Eine zauberhafte Flussfahrt auf dem Li

Eine zauberhafte Flussfahrt auf dem Li

Morgens haben wir in Chongqing unsere Koffer gepackt und sind nach Guilin geflogen. Dass dieser Ort noch ein ganzes Stück weiter südlich von Chongqing liegt, haben wir schnell gemerkt: Schon am Flughafen haben wir unsere Jacken ausgezogen – als wir auf dem Weg zum Hotel Station an einer großen Tropfsteinhöhle machten, zogen wir auch die Pullover aus. Die Höhle selbst war uns mit ihrer bunten Beleuchtung eine Spur zu kitschig.

Umso angetaner waren wir dann von unserem Hotel mit Blick auf den Li-Fluss und vor allem von der Stadt Guilin. Eine Schande, dass meine Kamera ihren Geist aufgegeben hat – auf unserer Fahrradtour am Nachmittag gab es in dieser hochinteressanten und subtropischen Stadt zahlreiche lohnende Fotomotive. Vor allem der Fluss mit seinen kleinen Fischer- und Hausbooten hat es mir angetan. Meine Kamera gab ich bei Reiseführer Markus zur Reparatur ab, große Hoffnung, dass sein Bekannter das Problem in den Griff kriegt, hatte ich allerdings nicht.

Abends sind einige von uns mit Markus über den Markt gegangen und an einem beleuchteten Seitenarm des Li-Flusses entlangspaziert. Die Szenerie erinnerte ein wenig an Paris. Ein großer Unterschied zur französischen Hauptstadt sind allerdings die zahlreichen Massage-Salons – Markus hat uns erklärt, dass dort auch Massagen der ganz speziellen Art angeboten werden. Man sollte sich, so Markus, dabei aber nicht von der Polizei erwischen lassen, Prostitution sei in China illegal. Wir verzichteten lieber ganz.

Boat on a river... Guilin

Boat on a river… Guilin

Am nächsten Tag haben wir eine etwa vierstündige Flussfahrt auf dem Li unternommen. Eine Fahrt durch eine zauberhafte Landschaft aus unzähligen Karsthügeln, die teilweise wie Phallus-Symbole in den Himmel ragen. Leider waren wir nicht die einzigen Touristen: Die Schiffe reihten sich auf dem Fluss wie Perlen an einer Halskette – das nahm der Sache ein wenig ihren Reiz.

Unser Ziel hieß Yangshuo, eine sehr touristisch geprägte Stadt mit einem Hauch von Thailand oder Vietnam, in der uns auch einige Backpacker entgegenkamen. Während sich ein Großteil unserer Gruppe auf die bereitgestellten Fahrräder schwang, war ich so müde, dass ich mich erstmal hinlegen musste. Vorher sollte ich aber noch eine dicke Überraschung erleben: Markus‘ Bekannter hatte doch tatsächlich meine Kamera repariert, für umgerechnet gerade mal 50 Euro. Markus – ein Reiseleiter für alle Fälle.

Nach meinem Mittagsschläfchen habe ich zu Fuß die Stadt erkundet und ein bisschen gegessen. Abends haben wir eine außergewöhnliche Theatervorstellung besucht, in der der Fluss die Bühne war und die angestrahlten Karstberge im Hintergrund die Kulisse. Sehr beeindruckend. Erzählt wurde die Geschichte der Bauern und Fischer der Umgebung, alles in Form von Gesang und Tanz – und natürlich auf Chinesisch. Ein weitere Besonderheit: Ein Großteil der 600 Darsteller sind tatsächlich Bauern und Fischer aus den umliegenden Dörfern, die für ihr zweimonatiges Engagement auch im Theater-Komplex wohnen und auf den Feldern oder im Wasser von ihren Nachbarn und Kollegen vertreten werden. Künstlerisch und organisatorisch eine herausragende Leistung.

Was uns alle überraschte: Die Vorstellung war noch nicht ganz beendet, da gingen die weit über 1000 Zuschauer einfach nach Hause. Wir waren die einzigen, die begeistert klatschten. „Applaus ist in China nicht üblich“, lautete der lapidare Kommentar von Reiseleiter Markus.

Einen Tag später haben wir uns auf den Weg zu den Reisterrassen von Longsheng gemacht. Dort wollten wir eine Nacht in einer einfachen Unterkunft in einem Bergdorf verbringen. Die Bauern dieser Gegend haben vor über 2000 Jahren damit begonnen, den Schlamm vom Fluss mit Eseln die einst steinigen Berge hinaufzutragen, um dort ihre Terrassen anzulegen und Reis anzubauen. Eine phänomenale Leistung, die man noch höher einzuschätzen weiß, wenn man den Berg selbst heraufgekraxelt ist. Wir haben das getan und befinden uns nun in 1060 Metern Höhe in einer Pension, die komplett ais Eibenholz besteht. Wir haben eine Superaussicht auf die Reisterrassen, der Himmel ist klar, der Vollmond ist aufgegangen, es ist empfindlich kalt. Gleich werden wir gemeinsam kochen, danach werden wir noch ein paar Gläser trinken. Reisschnaps – versteht sich von selbst.

Mehr Infos: www.elementsofchina.de

Meiko Haselhorst
No Comments

Post A Comment

− one = one