Vom Cruisen zum Carven

Vom Cruisen zum Carven

Carver One, Ahrensburg, Deutschland„Was ist das denn für ein Ding?!“

„Das ist ja geil!“

„Bestimmt so ein Elektro-Concept-Car…“

In dem Moment wird die Ampel für die querende Straße grün, mir gehen die Augen über und Joachim und Ute auf der Maschine neben mir brechen in ungläubiges Gelächter aus.

Das muss ich mir merken, denke ich noch und brenne die Aufschrift auf dem merkwürdigen Gefährt in mein Gehirn ein.

Am nächsten Tag beginne ich Mails zu schreiben und komme der unglaublichen Geschichte langsam aber sicher auf die Spur.

Doch fangen wir von vorne an. Was „carven“ ist, wisst Ihr? Carven ist Ski fahren für welche, die es nicht richtig gelernt haben, Carver sind bedienungsfreundlich, bewegungsaktiv, schwungvoll und an jedermanns Füßen auf den Pisten dieser Welt. Wobei, nicht ganz an jedermanns… ich fahre noch mit „richtigen“ Skiern!

Was das Motorradfahren angeht, so cruise ich, bin mit meiner BMW R 1150 R auf den Straßen Norddeutschlands unterwegs und so auch am letzten Samstag, als ich mit Joachim und Ute auf Tour war. Am Zollenspieker Fährhaus, südlich von Hamburg, waren wir mit weiteren Bikern verabredet (und selbst wenn wir das nicht wären, würden dort Hunderte „auf uns“ warten), doch bis zur vereinbarten Zeit waren noch 1,5 Stunden Zeit. Also fahren wir nach Norden.

Auf der B 7 geht es stadtauswärts, dicker Verkehr wie an einem Samstag zu erwarten, Ampeln, die die Fahrfreude noch nicht so richtig aufkommen lassen. Und dann stehen wir an einer roten Ampel in Ahrensburg.

Carver One, PressefotoRechts von uns steht ein ungewöhnliches weißes Gefährt an der Ampel. Irgendwie sieht es aus, wie das Cockpit eines Segelfliegers, doch es hat Räder dran, vorne eins hinten zwei. Ja, ich weiß, so etwas nennt man Trike, doch wie ein Trike sieht es nicht aus. Es sieht aus wie…? Ja, es muss der Concept Car eine Elektroautos sein, irgendwas von Outer Space. Doch was da drin sitzt sieht menschlich aus. Die Fensterscheibe ist unten, der Fahrer weiß, dass wir ihn anstarren.

Seine Ampel wird grün, das was aufheult ist kein Elektromotor, das Gefährt stößt in die Kreuzung und dreht nach links. Ein Aufschrei als das Fahrzeug kippt, der Spiegel fast den Asphalt streift, ein Ellenbogen im Fenster hätte jetzt Schleifspuren. Doch der Fahrer grinst. Der Aufschrei kam von Ute, die das Ding hat stürzen sehen. Doch der Fahrer weiß, was sein Carver kann.

Carver One, PressefotoNoch am gleichen Abend suche ich die Firma raus, deren Aufdruck auf dem Carver prangte, glaube einen findigen Tüftler aus Ahrensburg vor mir zu haben, doch leider ist das Patent für dieses Wunderding, kein norddeutsches. Der Fahrer, den wir bewundert haben, ist nur sein Nutzer. Schnell erhalte ich Infos und Kontaktdaten von ihm, lerne, dass es ein Carver One ist, dass zwei holländische Luftfahrtingenieure es in den 90ern entwickelt haben (muss ich wohl die Anhängerkupplung übersehen haben) und 1997 das niederländische Straßenverkehrsamt dem dreirädrigen Wagen mit Neigetechnik die Straßenzulassung erteilte.

Und was ist das jetzt? Ein Auto oder ein Motorrad oder das gelungene Gegenbeispiel zu BMWs C1? Ich weiß es nicht, aber es zu Fahren muss ein Abenteuer sein, zumindest erhalte ich auf jede Frage nur schwärmerische Antworten. Und ich bin nicht der einzige, der es nicht weiß, denn das Gefährt muss man beispielsweise in Europa als Motorrad versichern aber kann es mit dem Autoführerschein fahren – während die US-Behörden es für ein Motorrad halten.

Carver One, Pressefoto

Auf jeden Fall ist es keine Stadt-Elektro-Schubse, denn es kann 185 km/h auf die Straße bringen und dass wir über Beschleunigung nicht diskutieren müssen, ist glaube ich auch offensichtlich. Und auch der Name „Carver“ ist berechtigt. Denn „Carven“ bedeutet, etwas in eine gewünschte Form bringen – und genau das macht der Carver One mit Kurven… denn Neigung ist die einzige natürliche Art um die Ecke zu kommen – entnehme ich einer Broschüre der holländischen Firma. Den Satz muss ich mir auf jeden Fall für meine Sozia merken ;-)

Wahrscheinlich bin ich der letzte Skifahrer, der noch nicht auf den Alpenpisten noch nicht carvt, aber vielleicht bin ich ein Cruiser, der in nächster Zeit mal einen Straßencarver ausprobieren muss…

Mehr Infos gibt es übrigens hier, bei Carver Worldwide.

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Jens Freyler
Jens Freyler
No Comments

Post A Comment

32 + = fünfunddreißig