Los geht’s

Los geht’s

Rotwein wird definitiv unterschätzt! Natürlich, wir alle haben mittlerweile gelernt, dass ein Gläschen pro Tag Wunder für’s Herz wirkt, aber mir geht es um eine viel tiefergehende, nahezu philosophische Wirkung des Weines (und speziell des Rotweins!). Rückblickend habe ich die besten Entscheidungen meines Lebens nach einem (gut, ich gebe zu: manchmal auch nach zwei) Gläsern Rotwein getroffen. Eine davon war: nach Chile zu reisen, die zweite: aus Deutschland auszuwandern und in Santiago de Chile zu bleiben und die dritte wurde an einem sommerlich-lauem Abend getroffen: die Entscheidung durch Chile zu reisen. Das mag sich vielleicht merkwürdig anhören, aber nach gut einem Jahr in Chile habe ich es tatsächlich geschafft jeden Tag mindestens zehn Stunden täglich in etwa vier  Jobs zu arbeiten und kenne daher mittlerweile das chilenische Steuersystem besser als über touristische Ziele in Chile. Das sollte nun anders werden! Soweit also die Idee – und schon folgt das Problem: ich führe ein absolutes Studentenleben. Also fast – denn ich habe leider nicht die Freiheiten eines Studenten, dafür aber immer noch dasselbe Budget. Was also tun? An dieser Stelle muss der Rotwein wohl seine Wirkung entfaltet haben, denn plötzlich war alles ganz klar: wenn ich kein Geld habe, um zu reisen, muss ich BEIM Reisen Geld verdienen – ganz logisch. Und so entstand mein rotweiniger Plan durch Chile zu reisen und endlich dieses Land kennen zu lernen, das ich schon lieben gelernt hatte. Wie es das Leben so will, trudelte schon am nächsten Tag folgende Nachricht einer Freundin ein: „Hast Du schon Pläne für Juni? Willst Du nicht mit mir ein einsames Hostel im Süden hüten? Essen und Unterkunft gratis dafür!“ Gefragt und zugesagt! Das war perfekt, genau so würde ich meine Reise starten. Und nach dem Juni im Süden? Ab in den Norden! Denn das war klar, den kältesten Winter-Monat in Chile würde ich garantiert nicht im klirrekalten Süden abfrieren. Wohin sollte es also als nächstes gehen? Der Rest meiner Reise plante sich ein wenig wie beim Straßenkauf von Monopoly – mal gucken, wo man drauf kommt. Das heißt übersetzt: schöne Orte suchen, Hotels anschreiben und dann frei nach Franz Beckenbauer. „schaumermal was dabei herauskommt“. So kam dann dabei folgende Route zustande: Juli – Ein Spa im Norden Argentiniens, August – ein Hostel in San Pedro de Atacama, in der Wüste Chiles, September – ein Luxushotel in Santa Cruz, tiefste Provinz in Chile (schließlich wollte ich im Monat des Nationalfeiertags auch so traditionell wie möglich feiern) und Oktober – ein kleines Hostel auf der Osterinsel. Wie ich es geschafft habe, in all diesen Orten innerhalb von 2 Wochen Arbeit zu finden, ist mir immer noch nicht ganz klar. Denn Organisationstalent und Weitsicht habe ich definitiv in Deutschland zurückgelassen. Aber wer hinterfragt schon das Glück?! Zugegeben, zum Glück gehört ein wenig mehr als Essen und schlafen. Aber auch hierfür hatte ich schnell eine Lösung gefunden. Die Reisende dankt hier dem Internet. Dank zweier deutscher Werbeagenturen, hungrig nach Texten, meines Laptops und einer guten Internetverbindung, war meine Reise nahezu komplett finanziert. Wunderbar! Und dieses Glücksgefühl hielt an bis etwa 30 Minuten vor meiner Abfahrt aus Santiago. Hier muss die Rotwein-Wirkung aufgehört und die unterbewusste elterliche Moralpredigt eingesetzt haben: Du bist eine 28-Jährige Frau/Mädchen – und reist alleine durch Südamerika! Du hast keine Versicherung! Was, wenn Du an einen Ort ankommst und im Hotel plötzlich keiner mehr etwas von einer Vereinbarung weiß? Aber elterliche Moralpredigten haben bei mir noch nie besonders gut gewirkt. Und wenn alles ganz anders läuft – na wenn schon! Irgendwas ergibt sich immer – vor allem in Südamerika! Mit diesen Gedanken stieg ich also in den Bus in Richtung Süden und hoffte auf die magische Kraft des Rotweins!

Marinela Potor

Klein, Quirlig, Quietischig - so zog ich 2010 aus Deutschland aus, um die Welt zu entdecken. Und landete dabei in Chile. Es war Liebe auf dem ersten Blick! Nun dreh ich hier in diesem südlichen Amerika so meine Runden, als rollender Stone sozusagen. Alle kleinen und großen Abenteuergeschichten halte ich dabei in diesem Blog fest!

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