Mit dem hellen Spotlight leuchtet Solly ins Dickicht, und flüstert uns plötzlich aufgeregt zu „Can you see the leopard?“ Wir sehen nichts, nur dunkles Dickicht. Noch einmal fragt unser Guide „Can you see him – his eyes?“ Doch unsere ungeübten Touristenaugen können bei aller Anstrengung nichts entdecken. Da stürmt plötzlich aus dem Dickicht eine schmale katzenartige Gestalt, gefolgt von einer zweiten. Und jetzt sehen wir im Licht der Scheinwerfer zwei Leoparden am Rande des Wasserlochs umherstreifen, die Mutter mit ihrem einjährigen Jungen. Die katzenartigen Bewegungen, die suchenden Blicke, die Energie der Wildkatzen, die Leopardenmutter begibt sich auf Jagd. Der junge Leopard bleibt allein am Wasser zurück. Wir sind fasziniert. Niemals hätten wir geglaubt, in der Dunkelheit und nach so langer Suche wirklich einen Leoparden aufzuspüren. Doch das Geschick und die Erfahrung unseres Guides haben uns dieses Abenteuer beschert, das uns lebenslang in Erinnerung bleiben wird.

Heia Safari! Die Big Five – wir haben sie alle gesehen und kehren überglücklich in unsere Lodge zurück.

Dort schenken wir uns noch ganz erfüllt von unseren Jagderlebnissen ein Bier ein und tauschen uns mir den anderen Lodgegästen aus. Unter dem afrikanischen Sternenhimmel am Lagerfeuer genießen wir unsere letzte Nacht in der Lodge und hören den Geschichten des Lodgeinhabers Toni zu, der im Busch aufgewachsen ist und seit 20 Jahren die Lodge betreibt. Auf zahlreichen Pirschfahrten und Wanderungen hat er die Tiere der Savanne erlebt, war plötzlich umringt von einer Herde fliehender Impalas, stand Auge in Auge mit Löwen und Leoparden oder sah den Impala-Böcken beim Kämpfen zu. Und jede Geschichte, die Toni erzählt, vermittelt uns die Begeisterung, die Liebe und den Respekt für die Tiere im Busch. Wir nehmen sie mit, die Eindrücke aus der afrikanischen Wildnis direkt aus dem Herzen des schwarzen Kontinents, die wir auf Mohlabetsi erlebt haben und die sich tief in unsere Erinnerung eingegraben haben.

Weitere Erlebnisse „Unterm Regenbogen“ im neuen Buch von Anne Schmid-Stampfer…

Anne Schmid-Stampfer
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