Tallinn & mehr

Tallinn & mehr

Hier kommt er, der versprochene zweite Teil von Tallinn! Und da beginnen wir doch gleich mal mit einer Fotogalerie…

Dominikaner auf Lebenszeit
Ja, wir sind Dominikaner-Moenche (ach Mist, die oes & co sind wieder weg!) geworden. Oder so aehnlich. Jedenfalls haben die die Ruinen des ehemaligen Dominkanerklosters in Tallinn besucht. Eines der aeltesten noch erhaltenen Gebaeude der Stadt (die Kirche war ja immer und ueberall zuerst…) und heute noch in Form des Kreuzganges und seines Innenhofes intakt. Die Kirche leider geschlossen, eine Teil des Klosters zu einem schoenen Restaurant umgebaut.
Jedenfalls wurden wir von zwei jungen „Nonnenhostessen“ empfangen und bekamen als Eintrittskarte einen Metallring. Diesen mussten wir dann mit einem Praegestein und einem schweren Hammer auf einem Amboss praegen… und da steht nun in lateinisch Dominicus usw. Tallinn drauf – und dieser Ring berechtigt uns Zeit unseres Lebens, das Kloster ohne weitere Eintrittsgelder zu besuchen – nur ehrlich gesagt war diese Ringpraegung schon das beeindruckenste an den bescheidenen Ruinenresten ;-)

Olde Hansa
Beim Gang durch die Stadt kommt man an dem Olda Hansa nicht vorbei – schon allein deswegen, weil seine in historische Kleidung gewandeten jungen Angestellten im Umkreis des Rathauses weit verbreitet sind und Kunden und Besucher erhaschen. So sind auch wir zuerst am historischen Brandmandelstand haengen geblieben (in Zimt gebrannte Mandeln… spezielle Note…) und wurden freundlich von verschiedensten Seiten angesprochen. Das Olde Hansa, das Gebaeude von einem ehemaligen Kaufmann der Hanse begruendet, ist heute ein Restaurant, das in historischem Ambiente Kueche nach 500 Jahre alten Rezepten bietet (das Essen ist aber frisch, wird uns versichert) und das zudem aus auf alt getoepferten Geschirr bzw. mundgeblasenen Glaswaren – die es auch allesamt im Shop zu kaufen gibt.
Natuerlich kaufen wir nachmittags die Mandeln und kehren Abends zu historischer Speis zurueck. Uebrigens nicht verwunderlich, dass historisches Essen im Baltikum (so auch bei traditioneller lettischer Kueche in Riga erlebt) einem eher deutsche Gerichte nahebringt, denn schliesslich wurde sowohl die Kirche damals aus deutschen Landen beschickt, die Stadtrechte wurden von Luebeck und Magdeburg vergeben, die Hansekaufleute kamen natuerlich auch aus „unseren“ Hansestaedten. So ist mein traditionelles Abendessen Schweinerippchen mit Sauerkraut und Graubrot…
Doch besonder anzumerken ist noch, die Freundlichkeit der jungen Bediensteten. Absolut nicht selbstverstaendlich im Baltikum und da behauptet hier einer, der sonst von seinen Reisen immer berichtet, was sich die Servicewuestendeutschen so alles im Ausland an Scheiben abschneiden koennen. Im Baltikum – Estland am extremsten – ist es umgekehrt. In Estland gibt es ueblicherweise keine Bedienung in Gaststaetten. Man kommt rein, nimmt sich von der Theke die Speisekarten, setzt sich hin, sucht was aus, geht wieder an die Theke und ordert. Macht man das nicht (so wie wir zuerst aus Unwissenheit, dann bei reifender Erkenntnis zum Austesten des laengeren Atems), so kann man in Cafes und Restaurants wunderbar ausruhen ohne behelligt zu werden… es wird einen keiner bedienen!!!
Im Olde Hansa also das absolute Gegenbeispiel: Service top, Essen gut, Ambiente klasse!

DM Baar Tallinn

DM Baar
Nach dem Essen sollst Du ruhen oder… wir gingen in die Depeche Mode Bar. Und als wir ankamen schlug ich fast hintenueber. Der Laden platzte aus allen Naehten, beide Bars – sowohl der Bar als auch der Disco – offen, beide mit Schlangen davor. Doch drinnen war die Musik aus, sie lief nur am Aussenlautsprecher auf der Strasse…?
Das wundersame Schauspiel klaerte sich schnell. Im Nachbartheater machten Romeo & Julia gerade Pause und was die Theaterbar nicht schaffte, verlagerte sich in die DM Baar und finanzierte das edle Hobby des Gruenders. Danach war der Spuk schnell vorbei, der Discobereich wurde wieder abgesperrt (gut, in der Woche abends), an der anderen Bar wurde man gewohnt estnisch unfreundlich bedient, in einem Raum war vor einer Video-DVD von „Live in Milan“ ein weiterer Gast… im Laufe von knapp zwei Stunden kamen noch 5 weitere hinzu, tranken allesamt ein Getraenk und gingen wieder. Wir dann auch… Lebensfaehigkeit wohl nur dem Nachbartheater zu verdanken… Aber Martin Gore und Andrew Fletcher waren – wie Fotos und Autogramme nachhaltig beweisen – in jedem Fall schon mal hier!
Mehr unter www.edmfk.ee

Moto Russija

Lahemaa Nationalpark
Von Tallinn aus ging es weiter nach Osten in den Lahemaa Nationalpark mit
– einer Begegnung mit einem alten Mann und seinem russischen Motorradgespann, unser beider Faszination fuer das Gefaehrt des anderen und dem umfangreichen Kommunikation aus „Yamaha?“ „BMW!“ „Russija?“ „Ej!“ Mehr Verstaendigung ging nicht
– dem noerdlichsten Punkt unserer Reise auf der Halbinsel Paerispea in Viinistu
– einer unglaublichen Anzahl riesiger Felsbrocken (der groesste ca. 40m x 8m), die die letzte Eiszeit von den Polen herangeschoben und hier abgeladen hat. Da nach dem hier gueltigen Aberglauben man diese von Gott gelegten Steine nicht bewegen darf, hat der Ausdruck „Steingarten“ hier eine ganz eigene Bedeutung. Manche Leute koennen sich das Rasenmaehen wirklich sparen…
– dem Gutshof von Palmse, der angeblich der einzige mit allen Gebaeuden vollstaendig wieder hergerichtete Gutshof Estlands ist und einen Blick zurueck in die Zeit zeigt.
– unserem ersten Gewitter, vor dem wir zweimal davonfahren konnten und das uns in Voesu schliesslich nasskalt erwischte (aber nach einer knappen Stunde auch schon wieder weg war)

Rakvere
Die folgende Nacht verbrachten wir in Rakvere, im einzigen Hotel der Stadt. Nicht gerade guenstig, was aber auch daran lag, dass nur noch ein Luxuszimmer frei war… eines mit eigener Saune im Zimmer. Nun gut, wenn das so ist, dann schmeissen wir mal eben die Sauna an und nutzen den Luxus, bevor wir zum Abendessen rausgehen und danach die Stadt erkunden.
Warum auch nicht? Wir sind in Estland, es ist kurz vor der Sommersonnenwende, es wird nicht dunkel! So stehen wir gegen 22:00 Uhr vor dem Toren der Burgruine, knipsen die tiefstehende Sonne ueber dem maechtigen Auerochsen, der ueber der Stadt thront (Gruendung  der Stadt im Jahr 1220 als „Burg Auerochse) und wie eine maechtige spanische Osborne-Werbung wirkt und spazieren des naechtens durch die Stadt (nennt man das eigentlich Nacht, wenn es noch taghell ist?).

Rakvere Auerochse

Jens Freyler
Jens Freyler
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