Singen, tanzen, spielen – Im Park herrscht reges Leben

Singen, tanzen, spielen – Im Park herrscht reges Leben

Es gibt kaum etwas Langweiligeres, als Reiseberichte mit dem Hinflug zu beginnen. Wenn ich es trotzdem tue, dann nur, weil mein Hinflug bereits gewisse Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Chinesen deutlich machte: Neben mir saß ein Herr mittleren Alters, der sich schon vor dem Start des Air-China-Jumbos Schuhe und Socken von den Füßen streifte, seine farbstoff-geschwängerte Dauerwurst aus dem Handgepäck holte und so lange gegeneinander drehte, bis die rote Plastikverpackung platzte. Dann bot er mir ein Stück des verdrehten Fleischersatzes an. Unter Verweis auf das baldige Abendessen lehnte ich ab.

Ein paar Reihen weiter legte sich ein Chinese über drei Sitze des rappelvollen Flugzeugs. Seine zwei Mitreisenden verbrachten fast die ganze Nacht im Stehen. Vermutlich handelte es sich um einen Vorgesetzten und seine Angestellten. Selbst, wenn mir eines Tages die Ehre zuteil würde, im Flugzeug neben meinem Chefredakteur zu sitzen – ich käme vermutlich nicht auf die Idee, ihm meinem Platz anzubieten und im Stehen weiterzufliegen.

Lebhaftes Peking

Lebhaftes Peking

Nach neun Stunden landeten wir in Peking. Nur allzu gerne hätte ich mir eine Dusche gegönnt und mich ein bisschen auf’s Ohr gelegt, aber unser Reiseveranstalter hatte Besseres mit uns vor: Man teilte uns in vier Gruppen ein und drückte uns ein Navigationsgerät in die Hand. Dann bekamen wir die genauen Koordinaten von 18 Stellen in der Stadt und eine Liste mit 18 Bildern, die dort geschossen wurden. Unsere Aufgabe war es, zunächst die betreffenden Orte ausfindig zu machen, dann die entsprechenden Motive dort finden, um sie schließlich auf Fotos festzuhalten.

Im Gegensatz zu den anderen war ich zunächst wenig begeistert von dem Spiel – denn bei allem, was mit Technik zu tun hat, bin ich erst einmal skeptisch. Je länger die Sache dauerte, desto mehr merkte aber auch ich, dass sich die moderne Schnitzeljagd hervorragend eignete, um die Stadt kennenzulernen. Vorbei an bunten Tempeln und Türmen und durch enge Gassen laufend, erkundeten wir die Stadt und suchten nach unseren Motiven. Beim Spiel landeten wir abgeschlagen auf dem letzten Platz, Spaß gemacht hat es trotzdem.

Das gilt auch für das Essen am Abend. Nachdem wir uns im Hotel kurz frisch gemacht hatten, gingen wir mit unseren Reiseführern in ein chinesisches Restaurant und labten uns am “Feuertopf”. Direkt vor unseren Nasen standen auf Bunsenbrennern kleine Töpfe mit einer brodelnden Brühe, in die wir all das werfen durften, was auf unserem Tisch stand – von Bambusspitzen und Brokkoli, über Fisch und Fleisch, bis hin zu Krabben und Quallen war alles dabei. Es schmeckte hervorragend.

Am nächsten Tag standen wir schon wieder um sechs Uhr auf. Programmpunkt: Peking mit dem Rad erkunden. Am Gefährlichsten waren dabei nicht die Autos, sondern die vielen Elektroroller, die sich lautlos von hinten anpirschten und uns einige Male sehr nahe kamen. Unter der sicheren Führung unseres chinesischen Reiseführers (der aufgrund seines schwierig auszusprechenden Vornamens mit Markus angesprochen werden möchte), schafften wir es aber unversehrt bis zum Kohlehügel, an dem einst die Heizkohle für die Verbotene Stadt, die Residenz des einstigen Kaisers und seiner 7000 Konkubinen, gebunkert wurde.

An der Chinesischen Mauer

An der Chinesischen Mauer

Heute treiben dort in erster Linie Senioren allerlei Bewegungsspiele oder treffen sich zum Tanzen und Singen. Beeindruckend waren vor allem die Inbrunst und die Lautstärke, mit der die Menschen in ihren Liedern nach wie vor dem “Vorsitzenden” Mao huldigten. Vom höchsten Punkt des Hügels mit seiner Buddha-Statue hatten wir einen hervorragenden Blick auf die einst verbotene Stadt, die wir etwas später auch direkt erkundeten.

Unbestreitbarer Höhepunkt des Tages aber war der Ausflug zur Chinesischen Mauer. Der Aufstieg war extrem anstrengend, der anschließende Ausblick und das Glas Rotwein bei Sonnenuntergang waren die Strapazen aber allemal wert.

Mehr Infos: www.elementsofchina.de

Meiko Haselhorst
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