Otepää Tour 2007

Otepää Tour 2007

Otepää Tour 2007, Tag 1
Inzwischen habe ich nachgeschaut. Laut map24.de waeren es tatsaechlich nur 1.533km von Hamburg nach Otepaeae. Aber auch damit waeren wir eindeutig vor all den anwesenden Finnen und Esten gewesen. Daneben vereinzelt Litauer und Letten und wir – und 2 Hollaender… aber die gehoeren sowieso disqualifiziert, denn die kamen mit einem LKW mit angehaengtem Wohnwagen auf dem Animatsi Campground und luden aus dem LKW zwei supersaubere Chopper raus, die sie dann auch noch feinsaeuberlich polierten. Sehen so Maschinen aus, die nach Otepaeae gereist sind? Nein, unsere sieht definitiv anders aus, man sieht ihr 2.332km Strasse – und insbesondere die Sandpisten, die vielleicht irgendwann mal Strassen werden wollen – an!

Rund 500 Biker sind auf dem Motorradfestival von Otepaeae vertreten, werden von 2 Tagen Programm empfangen, das aus Livekonzerten, Wettbewerben, Ehrungen, einem Motorradcorso und einem Hillclimbing Event (das heisst, Enduros/Gelaendemaschinen versuchen einen schlammigen „Berg“ raufzuklettern) besteht. Fuer uns gilt nur ein Teil davon, denn wir muessen weiter nach Sueden, unsere Rueckreise wartet, so dass wir nur bis zum Nachmittag des ersten Tages bleiben koennen, fuer uns wird der Motorradcorso der Abschluss sein.

Doch erstmal heisst es ankommen und das findet ueber die naechsten 1 – 2 Stunden statt. Motorraeder und Motorradclubs aus Estland und Finnland ruecken an, teils mit modernen Motorraedern, teils mit roehrenden Maschine, teils mit nostalgischen Rasenmaehern. Unsere ersten Bekannten sind Finnen. Ein aelteres Paar, das mit seinem ebenfalls Motorradfahrenden Sohn unterwegs ist und uns sofort und unaufhoerlich ins Herz schliesst und ein Paar, dessen Tochter in Hamburg-Eppendorf lebt. Sie haben sie gerade besucht und sind jetzt ueber Prag nach Otepaeae gekommen (ist ja auch fast der direkte Weg…) und anschliessend wieder nach Finnland zurueckkehren werden.

Unser Motorrad steht auf einem asphaltierten Platz im Spalier, immer wieder neue reihen sich dort ein, andere verteilen sich auf den Wiesen und schlagen ihre Zelte auf, pumpen aufblasbare Sofas auf, Begleitfahrzeuge bringen Getraenke oder auch gleich einen Wohnwagen. Es gibt genug zu sehen, bis die Livekonzerte anfangen. Zuerst eine Hard Rock/Gruppe mit estnischen Liedern, dann eine mit englischen Texten. Die Ressonanz vor den Buehnen ist leider gering, die meisten tummeln sich bei ihren Zelten und Motorraedern…

In einem Land mit 0,0 Promille verlassen wir das Festival gegen 23:00 Uhr und fahren zurueck in unser Schloss Schreckenstein. Menschen sitzen draussen und Grillen – es wird ja nicht dunkel im Sommer in Estland – genial! – andere Menschen sind bei der Gartenarbeit – na, ich weiss doch nicht, ob ich das so genial finden wuerde…

Otepää Tour 2007, Tag 2
Der Morgen beginnt mit dem Laerm einer abreisenden Grossfamilie, die tatsaechlich das Schloss fuer eine private Feier am Abend davor gemietet hatte. Wir schaelen uns auch aus den knarzenden Bette, verzichten auf das Fruehstueck im Hotel, checken aus und fahren zum Motorradfestival.

Die Sonne steht fuer uns am Himmel, das Fruehstueck nehmen wir mit mehr oder weniger wachen Bikern auf dem Camingplatz ein. Manche sind schon im See des Campgrounds baden oder in der Sauna, andere machen sich frisch, einige liegen auch noch vor oder in ihren Zelten – wieder andere starten in kleinen Gruppen bereits zu Ausflugsfahrten durch die Ferienregion Otepaeae.

Nach dem Fruehstueck geniessen wir die Sonne, telefonieren mit meiner Mama zu ihrem Geburtstag und sind zu nervoes etwas zu verpassen und unter den ersten, die sich an der Strasse aufstellen. Ploetzlich Polizei, Begleitfahrzeuge – ein Radrennen – ich fasse es nicht – auch das Begleitmotorrad vom Vortag ist wieder dabei, haelt kurz bei den Organisatoren des Otepaeae MC und folgt dann wieder seinem Radlerfeld. Nachdem der Krankenwagen als Besenwagen durch ist, bevoelkern wir die Strasse.

Vor uns die Jungs vom veranstaltenden Otepaeae MC, neben uns ein finnisches Paar, hinter uns sammeln sich Zweierreihe um Zweierreihe Motorraeder. Auch fuer uns gibt es ein Polizeifahrzeug vorneweg, einen Krankenwagen hinterher und der Corso setzt sich in Bewegung. Mit 40km/h toeffeln wir durch die Landschaft aus Seen, Waelder und Feldern. Badegaeste stehen an der Strasse, winken, Autos werden von der Polizei durch ein kurzes Anwerfen der Sirene in den Graben geschoben, die Strasse gehoert uns! Bis zum suedwestlichsten asphaltierten Zipfel der Region geht es, wo auf einem grossen Parkplatz gewendet wird und es zurueckgeht. 500 Motorraeder (haben wir gehoert, nicht gezaehlt!) kommen uns in Zweierreihen entgegen, ziehen an uns vorbei, geben ein fantastisches Bild ab. Weiter geht der Corso an der West- und Ostseite des Sees entlang bis nach Otepaeae, wo wir auf den Rathausplatz einfahren. Ein zweigeschossiges Terrassencafe ist bereits von Bikern besiedelt, Motorraeder stehen davor, grosse Boxentuerme beschallen den Platz, auf dem sich die Motorraeder in Phalanx stellen. Durch unsere Startposition bekommen wir einen Stellplatz in der ersten Reihe und somit die Chance, auch jederzeit zu starten und unsere eigentliche Reise fortzusetzen.

Inzwischen ist es ueber Mittag, ein lustiges Sommerfest setzt sich in Gang, wir setzen uns auf die Dachterrasse des Cafes, Essen etwas zu ZZ Top-Musik und den ausfuehrlichen, estnischen und fuer uns unverstaendlichen Worten des Orgnisators. Auch der Buergermeister sagt ein paar Worte, ein Motorrad wird ausgezeichnet. Ob als schoenstes oder sauberstes wissen wir nicht, jedenfalls ist es ein blitzende und blinkende weisse (!) Harley…

Der Preis fuer den weitest angereisten Biker wird erst am Abend verliehen… an einem Abend, an dem wir nicht mehr hier sein werden, wir werden aus Otepaeae schon raus sein, werden durch die Hoelle von Cecis gegangen und schliesslich ein Bett fuer die Nacht gefunden haben… doch dazu spaeter mehr.

Erstmal goodbye Otepaeae, wir waren dabei beim 16. Biker meeting im Herzen Estlands und ein Aufkleber sowie mein neues T-Shirt ;-) werden dies beweisen.

Jens Freyler
Jens Freyler
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