Indian SummerIn den Neuengland-Staat & New York

Indian SummerIn den Neuengland-Staat & New York

Indian SummerVorbereitung + Planung

Die Planung unserer Reise in den Indian Summer erfolgt anders als unsere sonst üblichen Reisevorbereitungen. In diesem Jahr fehlt uns aus verschiedenen Gründen die Zeit, uns mit intensiven Planungen zu beschäftigen. Deswegen buchen wir für Mai eine 14-tägige Thailand-Rundreise.

Im Herbst des Jahres juckt es uns dann aber doch unter den Nägeln. Wir wollen noch einmal auf Individualreisepfaden wandern und überlegen uns, wo man mit einem günstigen Flug hingelangen und einfach reisen kann.

Die Überlegung fällt nicht schwer. Reisen ist nirgendwo so einfach wie in den USA und die Flugpreise an die amerikanische Ostküste sind fair. Der Sunshine State Florida hat uns noch nie gereizt obwohl das Klima im Herbst bestimmt angenehm wäre. New York zählt auch zu den günstigen Destinations. Was gibt es im Herbst in der Nähe des Big Apple ?

Den Indian Summer und die Neuenglandstaaten ! Unsere Reise soll am 30. Oktober starten, was für den Indian Summer eigentlich etwas spät ist, doch das Glück soll uns mit einem späten Wintereinbruch zur Seite stehen.

Mit nur drei Wochen Vorlaufzeit geht es los. Über den Internet-Infoflyway der Lufthansa buchen wir für knapp 300 Euro pro Person (zzgl. Steuer) unsere Flüge nach Newark und verdienen uns mit der Online-Buchung noch ein paar Extra-Meilen. Mietwagen und eine Bleibe in New York sind schwieriger. Wie immer, wenn wir einen Mietwagen suchen, wälzen wir bergeweise Kataloge und sind ganz erstaunt, als wir feststellen, daß zum ersten Mal Hertz (gebucht über CA Fern) die Nase mit den günstigsten Konditionen vorn hat.

Günstige Übernachtungsmöglichkeiten in New York gibt es dagegen per Definition nicht. Wieder greifen wir bei CA Fern zu mit der Buchung von 4 Nächten im West Side Y, einer Jugendherberge mit guter Lage in Centralpark-/Broadway-Nähe. Für den Preis von knapp 75 Euro pro Zimmer/Nacht kann man fast an jedem Ort der USA einiges erwarten – in New York darf man dankbar sein, ein tockenes Bett zu finden …

Unser bewährter Aral-Reiseführer wird ausgepackt, der Baedeker „USA Nordosten“ und ein kleiner New York-Führer für die Hosentasche dazugekauft. Drei Wochen lang werden Zugfahrten und Abende genutzt, um eine Reiseroute festzulegen, die uns den Indian Summer in den Neuenglandstaaten zeigen soll …

Happy HalloweenHappy Halloween
Tag 1 : Newark – Princeton

Eine Lufthansa-Maschine bringt uns von Hamburg nach Frankfurt und trägt uns von dort aus weiter nach Newark, einem Flughafen westlich der amerikanischen Metropole New York. Mit Hertz haben wir diesmal aus preislichen und organisatorischen Gründen den dritten der großen Mietwagenanbieter gewählt, der uns mit einem Toyota Corolla erwartet. Das beige Auto zeigt sich als Automatikwagen und verfügt leider nicht einmal über einen Tempomat – eigentlich eine Standardausstattung in den USA.

Aber es fährt und das ist uns im Moment das Wichtigste, da wir vor Einbruch der Dunkelheit aus der Großstadt herauskommen wollen. Doch der späte Oktober macht uns einen Strich durch die Rechnung. Nachdem wir uns mit dem Auto und dem dürftigen Kartenmaterial vertraut gemacht haben und das Parkdeck verlassen, scheint die Nacht schon begonnen zu haben – und zwar eine ganz besondere Nacht.

Durch die Ausläufer von Newark machen wir uns Richtung Süden auf den Weg. Die blauen Letter von IKEA sind das erste, was uns vertraut vorkommt, was wir aber in den Staaten bestimmt nicht erwartet hätten. Aber trotz dieser Irreführung merken wir auch in der Dunkelheit, daß wir in den USA sind. Neonreklamen für kleine Werkstätten und Läden prägen die Straßenseiten, Fast Food blinkt uns immer wieder an.

Wir wechseln bei der nächsten Möglichkeit auf die Route 1 und fahren weiter auf der vierspurigen Straße nach Süden. Die Häuser ziehen sich von der Straße zurück und Motels sind die einzigen Lichter, die gelegentlich auftauchen. Viele davon verkünden auf großen Tafeln ihre Preise und wir fragen uns, ob die Umgebung von New York so teuer ist, oder die Preise seit unserer letzten USA-Reise so stark gestiegen sind – auch ohne den Dollarkurs zu berücksichtigen. Universitätsgelände von Princeton

Princeton soll der Stop für unsere erste Nacht sein. Obwohl die kleine Stadt nicht groß in unseren Reiseführern vermerkt ist, bietet sie sich aufgrund des bekannten Namens und der erreichbaren Lage zwischen New York und Philadelphia als Übernachtungsort an. Princeton ist vor allem bekannt durch die Universität, an der auch Albert Einstein 22 Jahre seines Lebens verbrachte.

Die Universitätsgebäude sind auch das, was die Stadt dominiert. Im Dunkel fahren wir in die Stadt und suchen zwischen den großen, altehrwürdigen Gebäuden einen Hinweis auf eine Unterkunft. Schnell gelangen wir in den Kern des Städtchens, folgen etwas der Hauptstraße und biegen dann wieder rechts in eine größere Straße ein.

Eine Unterkunft finden wir allerdings nicht. Vielmehr eine Einfamilienhaus-Siedlung und Horden von Kindern, die in den verrücktesten Kostümen durch die Straßen ziehen. Leuchtende Kürbisse warten in den meisten Hauseingängen auf sie. Es ist der 31.10. – Halloween !

Wir sind fasziniert von der Stimmung, haben die Suche nach einem Motel längst vergessen und fahren mit heruntergekurbelten Scheiben durch die laue Nachtluft. Aus allen Richtungen können wir Gesangsfetzen und Kindergeschrei aufschnappen, Kürbisse leuchten uns entgegen, Hexen und Stimmen werden von Bewegungsmeldern gesteuert und bewegen sich oder lachen höllisch, wenn wir uns mit dem Fotoapparat nähern und immer wieder sehen wir Kindergruppen mit schon prall gefüllten Süßigkeitentüten.

Ein Haus erregt besonders unsere Neugierde. Die große Veranda und ein daneben geparktes Cabrio sind überfüllt mit Hexen und Monstern, King Kong-Figuren, Teufeln, Raben und Warnschildern. So erfolgreich abschreckend es vielleicht bei Kindern wirken mag, so interesseweckend wirkt es auf Erwachsene. Einige Gäste haben sich bereits im Vorgarten versammelt und unterhalten sich mit den Inhabern. Auch wir stoßen dazu und werden nach der üblichen Frage (wir sind wieder in Amerika!), woher wir denn kommen mit großem Hello begrüßt. Die Frage, ob wir extra wegen Halloween gekommen wären, wagen wir nicht wahrheitsgemäß zu beantworten und unterhalten uns nett mit den Einheimischen. Von Flohmärkten hat der Besitzer all diese lebensgroßen Tiere und Monster gesammelt und vereint jedes Jahr mehr von ihnen zu einer privaten Halloween-Ausstellung.

Wir verabschieden uns schließlich mit dem Hinweis, daß wir weiter müssen und dummerweise ohne nach einer Unterkunft zu fragen. Uns stört es allerdings auch nicht, weiter durch die Straßen zu fahren und Ausschau zu halten. Letztendlich erkunden wir so viele Ecken von Princeton bei Nacht, ohne jedoch fündig zu werden.

Was wir leider auch nicht finden in der Studentenstadt ist ein Hinweis auf eine Halloween-Party, bei der wir diesen glücklichen Zeitpunkt feiern können.

Ein anderer Weg zurück zur Route 1 ist die letzte Hoffnung, die wir haben, bevor wir wieder ein Stück zurück nach Newark fahren und das letzte Motel aufsuchen, daß wir auf dem Weg nach Princeton passiert haben. Ein A-1 Motel, wobei sich schnell zeigt, daß A-1 etwas anderes als 1A bedeuten muß.

Als das Halloween-Fieber bei uns nachläßt merken wir, daß wir schon mehr als 24 Stunden in den Knochen haben und wir lassen uns auf die Betten fallen und schlafen ein.

Jens Freyler
Jens Freyler
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