Eine dekadente Nacht im schillernden Shanghai

Eine dekadente Nacht im schillernden Shanghai

Wer aus den Bergen von Longsheng direkt in die Millionen-Metropole Shanghai wechselt, läuft Gefahr, sich im Bus die Nase am Fenster platt zu drücken. Unzählige Wolkenkratzer, Beleuchtungen, Autos und gigantische Stadt-Autobahnen empfingen uns, als wir vom Flughafen ins Hotel fuhren. Dort bekamen wir unsere Münder dann erst recht nicht mehr zu: Das „Puli“ ist Designerhotel und Spa-Bad in einem. Schon die riesige Rezeption mit integrierter Bar und Bibliothek flößten uns Respekt ein. Der sollte dann noch größer werden, als wir in unsere Zimmer gingen.

Als ich meinen Raum im 12. Stock betrat, setzte ich mich in voller Montur in die leere Badewanne und genoß von dort den Ausblick durch die komplett verglaste Wand auf die nächtliche City. Erst nach einigen Minuten der Ehrfurcht fiel mir auf, dass sich auch der Rest des Zimmers durchaus sehen lassen konnte und ich schon ein Weilchen mit Entspannungsmusik berieselt wurde. Ich konnte nicht anders, als mir eine sündhaft teure Flasche Wein aufs Zimmer zu bestellen und ein heißes Schaumbad zu nehmen. Das Einzige, was mir hier fehlte, war meine Freundin.

Fast schon widerwillig verließ ich am nächsten Morgen das Hotel, um mir von unserem Reiseführer Markus die Stadt zeigen zu lassen. Der Rest der Gruppe hatte sich entschlossen, Shanghai auf eigene Faust zu erkunden, so dass mein Mitreisender Phillipp und ich die Stadtbesichtigung sehr individuell gestalten konnten. Zunächst fuhren wir in gut 40 Sekunden die 88 Stockwerke des Jin-Mao-Tower hinauf. Von dort hatten wir eine grandiose Aussicht auf den Huangpu River, der sich durch Shanghais Meer aus Wolkenkratzern schlängelt. Einer davon ist der Oriental-Pearl-Tower, der aus 340 Metern Höhe betrachtet gar nicht mehr so riesig wirkte.

Markus erklärte uns, dass bis 1949 das Peace Hotel mit seinen kaum zehn Etagen das höchste Gebäude der Stadt war. Seitdem, so Markus, seien knapp 800 Gebäude mit mehr als 30 Etagen hinzugekommen. „Und es wären noch mehr, wenn es wegen der Expo nicht einen mehrmonatigen Baustopp gäbe“, erklärte Markus. Eigentlich bin ich mehr ein Naturmensch, aber das hier beeindruckte mich trotzdem sehr. Später haben wir in der Altstadt von Shanghai an einer Teezeremonie teilgenommen. Im Anschluss daran habe ich mich mit einigen Dosen Tee und weiteren Souveniers eingedeckt – die Rückreise steht schließlich kurz bevor.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang über den „Bund“, der Flaniermeile des Huangpu River, und ausgiebiger Betrachtung der gegenüber liegenden nächtlichen Skyline konnte ich es kaum abwarten, wieder ins Hotel zurückzukehren. Chinesische Märkte und andere Dinge, die ich für gewöhnlich interessant finde, konnten mir an diesem Abend gestohlen bleiben. Davon hatte ich in den vergangenen Wochen genug gesehen. Ich rief mir ein Taxi, das mich nach Hause bringen sollte. Leider kannte der Fahrer mein Hotel nicht. Auch mit der chinesischen Visitenkarte konnte er nichts anfangen. So ging es mir noch weitere vier Male. „Unser Hotel ist so exklusiv, dass es nur die Wenigsten kennen“, erklärte mir Markus. Nach einer Stunde hatte ich dann aber doch den richtigen Taxifahrer gefunden.

Dekadenz ist eigentlich nicht mein Ding. Aber an diesem Abend war mir alles egal: Ich setzte mich in den hauseigenen Whirlpool und ließ mir ein Glas Wein bringen. In der Hotelbar gesellten sich noch ein paar weitere Gläschen dazu. Ich machte meine Tagebuch-Einträge, unterhielt mich hier und da mit einigen Hotelgästen und freute mich, nicht da draußen im lauten Großstadtdschungel herumzulaufen. Als ich mir ein paar Notizen auf einer Stoffserviette machte, weil ich sie für ein herkömmliches Exemplar aus Papier hielt, wusste ich, dass es Zeit fürs Bett war.

Am nächsten Tag haben wir einen letzten Ausflug nach Suzhou unternommen, wo wir uns einen kaiserlichen Lustgarten angesehen haben. Abends haben wir in kleinen Gruppen die schnuckelige Innenstadt besichtigt, die mit ihren vielen kleinen Kanälen an Amsterdam oder Venedig erinnerte. „Viele Chinesen kommen nach ihrer Hochzeit hierher, um schöne Fotos zu machen“, erzählte uns Markus, den wir an diesem Abend wieder fast für uns alleine hatten. Wenn man für eine Stadt nur wenige Stunden Zeit hat, finde ich es durchaus sinnvoll, einen ortskundigen Begleiter zu haben. Zwei Mitreisende, die sich für ihr eigenes Ding entschieden, haben eine lange Taxifahrt ins Industriezentrum erlebt, haben festgestellt, dass sie ihr ursprüngliches Reiseziel verfehlt hatten, sind zurück ins Hotel gefahren und haben 53 Yuan hingeblättert. Da fand ich unsere Tour durch die Kanäle doch etwas besser.

Ende gut - alles gut!

Ende gut – alles gut!

Nun sind wir wieder im „Puli“ in Shanghai. Heute Abend wollen wir nochmal alle zusammen essen gehen und unsere China-Rundreise Revue passieren lassen. Das Fazit wird sicherlich positiv ausfallen, auch wenn eine Pilotreise noch mit dem ein oder anderen Mangel behaftet ist. Morgen werden wir mit dem Transrapid zum Flughafen fahren und zwölf Stunden später in Frankfurt landen. Aber ganz soweit ist es noch nicht. Jetzt gehe ich erst nochmal in die Sauna.

Mehr Infos: www.elementsofchina.de

Meiko Haselhorst
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