BeirutStadt der demolierten Betonklötze

BeirutStadt der demolierten Betonklötze

Beirut SkylineKurz nachdem ich die Ankunftshalle des Flughafens verlassen hatte, sollte ich die berüchtigte Geschäftstüchtigkeit der Libanesen kennen lernen oder aber, wie man versucht, über unwissende Touristen an einen schnellen Dollar zu kommen.
Ein Haufen von Taxifahrern strömte auf mich zu, um mich an meinen Zielort zu bringen. Einer riß mir mehr oder weniger den Koffer aus der Hand und eilte zu seinem Wagen. Warum auch nicht, sagte ich mir, denn im Preis sollten sie sich nicht großartig voneinander unterscheiden. Ich landete schließlich in einem alten Mercedes, der so gelb, wie die Taxis in New York war. Nachdem ich dem Fahrer die Adresse meines Hotels angeben hatte, schaltete er das Taxameter ein und fuhr los, ohne mich ausreden zu lassen. Laut dem Reiseführer, den ich im Flieger gelesen hatte, sollte die Fahrt ins sieben Kilometer entfernte Zentrum ca. dreißig Dollar kosten. Doch wenngleich es im Reiseführer schon vermerkt ist, daß Beirut aufgrund der Bindung an den Dollar und der hohen Einfuhrzölle eine teure Stadt ist, war mir der Betrag einfach zu hoch. Es mußte einen günstigeren Weg geben ins Zentrum zu kommen.
Während er losfuhr, wollte ich mit ihm einen Preis vereinbaren und bot ihm fünfzehn Dollar für die Fahrt an. Er winkte ab, fuhr gleich darauf im Rückwärtsgang zum Taxistand zurück und drückte mir mit einem Murren den Koffer in die Hand. Eine Art Rädelsführer der Taxifahrer empfing mich und auf English fragte er: „Whats the problem?“ Nachdem ich ihm sagte, daß mir der Preis zu hoch war, nannte ich ihm den Preis, den ich für angemessen hielt. Daraufhin rief er einen anderen Taxifahrer heran, der wiederum einen weiteren Taxifahrer herbeiwinkte und kurz darauf saß ich mit zwei Taxifahren in einem anderen alten Mercedes. Zu dritt fuhren wir dann los. Ich fragte mich: „Was geht hier vor?.“

Nach zwei Kilometern machten wir an einem großen Parkplatz halt und stiegen aus. Wir schienen die einzigen Menschen auf diesem Parkplatz zu sein. Ich dachte zunächst, daß ich im nächsten Moment auf unangenehme Art und Weise einen harten Gegenstand an meinem Kopf spüren oder daß man mir eine Pistole vor die Nase halten würde, um mich auszurauben. Doch wir wechselten erneut einfach nur die Fahrzeuge. Mit dem zuerst erschienenen Taxifahrer stieg ich dann in einen anderen alten Mercedes, und wir fuhren los. Ich bereitete mich darauf vor, noch einmal die Fahrzeuge zu wechseln und hielt meinen kleinen Reisekoffer zum Aussteigen bereit auf dem Schoss, doch diesmal schien ich im endgültigen Fahrzeug zu sitzen. Anscheinend gibt es in diesem Land andere Strategien beim Taxifahren, von denen ich später noch weitere Details erfahren sollte.

Ich machte das Fenster auf, die Sonne schien, und es war heiss. Anfang Oktober, herrschten hier manchmal noch dreissig Grad. Eine gehörige Umstellung, wenn man aus dem regennassen, kühlen Europa kommt. Gleich nachdem wir die Ausfallstrasse zum Flughafen verlassen hatten, fiel mir ein imposantes Bauwerk auf, ein modernes Stadion. Es wurde im Zuge des Wiederaufbaus Beiruts neu aufgerichtet. Das alte wurde einst von der PLO als Wasserlager genutzt und fiel 1982 bei einem Angriff der Israelis zum Opfer . Auf der Fahrt zum Hotel fuhren wir an die für Beirut typischen Betonklötzen vorbei, welche ich aus Erinnerung an frühere Fernsehbericherstattungen über den Krieg im Libanon kannte. Betonklötze überall. An manchen sah man noch Einschusslöcher vom Krieg.

Im Hotel angekommen, war ich gerade dabei meinen Koffer auszupacken, als ich diesen allgegenwärtigen Gesang hörte, der durch die Betonklötze Beiruts schallte. Es war die Stimme eines Mannes, der, wie üblich zu dieser Tageszeit, in einer Moschee nach dem Koran betete. Nach einigen Minuten verstummte die Stimme wieder.

Nachdem ich mich einquartiert hatte, bin ich in Richtung Hamrastreet, der langen Einkaufsstrasse im Westteil der Stadt, gegangen. Auf dem Weg dorthin bemerkte ich, daß ich bei der Wahl meines Hotels nicht gerade einen Volltreffer gelandet hatte, denn ich mußte ein ganzes Stück durch Wohngebiete laufen und ich merkte, daß ich noch weit weg vom Zentrum entfernt war. Auf der anderen Seite hatte ich so die Gelegenheit zu sehen, wie man hier wohnt und die Unterschiede zum Westen waren enorm. Manche Häuser waren in einem so schlechten Zustand, daß ich mich fragte, wie man darin leben konnte. Man sah daran schnell, daß die Menschen hier fast zwanzig Jahre Krieg durchstehen mussten. Der Wiederaufbau der Stadt braucht Zeit.

Schließlich kam ich auf die Hamra, und nach ein paar Metern auf dieser Strasse wollte ich meinen Augen nicht trauen: Ein Starbucks-Cafe. Die scheint es, ähnlich wie McDonalds, mittlerweile überall auf dieser Welt zu geben. In diesem Cafe lernte ich eine Journalistin kennen, die, diesmal wollte ich meinen Ohren nicht trauen, perfekt deutsch sprach, was ich hier in Beirut als erste Bekanntschaft wahrhaftig nie erwartet hätte. Ich erfuhr, daß sie halb Deutsche, halb Tunesierin war und daß sie auf freiberuflicher Basis schon drei Monate in Beirut lebte. Mit ihrem Arabisch konnte sie jedoch, wie sie mir sagte, nicht viel anfangen, da man im Libanon einen Dialekt sprach, der für sie nur schwer verständlich war. Ich fragte sie aus, um ein wenig Licht in meine dunkle Unwissenheit über Beirut und dem Libanon hineinzubringen, denn von den Informationen aus meinem kleinen Reiseführer einmal abgesehen und der Tatsache, dass in diesem Land Christen und Moslems friedlich nebeneinander leben, wusste ich absolut nichts über dieses Land, für das ich jedoch immer schon eine unerklärliche Neugierde hatte.
Zum Ende unserer Unterhaltung empfahl sie mir einen abendlichen Spaziergang entlang der vielen Cafes um den Place de l`Etoile im Cartier `Serch El Nishmi,` wo sich die Reichen und Schönen Beiruts beäugeln.
Später hielt ich ein Taxi an und sagte: „Service, Place de L`Etoile?“ Der Taxifahrer schien den Zielort nicht recht zu kennen, winkte mich aber trotzdem zunächst einmal in seinen alten Mercedes herein. Sagt man im Libanon `service?` zum Taxifahrer und gibt dabei den gewünschten Zielort an, konnte man für 1000 libanesische Lira (knapp 1Dollar) zu seinem Zielort kommen, vorausgesetzt der Fahrer nickt mit dem Kopf , weil er sowieso schon auf dem Weg in die entsprechende Richtung ist. Sagt man `Taxi`, so läßt er das Taxameter laufen, und man muß den anfallenden Preis bezahlen. In Beirut gibt es keine U-Bahn und nahezu keine Busse. Der Transport wird von diesen Taxis übernommen. Meistens sitzen bereits schon andere Fahrgäste im Taxi und in meinem Fall saß ich neben einer jungen Frau, mit den oft in dieser Gegend des Orients anzutreffenden smaragd-grünen Katzenaugen. Sie sprach, wie die meisten Libanesen, perfekt französisch, und so kamen wir kurz ins Gespräch. Leider hatte sie nicht den gleichen Zielort wie ich, und nach ein paar Kilometern stieg sie mit einem `Au-revoir` aus dem Taxi.

Obwohl ich dem Taxifahrer meinen Zielort eindeutig auf der Stadtkarte gezeigt hatte, hatte er grosse Schwierigkeiten, mich direkt dorthin zu fahren. Er fuhr kreuz und quer, immer wieder hielt er an, um auf die Karte zu schauen, während ich mehr und mehr den Gedanken hegte, auszusteigen und meine Pläne für diesen Abend zu ändern.
Irgendwie schien der `Place de l`Etoile` doch nicht so bekannt zu sein (Hinterher erfuhr ich, daß dieser Teil der Stadt besser als `Serch El Nishmi` bekannt ist). Außerdem nahm er es mit `der Fahrt nach Vorschrift im Strassenverkehr` nicht so genau, eher verliess er sich auf seine intuitiven Fähigkeiten sich im Verkehr vorwärts zu bewegen, was mich in manchen Momenten verkrampft die Wagentür festhalten liess, weil ich um meine Gesundheit fürchtete. Umso größer wurde das Entsetzen bei der Vorstellung, hier in einem Krankenhaus zu landen. Andererseits beruhigte ich mich mit dem Gedanken, daß die Ärzte und Schwestern nach jahrelanger blutiger Kriegserfahrung ihr Handwerk sehr gut kennen mußten.
Als mich bei weiterer Fahrt zunehmend das Vertrauen in die intuitiven Fahrfertigkeiten des Fahrers verliess und der Schweiss mir aus allen Poren schoss, stieg ich erleichtert aus und änderte mein Vorhaben für den Abend.

Am nächsten Tag bin ich mit einem Service-Taxi zum `Place de l`Etoile` in downtown, dem Geschäftszentrum von Beirut gefahren, wo ich mich auf einen Kaffee niedergelassen habe. Dieses Geschäftszentrum lag noch bis vor ein paar Jahren nach 16 Jahren Bürgerkrieg in Schutt und Asche. Fast alle Gebäude waren nach jahrelangem Granatbeschuss und Bombenhagel so sehr beschädigt, daß sie nicht mehr zu retten waren. Mitten durch die City verlief zwischen Glockentürmen und Minaretten die «Grüne Linie», die Ost- und West-Beirut trennte: die Front zwischen Christen und Muslimen. Entlang der Damaskus Road zogen sich von Maschinengewehrfeuer und Granatbeschuss aufgerissene Fassaden und zerhackte Häuserfronten. Der Platz der Märtyrer, einst pulsierender Mittelpunkt der früheren Wirtschaftsmetropole des Nahen Ostens, war Trümmerfeld, in dem Archäologen heute dabei sind, die einer glanzvollen und bewegten Geschichte freizulegen: phönizische Grabkammern, römische Tempelstufen, byzantinische Mosaiken und Fundamente von Kreuzritteranlagen. Ein Plakat zeigt, wie das Stadtzentrum einmal aussehen soll: Eine mit dem Lineal gezogene Achse führt vom Denkmal der Märtyrer hin zum Meer. Architektur aus Beton, Stahl und Glas flankiert einen breiten, mit Bäumen begrünten Boulevard, auf dem die Menschen flanieren. Rechts und links der Promenade fliesst dreispurig der Verkehr. Grosszügige, den Champs-Elysées würdige Trottoirs begrenzen die Fahrbahn. Erblickt man die unzähligen Kräne und Baustellen im Umkreis, kann man erahnen, daß es nicht mehr so lange hin sein wird, bis die Pläne der Architekten realisiert sein werden. Beirut scheint auf dem besten Wege, den angestammten Platz als Finanzzentrum der arabischen Welt wieder einzunehmen.
An den Cafes um den Place de l`Etoile herum sieht man in jedem Falle schon, dass hier der Treffpunkt der Schönen und Reichen Beiruts ist. Frauen mit getönten Brillen und schweren Schmuck an Hals und Handgelenken, Männer mit Cartier- und Rolexuhren nahmen hier ihr Dejeuner ein. Auch der Preis des Kaffees ($4.00) bestärkte den Eindruck, dass dieser Ort exklusiv ist.

Auf dem Weg zurück zum Hotel kam ich am “ Grand Serail“ vorbei, in dem die Regierung ihren Sitz hat. Es ist ein riesiger, viereckiger Palast, der, nachdem er nahezu völlig zerstört worden war, seiner alten Form nach wieder komplett neu aufgebaut wurde und am scheinbar höchsten Punkt der Stadt das Stadtzentrum überragt. Ich ging weiter Richtung Westen zum Hotel und schlenderte durch Strassen, die weniger den neuen wirtschaftlichen Boom Libanons widerspiegelten. Mir wurde wieder einmal klar, daß es auf der Welt viele arme und viele reiche Menschen gibt. Nachdem ich weitere Strassen durchgangen war, wußte ich nicht mehr, wo ich genau war. Bevor ich in eine Gegend landete, vor der Reiseführer abrieten zu betreten, winkte ich ein Taxi herbei und ließ mich zum Hotel fahren.

Am nächsten Morgen nahm ich ein Taxi, um zum populären Schwimmbad „St-Georges“ zu fahren. Der Fahrer des Taxis erzählte mir auf Englisch stolz, daß er mit 23 Jahren schon 15 Jobs hatte und daß er in der Schule im Englischunterricht nie was verstanden hatte, dafür aber jetzt recht gut Englisch sprach, wie ich fand, auch wenn er in manchen Momenten das Lenkrad losließ, um für Erklärungen seine Hände zu gebrauchen, was mich wieder einmal um meine Gesundheit bangen liess. Er war, wie viele andere Libanesen, die ich später noch kennenlernte, sehr offen, kommunikationsfreudig und freundlich. Viele gaben mir ihre Hand oder klopften mir freundschaftlich auf die Schulter. Ein Lächeln gab es jedenfalls immer. Das gefiel mir.

Im Schwimmbad angekommen mußte ich zunächst einen Schock überwinden. Der Kassierer verlangte 20.000 lira(14 Dollar) als Eintritt. Ich überlegte, nicht doch wieder kehrt zu machen und mich nach einem anderen Schwimmbad umzusehen, denn von diesen Strandbädern gab es ein Dutzend an der Küste Beiruts. Doch woher sollte ich wissen, ob die anderen Strandbäder nicht gleich teuer oder gar teurer waren ? So blieb ich und übergab dem Kassierer mit einem Gesichtsausdruck grösster Üerwindung das Eintrittsgeld.
Es war noch sehr früh am Morgen und ich war der erste Gast in diesem Bad. Ich dachte kurz, ob ich angesichts der Eintrittspreise auch gleichzeitig der letzte sein würde. Doch mit den Mercedessen auf den Strassen und dem Apartmenthäusern entlang der „Corniche„ (die Uferstrasse) dachte ich wiederum, daß die Zahlung eines Eintrittsgeldes in dieser Höhe nicht wenigen Menschen in Beirut eher leicht fallen würde.
Im Innern des Schwimmbades war ich dann ein wenig enttäuscht: ich hatte ein großes Becken, mit einem Zugang zum Meer erwartet, doch stattdessen mußte ich mit einem eher kleinen Becken vorlieb nehmen. Die Anlage der Badeanstalt war im Gegensatz zum Becken groß und bot vielen Menschen eine Liegefläche. Sollte hier einmal viel los sein, würde es schwierig sein in Ruhe seine Bahnen ziehen zu können.
Auf dem Rückweg zum Hotel ging ich die Strandpromenade entlang, die an Wochenenden ein Treffpunkt für ganz Beirut ist. Die betonierte Strandpromenade erhob sich ca. 6 Meter über den Meeresspiegel.

Die Wand zum Wasser ging steil nach unten. An dessen unterem Ende schloss sich eine zwei Meter breite Betonierung an, von dem aus die Angler ihre Ruten ins Meer warfen. Mit einem leichten Schrecken sah ich, daß ein nur etwa vierzig Zentimeter hohes Stahlgeländer die Strandpromenade von der unteren Betonierung trennte. Am Abend zuvor ,als mich dieser orientierungslose Taxifahrer hier entlang fuhr, sah ich, daß sich hier viele Menschen in Gruppen tummelten, grillten, Musik hörten, tanzten, Feuer schluckten, und herumalberten. Teilweise war auch Alkohol im Spiel. Sollte ich hier irgendwann einmal, unter irgendwelchen Umständen zu einem Grillfest eingeladen sein, so würde ich bemüht sein, nüchtern zu bleiben und mich von diesem Geländer fernzuhalten. In Deutschland, dachte ich mir, hätte man hier schon eine mindestens bis zum Bauch reichende Absperrung hingebaut.

Ein Kilometer weiter entlang der Strandpromenade, ragten ein paar Felsen ins Meer hinaus, von denen aus die jungen Männer Beiruts ihr Strandbad nahmen. Sie scherzten und lachten viel. Mir fiel auf, daß ich weit und breit kein Mädchen sah, das im Meer badete.
Der Küstenstreifen entlang des offenen Meeres schien die Badeanstalt für die eher armen Bewohner der Stadt zu sein, während Touristen und wohlhabende Libanesen sich in den vielen geschlossenen Strandbädern einfanden.

Am Abend hat mir mein libanesischer Bekannter, Dimitri, ein wenig die Teile der Stadt gezeigt, die ich bisher noch nicht gesehen hatte. Insbesondere den Ostteil der Stadt, der zumeist christlich war und Downtown, das während des Krieges (1976-91)fast völlig zerstört wurde.
Im Stadtteil Achrafieh, findet man noch alte, palastähnliche Villen, von denen während des Krieges viele zerstört wurden. Ich mußte zugeben, einige der Villen sind von atemberaubender, architektonischer Schönheit, gebaut im maurisch-mediterranen Stil. Hier findet man auch das Museum „Nickolay Sursock“ (rue Sursock), benannt nach dem gleichnamigen. Einer der ehemals reichen Aristokraten Beiruts. Es war früher sein Wohnhaus, heute ist es ein Kunstmuseum. Im Musee Sursock sind Kollektionen japanischer Briefmarken ausgestellt und zahlreiche Werke islamischer Kunst. Der Stadtteil „Achrafieh“, ist der Wohnort „par excellence“ orthodoxer Christen. Nicht weit, um die Avenue Charles Malek herum, findet man ein Einkaufsviertel mit exquisiten Boutiquen. Die in der Nähe liegende Strasse der großen Banken („Rue des Banques“) ist die einzige, die seltsamerweise von den Granaten und Bomben des Krieges völlig verschont wurde. Angeblich haben die Banken alle kriegsteilnehmenden Parteien in zufriedenstellenden Summen ausgezahlt, um als Zielscheibe ausgeschlossen zu werden..

Ich verabschiedete mich von Dimitri und ließ mich am „Place de l`Etoile“ nieder, um ein wenig die Leute zu beobachten während mir ein vielfältiger Geruch von Wasserpfeifenrauch unter die Nase strömte. Wasserpfeiferauchen scheint in diesem Land eine beliebte Freizeitbeschäftigung zu sein.
Ich muß gestehen, die Frauen Libanons sind in der Tat außergewöhnlich, was die Erscheinung anbetrifft. Man sieht alle möglichen Typen und Haarfarben: von blond bis dunkel, rot-braun und schwarz; von blauen Augen, zu smaragd-grün, grau-braun bis hin zu schwarzen Augen. Es gibt Frauen mit sehr bedeckter Kleidung, wie es im Islam üblich ist und solche mit äußerst knapper Bekleidung, wie es im Westen nicht unüblich ist. Kurz gesagt, es gab alle möglichen Modererscheinungen, bei denen jeder seinen eigenen Stil hatte.Augenfällig war, daß an vielen Gliedern der Gold- und Silberschmuck nur so glänzte. Weiterhin augenfällig: bei vielen Frauen schienen auch Silikoneinlagen in Mode gekommen zu sein oder aber der Libanon ist das Land im Orient, in dem die weibliche Oberweite auf natürliche Weise überdurchschnittlich geraten ist. Immer mehr merkte ich, daß der Libanon dem Westen ähnlicher ist als man annehmen würde.

Am Morgen des Abflugtages bin ich dann doch nicht ins Schwimmbad „La Plage“ gegangen, weil die See zu rauh war. Ich wollte ohne irgendwelche unangenehmen Zwischenfälle sicher die Fahrt zum Flughafen antreten. Jedoch wollte ich unbedingt noch schwimmen. Ich hatte am Abend zuvor ein paar Drinks in der Hotelbar zu mir genommen und dachte mir, daß ein paar Bahnen schwimmen im kühlen Wasser meinem etwas über Schmerzen klagenden Kopf erfrischend gut tun würde. Der Concierge-Angestellte meines Hotels empfahl mir das `Hotel Riviera`, weil es dort ein großes Freiluft-Schwimmbad gab.
Das Schwimmbad zu dieser Stunde war noch recht leer als ich dort ankam. Nachdem ich meine Bahnen geschwommen und ich es mir auf einer Liege zum Sonnenbaden gemütlich gemacht hatte, sprach mich einer ältere Libanesin an, die auch Gast im Schwimmbad war. Es schien, als wenn sie täglich in dieses Schwimmbad kam, denn sie war stark gebräunt.
Ihrer mit kleinen Brillanten bestückten Brille sah man an, daß sie zu der wohlhabenderen Gesellschaftsschicht im Libanon gehören mußte. Sie lud mich auf einen Kaffee ein und wir plauderten gemütlich, während sie sich eine Zigarette nach der anderen anzündete. Zu meiner Freude stellte ich fest, daß auch die Frauen im Libanon äußerst kontaktfreudig sind. Aus Ihren Worten konnte ich schließen, daß sie in der Tat eine wohlhabende Libanesin war, die, wie viele andere in diesem Land, ihren Mann im Krieg verloren hatte.
Schließlich verabschiedete ich mich, weil es Zeit war, zum Hotel zurückzufahren, von wo aus ich ein Taxi zum Flughafen nahm.

Drei Tage waren zu kurz. Sicherlich werde ich zurückkommen.

Marc.Fangerau
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