Expedition ins Tierreich

Expedition ins Tierreich

Wenn man über Peru spricht, muss man über Machu Picchu sprechen, die Stadt in den Wolken, Rückzugsort der späten Inka, archäologischer Höhepunkt Südamerikas – wegen seiner Lage, wegen seines Mythos und weil die Stätte von den spanischen Konquistadoren nie entdeckt wurde.

Doch wenn man über Peru spricht, sollte man auch über das Essen sprechen – und damit macht man zwangsläufig eine „Expedition ins Tierreich“. Perus Küche hat einiges zu bieten, was für uns befremdlich klingen mag, aber auch Dinge, die wir dort nicht erwarten würden.

Beispielsweiche Ceviche, ein Salat aus frischem, rohen Fisch und Seafood. Insbesondere in den Küstenstädten ein unschlagbar leckeres und erfrischendes Mahl – und frisch tatsächlich, denn Ceviche ist immer fangfrisch, da es nur binnen 13 Stunden nach dem Fang angeboten werden darf. Tiefkühlfisch? Fehlanzeige! Warum auch, wenn sich kalte und warme Meeresströme vor der Küste Perus treffen und für einen üppigen Artenreichtum sorgen!

Aber was man wahrscheinlich in Peru auch nicht vermuten würde, ist Premiumküche. Tatsächlich finden sich auf der Liste der 50 besten Restaurants der Welt 3 Restaurants in Lima. Dagegen nur zwei deutsche – und diese abgeschlagen hinter den peruanischen am Ende der Liste. Eines dieser Top-Restaurants gehört Gastón Acurio, peruanischer Starkoch, der 40 Restaurants in aller Welt betreibt, darunter auch das Chicha in Arequipa, das wir aufsuchen. Auf der Karte landestypische Spezialitäten wie Lomo Saltado (in Pisco flambierte Rindersteakstreifen) aber auch Alpaka und Cuy. Alpakas sind die wolligen Schwestern der Lamas, zu deren „Familie“ auch die wilden Vicunas (edelster und teuerster Wolllieferant) und die temperamentvollen (spuckenden) Guanacos gehören. Doch die Alpakas liefern nicht nur Wolle, sondern auch Fleisch. Ein traditionelles Inkagericht, das auf Claudias Teller landet (umgerechnet 15 Euro im Chicha).

Flambieren von Lomo Saltado in Pisco

Im Gegensatz zum Alpaka sind Cuy und Anticuchos „arme-Leute-Essen“, sozusagen das Labskaus der Peruaner ;-) Anticuchos, da die dafür benötigten Rinderherzen bei der Verwertung des Tieres eben übrig blieben, und Cuy da die Riesenmeerschweinchen sich schnell vermehren und günstig mit Küchenabfällen gemästet werden können. Auch heute noch halten viele Familien auf dem Land in einem separaten Raum um die 100 dieser Cuy. Aber man kann doch keine Meerschweinchen essen?!

Cuy – Riesenmeerschweinchen

Doch, kann man. Einerseits sind die in den südlichen Anden heimischen Cuy schon seit 7.000 Jahren (lange bevor sie in Europa zu Haustieren wurden) eine proteinreiche Nahrungsquelle für die Indios, andererseits hat selbst Jesus Meerschweinchen gegessen. Glaubt Ihr nicht? Glaubt man in Südamerika aber schon, denn die katholische Kirche hat im Zuge der Missionierung einiges getan, um den Indios den Wechsel ihres Glaubens zu erleichtern. So gibt es dunkelhäutige Jesusstatuen und -malereien, Marienfiguren, die ein Kleid in Form eines Bergkegels tragen, dessen Saum an einen Fluss erinnert (eine typische Kleidung der Pachamama, der Erdmutter der Inka) und auf zahlreichen Gemälden des letzten Abendmals liegt ein gegrilltes Meerschweinchen auf dem Tisch. Warum sollte man sie also in Südamerika nicht weiterhin verspeisen?

Insgesamt kann man in Peru also keinesfalls verhungern. Schon gar nicht, wenn man sich die Beilagen anschaut. Üblicherweise gibt es zum Fleisch Kartoffeln, Süßkartoffeln und Reis. Und! Nicht oder! Für Kohlenhydrate ist also gesorgt, Gemüse trifft man dagegen weniger an.

Chicharron (Schwein) mit Kartoffeln, Süßkartoffeln und Mais

Aber wir wollten ja auch eine „Expedition ins Tierreich“ mit Euch machen ;-)

Jens Freyler
Jens Freyler
No Comments

Post A Comment

eight × one =