Bellas Reise (Teil 2)

Bellas Reise (Teil 2)

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Kilometer Null
Nachdem die Vespisti den Kapuzinerplatz verlassen hatten, wurde es still im Hause Mitschke.
„Nun hau` schon ab“, sagte Stefan. „Ich seh` doch, dass du fahren willst.“ Nickend ließ ich Bellas Motor an, lauschte ihm eine Weile und bestaunte die „Null“ auf ihren Tacho. „Ist sie wirklich noch keinen einzigen Kilometer gelaufen?“, fragte ich ungläubig. „Nicht einen“, antwortete Stefan. „Dann ist sie also noch Jungfrau“, sagte ich und ließ ihren Motor verheißungsvoll aufheulen.

Start am Deutschen Eck
Ein Abschiedsfoto und ein paar Umarmungen später lächelte ich in Objektivrichtung meiner Lumix, welche von einer japanischen Rucksacktouristin auf das Gewissenhafteste bedient wurde. Mit viel Geduld schaffte sie es, das gigantische Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck samt Vespa und Fahrerin auf das Bild zu bekommen. Nun konnte es endlich losgehen. Es war sommerlich warm und die Sonne schon über ihrem Zenith, als ich Koblenz am Rhein entlang mit der B 42 verließ und in Vallendar endgültig in ein pfälzisches Niemandsland abbog.

Der Soundtrack der Provinz
Vespa fahren macht erst auf den kleinen Straßen so richtig Spaß. Das habe ich in 26 Zweirad-Jahren gelernt. Also hatte ich mir zu Hause eine Strecke, welche über Nebenstraßen nach Nordosten führt, zurecht gelegt, die Ortsamen auf einem Notizblock geschrieben und Stück für Stück auswendig gelernt – wie damals in der Schule Schillers „Handschuh“ – nur dass es diesmal mehr Spaß machte und mir sinnhafter erschien.
Höhr-Grenzhausen, Rannsbach-Baumbach, Ebershahn, Siershahn, Helferskirchen, Niedersayn, Ewighausen, Weidenhahn, Düringen/Wölferlingen, Langenhahn/Hinterkirchen, Ailertchen, Höhn, Hellenhahn-Schellenberg, Rehe, Haiger… Hörst du den Klang der Provinz?

Sich treiben lassen
Am erstmöglichen Rastplatz hielt ich inne, um mein Glück zu fassen. Die Fahrerin eines Kleinwagens, mit mir die einzige Verkehrsteilnehmerin in Sichtweite, ließ ihre Scheibe hinunter und rief: „Ist ihre Vespa neu?“ „Nagelneu“, antworte ich stolz. „Dann allzeit gute Fahrt!“, wünschte sie.
Und dann ließ ich mich endgültig vom pfälzischen Off mit seinen winzigen Straßendörfern, die allesamt Drehorte eines Heimatfilms hätten sein können, verschlucken – spürte den Fahrtwind durch das Helmvisier an meiner Nase kitzeln, die Sonne im Gesicht und ließ mich einen Nachmittag treiben. Aber was ist schon Zeit, wenn man auf zwei Rädern schwebt?

Nati Rasch
Nati Rasch

Ich, Nati Rasch, bin eine bekennende "Vespista" - eine Vespaverrückte. Seit ich denken kann sitze ich auf dem Zweirad – erst auf einer milchgrünen Schwalbe namens Lotte, dann auf dem störrischen Chinaroller Paula ... 2012 erfüllte ich mir meinen Lebenstraum und umrundete Italien mit meinem ehemaligen treuen Moped Mimi, veröffentlichte ein Buch im traveldiary Reisebuch Verlag, und jetzt geht das Abenteuer endlich weiter! Mit meiner feuerroten 50er Vespa Primavera (sponsored by Zweirad Mitschke Koblenz) mache ich meine Mecklenburger Heimat unsicher und nehme euch mit auf "Bellas Rücksitz". Also Helm auf, Kickstarter kräftig durchgetreten, Vollgas und los!

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