Freche Affen, tote Hunde und fleißige Fische

Freche Affen, tote Hunde und fleißige Fische

Die letzten Tage waren spannend und ereignisreich. Chongqing (gesprochen Tschong-Tsching) war mir vorher nicht bekannt. Jetzt weiß ich, dass es sich um eine Millionenstadt mit drei Flughäfen und einer Unmenge von Wolkenkratzern handelt, eine etwas kleinere Kopie von Hongkong. Unser Hotel hat 30 Stockwerke, ich bin ganz froh, dass ich nur im 14. wohne.

Nach einer kurzen Nacht haben wir uns schon am Morgen wieder von dannen gemacht – im kleinen Dorf Pian Yan wollten wir auf einem Bauernhof übernachten. Davor stand noch eine Wanderung durch den Nationalpark-Park von Jin Dao Xia, der durch seine engen Schluchten und Wasserfälle besticht, auf dem Programm. Die Wanderung war klasse. Nach all den urbanen Impressionen tat es sehr gut, mal wieder in der Natur zu sein. Im Gegensatz zur Kletterei auf der chinesischen Mauer (ich musste die Treppe am Ende rückwaerts heruntergehen) bereitete mir mein Knie keine Probleme. Die hatte ich nur mit den frei herumturnenden Makaken, die mir an einer Stelle überm Fluss doch glatt meinen Apfel aus der Hand klauten.

Auch dem Chef machts Spaß...

Auch dem Chef machts Spaß…

Etwas überrascht war die Gruppe bei Ankunft auf dem angekündigten Bauernhof: Er lag inmitten einer kleinen Stadt und war eher ein sehr einfaches Hotel, als ein Bauernhof. Kühe, Schweine oder Hühner konnten wir jedenfalls keine ausmachen. Dafür einen ziemlich strengen Toilettengeruch auf allen Zimmern. Einige hatten auch muffige Bettwäsche und schimmelige Wände zu beklagen. Unserem hervorragenden Reiseführer Markus muss bei der Planung irgendein Fehler unterlaufen sein. Aber dafür ist es ja eine Pilotreise. Um das beste aus der Situation zu machen, holten wir nach dem Abendbrot die Spielkarten raus und leerten innerhalb einer guten Stunde etliche Flaschen Rotwein, Reisschnaps und Bier. Nach einer kurzen aber reichlich lauten Phase – in der Markus sogar noch ein paar Silvesterraketen in den chinesischen Himmel schickte – gingen wir in unsere Betten.

Offenbar hatten wir es mit dem Feiern ein wenig übertrieben: Beim Aufstehen hatte ich fürchterliche Kopfschmerzen. Am Frühstueckstisch erfuhr ich, dass sich diverse Nachbarn beim Hotelbesitzer über unsere Lieder beschwert hatten. Markus hatte ihm daraufhin eine Stange Zigaretten gekauft, die der Mann nun als Wiedergutmachung eifrig unter die Leute brachte. Wahrscheinlich waren die Menschen glücklicher ueber unseren Abschied, als wir selbst.

Nach einem interessanten Besuch auf einem Bauernmarkt (mit Schlangen in Gläsern, zum Verzehr angebotenen Hunden und allem, was dazugehört) kamen wir zwei Stunden später in eine ganz andere Welt: Der Besuch in einem Wellness-Bad vor den Toren Chongqings war mehr als eine Entschädigung für die vorangegangene Nacht. Zahllose Heilwasser-Becken mit Badezusaetzen von Rosenblättern bis Rotwein, Entspannungsmusik und einem ausgenommen aufmerksamen Personal gaben uns das Gefühl, Tausende von Kilometern überbrückt zu haben. Einige gingen in die Sauna, andere gönnten sich eine Massage. Mein persönlicher Favorit: Das Becken mit den Heerscharen von Fischen, die einem die überflüssigen Gewebereste von der Haut knabberten.

Einen Tag später waren die Buddha-Statuen von Dazu, seit einigen Jahren Unesco-Weltkultur-Erbe, an der Reihe. Nach einer dreistündigen Busfahrt war für die Besichtigung leider nur noch eine gute Stunde veranschlagt worden. Die meisten – auch ich – waren der Meinung, dass die in einem verwunschenen Wald liegende kaiserliche Meditationsstätte aus dem 12. Jahrhundert einen ganzen Tag wert gewesen wäre. Auf dem Rückweg nach Chongquing entbrannte dann eine Diskussion darüber, wie eine Mischung aus Gruppen- und Individualreise a la „Elements of China“ auszusehen habe. Einige wollten verbindlichere Ansagen, andere mehr Freiheiten. Die meisten sind mit diesem neuen Konzept aber ziemlich zufrieden – ich auch.

So richtig gut wurde die Stimmung dann wieder, als Felix, einer unserer Mitreisenden, einen Anruf aus der Wäscherei bekam: „Sollen wir die Löcher in ihrer Hose gleich mitflicken?“ Alle Mitreisenden fanden das sehr witzig. Nur Felix nicht, der hatte Angst um seine Designer-Jeans.

Mehr Infos: www.elementsofchina.de

Meiko Haselhorst
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