K&K 76 – Lovely Spot on Earth – Perth

K&K 76 – Lovely Spot on Earth – Perth

oder: Perth eine Stadt zum Dahinschmelzen

Vom Norden her über den Indian Ocean Drive nähern wir uns Westaustraliens einziger Metropole an.

Perth City

Perth City

Dieser Bundesstaat bedeckt flächenmäßig knapp ein Drittel von Australiens Kontinent bei nur 2,4 Millionen Einwohnern. Hiervon leben in Perth und seinem Großraum rund1,9 Millionen. Da bleibt viel Platz für die restlichen 500.000 Westaustralier, sich auf der übrigen Fläche anzusiedeln. Der schon früher benutzte Begriff der „durchlöcherten Einsamkeit“ trifft haargenau des Pudels Kern.

Historisch und Modern

Historisch und Modern

Wie geographisch isoliert Perth als Landeshauptstadt liegt, zeigt sich daran, dass keine der anderen australischen Metropolen in weniger als 2.500km Entfernung erreicht werden kann, weder Adelaide (SA) noch Melbourne (VIC), ganz zu schweigen von Darwin (NT), Brisbane (QLD) oder gar Sydney (NSW). Singapur liegt näher an Perth als die landeseigenen Städte.

Wir verleihen dieser Metropole den Beinamen „Perth – eine Stadt zum Dahinschmelzen“. Dabei denken wir nicht an die heißen sommerlichen Temperaturen. Jetzt im letzten Wintermonat August bleibt die Wärme in angenehmen Bereichen. Manchmal wünschten wir uns sogar einen Sonnenstrahl und ein paar Grade mehr.

Zum Dahinschmelzen verleitet allerdings die 22km lange Sunset Tourist Route. Sie beginnt im nördlichen Hillarys Boat Harbour und führt bis in die Innenstadt von Perth. Kein hässliches Hochhaus versperrt den Blick aufs Meer oder den Strandzugang. 22km sichtfreie Promenade für Autos, Fahrräder und Fußgänger. Da mag sich dann jeder die Sonnenuntergänge selbst ausmalen.

Für uns Freedom Camper hat dieser Streckenabschnitt zusätzlich etwas Paradiesisches. Auf den großräumigen Parkplätzen nördlich von Hillarys Harbour finden wir keine Verbotsschilder bezüglich „Overnight Camping“. Je dichter wir uns allerdings der Stadt nähern, bleibt free camping untersagt. Hier etwas außerhalb jedoch werden wir obendrein noch beschenkt mit malerisch begrünten Picknickarealen und Trinkwasserzapfsäulen. Solche Örtlichkeiten bieten sich für uns als ideale Ausgangspunkte für die Stadtbesichtigung an.

Die nächste Bushaltestelle finden wir nicht weit entfernt, direkt am Hillary Boat Harbour. Schnell merken wir, dass Perth viel für seine Einwohner und Besucher tut. Die Bus- und Bahnpreise bleiben sehr moderat. Ist man erst einmal in der Innenstadt (CBD) angekommen, fährt man völlig für umsonst. Auf vier verschiedenen Linien (blau, gelb, grün, rot) der CAT-Busse (Central Area Transit) braucht kein Fahrgeld entrichtet zu werden. Mit ihnen gelangen wir zu allen wichtigen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten im Innenstadtbereich.

Geschlossene Verbindungen beim Big Bell

Geschlossene Verbindungen beim Big Bell

Warm ums Herz wurde uns bei folgender Begegnung. Die innerstädtische Touristeninformation fahren wir zum allerersten Mal noch mit unserem Wohnmobil an. Wir wollen nicht über Parkplatznöte reden. Einer bleibt im Auto, so wird das Parkverbot ausgehebelt. Wir hebeln direkt vor einer City-Weinhandlung. Der Motor ist knapp ausgestellt, kommt ein Mann italienischen Aussehens auf uns zu und überreicht uns eine Flasche australischen Rotweins. „For my German friends – Welcome to Western Australia!“ meint er kurz und knapp und verschwindet so schnell wie er aufgetaucht ist. Wir können uns noch nicht einmal richtig bedanken oder erfragen, wer der edle Spender sei. Woher er weiß, dass wir aus Deutschland kommen? Ist nicht schwer zu erraten, wenn man mit einem deutschen Wohnmobil auf australischen Straßen aufkreuzt. Damit fallen wir hier auf wie ein bunter Hund.

The Big Bell

The Big Bell

Wirklich einschmelzen wollte man sie seinerzeit nicht, die Glocken der Londoner Kirche St Martin- in- the- Fields. Rund 600 Jahre lang hatten sie historische Ereignisse wohlklingend untermalt, wie den Sieg über die spanische Armada 1558, Captain Cooks Heimkehr 1771 oder Englands Siege während des WW II, um nur einige Beispiele zu nennen. Es half alles nichts. Mitte der 1980ger Jahre musste das Geläut generalüberholt werden. Außerdem faulte das Glockengebälk der Kirche vor sich hin. Konsequenterweise erwog man dann schweren Herzens doch, die Glocken einzuschmelzen. Perth ergriff die Gelegenheit beim Schopf und meldete sich als Interessent für die maroden Glocken. Der Deal gelang. Am Elizabeth Quay erbaute man einen extra sechsstöckigen Glasturm für das Glockenspiel. Mittlerweile hat sich diese Sehenswürdigkeit unter dem Namen „The Big Bell“ (www.thebelltower.com.au) zu einem großen Anziehungspunkt für Einheimische und Besucher gemausert. Geworben wird mit dem Begriff des „größten Musikinstruments der Welt“, denn es geht ja nicht nur um eine einzige Glocke sondern um ein umfangreiches Glockenspiel mit 16 Instrumenten. Auf einer geführten Tour durch den Glasglockenturm können wir auch eine Urkunde zum „zertifizierten Glöckner“ erwerben. Das Management verkündet sicherlich nicht ohne einen Hauch von Schadenfreude: „They have Big Ben. We have Big Bells“.

St. Mary's Cathedral

St. Mary’s Cathedral

Glockenklang ruft uns zu einem weiteren Turm, zu dem von St. Mary’s Cathedral. Die heutige, moderne Innenstadtkirche, gleichzeitig auch Westaustraliens größtes Gotteshaus, wurde auf den Grundmauern der 1865 ursprünglich errichteten Kathedrale gebaut. Besser gesagt, der moderne Kirchenraum wurde an die originäre Frontmauer mit Eingangstor angesetzt. Der helle und sonnendurchflutete Innenraum bildet einen malerischen Kontrast zum schummerigen Altarraum. Die ehemaligen Kirchenfenster sind ebenso integriert worden wie die ursprüngliche Kanzel. Somit ist aus unserer Sicht eine wohl gestaltete Verknüpfung von historisch und modern gelungen.

St. Mary's Cathedral

St. Mary’s Cathedral

Von der Höhe in die Tiefe, nicht in die einer Höhle, sondern in die unterirdischen Gänge eines Aquariums. Westaustraliens größte Unterwasserwelt, das AQWA (www.aqwa.com.au) lädt ein zu einer Unterwasserreise durch Korallenriffe, die Fischwelt des Southern Ocean an der Südküste, entlang der Perth direkt vorgelagerten Küstenlinie, aber auch durch die tropische Meereswelt des hohen Nordens. Neben zahllosen korallenbunten Aquarien ziehen die Haifischbecken doch stets den Hauptbesucherstrom an. Auf einem Laufband gleiten wir ganz langsam durch den langen, gläsernen Haifischtunnel. Riesenschildkröten und gigantische Rochen bevölkern gleichfalls dieses immense Wasserbecken. Finden kann man das sehr sehenswerte Aquarium in Hillarys Boat Harbour, 20km nördlich von Perth City (gut und schnell zu erreichen mit Bahn und Bus).

Im AQWA-Tunnel

Im AQWA-Tunnel

Wem die Loops der kostenfreien CAT-Busse zu gering erscheinen, dem empfehlen wir den „Perth Explorer“ (www.perthexplorer.com.au). Dieser rote Doppeldeckerbus bringt uns in seiner zwei Stunden dauernden Rundtour auch an weiter entfernt liegende Sehenswürdigkeiten. Das bewährte Hop-on-Hop-off-Verfahren mit seinen 11 Stationen kann je nach Ticket 24Stunden oder 48Stunden lang genossen werden. Mit dem Bus hat man sich Perth dann aber wirklich erschlossen, auch die Gebiete jenseits des Swan Rivers und den weltberühmten Kings Park.

Perth-Explorer

Perth-Explorer

Mit diesem Vehikel erreichen wir schließlich auch einen vorerst letzten Besichtigungspunkt in der „Stadt zum Danhinschmelzen“. Denn in dieser Einrichtung wird in der Tat real geschmolzen. Wir besuchen die Perth Mint/Münze (www.perthmint.com.au). Nur mit den stündlich geführten Touren darf die „Welt des Goldes“ betreten werden. Zu bestaunen gibt es echte Gold Nuggets, inklusive des 25,5kg schweren Newmont Normandy Nugget. Die größte Münze der Welt wird gleichfalls ausgestellt. Sie besteht aus einer Tonne puren Goldes mit dem Konterfei von Queen Elizabeth II auf der Vorderseite. Die Rückseite schmückt Australiens Nationalsymbol, das Känguru. Sie gilt als unverkäuflich, weist aber einen Preis von 50Mill AUD / 33Mill€ aus.

Wer wissen möchte, wie sehr er wertgeschätzt wird, stelle sich auf die Goldwaage. Sein Körpergewicht wird in den aktuellen Goldtagespreis umgerechnet. Von dieser Waage kann man nur stolz wieder herunter steigen, wenn man erfährt, dass man immerhin 4.758.401,02AUD / ca. 3,2Mill.€ wert ist. Und dabei sind die inneren Werte noch nicht einmal mit einkalkuliert. Am Ende des Rundgangs geht es in die wahrhaftige Schmelze. Vor unseren Augen wird Gold eingeschmolzen, anschließend zu einem Goldbarren geformt und abgekühlt. Mit 50.000 AUD ist man dabei. Gezahlt werden darf nicht in bar.

The Mint

The Mint

Geschildert haben wir hier erste Eindrücke einer wundervollen Stadt. Wir kehren später noch einmal nach Perth zurück für einen weiteren Impressionsschub. Unser nächster Routenabschnitt führt uns nunmehr jedoch in die Region des östlichen Wheatbelts/Getreidegürtels mit seinen großen und kleinen Attraktionen.

Wolf Leichsenring
Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/

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