Bellas Reise (Teil 3)

Bellas Reise (Teil 3)

Bella und der Baron

Bella und der Baron

Kalorien vs. Kälte
Ich fuhr so lange, bis mein steif gefrorener Körper nach fettigem Essen und Heißgetränken lechzte, schielte auf den Tacho, der klammheimlich die Hundert-Kilometer-Marke überschritten hatte und auf die darunter befindliche Uhrzeit: 15.30 Uhr – das bedeutete die obligatorische Zufuhr eines Konglomerates aus Zucker, Weißmehl und Fett als fester Bestandteil teutonischen Kulturguts.
Die Gaststätte „Seeblick“ am Perf-Stausee irgendwo im Marburgischen bot mit seinen teuflisch süßen Karamell-Waffeln all das – samt Ausblick auf eine hübsche kleine künstlich angestaute Wasserlache.
Immer noch nicht aufgetaut, aber unsagbar zufrieden, schlängelte ich mich mit dem Verlauf des Flüsschens Eder kontinuierlich nach Norden. Oberdieten, Niederdieten, Breidenbach, Wallau – als kleine Liste provinzieller Begrifflichkeiten – bedeutungslos und wunderschön.

Baron Münchhausen und das Konjunkturpaket X
Bis ein wirres Spinnennetz aus Baustellen, Umleitungen und Vollsperrungen dem sorglosen Fahren ein jähes Ende setzte. Und das in einer Gegend, in der Korbach die einzige nennenswerte Urbanität ist.
Von da an wurde die U 2 mein ständiger Begleiter. Ihr musste ich bis zum nächsten Fixpunkt folgen, durfte sie auf keinen Fall mit den Umleitungen 3 bis 5 verwechseln, sonst landete ich womöglich noch im Sauerland.
War denn mal wieder ein neues Konjunkturpaket geschnürt worden, und ich hatte nichts davon mitbekommen? Was die Rettung der deutschen Wirtschaft bedeutete, hieß nichts weiter als Extra-Kilometer für Bella und noch länger frieren für mich – was meiner Roten nichts ausmachte – mir dafür aber umso mehr, war ich doch inzwischen mindestens so steif gefroren wie das Leipziger Allerlei im Hause Bofrost. Aber danach fragte ja keiner.
Vorbei an Myriaden von Blitzkästen (allesamt im Umkreis einer Ortschaft namens „Wetter“), die mich mit meinen 50 km/h Spitzengeschwindigkeit nur ein müdes Lächeln kosteten, landete ich schließlich in Münchhausen, wo mir ein seltsamer Baron eine Kanonenkugel für Bella zum Tausch anbot. Ich habe dankend abgelehnt.
Ich tickerte Stefan eine SMS inklusive Selfie vom Angebot des Lügenbarons. „Dann wärst du heute Abend schon zu Hause gewesen“, lautete seine lakonische Antwort.
Doch warum heute schon ankommen, wenn man es auch morgen noch kann?

Nati Rasch
Nati Rasch

Ich, Nati Rasch, bin eine bekennende "Vespista" - eine Vespaverrückte. Seit ich denken kann sitze ich auf dem Zweirad – erst auf einer milchgrünen Schwalbe namens Lotte, dann auf dem störrischen Chinaroller Paula ... 2012 erfüllte ich mir meinen Lebenstraum und umrundete Italien mit meinem ehemaligen treuen Moped Mimi, veröffentlichte ein Buch im traveldiary Reisebuch Verlag, und jetzt geht das Abenteuer endlich weiter! Mit meiner feuerroten 50er Vespa Primavera (sponsored by Zweirad Mitschke Koblenz) mache ich meine Mecklenburger Heimat unsicher und nehme euch mit auf "Bellas Rücksitz". Also Helm auf, Kickstarter kräftig durchgetreten, Vollgas und los!

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