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Dieser Beitrag nimmt an der Wahl der besten Reiseberichte 2008 teil. Am Ende des Berichts könnt Ihr Eure Wertung abgeben!

Eine Übersicht der teilnehmenden Berichte findest Du hier.

Betreff: Bilder zweier Kontinente

Datum: 25.1.2008 23:20:10 MESZ

Es passierte mir häufig, dass ich plötzlich wieder dort war. Mit den Jahren wurde es weniger, aber trotzdem, manchmal war da dieser Geruch, der mich unvermittelt erinnerte. Dann spürte ich wieder die weiche Luft und befand mich auf dem Markt von Bamako, mit seinem dichten Menschengedränge, den bunten Gewürzständen, der lauten Geräuschkulisse. Und da war sie wieder, die Sehnsucht.

Nun ist es endlich soweit, wir fliegen nach Afrika.

Auch wenn Südafrika die Miss Europa unter den afrikanischen Ländern ist, hoffe ich auf rote Erde, würzige Luft und offene Begegnungen.

Schon der Flug ist eine Reise wert. Mein Mann ist so nett, auf eine paritätische Besetzung des Fensterplatzes zu verzichten, so dass ich für einige Stunden Bilder zweier Kontinente am Fenster vorbeiziehen lassen kann. Das erste Stückchen von Bremen nach Amsterdam brachten wir in einer kleinen Propellermaschine hinter uns, der Name ‚Cityhopper‘ hätte nicht passender ausfallen können! Aber im Vergleich zu der folgenden Etappe war dieser Flug wirklich nur ein Hopser…

Fast stündlich verändert sich die Landschaft. Frankreich hält sich in gedeckten Braun- und Grüntönen, Paris breitet sich unter uns aus wie ein mit hellen Farben und spitzem Stift gezeichneter Stadtplan. Der Eiffelturm zieht vorbei.

Spanien – die Farben verändern sich zu reinen Brauntönen, das Grün schwindet immer mehr.

Danach das Mittelmeer: Blau – Blau – Blau.

Eine weitere Stunde und das afrikanische Festland ist zu sehen, die Küste Algeriens liegt unter einer lockeren Wolkendecke. Hier ist wieder Grün zu entdecken, nur diesmal frischer und kräftiger. Das war’s für eine lange Zeit mit dem Grün. Die Sahara streckt ihre Wüstenfinger in den Küstenstreifen, hungrig nach Grün, wie es scheint.

Was nun folgt, ist eine endlose Weite.

Erst Steinwüste.

Sogar aus einer Höhe von fast 10.000 km erkenne ich das kahle nackte Felsgestein, in einem Rot, das an gebrannten Ton erinnert. Auf den höchsten Gipfeln Schneespuren, als hätte jemand mit einem trockenem Pinsel weiße Akzente gesetzt.

Dann Sandwüste.

Ein Meer aus gelben und roten Ockertönen, immer wieder neu komponiert, mal wie mit Pastellkreiden verwischt, mal dick aufgetragen. Der Horizont verschwimmt in einem Flimmern und verstärkt das Gefühl von Unendlichkeit. Mit der Endlichkeit verschwindet auch die Zeit. Die Wüste schluckt jedes Gefühl von Veränderung in einer Landschaft, die dem Auge kaum einen Anhaltspunkt bietet, die kaum eine Chance lässt, den eigenen Standpunkt zu bestimmen. Fast kommt es mir vor, als wären wir in die Luft geklebt, so sehr fehlen Hinweise auf eine Bewegung. Diese Landschaft scheint alles zu verschlucken, die Leere schleicht sich in alle Winkel des Lebens. Wie mag es dort unten sein? Wenn schon das Darüber-hinweg-Fliegen so einen Sog ausübt, wie ist es dann, durch dieses Land hindurch zu fahren, im Sand zu stehen und dieser Unendlichkeit noch mehr ausgeliefert zu sein?

Und doch gab und gibt es Menschen in dieser Landschaft. Selten, aber doch vorhanden, lassen sich schnurgerade Striche erkennen, Pisten durch die Wüste. Die Striche werden mehr, bilden schließlich ein Netz. Ansammlungen von dunklen Punkten lassen kleine Ortschaften erahnen, Autos setzen blitzende Punkte in die ocker-braune Fläche. Die Wüste lässt los, erlaubt es, dass wieder Bäume wachsen, schafft Platz für Dörfer. Bald wird auch klar, warum hier das Leben wieder Raum hat. Erst sind es nur trockene Flussläufe, später ein breiter Strom, der sich durch die Landschaft windet. Wieder einmal staune ich über die Fähigkeit der Sprache – die Bezeichnung ‚Lebensader‘ für einen Fluss ist hier mehr als zutreffend.

Immer wieder tauchen nun Seen unter uns auf. Durch die Spiegelung der Nachmittagssonne im Wasser wirken sie wie hingegossene Pfützen Quecksilber,

Dann beginnt der Regenwald. Eine dicke Wolkendecke lässt nur spärliche Blicke auf dichten Baumbestand zu. Ich bin froh, dass ich mich wieder gerade hinsetzen kann – zum Glück kein steifer Hals am nächsten Tag!

Betreff: Kapstadt

Datum: 27.1.2008 20:45:27 MESZ

Das erste Mal Linksverkehr in einem Jeep mit einer Gangschaltung, die diesen Namen nicht verdient, wie soll ich denn in Gänge schalten, die nicht zu finden sind?! Und die halbe Stadt ist auf dem Weg zum Kap, so wie wir. Aber wir sind unbeschadet angekommen und es hat sich gelohnt. Der südlichste Zipfel Afrikas heißt wohl nicht umsonst Kap der guten Hoffnung. Bei diesem Wind (es war noch nicht einmal stürmisch) ist es kein Wunder, wenn die Seeleute früher und heute hoffen, dass sie gut um das Kap kommen. Wir treten aus dem Windschatten eines Felsens, um auf den wirklich allerletzten Zipfel zu kommen. Der Wind schlägt uns mit voller Wucht einen eiskalten Lappen ins Gesicht. Ich stell mir jedenfalls vor, dass es sich so an fühlen müsste.

Im Infozentrum findet sich eine beachtliche Liste der Schiffswracks …

Natürlich fahren wir auch auf den Tafelberg. Ein wunderbarer Blick auf die ganze Stadt.

Eine Seilbahn trägt uns hinauf zu der hochgelegenen Ebene. Der Boden der Gondel dreht sich um 360°, so dass wir während der Fahrt einen Rundum-Blick genießen können. Die Sicht ist klar und während wir einmal um uns selber kreisen, sehen wir vor uns erst den Hang, über den wir hinweg gleiten (noch nicht besonders spektakulär), dann kommt die Insel Robben Island in unser Blickfeld, auf der Nelson Mandela über fast 2 Jahrzehnte gefangen gehalten wurde, mit ihm viele andere Anti-Apartheitskämpfer. Die weitläufige Bucht Kapstadts breitet sich unter uns aus und präsentiert einen ‘Überblick’ über das Leben von ca. 1,5 Millionen Menschen. Weitläufig windet sich die Stadt um den Tafelberg und den Signal Hill. Nur im Stadtzentrum finden sich einige Hochhäuser, den größten Teil der Fläche nehmen kleinere Bauten und Häuser ein.

Betreff: Schwarz/Weiß

Datum 28.1.2008 23:10:34 MESZ

Am Abend flanieren wir über die Waterfront, einen Teil des Hafens, der mit einem großen Einkaufzentrum und vielen Lokalen zu einer der Hauptattraktionen Kapstadts gehört.

Ich muss daran denken, dass dies vor nicht all zu langer Zeit nur den ‚Weißen‘ vorbehalten war. ‚Schwarze‘ hatten nach Sonnenuntergang nichts mehr in der Stadt zu suchen, mussten in die bis zu 40 km entfernten ‚Townships‘ zurückkehren, um am nächsten Morgen wieder zum Arbeiten in die Stadt zu kommen. Diese strikte Trennung nach Hautfarbe ist zwar nicht mehr politisches Programm, aber immer noch vorhanden. Nach wie vor leben die meisten Farbigen außerhalb der Städte. Wir merken aber auch, dass sich gesellschaftliche Veränderungen nicht innerhalb von 10/20 Jahren vollziehen können. Die wirtschaftliche Macht liegt (noch) bei den ‚Weißen‘, auch das wird uns schnell klar. Allein um den Bildungsstand halbwegs anzugleichen, braucht es wahrscheinlich zwei bis drei Generationen. Je länger wir hier sind, um so mehr denken wir, welch eine Leistung hier vollbracht wurde – ein politischer Machtwechsel von einem totalitären Staat, in welchem eine Minderheit die Mehrheit systematisch benachteiligt und diskriminiert hat, ohne dass es zu Bürgerkrieg und/oder neuen totalitären Verhältnissen gekommen ist, wie es ja anderswo der Fall war. Beeindruckend.

Während einer unserer Stadtspaziergänge entdecken wir einen Flyer mit der dicken Aufschrift ‚Warum ein Besuch im Township?‘ Wir hatten darüber gelesen, dass es organisierte Fahrten in Townships gibt und uns geschworen, es nicht zu machen, auch wenn es hundertmal von den Bewohner/innen selbst organisiert ist. „Das ist doch kein Zoo“ könnten unsere Einwände auf einen kurzen Nenner gebracht werden. Dieses Faltblatt aber hat unsere Sicht auf das Thema verändert und wir merken: wenn wir wie geplant unsere Fahrt durch das Land machen, den einen oder anderen Naturschutzpark besuchen, in Pensionen übernachten, reisen wir durch das weiße Südafrika. Das Südafrika der farbigen Bevölkerung streifen wir nur am Rande, wenn überhaupt. So buchen wir eine Tour und zusammen mit fünf anderen Interessierten steuern wir mit unserem Fahrer als erstes ‘District six’ an. District six war eines der ältesten Viertel in Kapstadt, ein buntes Miteinander verschiedener Kulturen, Religionen und Hautfarben, ein Miteinander, das funktionierte und quirliges Leben hervorbrachte, erzählt uns unser Fahrer. Diese Existenz eines lebendigen Miteinanders der Kulturen und Hautfarben widersprach der offiziellen Politik der strikten Trennung völlig. So wurden in der Zeit von 1966 bis in die 1980er Jahre 60 000 Menschen in Townships zwangsumgesiedelt, nach Hautfarben getrennt. Was blieb, waren die Kirchen. “Christliche Politiker konnten es nicht mit ihrem Glauben vereinbaren, Kirchen zu zerstören” erzählt uns unser Fahrer und kommt nicht um ein Kopfschütteln über diesen Zynismus umhin.

Auch wenn die Tour durch die Townships in Kapstadt nach wie vor widersprüchlich für uns ist (es fährt ein Grüppchen weißer Touristen im Kleinbus und ‚besichtigt‘ das Leben der schwarzen Bevölkerung, daran gibt es nichts zu rütteln) möchten wir diese Erfahrung nicht missen. Zum Einen waren es 4 Stunden politische Bildung mit Hintergründen, die wir sonst nicht erfahren hätten, zum Anderen ist das Wissen über die Apartheit und das Ausmaß der Folgen etwas anderes als diese zu er-fahren, auch wenn es im Moment nur mit organisierten Fahrten in einem Kleinbus geht …

Und: es hat meine Sicht auf die Menschen verändert; ich sehe nicht nur die Opfer von Unterdrückung, sondern Menschen, die sich, trotz der Umstände, untereinander organisiert haben, die daran arbeiten, diese Umstände zu verändern, auch wenn sie in einigen Gebieten noch sehr schlecht sind.

Betreff: Knysna / Gardenroute

Datum: 1.2.2008 18:09:36 MESZ

Unsere zweite Station ist Knysna, zwischen George und Port Elisabeth. Mike und Penny sind leidenschaftliche Gastgeber und Mike ist ein begnadeter Koch! Die Gardenroute ist neben dem Kruegerpark vermutlich die bekannteste Urlaubsecke Südafrikas, landschaftlich auch wirklich sehr schön, alles macht den Eindruck britischer Gepflegtheit, die man hier so nicht erwartet.

Obwohl uns der Abschied von Mike und Penny schwer fällt, wollen wir nun aber doch etwas mehr Ursprünglichkeit und machen uns auf den Weg zum ‚Valley of Desolation‘, dem Tal der Verlassenheit. Vorher verbringen wir aber noch eine Nacht im Wald in einem kleinen Nationalpark in der Nähe von Knysna. Die Südafrikaner sind begeisterte Camper, habe ich gelesen, und entsprechend gut ausgebaut sind die Möglichkeiten. Für wenig Geld haben wir beim Ranger ein Zelt geliehen und es uns auf einer der vielen Holzplattformen im Wald gemütlich gemacht. Über gut ausgebaute Stege gelangt man auf die Plattformen, jede hat einen Holz-Grillofen, Licht, Stromanschluss für einen Fernseher (!), frühstücken kann man im Teagarden, dem Café des Infozentrums. Ist schon nett!

Betreff: Camdeboo Nationalpark

Datum: 3.2.2008 10:36:36 MESZ

Doch nun geht’s weiter nach Graaf-Reinet in der Nähe vom Camdeboo Nationalpark, ca. 150 km in das Landesinnere. Zwei Stunden Autofahrt durch die Halbwüste, 38 Grad Außentemperatur, das Auto scheint zu kochen. Was wohl Menschen bewegt hat, sich hier niederzulassen?

War Costa Rica geprägt von prallem Leben auf engstem Raum, fällt uns in Südafrika die Weite auf. Hier scheint das Leben Platz zu haben, kann sich ausbreiten und auf weiten Ebenen lümmeln. Es kann sich auch mal dünne machen, wie in der Wüste oder der Halbwüste, durch die wir fahren. Die Gebirgszüge, die in dieser Ebene immer wieder auftauchen, scheinen den Eindruck von Unendlichkeit noch zu verstärken statt zu begrenzen. Einige sehen aus wie mit einem Spachtel grob in die Landschaft modelliert, andere wirken wie hingegossen. Im Valley of Desolation schließlich hat die Witterung nur ‚Nadelspitzen‘ übrig gelassen, wie versteinerte Gestalten stehen sie verlassen in der Gegend, was dem Tal schließlich seinen Namen gegeben hat.

Betreff: Mountain Zebra Nationalpark

Datum: 4.2.2008 23:19:26 MESZ

Im ‚Mountain Zebra Nationalpark‘ wohnen wir in kleinen Cottages, wie es unser Reiseführer beschreibt, es sind allerdings regelrechte Häuser, in denen sich wahrscheinlich, gemessen an einigen Verhältnissen, eine afrikanische Großfamilie über diesen Platz freuen würde.

Der Mountain Zebra Park wurde errichtet, um eben diese Kap-Zebras vor dem Aussterben zu bewahren. Auf unserer ersten kleinen Tour durch den Park unken wir, dass das wohl nicht so geklappt hat, wir sehen kein einziges Zebra. Aber es gibt sie und sie sind wunderschön mit ihrer Zeichnung. Mir gefällt am besten die Rückansicht, mit den kleinen Strichen am Schwanzansatz, die ein schönes Muster bilden.

Nachmittags dann ein Gewitter. Regen in der Wüste. In langen Schnüren fällt er platschend vom Himmel, die ganze Welt scheint still zu genießen. Wir sitzen auf unserer Terrasse, schlürfen unseren Kaffee und sind einfach nur dankbar.

Wir verlassen diese Stille des Parks nur ungern, aber wir sind doch gespannt, was uns an der Wild Coast erwartet…

Betreff: Mbotyi / Wild Coast

Datum: 7.2.2008 19:57:03 MESZ

Unsere vierte Station in Südafrika liegt am Indischen Ozean in der Nähe von Port St. Johns, etwas südlich von Durban.

Das Hinterland, durch welches wir hunderte von Kilometern fahren, um nach Mbotyi zu gelangen, ist ein Landstrich, der außer grünem hügeligen Grasland, über dem unzählige kleine Hütten verstreut sind, nicht viel zu bieten hat. Wir überlegen, ob hier ehemalige ‚Homelands‘ waren, es wirkt zumindest nicht, als wären Ortschaften oder Dörfer wirklich ‚gewachsen‘, sondern eher wie: „Hier ist noch Platz, hier bauen wir unser Haus„ (später erfahren wir, dass auf diesem Gebiet zwei ‚Homelands’waren).

Die Küstenlinie wirkt dagegen wirklich rauh und die Mbotyi River Lodge liegt direkt an der Mündung eines Flusses, der auch zu dieser Jahreszeit Wasser führt. Von unserem Zimmer aus blicken wir auf eine große Düne, welche das Wasser des Flusses vom Meer trennt und so eine Lagune bildet. Nach unserer Ankunft erholen wir uns von der stundenlangen Grasland-Fahrt mit einem Spaziergang am Strand. Die Sonne verabschiedet sich gerade vom Horizont und hinterlässt eine bizarre Szenerie: von irgend woher geschwemmte Baumstämme verteilen sich am Strand. Dort, wo der Fluss auf den Ozean trifft, ein Feld von Steinen und Geröll. Auf den letzten Metern des Flussufers ragen aus bröckeligen Sandwänden Wurzeln von Sträuchern und Bäumen hilflos in der Luft. Es scheint nicht mehr lange zu dauern, bis auch diese Bäume sich zu den anderen am Strand gesellen, von der Kraft des Wassers aus dem Boden gerissen. Gegenüber die große Düne; in einen leichten Nebel gehüllt wirkt sie wie die geheimnisvolle Grande Dame der Lagune, die alle Blicke auf sich zieht.

Betreff: Regen-Regenwald

Datum: 10.2.2008 17:45:58 MESZ

Dieser Tag beginnt mit einem kräftigen Regenschauer und endet vermutlich auch mit einem solchen. Dazwischen regenfreie Pausen, die gerade lang genug sind, dass wir uns überlegen, jetzt eine kleine Tour zu machen, die sich dann aber doch als so kurz herausstellen, dass es genau dann wieder anfängt zu regnen, wenn wir es bis zur Straße geschafft haben. Wir hoffen, nicht dabei beobachtet zu werden, wie wir im Laufe des Tages dreimal(!) aus der Tür treten, nur um sofort wieder umzudrehen. Beim vierten Mal klappt es, diesmal mit Regenschirm bewaffnet, können wir am Nachmittag ganze 30 Minuten regenfrei spazieren gehen. Danach sind wir heilfroh, dass wir einen Schirm dabei haben, leuchtend blau, wenn schon der Himmel grau ist.

Der Rest unseres Spaziergangs versinkt in einer Regenflut. Die durchgeweichte lehmige Erde der Straße quitscht in unseren Sandalen. Es rauscht und klatscht, strömt und tröpfelt als würde nie wieder die Sonne scheinen – Waschtag in der Natur. Aber trotz des Wetters ist die Dorfstraße alles andere als ausgestorben; immer wieder begegnen uns Kinder, durchgeweicht bis auf die Knochen oder auch Erwachsene, mal mit Schirm, mal ohne. Die Tagesgeschäfte müssen weitergehen. Unser Tagesgeschäft, ein Spaziergang im Regen-Regenwald, beenden wir, als die Nässe an den Beinen bis zur kurzen Hose hoch gekrochen ist und quitschen quietsch-vergnügt zurück in unser trockenes Zimmer.

Betreff: Die Kinder von Magwa – Wasserfall

Datum:11.2.2008 16:15:32 MESZ

Auch heute ist es wieder grau, aber nur mit kleinen Sprühregenschauern. Wir wagen eine kurze Fahrt mit dem Auto zu einem nahe gelegenen Wasserfall. Der Weg führt uns durch eine Teeplantage. Zwischen den grünen Reihen der Teesträucher leuchten Menschen in bunten Regenjacken.

Am Ende der Straße wieder Grasland. Zu Fuß noch ein paar Meter, über einen kleinen Bach, etwas bergauf, dann ein weiter Blick über – ? Jawohl: hügeliges Grasland, was auch sonst. Wo bitte schön ist der Wasserfall in der grandiosen Schlucht?!

Aber wir geben nicht auf und die kleine Kinderschar, von der wir begleitet werden, seit wir einen Fuß aus dem Auto gesetzt haben, zieht uns weiter.

Und dann: unvermittelt taucht im Gras ein Abgrund auf. Einen Schritt weiter und der Boden weicht einer Leere, fällt steil ab und kommt erst 100 m weiter unten wieder an. Wir stehen am Rande der Schlucht, gegenüber rauscht tosend der Magwa-Wasserfall, beides auch aus einer Entfernung von wenigen Metern nicht zu erkennen.

Die Kinder vom Magwa-Wasserfall bescheren uns noch ein ‘Andenken’ zum Nachdenken. Als wir wieder in unser Auto steigen wollen, machen sie uns sehr deutlich, dass sie für ihre ‘Dienste’ ein Honorar haben wollen. 10 Kinder klettern uns fast auf den Schoß und bitten, betteln, fordern je nach Temperament ihre Gage ein. Zweifellos weil sie es so kennen, dass die Touristen ihnen ein bisschen Kleingeld geben. Dummerweise haben wir überhaupt kein Kleingeld dabei, nur ein paar Scheine. Für uns nicht viel Geld, aber 3 Geldscheine reichen nicht für 20 Kinderhände. Und ob die Idee des Teilens unter Kindern so viel Anklang findet, wagen wir zu bezweifeln. Trotzdem bleibt uns keine andere Chance der Belagerung zu entgehen, als dass diese Scheine von unseren Händen in die Kinderhände wechseln; in welche können wir nicht sehen, dafür sind die Scheine zu schnell verschwunden. Der so genannte sanfte Tourismus, der angeblich von der Mbotyi-River-Logde gepflegt wird, hinterlässt also auch seine Spuren. Ohne es zu wollen, treten wir sie weiter aus.

Betreff: The Big Five

Datum: 13.2.2008 22:56:13 MESZ

Der Addo-Elephant-Park, in welchem es allerdings nicht nur Elefanten gibt, sondern auch die anderen, die zu den so genannten ‚Big Five‘ gehören, die fünf von Großwildjägern so begehrten Tiere: Nashorn, Löwe, Büffel und Leopard. Der Addo-Park wurde gegründet, um die einst so zahlreichen Elefanten (bevor Jäger und Siedler zugeschlagen haben) zu schützen und ist inzwischen nach dem Krueger-Nationalpark der bekannteste Naturpark Südafrikas.

Darum haben wir dort auch keine Unterkunft bekommen, da wir nicht mindestens eine Woche vorher reserviert hatten. Stattdessen übernachten wir vor den Türen des Parks in der ‚Pension Zum fröhlichen Mistkäfer‘ – der ‘Dung Beetle Farm’, deren Besitzer diesen vom Aussterben bedrohten Käfer züchten. Ein aufwändiges Hobby, da der Käfer nur Dung von bestimmten Tieren verträgt, der extra für die Leckermäuler von benachbarten Farmen geholt werden muss, spätestens alle zwei Tage, denn frisch muss er auch noch sein.

Am Nachmittag fahren wir durch den Park. Rotbraune Erde, spärliche Sträucher wechseln sich ab mit dicht zugewachsenen Waldstückchen. Wieder beginnt die Aufregung, wann sehen wir unseren ersten Elefanten und – sehen wir überhaupt einen?

Ist das da hinten ein Elefantenrücken oder… doch nur ein Felsen!

Ah guck mal da hinten, das ist jetzt aber einer!

Der erste ist noch weit weg, ganz allein schlendert er über die Ebene. Die nächsten sind schon näher dran, sie stehen am Wegesrand und rupfen an den Ästen, doch sobald sich die Autos näher heranpirschen, verdrücken sie sich ins Dickicht. Am frühen Abend dann kommen wir an einem Wasserloch vorbei und während wir noch ganz entzückt sind von den kleinen Erdmännchen, bei denen sich immer eines lang aufrichtet und Wache schiebt, schiebt sich ganz in der Nähe eine kleine Prozession von Elefanten zum Wasser. Es kommen immer mehr, bis schließlich an die 20 Elefanten in Reihe hintereinander auf das Wasserloch zusteuern, langsam und gemächlich, Rüssel an Schwanz. Am Wasser angekommen, werden die ganz Kleinen in die Mitte genommen und los geht das Vergnügen. Dass es ein solches sein muss, lässt sich unschwer an den Geräuschen erkennen: Tröten und Grunzen und plötzlich tiefes Grummel-Brummen, wie ich es noch nie gehört habe. Es scheint aus einer anderen Welt zu kommen, hört sich höchst behaglich an, hat aber gleichzeitig etwas solch Fremdes, dass es schon auch unheimlich ist.

Nett sind auch die kleinen Szenen nebenbei: Zwei Halbstarke kabbeln sich, Rüssel klatscht an Rüssel und sie scheinen sich böse Worte an den Kopf zu schmeißen, bis eine ‚Tante‘ oder die Mutter laut trompetent dazwischen geht und für Ruhe sorgt, was denn auch prompt passiert. Wir und mit uns ca. 15 andere Touristen sitzen in unseren Autos (aussteigen ist natürlich nicht erlaubt) und lassen uns in der Abendstimmung von diesen Tieren verzaubern. Leider schließt der Park um 19.00 Uhr die Tore und wir müssen uns schweren Herzens auf den Weg machen. Dummerweise zuckelt auf ‘unserem’ Weg eine kleine Elefantenfamilie zu ungewissen Abendbeschäftigungen. Gemütlich trotten sie fort vom Wasserloch, immer schön auf der Straße. Was sollen wir nun machen? In den Parks haben die Tiere Vorfahrt, wir Menschen sind nur Gäste und als solche wissen wir uns auch zu benehmen. Höflich verzichten wir auf den Rest der Strecke, den wir noch nicht kennen, wenden und fahren die Strecke zurück, die wir schon kennen. Ich will nicht verschweigen, dass es nicht nur reine Höflichkeit war, die uns zum Umkehren veranlasste. Wir wissen nicht, wie es den Damen und Herren Elefanten gefällt, uns so dicht auf den Fersen zu haben und möchten es auch nicht herausfinden.

Am nächsten Tag geht es weiter – wir machen eine geführte Tour durch einen Privatpark. Löwen garantiert! Zu sechst hocken wir oben auf einem Jeep, Regencape griffbereit, denn ab und zu schauert es etwas. Erst schielen wir neidisch zu den beiden anderen Wagen, die haben wenigstens noch ein Dach. Aber es regnet immer nur ein paar Tropfen (den heftigen Schauer verbringen wir während unserer Teepause im Trockenem) und so offen durch die Natur zu fahren ist ein Erlebnis. Als erstes entdecken wir lange braungefleckte Hälse zwischen den Bäumen. Na? Jawohl, Giraffen. Dann geht’s weiter zu den Flusspferden, die hier natürlich nicht im Fluss, sondern im Wasserloch herumliegen. Anders kann man es wirklich nicht bezeichnen, sie liegen im Wasser, große Glubschaugen mit Ohren auf der Wasseroberfläche, ab und zu sind mal die Nasenlöcher zum Luftholen zu sehen. Hatten keine Lust auf Show für die Touristen. Ähnlich ging es wahrscheinlich dem Krokodil, vom dem war allerdings gar nichts zu sehen. Vielleicht ist es ja auch wieder ausgebüchst und macht einen Ausflug in den benachbarten Addo–Park. Unser Fahrer erzählt uns die nette Geschichte von einem morgendlichen Anruf aus dem Nachbarpark mit der Frage: „Ist das Euer Krokodil, das bei uns ‚rumliegt?“

Doch nun wird es richtig spannend. Die drei Wagen, die den ersten Teil des Nachmittags eher einzeln durch den Park brausen (damit das Gefühl von exklusiver Safari nicht verloren geht) sammeln sich und gemeinsam geht’s über holprige Wege bis zu einem Gatter: Stacheldraht und Starkstrom. Willkommen in Jurassic Park! Wo sind die Löwen?!

Man verstreut sich wieder, irgendwer sieht die Löwen zuerst. Aber ha, sie liegen gleich um die Ecke, keine lange Pirsch, wo bleibt denn da das Jagdfieber? Und da wo sie liegen, bleiben sie auch. Bewegen sich höchstens, um sich einmal um sich selber zu drehen und dann wieder auf den Boden plumpsen zu lassen, wie wir das von unseren Stubentigern kennen. Gucken sich träge die Touristen an, die ‚knipsenden‘ Touristen scheinen ein lohnendes Ziel zu sein. Obwohl unser Fahrer meint, dass sie Wagen und Menschen als eine Einheit betrachten und nicht unterscheiden können, fühle ich mich doch fixiert von diesen gelben Augen, die übrigens nur einige wenige Meter von uns entfernt sind.

Die Eigenart der Tiere, beim Start eines Motors lauthals zu gähnen, beschert Einigen großartige Fotos von wild brüllenden Löwen. Mal ehrlich – wer kann schon auf einem Foto ein gelangweiltes Gähnen von Furcht erregendem Gebrüll unterscheiden?

Obwohl die Löwen wirklich träge sind und sich überhaupt nicht um uns ‚Papparazzis‘ kümmern, spürt man ihre Kraft, von denen sie übrigens für die Jagd so viel verbrauchen, dass sie danach über 20 Stunden ruhen müssen.

Lange bleiben wir bei den Löwen, niemand will so richtig weg, auch wenn es langsam kühler wird. Doch es gibt noch ein gemeinsames Essen und danach geht’s zurück zum Ausgangspunkt. Die Nachtluft ist mild und würzig, eingemummelt in Decken lassen wir uns von dem Jeep zurück rumpeln und während im Scheinwerferlicht noch einige Springböcke am Rand stehen, hängen alle ihren Gedanken nach. Heia Safari!

Betreff: Ort des vielen Wassers

Datum: 15.2.2008 20:47:46 MESZ

Der Tsitsikamma (Ort des vielen Wassers) -National Park ist leider schon die erste Station auf unserer Rückfahrt nach Kapstadt. Von hier aus startet der Otter-Trail, Südafrikas berühmtester Wanderweg. Insgesamt könnte man 4 Tage an der Küste wandern, unterwegs gibt es Hütten zum Übernachten. Das machen wir natürlich nicht. Aber wir kraxeln immerhin fast drei Stunden wortwörtlich über Stock – große Wurzeln & Baumstämme und Stein – riesige Felsbrocken am Strand. Immer wieder bieten sich atemberaubende Blicke auf die schroffe Küstenlinie, mal staken spitze Felsnadeln aus der Brandung, mal faltet sich das Gestein wie ein Blätterteig hinunter zum Wasser. Aus unerfindlichen Gründen wurde der Weg stellenweise mit Beton gefestigt, so dass wir uns für ein paar Meter vorkommen wie auf dem Wanderweg de luxe. Wie und wieso gerade hier soviel Beton herangeschafft wurde, bleibt uns ein Rätsel.

Nach ca. drei Kilometern erreichen wir einen Wasserfall. Diesmal nicht versteckt, sondern grandios und prominent aus über 100 m Höhe in ein Bassin aus Felsen fallend, von dort durch eine schmale Öffnung über ein paar Stufen in’s Meer rauschend. Wieder ein unvergleichliches Erlebnis.

Am nächsten Tag fahren wir in einen anderen Teil des Parks, dort endet der Ottertrail. Wenn wir ihn schon nicht abwandern, wollen wir doch trotzdem auch das Ende kennen lernen. Letzteres ist eher unspektakulär, aber in dem einzigen Café des Ortes hängt ein ganzer Baum voller abgelatschter Schuhe, stumme Zeugen erfolgreicher Körperertüchtigung.

Was uns aus dem Tsitsikamma-Park besonders in Erinnerung bleibt, sind die Vögel. Wir wachen morgens auf mit einen sagenhaften Zwitschern, Zirpen, Knattern und Tröten. In der Abenddämmerung drehen sie noch einmal auf, anscheinend haben sie sich viel zu erzählen von den Ereignissen des Tages.

Betreff: uralte Karoo

Datum: 17.2.2008 23:18:20 MESZ

Für eine Nacht waren wir wieder in Knysna, noch einmal bei unseren Lieblings-Gastgebern Penny & Mike (wir wurden wieder lecker bekocht!) auf Zwischenstation zu dem Karoo-National Park. Nach einer Woche wolkigem Wetter (Grau – Grau – Grau) und Regenschauern haben wir nun endlich wieder Sonne.

Der Park ist Teil des Karoo-Beckens, einer Halbwüste mit kleinwüchsigen Sträuchern und vereinzelten Bäumchen. Auf der Fahrt von der Küste in’s Landesinnere durchqueren wir einen Gebirgszug. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen hinauf und hinunter. Die Berge werden höher und höher, immer wieder überblicken wir auf’s Neue die vor uns liegende Ebene. Aber bis wir sie erreichen dauert es, erst einmal geht es wieder hinunter. Gerade als wir denken: jetzt haben wir es geschafft, gleich haben wir die Gebirgskette hinter uns, gleitet die Straße in ein enges Tal, in unzähligen Zeitaltern von Flusswasser aus dem Gestein gewaschen. Sie folgt diesem Tal, führt mal rechts, mal links am Fluss weiter, windet sich durch Schluchten, an hohen Felswänden entlang, unter Felsüberhängen unter durch. Jede Biegung eröffnet neue schroffe Wände, die sich meterhoch über uns erheben. Majestätisch ist hier der einzig passende Ausdruck. Der Felsen ist wie die Erde – mal Rot, mal Gelb, mal Ocker, nie Grau.

Im National Park gibt es wieder ein Camp, in dem wir in kleinen Cottages übernachten können. Auch hier beeindruckt uns die Wüste mit ihrer Stille.

Reduzierung auf das Wesentliche, nur scheinbare Ereignislosigkeit.

Von unserer kleinen Terrasse blicken wir auf eine Bergkette, nicht besonders hoch ist, aber dafür besonders alt! Das Karoo-Becken war Teil des Urkontinents, als die Landmasse der Erde noch ein zusammenhängendes Stück war, also vor ungefähr 250 bis 300 Millionen Jahren. Die Berge, die wir sehen, sind Reste des einzigen Gebirges auf dem Urkontinent in der südlichen Hemisphäre, allerdings wurden inzwischen mehrere Kilometer(!) von der Erosion abgetragen. Ist ja auch verdammt lang her.

Hier nehmen wir an einer Nachtfahrt teil. Statt würziger Nachtluft weht mir die After-Sun-Lotion der jungen Dame vor mir um die Nase, aber wir erleben ein eindrucksvolles Naturschauspiel: Gewitter in der Wüste, diesmal im Dunkeln. Während hinter uns die Sonne hinter der Bergkette versinkt und einen scharfen Kontrast von Hell und Dunkel zeichnet, liegen die Berge vor uns in einem violetten Dunst, wie mit Weichzeichner verwaschen. Rechts im Vordergrund teilen weiße Blitze den Himmel oder verbinden ihn mit der Erde; sie kommen aus einer schwefelgelben Wolke, die so weit von uns entfernt ist, dass wir zwar die Himmelsbilder bestaunen, aber den Donner nicht hören können. Ich drehe und wende mich in alle Richtungen, überall faszinierende Bilder.

Mit einem Scheinwerfer suchen unsere Fahrer die Gegend ab und so können wir im Laufe der Fahrt neben Springböcken, Hasen, Schakalen, Adler und Eule, auch die Schwanzspitze und die Hinterläufe einer kleineren Wildkatzenart erspähen! Da nachts alle Katzen grau sind, was auch auf die afrikanischen zutrifft, ist das nun ein wirklich unvergessliches Erlebnis!

Betreff: Mitten im Rot

Datum: 20.2.2008 21:37:12 MESZ

Von Kapstadt trennen uns nur noch 300 km Fahrt durch die Wüste. Wir meinen sie zu kennen, die Wüste, und wir starten morgens zu unserer letzten Etappe, nicht ahnend dass wir noch einmal von ihr überrascht werden.

Erst wieder die Bekannte – endlose Weite, verstärkt durch die monotone Wiederholung der kugeligen Sträucher, die in regelmäßigen Abständen auf dem Boden kauern. Doch irgendwann tauchen wir ein in eine kupferfarbene Dünenlandschaft (obwohl es wahrscheinlich Felsen sind). Wie ein überdimensionales Waschbrett verlaufen die Wellen, wir tauchen auf, tauchen unter, tauchen wieder auf und vor uns in der Ferne am Horizont liegt eine lang gezogene Gebirgskette im Sonnenlicht.

Farbe: Altrosa.

Nein, das ist keine Übertreibung, das ganze Gebirge leuchtet in einem dunklem Altrosa, durchzogen von weißen Schlieren, so als hätte man die Sahne im Ostfriesentee das erste Mal vorsichtig umgerührt. Davor erstreckt sich die kupferfarbene Landschaft. Wenn ich mich für einen der vielen herrlichen Augen-Blicke, die uns auf unserer Reise begegnet sind, entscheiden sollte, ich würde diesen wählen. Keine Fotografie könnte dieses Strahlen wiedergeben, also lassen wir es gleich. Die Kamera bleibt in der Tasche und wir nehmen diese Bilder in uns auf. Fast eine Stunde dauert die Fahrt mit dem Gebirge an unserer Seite. Das Kupfer verschwindet immer mehr, ebenso das blasse graue Grün der Sträucher. Es bleibt das Rot mit violettem Einschlag. Wir fahren stumm durch dieses Land, hier ist der blaue Planet ein roter Planet. Alles wirkt, als wäre es seit Urzeiten durchglüht worden, wie gebrannte Ziegel, die nie ihrem Brennofen entkommen können. Wie intensiv sich diese Farbe auf uns auswirkt, merken wir erst, als wir sie verlassen. Die Farben außen pendeln sich wieder auf Ocker und Grün ein und wir können innerlich loslassen, als wäre ein Druck von uns genommen. Was macht diese Landschaft mit den Menschen, die dort leben, frage ich mich, wie lebt es sich, so mitten im Rot?

Nach einem kurzen Abstecher in die Winelands, nordöstlich von Kapstadt, kehren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Den letzten Abend speisen wir opulent in einem Restaurant an der Waterfront. Wir sitzen auf der Terrasse mit Blick über den Hafen, der in der untergehenden Sonne zu leuchten beginnt, als würde sich diese Stadt noch einmal so richtig Mühe geben. Das hat sie zwar nicht nötig – wir sind von ihr und dem Land auch so fasziniert, mit allem Charme und aller Herzlichkeit, mit allen Ecken und Kanten, Widersprüchen und Nachdenklichkeiten, die wir dort erlebt und entdeckt haben –

aber schön ist es doch.

Dieser Beitrag nimmt an der Wahl der besten Reiseberichte 2008 teil.

Aktuelle Jury-Wertung: 2,17

Auch Ihr könnt Eure Bewertung abgeben. Bitte orientiert Euch am Schulnotensystem (1=sehr gut, 6=ungenügend).

Heike Pich
1Comment
  • Reisender
    Posted at 17:55h, 20 Juli

    Sprachlich sehr nett, die Storyline ist mir jedoch zu unscharf. Das Stilmittel „Betreff“ finde ich sehr störend. Dafür passt der Umgang mit den Menschen vor Ort wirklich gut. Respekt und Distanz stimmen. Ich gebe dafür in der Summe 2,25