Alpentour 2015

Alpentour 2015

Alpentour 2015

Sonntag, 13. Sept. 2015

Wie schon im vergangenen Jahr, bestand unsere Reisegruppe aus Yorck und Ines im Toyota Landcruiser sowie Dackel Ganny und meine Wenigkeit im Jeep Cherokee. Einziger augenfälliger Unterschied zum vergangenen Jahr war mein Dachzelt-Upgrade: Das leichte Dachzelt vom Typ Oasis 2 hatte ich einem guten Freund verkauft und nun ein Beduin Explorer mit integriertem Vorzelt montiert.

Die Route hatten wir ebenfalls leicht angepasst, es ging nicht mehr über den Gotthard nach Italien, sondern über Genf, Chambéry sowie durch den Tunnel de Fréjus nach Bardonecchia und dort angekommen direkt hinauf zum Forte Föens als ersten Übernachtungsplatz.

 

Eine kurze Anmerkung zu den Mautgebühren in Frankreich:

Zu unserem Erstaunen mussten wir feststellen, daß die Mautstationen in Frankreich meinen Jeep mit dem Dachzelt problemlos (und korrekt) als PKW (Kategorie 1) erkannten, Yorck mit seinem Landcruiser wurde dagegen grundsätzlich als Transporter (Kategorie 2) eingestuft. Er musste daher an der Zahlstelle jedesmal den Klingelknopf betätigen und eine manuelle Korrektur des Tarifs veranlassen – was auch problemlos gemacht wurde. Die Personen am anderen Ende der Leitung sprachen wohl sogar ausgesprochen gut Englisch und waren sehr freundlich.

Noch ein Tipp zum Tunnel de Fréjus: Die einfache Fahrt von Frankreich nach Italien kostet saftige € 43,50 (von Italien nach Frankreich sogar €44,20). Wer aber schon vor Tourbeginn weiss, daß er den Tunnel innerhalb von 7 Tagen auch für die Rückfahrt benutzen will, kann ein Hin- und Rückfahrticket für € 54,30 (I → F €55,20) kaufen, dann sind die Tunnelgebühren insgesamt etwas erträglicher.

 

Das Wetter in Frankreich war warm und angenehm.

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Auf der italienischen Seite des Tunnels erwarteten uns nicht nur fürchterlich hohe Treibstoffpreise, sondern leider auch schlechtes Wetter!

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So verbrachten wir das erste Abendessen der Tour am Fort Föens regengeschützt unter der großen Foxwing-Markise des Landcruiser.

 

Montag, 14. Sept. 2015

Am nächsten Morgen erfreuten uns dagegen viele angenehme Sonnenstrahlen. Einen kleinen Vorteil hatte der starke, nächtliche Regen: Unser draussen aufgestelltes Geschirr war blitzblank vorgespült. Noch ein Tropfen Spüli auf den Lappen, kurz über’s Geschirr gewischt und schon konnte man es abtrocknen und verstauen.

Yorcks Foxwing benötigte dagegen eine kleine OP, eine nächtliche Böe hat eines der empfindlichen Gelenke aus Kunststoff zerbrochen. Diese Schwachstelle ist allerdings schon bekannt, so hatte Yorck entsprechende Ersatzteile dabei und schon nach wenigen Minuten war die Markise wieder einsatzbereit.

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Nachdem wir zusammengepackt hatten, ging es auf Entdeckungstour ins Fort. Ganny ließ sich das natürlich nicht entgehen, vermutlich genetisch vorgeprägt hat er schon immer ein Faible für dunkle, unterirdische Räume.

Unser nächstes Ziel sollte der Col de Jafferau sowie das oben auf dem Gipfel gelegene Fort sein. Leider ist die Fahrt durch den Tunnel del Seguret seit einiger Zeit nicht mehr möglich, zu groß ist wohl inzwischen die Einsturzgefahr. Uns blieb also nur die Alternativroute und ein sehnsüchtiger Blick hinüber zum Tunnel auf der anderen Talseite.

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Immer wieder begegneten wir unterwegs Endurofahrern, die es teilweise ordentlich krachen ließen. Nicht wenige Beinahe-Stürze sahen wir. Ein Fahrer saß ganz benommen neben seiner Maschine direkt am Pistenrand, ein zweiter Fahrer kümmerte sich bereits um ihn. Meine Frage ob sie Hilfe bräuchten, quittierten sie mit optimistisch erhobenem Daumen.

Der Wolken-Sonne-Mix zaubert kunstvolle Licht- und Schatten-Bilder auf die eindrucksvolle Landschaft um uns herum.

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Die letzten Meter hinauf zum Fort gingen wir zu Fuß, zu viele Enduro- und Quadfahrer wechselten sich schon auf dem Dach ab, da mussten wir unsere Autos nicht auch noch dort hinauf fahren.

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Hinab nach Bardoneccia wählten wir – wie schon im Jahr 2008 – die Route über die Skipisten. Sie ist wohl inzwischen auch ganz offiziell erlaubt und nicht nur geduldet.

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Während wir den oberen, noch etwas anspruchsvolleren Teil der Piste hinunterfuhren, schloss von hinten eine Gruppe Enduros auf. Um sie vorbei zu lassen, fuhr ich an den Pistenrand und beschloss, während sie sich artig bedankten, eine Flasche Cola zu öffnen. Keine gute Idee in großer Höhe – weiß ich jetzt! Die Flasche bzw. deren Inhalt explodiert förmlich in meinen Händen! Um nicht den kompletten Innenraum mit dem in alle Richtungen sprühenden braunen Zuckersaft zu ruinieren, werfe ich die fauchende und zischende „Bombe“ aus dem offenen Wagenfenster. Das verhindert das allerschlimmste, aber sowohl meine Jeans wie auch der Innenraum des Wagens bekamen doch einiges ab. Eine längere Putzaktion mit viel Wasser, Küchen- und Feuchttüchern war die Folge. Dennoch klemmte z.B. der Staubverschluss meiner Fotokamera noch mehrere Tage lang. Natürlich habe ich die Kunststoffflasche hinterher wieder eingesammelt, sie hat den Flug ohne Schaden überstanden. Es gab sogar noch einen Restinhalt.

Nach einer kurzen Mittagspause an einer Hotelruine, beschlossen wir gleich noch eine Tour „dranzuhängen“. Dazu konsultierten wir Yorcks Tablet-Computer mit den von diversen Anbietern geladenen Online-Routen. Im Örtchen Oulx, genauer durch den Ortsteil Soubras, sollte eine nette Piste führen. Wir hatten Soubras fast erreicht, als uns eine Ziegen-Hirtin im besten Englisch darauf hinwies, daß die Durchfahrt durch den Ort für unsere Fahrzeuge evtl. etwas eng sein könnte. Sie empfahl dringend uns den weiteren Verlauf der Route lieber erstmal zu Fuß anzuschauen. Wie wir feststellten, waren Ihre Bedenken durchaus berechtigt!

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Der kleine Tunnel der hier mehrere Häuser miteinander verbindet, wäre für unsere Fahrzeuge wirklich „etwas“ knapp geworden. Sehenswert ist der teilweise verfallene, teilweise aufwändig restaurierte Ort aber auf jeden Fall! Hier lassen sich auf der Suche nach Fotomotiven sicher ganze Tage verbringen!

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Anmerkung: Später stellten wir fest, daß die Touren in diesem Band des MDMot- Reiseführers offenbar alle von einem Quad-Fahrer ausgearbeitet worden waren und er die Befahrbarkeit dieser (wie auch vieler anderer) Touren des Bandes mit einem schlichten „?“ bei der Eignung für Geländewagen markiert hatte. Naja, bei einer Durchfahrtsbreite von knapp 1,70m muss man nur wenig Augenmaß haben, um die Tour für Geländewagen als gar nicht machbar zu definieren. Nach dieser Erfahrung waren bei den nächsten Routen dann auch besonders vorsichtig, wer weiß ob nicht wieder eine solche Engstelle auf uns wartete.

 

Wir bedankten uns nochmal bei der Ziegen-„Mutti“ und traten den Rückzug an. Aber nur ein paar Kurven vor Soubras führt eine weitere Piste den Berg hinauf. Wir testeten einige potentiellen Übernachtunsgplätze, aber alle waren uns an diesem Tag zu windig. Schliesslich fanden wir in einem grünen Lärchenwald einen passenden Ort: Windgeschützt durch den Wald und versteckt in einem hohlen Baum, bewachte ein Gnom (s)eine Grillstelle.

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Er erschien uns freundlich, also entzündeten wir ein fröhliches Feuer auf seiner Grillstelle und brieten uns Würstchen, Kartoffeln und frischen Knoblauch.

Ganny schien der von uns für diese Nacht gewählte Lagerplatz nicht ganz geheuer. Während wir am Lagerfeuer grillten, wurde es dunkel und Ganny schnüffelte immer intensiver in den Wind der genau hinter unseren Autos aus dem Wald kam. Er blieb auch die ganze Zeit ganz dicht in unserer Nähe.

Der kleine Hund und ich gingen an diesem Abend etwas früher schlafen – es schien im ganz recht zu sein als wir endlich im Zelt lagen. Wir waren schon fast eingeschlafen, als sich Stimmen und Schritte dem Camp näherten. Da fing der Deckenberg neben mir an zu zittern. Als die Geräusche sich weiter näherten, kam zu den Vibrationen noch ein tiefes, durch die schweren Decken gedämpftes Grollen. Lange hielt aber auch das nicht an, so kam der Verursacher des Grollens irgendwann wütend unter den warmen Decken hervor und wechselte in ein lautes Bellen. Yorck und Ines haben unseren vierbeinigen „Camp-Alarm“ ausgelöst. Ja, genau so sollte das auch sein! „Braver Ganny“. Noch ein bisschen vor sich hingrummelnd, wühlte er sich wieder in seine warme Höhle aus Decken zurück und ist bald darauf wieder eingeschlafen.

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Dienstag, 15. Sept. 2015

Trotz Gannys Befürchtungen hatten wir eine wunderbar ruhige Nacht. Erst gegen 9 Uhr hörten wir das erste Fahrzeug auf dem geteerten, einspurigen Sträßchen vorbeifahren.

Kurz darauf war der Frühstückstisch gedeckt und keiner musste ihn hungrig wieder verlassen – auch Ganny nicht!

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Unser heutiges Ziel? Die Assietta Kammstrasse. Zweimal war mir die Befahrung nicht möglich gewesen, beide male war sie gesperrt. Diesmal nun sollte es gelingen, schließlich sind alle guten Dinge drei, nicht war? Die Vorzeichen stehen gut, sowohl im Internet wie auch auf den Zubringerstrecken hieß es die Strecke sei geöffnet. Ganz darauf verlassen mochte ich mich nach der Erfahrungen der letzten Touren darauf aber nicht. Zu groß wäre die Enttäuschung.

Um zum westlichen Einstieg der Assietta zu kommen, muss man zwar nicht das Land wechseln, aber das Gefühl man hätte gerade den Planeten gewechselt überkommt mich jedesmal wenn ich durch das überaus hässliche Sestrière fahren muss. Sieht es mit Schnee besser aus? Es ist zu hoffen!

Und dieses mal schien die Assietta offenbar bereit für uns zu sein, oder wir für sie?P1090183a

Selbst die Kühe freuten sich scheinbar mit uns – und taten dies kund in dem sie die Türgriffe des Toyota ableckten.

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Eine wirklich beeindruckende Landschaft erwartete uns:

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Leider haben an vielen Stellen die zahlreichen Enduros hässliche Spuren in der Landschaft hinterlassen. Scheinbar dürfen sie die ausgewiesenen Wanderwege ganz offiziell befahren, aber wie lange das so noch gut geht?

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Als wir nach einer steileren, langsameren Passage kurz anhielten, kletterte die Temperaturanzeige des Jeeps auf ca. 110 Grad – bei weitem nichts bedrohliches, aber ich vermisste das Geräusch des Elektrolüfters der eigentlich nun anspringen sollte um die Wärme des Motors zu reduzieren. Ich öffnete die Motorhaube, der Ventilator stand wirklich still. Daraufhin rüttelte ich ein bisschen an dem zuständigen Relais und im gleichen Moment sprang der Lüfter an. Zufall? Oder lag es wirklich am Relais (ein festhängendes Relais hatte ich schon mal auf einer Lausitzsafari, damals aber mit sehr bedrohlichen Kühlwasser-Temperaturen). Obwohl alle Relais nach der Lausitz auf modern umgerüstet wurden, traue ich ihnen doch nicht so ganz. Testen konnte ich sie unterwegs nicht, aber versuchsweise tauschte ich das Relais des Lüfters mit dem der Benzinpumpe – und der Wagen startete problemlos, das Relais funktionierte also. Hatte ich mir das Problem doch nur eingebildet? Ich war jedenfalls sehr froh schon im Sommer die Motorhaube an der Seite zur Windschutzscheibe mittels eines Distanzstücks um 2 Zoll angehoben zu haben, so war der Lüfter auf der ganzen Tour eigentlich nie richtig nötig da die Wärme des Motorraums durch den großen Spalt schnell und effektiv abziehen konnte. Trotzdem ist es natürlich ist es besseres Gefühl wenn alle Funktionen des Wagens korrekt arbeiten.

Nein, kein holländischer Mitbürger sondern ein einheimischer Schäfer nutzte diesen Wohnwagen als Unterkunft, während seine Schafe hier oben weiden. Trotz des sicherlich recht hohen Verkehrsaufkommens grüßte er uns freundlich.

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Wie wir anhand verschiedener Gedenktafeln feststellen konnten, waren die Assietta und die angrenzenden Berge mehrfach ein durchaus heiß umkämpftes Gebiet und haben offenbar viel Leid gesehen.

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Auch wenn man um den Sinn dieser Straßen natürlich weiß und die Forts es einem auch jedesmal in Erinnerung rufen, so fällt es mir beim Betrachten der Landschaft heute doch schwer, mir das alles vorzustellen.

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Schneller als erwartet gingen die Kilometer der eindrucksvollen Strecke zu Ende. Sollten wir noch eine zweite Tour dran hängen? Nein, wir beschlossen es für diesen Tag gut sein zu lassen und steuerten den „Mächenwald“ in Usseaux an. Korrekter Name: Campeggio Magic Forest.

Wir bekamen wieder unseren Lieblingsstellplatz auf der Wiese, mit Blick auf den Fluss:

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Der Blick aus dem Dachzelt-Fenster:

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Über dem Fluss kreiste lange, nicht weit von uns entfernt, ein großer Steinadler und erschreckte kleinere Vögel.

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Sicherheitshalber behielt ich Ganny daher dicht bei mir! Wer weiss schon ob des Adlers Augen wirklich so gut sind und er den kleinen Hund – der in der Wiese lag und genüsslich einen Knochen nagte – nicht versehentlich doch mit einem Murmeltier verwechselt?

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Gegen Abend zog der Himmel leider immer weiter zu und ein kalter Wind blies den Fluss hinauf. Die Feuchtigkeit tat ihr übriges um uns zittern zu lassen. Also kam wieder die Foxwing-Markise zum Einsatz: Kombiniert mit einer zusätzlichen, seitlichen Plane schützte sie uns ganz brauchbar vor Wind und Regen, während wir grillten und uns am Feuer ein bisschen wärmten.

 

Mittwoch, 16. Sept. 2015

Das Wetter war über Nacht leider nicht besser geworden, wir bauten die Dachzelte im Regen ab. Aber auf die morgentliche heisse Dusche hatten wir uns alle so sehr gefreut – und wir genossen sie ausgiebig!

Wir suchten und fanden ein paar weitere interessante Routen, allerdings auf der französischen Seite der Berge. Dort versprach auch das Wetter besser zu sein. Da auch das Benzin ohnehin langsam zur Neige ging, fiel uns die Entscheidung zum Wechsel des Landes nicht schwer.

 

Anmerkung: Der Liter Superbenzin kostete in Italien teilweise über €1,62 (an der Tankstelle am Fréjus-Tunnel sogar €1,65). In Briancon tankte ich dagegen an der erst besten Tankstelle für €1,29/Liter den Tank randvoll.

 

Einige Kilometer hinter Briancon liegt das Örtchen l’Argentière-la-Bassée. Eine Mini-Tour aus dem Reiseführer führte uns zuerst entlang eines stürmischen Flüssleins hinauf zu den örtlichen Silberminen (die man nach Anmeldung in der Hauptsaison auch besichtigen kann). Von dort aus geht es in einer Schleife steil hinauf zu einem großen Picknickplatz. Leider war dieser durch Baumfällarbeiten arg in Mitleidenschaft gezogen, so daß er uns als Übernachtungsplatz nicht geeignet erschien. Also fuhren wir die Schleife zu Ende wieder hinab ins Tal und kletterten für die nächste Tour im Örtchen Ste. Margeritue wieder hinauf in die Berge. Einerseits hofften wir auf einen schönen Platz zum Übernachten, anderseits sollte auch diese Route eine lange Schleife durch die Berge bilden und so für Abwechslung sorgen, da wir keinen Weg wieder zurückfahren mussten.

„Sollte“ und „müsste“ – denn plötzlich war die Straße weg. Offenbar war hier ein ganzer Hang abgerutscht und die provisorisch neu errichtete Straße wurde schon kurz darauf von mehreren Steinschlägen verschüttet. Zu Fuss ging es noch einige Meter weiter, dann war auch damit Schluss, zu gefährlich waren die losen Steine. Es schien als könnten sie jederzeit noch weiter rutschen.

Erstmal machten wir also ratlose Gesichter.

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Nur einem gefiel die Zwangspause richtig gut: Ganny. Während wir noch beratschlagten, nutzte er die freie Zeit um mit Leichtigkeit über das lockere Gestein bergauf- und bergab zu sausen.

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Einige hundert Meter vor dem Steinschlag war uns eine kleine Lichtung unweit der Straße aufgefallen. Könnte sie eben genug sein, um die Fahrzeuge dort für eine bequeme Nacht abstellen zu können?

Mit ein bisschen Phantasie – und unter Zuhilfenahme der örtlichen Gegebenheiten, gelang es wunderbar.

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Schnell war auch eine kleine, bereits vorhandene Feuerstelle auf unsere Ansprüche erweitert und Yorck als selbsternannter „Lagerfeuermeister“ kümmerte sich um Licht und Wärme.

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Kurz darauf brieten auch schon ein paar ganz wunderbare Steaks in der Pfanne und Ines bereitete Couscous mit frischen Zwiebeln und Paprika zu. Es bildete eine wunderbare Ergänzung zu dem leckeren Fleisch auf unseren Tellern.

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Und nach dem Essen beginnt natürlich der gemütliche Teil des Abends. Er beginnt mit einer Art Ritual: Ich hole die schwere Armeedecke aus dem Jeep, Ganny springt mit einem Satz auf meine Knie, rollt sich unter der Decke zusammen und wir geniessen gemeinsam die Wärme des Feuers und die gesamte, uns umgebende Natur. Besonders eindrucksvoll sind auch die unzähligen Sterne die man hier – weit ab von der Lichtverschmutzung der Großstädte – am schwarzen Nachthimmel sehen kann.

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Donnerstag, 17. Sept. 2015

Es war wieder eine ruhige Nacht – eigentlich keine Überraschung, ist die Strecke ja aufgrund des Steinschlags eine Art Sackgasse.

Schon bald nach dem Frühstück waren wir wieder unterwegs.

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Unser erstes Ziel führte uns nach Guillestre. Hier kauften wir in einem Supermarkt frisches Obst und diverse andere Dinge ein und tankten auch Treibstoff nach. Schon wenige Kilometer weiter ging es über den Col de Vars in das kleine Örtchen Saint Marcellin. Hier versprach der Routenführer eine interessante Piste mit kleinem See, Picknickplatz und allem was zu einem schönen Tag sonst so dazu gehört. Leider fing es unterwegs an zu regnen, mit einem gemütlichen Picknick war also nicht zu rechnen, egal. Hauptsache unterwegs! Besser als im Büro zu sitzen ist es allemal!

Kaum befanden wir uns auf dem kleinen Sträßchen welches uns hinauf zum See führen sollte, warnte mich Yorck über Funk vor „Gegenverkehr“: Eine kleine Herde Schafe kam uns hangabwärts regelrecht entgegengestürmt. Begleitet wurden sie von drei Eseln. Esel werden, speziell in Gebieten in denen Wölfe heimisch sind, gerne als Wächter für Schafsherden genutzt. Ja, sie eignen sich dafür sogar ganz hervorragend, denn sie sind nicht nur wachsam, stark und furchtlos, sie zeigen mit ihren Hufen bei Bedarf auch größeren Raubtieren gerne, daß sie nicht erwünscht sind. Sollte es uns zu denken geben, daß zu dieser relativ kleinen Herde gleich drei Esel gehörten? Besser nicht zu sehr drüber nachdenken, sonst könnte es eine unruhige Nacht geben!

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Wer genau hinschaut sieht auf dem Foto Skistöcke als Pfosten für den elektrischen Weidezaun. Sie beschäftigten uns auf der Tour schon seit mehreren Tagen: Immer wieder sah man am Straßenrand auf diese Art abgezäunte Weiden. Eine gute Idee fande, aber ich fragte mich wo diese gigantische Menge nur her kommt! Zuerst dachten wir es evtl. das Hobby eines einzelnen Landwirts. Möglicherweise habe er einen guten Draht zu einem Skiliftbetreiber und dieser fände sie am Ende der Saison in seinen Fangnetzen unterhalb der Lifte. Vielleicht wäre es ja sogar froh sie nicht noch entsorgen zu müssen, sondern einer nützlichen Verwendung zuführen zu können. Aber die ganze Gegend ist voll mit durch Skistöcken einzäunter Weiden. Wo kommt diese gigantische Menge her? Wir können es uns nicht erklären.

Am See angekommen weht leider ein ungemütlicher, kalter Wind und es regnet fast horizontal. Wir haben kaum Lust anzuhalten, geschweige denn auszusteigen.

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Zudem macht Ganny auf der Rückbank des Jeeps einen gigantischen Aufstand: Unweit des Sees befindet sich ein großer Zwinger mit Schlittenhunden, die nicht sehr erfreut über unseren Besuch erscheinen.

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Also fahren wir weiter. Leider ist diese Piste aber kurz darauf zu Ende: Wegen Bauarbeiten leider gesperrt.

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Da hilft nichts. Umkehren und sich ein neues Ziel suchen! Wir konsultieren wieder die Bücher und Yorcks Tablet-PC  mit den Routen. Wie wäre es diesmal mit … dem Tunnel du Parpaillon? Klingt verlockend!

Aber bevor wir losfuhren, ging ich noch an den Kofferraum um ein paar der neuen Vorräte nach vorne auf den Beifahrersitz zu legen. Doch beim Öffnen der Kofferraumklappe kam mir mit einem Knall der Deckel meiner Küchenkiste, sowie einige der darin befindlichen Gegenstände entgegen. Wie konnte das passieren? Wieder war es der Luftdruck der mir einen Streich gespielt hat: Die zwei in Guillestre gekauften Chipstüten hatten sich dermaßen stark ausgedehnt, daß sie den Kistendeckel aufgedrückt haben. Kichernd über das erneute Luftdruck-Mißgeschick sammelte ich die auf dem Boden liegenden Sachen auf und los ging’s.

Nächstes Ziel: Das Örtchen Sainte Anne. Dort führt die Straße hinauf ins Ubaye-Tal dessen spektakuläre Ausblicke uns bis zum Tunnel begleiteten.

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Wird das Wetter eventuell wieder besser? Ab und zu zeichnen sich helle Flecken in den Wolken ab.

Die Ausblicke waren jedenfalls wieder traumhaft!

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Und die Strecke ebenfalls.

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Am Tunnel angekommen, regnet es noch ein wenig.

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Aber endlich kämpfte sich die Sonne endgültig durch die Wolken und machte die ganze Umgebung gleich noch viel, viel freundlicher.

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Ganny schnupperte und kletterte in der Ruine vor dem Tunnel herum und tauchte minutenlang nicht mehr auf. Ich riefe ihn, keine Reaktion. Ich begann mir Sorgen zu machen, denn so lange bleibt er normal nicht weg. Also nahm ich die Hundepfeife aus dem Wagen, ein Doppelpfiff führt normal zu einer sofortigen Reaktion bei ihm. Aber diesmal: Nichts. Nicht mal das Klingeln seines Halsbandes war irgendwo zu hören. Ich machte mich schon mit dem Gedanken vertraut, hier vor dem Tunnel die Nacht zu verbringen um nach meinem Hund zu suchen. Da kam er aus der Ruine getrabt, ganz so als nichts wäre. Aber anstelle mich zu begrüßen, lief aber nur wenige Meter an mir vorbei Richtung Tunnel, würdigte mich dabei keines Blickes und noch bevor ich etwas tun konnte, begann den Hang hinter dem Tunnel hinauf zu klettern. Ich war fassungslos! Kein Rufen, kein Pfiff, nichts schien er wahrzunehmen! Er kletterte unbeirrbar immer weiter den Berg hinauf. Also griff ich zur massivsten, mir bekannten Maßnahme meinen Hund zu mir beordern: Ich startete den Motor des Jeeps und fuhre unter lautem Geröhre in den Tunnel. Yorck beobachtet den Hund, der inzwischen zu einem kaum noch ein sichtbaren, braunen Punkt im Hang geworden war. Tatsächlich zeigte meine Aktion endlich Wirkung: Ganny begann mit dem Abstieg. Nach endlosen Minuten hatte ich ihn endlich wieder. Ich kann es mir noch heute nicht erklären was in den Hund gefahren ist. War es Langeweile? Oder folgte er, ganz ohne das übliche Bellen, einer Wildfährte?

Ich fuhre den Jeep wieder aus dem Tunnel, wir wollten ihn schlißlich gar nicht durchqueren, sondern einer weiteren Piste auf der Südseite folgen. Also fuhren wir wieder durch das Ubaye-Tal zurück hinab ins Tal. Nun von der Sonne beschienen, sah es gleich ganz anders aus als vorhin im Regen. Langeweile kam also nicht auf. 

Wir fuhren nach Mayronnes und bogen dort hinunter zum Fluss. Die Festung Roche-La-Croix ist unser Ziel. Dort sollte es auch einen Übernachtungsplatz geben.

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Kurz nach der Brücke befindet sich eine Quelle, hier füllten wir unsere Wasservorräteauf – mit ganz frischem und ziemlich kaltem Wasser.

Zum Fort führt nur eine schmale, einspurige Piste. Wir hofften inständig, daß uns nicht zu viele Fahrzeuge entgegen kommen. Bevorzugt sogar gar keine. Wir hatten Glück.

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Je höher man kommt, je schmaler werden die Pisten? Stimmt!

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Der Fairness halber sei aber gesagt, dieses Foto oben entstand – auf der deutlich anspruchsvolleren Piste hinauf zum Fort Superieur. Das liegt oberhalb des Fort-la-Croix und sollte es im Bedarfsfall beschützen. Entgehen liessen wir uns dieses Fort natürlich auch nicht. Wir stellten aber fest, daß es scheinbar die meiste Zeit als Ziegen- oder Schafstall genutzt wird und daher der Boden fast überall mit entsprechenden Exkrementen bedeckt war. Das untere Fort bietet da viel mehr zu entdecken, mit viel weniger Schafsmist. Den Besuch des Forts verschoben wir aber wegen der einbrechenden Dunkelheit auf den nächsten Tag.

Auf der Suche nach Feuerholz entdeckten Ganny unweit unseren Lagerplatzes eine Stahltüre die mit allerhand Verbotsschildern versehen war. Da Ganny zum Glück kein Französisch kann, schlichen wir uns im Licht meines Mobiltelefons hinein. Und was fanden wir? Die Bergstation einer Seilbahn, incl. kleinem Bahnhof für Loren! Alles in einem ausgesprochen guten Zustand, man könnte fast meinen die Anlage wäre erst seit wenigen Jahren nicht mehr in Betrieb.

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Zurück im Camp schickte ich Yorck und Ines dorthin, auch sie waren beeindruckt und über den guten Zustand genauso irritiert wie ich.

Später recherchiere ich im Internet, daß das aktuelle Fort erst 1931 auf einem bereits bestehenden, viel älteren Fort erreichtet wurde. Aus dieser Zeit stammt auch die Seilbahn. Das erklärt natürlich den relativ guteb Erhaltungszustand.

 

Freitag, 18. Sept. 2015

Die Nacht war recht kühl – und feucht. Eine große Pfanne Rühreier mit Speck weckt unsere Lebensgeister und nachdem wir am Morgen die Autos in der Sonne einmal wendeten, dadurch wurden die Zelte wirklich von allen Seiten schön trocken.

Das Fort ist wirklich sehenswert! Eine sehr große und wie schon gesagt erstaunlich gut erhaltene Anlage. Den inneren Teil kann man wohl in der Hauptsaison ebenfalls besichtigen.

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Und die Aussicht von der Geschützplattform – umwerfend. Vor dem Fort geht es gut 600 Meter fast senkrecht nach unten, nur das Geländer und ein paar Bäume trennen den Besucher vor dem Abgrund.

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Ach und der alte Strommast natürlich. Der steht frei auf einer Felsnadel ausserhalb des Geländers und ist nur durch eine schmale Treppe (an der es rechts und links auch etliche Meter senkrecht hinunter geht) mit der Plattform verbunden.

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Während ich hinten im Fort noch Fotos machte, spazierte nun Ganny ohne jede Scheu unter der Absperrkette hindurch genau diese schmale Treppe hinunter und schaute voller Neugier von der bröckeligen Kante der Felsnadel hinunter in den Abgrund. Als ich kurz darauf ans Geländer trat und sah was er da machte, wurde mir schlagartig übel. Ich musste mich abwenden, ging dabei in die Knie und rief Ganny nur ganz leise zu mir. Ich wollte ihn keinesfalls erschrecken oder zu irgendeiner ruckartigen Bewegung animieren. Zum Glück aber kommt er auf meinen Ruf sofort angeflitzt und begrüsst mich voller Freude mit wedelnder Rute. Was für eine Erleichterung! 

Kurz darauf entdeckt er die von der Sonne erwärmte, stählerne Kuppel des großen Geschützturms. Sie wurde für die nächsten Minuten sein erklärter Lieblingsplatz – und damit war ich auch voll und ganz einverstanden.

Den Narben auf der Kuppel zufolge war dieser Platz vor ca. 70 Jahren deutlich ungemütlicher!

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Das Fort war auf jeden Fall ein Highlight der Tour. Wie ließe sich dieser Tag noch optimal ergänzen? Mit einer knackigen Offroad-Runde! Dazu fuhren wir, bei bestem Wetter, weiter nach Le Bez.

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Letztes Jahr hatten wir dort doppeltes Pech, denn eine Tour war mit einem Verbotsschild gesperrt und die andere wegen einer Baustelle schon unten im Tal nicht erreichbar. Genau diese zweite Tour wollten wir nun nochmal angehen. Keine Baustelle verstellte mehr den Weg und so ging es zügig die Wartungspiste für die zahllosen Skilifte und Seilbahnen hinauf. An vielen Stellen standen Fahrzeuge der Wartungstrupps, die Wintersaison steht vor der Tür.

An der Bergstation der Seilbahn des Örtchens Fréjus legten wir eine kurz Mittagsrast ein, aber schon bald ging es weiter.

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Unser Ziel ist die Bergstation des „Grand Serre Chevalier“ auf 2491 Metern, mit seinem nochmals einige Meter höherliegenden Aussichtspunkt. Die letzten Anstiege sind besonders steil und zusätzlich mit sehr grobem und losem Gestein bedeckt. Die Motoren mussten in dieser Höhe schwer arbeiten und vor der Motorhaube sieht man als Fahrer meist nur den blauen Himmel.

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Endlich oben:

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Und die Kraxelei hatte sich wirklich gelohnt!

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Wunderbarerweise wurde die Piste nicht als Stichstraße angelegt, sondern führte in einem weiten Bogen über weitere Bergstationen wieder hinunter ins Tal. So konnten wir noch weitere spektakuläre Pisten und Ausblicke geniessen:

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Da ich mich nicht entscheiden konnte, welche Belichtung hier schöner „rüberkommt“,  hier noch mit etwas weiter geöffneter Blende:

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Immer wieder führt die Piste natürlich entlang der Skilifte, schliesslich soll sie den Wartungstrupps die Anfahrt an die Anlagen erleichtern:

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Im Tal stellten wir mit Verblüffung fest, daß wir genau an der Stelle herausgekamen, die letztes Jahr noch mit einem Verbotsschild versehen war und uns die Weiterfahrt unmöglich machte. Diesmal konnten wir nun kein Verbotsschild mehr entdecken.

 

Nach der langen Tour heute ging es zwar schon auf den Abend zu, aber ein paar Stunden Tageslicht sollten wir noch haben. Am Morgen hatte ich den Wunsch geäussert mal wieder einen Campingplatz anzusteuern … zwecks heisser Dusche und einer Rasur. Zudem sollten wir am nächsten Tag auch langsam an die Heimfahrt denken. Da hatte Ines eine Idee wie wir all diese Anfoderungen unter einen Hut bekommen könnten: Über den Galibier-Pass kämen wir zügig nach Orelle auf unseren kleinen Lieblingscampingplatz. Dort gibt es nicht nur schöne Stellplätze und tolle Sanitäranlagen – sondern von dort ist man auch schnell auf der Autobahn in Richtung Heimat.

Oben auf dem Galibier herrschte Nebel, aber immerhin gab es kein Gewitter wie letztes Jahr. So kamen wir trocken in Orelle an. Es standen zwar noch zwei Wohnwagen dort, aber sie schienen unbewohnt. Aber das wichtigste war: Alle Duschräume geöffnet und aus den Hähnen kommz kochend heisses Wasser!

Wir klappten also die Zelte auf und bereiteten das Abendessen auf einem der festen Picknicktische des Platzes zu. So ließ sich der Abend – und auch wieder der wunderbare Sternenhimmel – geniessen.

 

 

Samstag, 19. Sept. 2015

Abreisetag! :-(

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Nun hieß es also Abschied nehmen von dieser wunderschönen Landschaft, die Tour war vorbei. Bedauernd packten wir die Zelte auf und die Ausrüstung in die Fahrzeuge. Ich warf noch schnell €10,- für unsere Übernachtung in den Briefkasten des Tourismusbüros im Ort und bedankte mich, in Ermangelung eines anderen Stück Papiers, auf einer meiner alten Visitenkarten für den Aufenthalt.

Die 8-stündige Autofahrt nach Hause war weitgehend langweilig. Einzige Unterbrechung waren die französischen Mautstellen die sich weiterhin weigerten den Toyota als PKW anzuerkennen.

Punkt 17:00 Uhr standen wir vor unserer Haustüre und der Duft von frisch gerösteten Hähnchenbeinen und heissen Kartoffelwedges stieg uns in die Nase. Eine wunderbare Gelegenheit die Tour noch einmal ganz frisch gemeinsam und im Kreise der Familie die Tour Revue passieren zu lassen.

 

 

Montag, 21.09.15

Das Tourismusbüro von Orelle hatte mir eine email geschrieben. Sie bedankten sich ganz herzlich für das Geld und würden sich freuen, uns recht bald wieder als Gäste begrüßen zu dürfen.

Na, wir kommen gerne wieder! Ganz sicher!

 

Markus Koebler

 

Fotos: Markus Koebler, Yorck Flatow, Ines Jäckel

 

 

Markus Koebler
2 Comments
  • Steffi
    Posted at 21:30h, 02 Oktober Antworten

    Ein toller Bericht mit GENIALEN Fotos!

  • Helmut
    Posted at 15:40h, 08 November Antworten

    Ein großes Kompliment für Deinen mitreißenden Bericht! Da wäre man gerne dabei gewesen!

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