Willkommen in Dryland

Willkommen in Dryland

Die Harley eines echten Fans, Lynchburg Tennessee USAWar es nicht Kevin Costner, der im Film Waterworld nach Dryland gesucht hat? Und wir haben es einfach so gefunden – Dryland, genau genommen ein dry county, einen trockenen Landkreis – seit über 80 Jahren.

Wir sind in Lynchburg, Tennessee, im Moore County, einem trockenen Landkreis, sprich einer Region mitten in den USA, in der man keinen Alkohol kaufen oder ausschenken darf. Trinken dürfte man ihn dagegen, wenn man ihn kaufen könnte. Ja, so was gibt es noch in den USA – und gibt es ausgerechnet in Lynchburg, Tennessee, dem Ort, an dem bis heute jeder Tropfen des meistverkauften Wiskeys dieser Welt produziert wird: Jack Daniel’s.

Wir sind heute von Nashville nach Süden aufgebrochen, um die Destillerie zu besuchen, die ein junger Bursche 1866 als erste amerikanische Whiskeydestillerie offiziell hat ins Handelsregister eintragen lassen. Jasper Newton Daniel war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt – und bereits 9 Jahre vorher von zuhause ausgezogen. Tja, der Junge war wohl etwas frühreif – auch wenn man überlegt, dass man heute in den USA erst mit 21 Jahren Alkohol kaufen darf – abgesehen von Moore County, da darf es eh keiner.

Jack Daniel’s Tennessee Whiskey Destiller, Lynchburg USALynchburg empfängt uns mit einem netten kleinen Ortskern, der selbst von den zahlreichen Besuchern von Jack Daniel’s und Mary Bobo nicht aus der idyllischen Ruhe gebracht wird. In Fußnähe des Ortskerns liegt dann auch die Destillerie – unterhalb der Quelle, deren Wasser zu Whiskey wird – mit Mais, Gerste und Reis vermischt, über Holzkohle gefiltert, destilliert und in die Flasche gepackt. Ein Mitarbeitevon Jack Daniel’s führt uns durch die Anlage, erklärt alles intensiver und verständlicher, als wir das auf dem Whisky Trail in Schottland je erläutert bekommen – oder verstanden haben. Und natürlich wissen wir jetzt auch, warum Jack Daniel’s Whiskey besser schmeckt als alle anderen – neben dem Wasser liegt es an der Art, in der Tennessee Whiskey hergestellt wird, die Filterung durch die Holzkohle. Das macht den Whiskey so sanft im Geschmack. Das alles plappere ich nur nach, genau genommen bin ich kein Whiskey-Kenner, sondern besitze jetzt meine erste Flasche Jack Daniel’s. Es könnten aber noch 240 mehr werden… so viele bekommt man nämlich, wenn man sein eigenes Fass bestellt. Und das geht tatsächlich, entscheidet man sich, ein eigenes, nur für einen persönlich und Whiskey Flaschen, Lynchburg Tennessee USAnamentlich abgefülltes Fass Jack Daniel’s Singel Barrel Tennessee Whiskey zu erwerben, so kriegt man 240 Flaschen, das Fass selbt, die Uhrkunde und eine Goldplakette an der Wand der Destillerie in Lynchburg – und das für schlappe 9.000 USD. Also wenn man das machen will, dann wohl zum jetzigen Kurs!

Wir verlassen die Destillery begeistert von der unterhaltsamen Führung – und ein bisschen auch vom Produkt – aber ohne Flasche… dafür vergleiche ich ab da überall den Preis… und es stimmt tatsächlich, im Wild Horse-Shop (so hieß die Bar, die Jack Daniel bis zum Beginn der Prohibition betrieb) auf dem Gelände der Destillery ist der Whiskey teurer als im Bottle Shop in Chattanooga, dort ist er teurer als im Duty Free-Shop auf dem Flughafen von Atlanta, und noch deutlich billiger wird er im Skyshop von Delta Airlines… und da werde ich dann endlich weich.

Doch zurück nach Lynchburg, denn dort führt uns der Weg von Jack Daniel’s Destillery nach Downtown Lynchburg (ungefähr 300m zu laufen) zu Mary Bobo… bzw. zu Ihrem ehemaligen Haus. Mary Bobo hat früh ihren Mann verloren und gegen die Einsamkeit aus Miss Mary Bobos, Lynchburg Tennessee USAihrem Wohnhaus ein Boardinghouse gemacht und für die Gäste gut und gerne gekocht. Auch Jack Daniel kam oftmals mittags rüber, um was von der guten Hausmannskost zu sich zu nehmen… und zu testen, was man aus seinem Whiskey so alles machen kann. Denn man darf ihn zwar nicht verkaufen und auch nicht ausschenken, aber man kann in Whiskey kandierte Äpfel auf den Tisch stellen, mit Whiskey angereicherter Kartoffelbrei, mit Whiskey geschlagene Sahne, darin mariniertes Fleisch usw. Aber nicht nur das macht bis heute die Küche der inzwischen verstorbenen Miss Bobo aus.

Nein, das liebevoll antik eingerichtete Haus hat inzwischen alle Pensionszimmer zu Speiseräumen umgewandelt, in dem man mit Menschen von nah und fern zusammen speist, was auf den Tisch kommt. Und so beköstigen Miss Bobos Erben täglich in 2 – 3 Schwüngen (11 Uhr, 13 Uhr, sonntags auch 15 Uhr) jeweils ca. 50 Gäste in lustiger Tischgesellschaft. Und die Gastgeberin an unserem Tisch… sie ist eine direkte Nachfahrin von Mary Bobo und der Familie Motlow (Schwager Jack’s, der die Destillery nach dem Tod Jack Daniel’s übernahm), schreibt die Kochbücher Mary Bobos und arbeitet jeden Freitag als Whiskey-Testerin in der Destillery. Denn Jack Daniel’s füllt den Whiskey nicht dann in Flaschen ab, wenn die geplante Lagerzeit um ist, sondern erst wenn die Gaumen der Tester sagen, dass dieser Geschmack ein echter Tennessee Whiskey ist.

Ruby Fall, Lookout Mountain Chattanooga USAMit so viel Alkohol kann es nur abwärts gehen?

Mit Jack Daniel’s bestimmt nicht, mit uns schon. Denn an diesem Abend, unserem vorletzten, erreichen wir in Chattanooga noch die Ruby Falls am Lookout Mountain. Von hier oben kann man über die Stadt sehen, die einmal zur schmutzigsten der USA gewählt wurde. Doch das ist nicht zwingend der Grund, warum wir hier oben sind.

Wir sind hier oben, um nach unten zu fahren, in die Höhlen und Schächte unter dem Lookout Mountain. Denn dort sollen phantastische Wasserfälle sein. Hinter staunenden Amis wandern wir durch den Stollen, vorbei an Stalagmiten und Stalagtiten, die wir irgendwie schon oft genug gesehen haben – doch am Ende stehen auch wir staunend vor den Ruby Falls. In den Höhlen stürzt der Wasserfall 50m senkrecht in die Tiefe, in einen kleinen See, den er sich ins Felsgestein gegraben hat, um danach unterirdisch seinen Weg fortzusetzen und schließlich den Tennessee River zu speisen.

Und am Ende? Am Ende bedanken sich alle mit Applaus bei mir. Denn mir hat der Guide die Verantwortung übergeben, der Caboos zu sein, der Besenwagen, derjenige, der am Ende der Gruppe bleibt und überwacht, das keiner für immer in der Höhle zurückbleibt… naja oder zumindestens bis die nächste Gruppe in 20 Minuten vorbeikommt.

Und so rufen alle „Thank you, Jay!“ Denn wir haben in diesem Urlaub beschlossen, es aufzugeben, Amerikanern „Jens Freyler“ zu buchstabieren. Und so bin ich Jay Freeman. Jay Freeman, der in 17 Tagen 2.974 Meilen durch 8 Bundesstaaten im Südosten der USA gereist ist. 4.785km Südstaaten, bye bye USA, danke für einen wieder neuen Einblick ins land of the free und home of the brave…

Jens Freyler
Jens Freyler
2 Comments
  • Anna
    Posted at 16:08h, 21 November Antworten

    Hallo Jens,
    bin im Netz über deinen Beitrag gestolpert.. vielen Dank für diesen schönen Artikel ! Scheint als hättest Du eine tolle Zeit gehabt

    Wir fahren nächstes Jahr im Mai für 30 Tage zum Roadtrip in die Südstaaten und ich kann es schon kaum erwarten :-)

    Liebe Grüße,
    Anna

    • Jens Freyler
      Jens Freyler
      Posted at 20:59h, 23 November Antworten

      Hallo Anna!

      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Eine tolle Zeit hatten wir wirklich.

      Die Grand Ole Opry und Miss Bobos zählen in jedem Fall zu meinen Top-Tipps.

      Viel Spaß für Euch!

      Jens.

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