Lausitz Safari reloaded – Special Edition V.2011

Lausitz Safari reloaded – Special Edition V.2011

Lausitz Safari reloaded – Special Edition V.2011

 

Irgendwie habe ich den Eindruck eines „déjà-vue“ Effekts: Der Jeep grummelt seit Stunden mit 2000 U/min über die Autobahn, die MT-Bereifung singt ihr Lied das dem wunderbaren Fahrgeräusch eines Unimogs nicht unähnlich ist, nur diesmal rauscht kein Dachzelt über mir, dafür macht sich im Rückspiegel unser Wohnwagen breit. Dieses Jahr sind nämlich nicht nur Papa, Kindern und kleiner Hund unterwegs, sondern fast die ganze Familie: Also auch Mama und der große Hund sind mit dabei. Lediglich die große Tochter hat sich am Tag vor der Abreise noch schnell eine alternative Übernachtungsmöglichkeit bei ihrer Cousine gesucht und ist so dem Familienausflug an die Lausitz entgangen. Vorteil für Josephine: Sie hat die Rückbank für sich alleine – und den Picknickkorb in direktem Zugriff neben sich!

 

Gegen 11 Uhr vormittags sind wir am Donnerstag den 28.07.11 in Stuttgart gestartet. Trotz des ersten Ferientages für Süddeutschland hält sich der Verkehr zum Glück sehr in Grenzen, nur kurz vor Nürnberg kamen wir in einen kurzen Stau – bei dem seltsamerweise die Motortemperatur in unübliche, aber noch ungefährliche Bereich stieg. Ich wunderte mich das ich das Geräusch des Elektrolüfters nicht hören konnte, führte dies aber auf den sonstigen Verkehrslärm zurück. Mittels leicht erhöhter Motordrehzahl im Leerlauf und kurzzeitiges Abschalten der Klimaanlage ging die Temperatur dann auch schnell wieder in den Normalbererich zurück und als der Verkehr wieder ins Rollen kam, hatte ich den kleinen Zwischenfall auch schon wieder vergessen.

 

 

Fast 600km bzw. 8,5 Stunden später (incl. 2 mal Tanken und einmal Mittagessen) treffen wir in der Lausitz ein. Steffen begleitet uns vom vereinbarten Treffpunkt in Senftenberg zum http://www.partwitzer-hof.de/ wo wir ein kleines, aber leckeres Abendessen zu uns nehmen. Zum Camp, einer Wiese auf der schmalen Landzunge des Partwitzer Sees gelegen, sind es danach nur noch wenige Meter. Mehrere Hasen wollten hier offenbar in Ruhe den Füchsen gute Nacht sagen, ihr Anblick aber löst bei unseren kleinen Ganny natürlich gleich das Jagdfieber aus! Laut bellend flitzt er über die Wiese, dann ist die Bühne leer! Gelernt ist gelernt, Sicht- bzw. Spurlaut nennt man das unter Jägern und es ist, zumindest bei den Teckeln sogar ein eigenes Prüfungsfach auf das wir lange trainiert haben. Hasen haben wir leider das ganze Wochenende dort keine mehr gesehen, die hatten wohl erst mal die Nase voll von uns.

Wir sind ganz alleine auf der Wiese, sind wir doch schon einen Tag früher angereist als der Rest der Gruppe. Strom ist natürlich noch keiner da, auch die Toilettencontainer sind noch verschlossen – aber da kann man sich in einem Campingfahrzeug ja behelfen: Licht verbreitet die Gaslaterne und fliessend Wasser kommt eben aus der Giesskanne.

 

Und eines ist mir an unserem Zugwagen noch aufgefallen: Wenn ich den Motor abstelle kommt ein metallisches Klopfen vom Unterboden. Die Rohrverbindung  zwischen Krümmer und Kat hat sich etwas gelöst, somt schlägt das Auspuffrohr nun an die nur wenige Millimeter entfernt montierte Getriebeschutzplatte. Die Schrauben an der Schelle die die Verbingung der beiden Rohrstücke eigentlich sichern sollten sind leider völlig verrostet und lassen sich auch mit viel Kraft nicht bewegen! Bevor ich sie abreisse, belasse ich lieber den augenblicklichen Zustand.

 

 

Freitag, 29.07.11

 

Sightseeing-Tag! Unsere erste Station ist die Krabat-Mühle im nahegelegenen Schwarzkollm.

 

Es regnet immer wieder, dennoch können wir der teilweise noch im Ausbau befindlichen Mühle durchaus etwas abgewinnen, verdeutlicht sie doch wie hart das Leben und Arbeiten in früheren Zeiten gewesen sein musste. Das ganze garniert mit den Zutaten aus der mystischen Krabatgeschichte von Otfried Preußler hat es durchaus seinen Reiz!

 

Josephine hat schon am Eingang des Gebäudekomplexes einen Korb mit Katzenkindern entdeckt, so saust sie jede freie Sekunde dorthin und schmust mit den kleinen Tieren.

Am liebsten würde sie natürlich mindestens eines davon mit nach Hause nehmen. Sie ahnt noch nicht, daß wir schon vor der Abreise bei Freunden heimlich zwei kleine Zwerg-Kaninchen für sie und ihre Schwester „reserviert“ haben. Der entsprechende Käfig steht schon, gut versteckt, im Garten.

Die nächste Station soll das „Kontaktbüro Wolfregion Lausitz“ http://www.wolfsregion-lausitz.de/ im Örtchen Rietschen sein. Rasch die aus dem Internet entnommene Adresse ins Navi eingetippt, da ist die Überraschung groß – fast eine Stunde Fahrzeit meldet das Gerät! Upps, das war so eigentlich nicht geplant! Aber gut, die Zeit haben wir und ja heute extra dafür reserviert, da kommt es auf die Fahrzeit wirklich nicht an. Aber das Auspuffgeklapper nervt irgendwie soch! An einer Ampel stehend sehe ich einen PITSTOP, das könnte sie Lösung sein! Schnell abgebogen und den wirklich netten und sehr hilfsbereiten Herrn gefragt ob er mir nicht eine passende Schelle für den Auspuff hat. Er lässt mich den Wagen auf die Hebebühne stellen und gemeinsam schauen wir uns die Lage unter dem Wagen an: Eine passende Schelle hat er leider nicht, denn das Auspuffrohr hat den ungewöhnlich großen Durchmesser von ca. 70 mm (naja, ein großer Motor soll auch ausatmen können, oder? ;-) ) Ich bitte ihn mir dann doch einfach einen Schweißpunkt auf die Rohre zu setzen, es muss ja nur das Wochenende lang halten, aber das möchte er lieber nicht riskieren. So empfiehlt er mir, schweren Herzens, den örtlichen ATU als sichere Bezugsquelle für eine passende Auspuffschelle. Dort angelangt frage ich nach einer 70er Auspuffschelle, Antwort „den Fahrzeugschein bitte“. Ich „ich brauche nur eine simple Auspuffschelle für ein 70er Auspuffrohr, kein Spezialteil“. „Ja, aber ohne Fahrzeugschein können wir das leider nicht raussuchen“. Ich: „Na wenn Sie glauben das sie mit einem Fahrzeugschein eines kanadischen Importautos etwas anfangen können…“. Nach einem längeren Blick in die Papiere: „Aber die Schlüsselnummern sind ja alle genullt!“. „Sag ich doch“. Kommt der Chef hinzu, schaut in den Fahrzeugschein und sagt langsam in breitestem Sächsisch „nöö, also för den Jepp …. wie heisst der gleisch … ah … Chikoree, für den ham wir keene Deile doo“. Der Gemüsenamen für den Jeep, das war einfach zu ulkig, ich konnte mir einen Lachanfall gerade noch verkneifen. Na, eine Dose Caramba habe ich mir bei ATU doch noch mitgenommen, Fahrzeugschein wurde dafür interessanterweise diesmal nicht benötigt. Noch auf dem Parkplatz habe ich die Schrauben der Schelle damit behandelt. Vielleicht hilft´s ja noch etwas? Wer weiß!

Also, weiter zu den Wölfen! Auf der Rückbank haben wir seit der Abfahrt von der Krabatmühle eine kleine Zicke sitzen deren Hörnchen mit jeder Fahrminute und jeder Scheibenwischerbewegung (es regnet inzwischen in Strömen) länger werden. Sie prophezeit dass sie keinen Fuß mehr aus dem Auto setzt, bevor wir nicht zurück auf dem Camp sind, sie will jetzt sofort was zu Essen, oder zu Trinken, … naja, wie Zicken eben so sind. Vielleicht hat die kleine Zicke aber auch einfach nur Angst vor´m bösen Wolf und versteckt sich lieber in einem modernen, fahrenden  Uhrenkasten (=Auto) vor ihm? Unwahrscheinlich, aber ein amüsanter Gedanke ist es auf jeden Fall! :-)

Das Gebäude, eine schön restaurierte antike Scheune, ist an das Museumsdorf „Erlichthof“ (http://www.erlichthofsiedlung.de) angegliedert . Der Eintritt von 1,- Euro pro Erwachsenen für das Wolfsmuseum wird auf Vertrauensbasis in ein Kässchen geworfen.

Das Museum wirkt auf den ersten Blick recht klein, ist aber doch sehr interessant gemacht! Im Erdgeschoss befindet sich eine interessante, teilweise interaktive Ausstellung, im Obergeschoss hat man einen kleinen Kinosaal eingebaut in dem man per Selbstbedienung verschiedene kurze Wolfsfilme abrufen kann. Das Museum ist es wirklich wert besichtigt zu werden, wir jedenfalls haben noch einiges dazugelernt was wir vorher über Wölfe doch noch nicht wussten!

Übrigens, per Telefon habe ich noch mal kurz im „Uhrenkasten“ angerufen und das kleine Zicklein hergelockt, es war überhaupt keine Schwierigkeit (und ich musste noch nicht einmal meine Stimme verstellen oder Kreide fressen). Nachdem sie sich in Abwesenheit der Eltern vermutlich mindestens eine Packung Gummibärchen und diverse süße Getränke verinnerlicht hat, sind die Hörnchen offenbar wie durch Zauberkraft verschwunden und so rannte sie nun voller Begeisterung durch den Regen zum Eingang der Wolfsscheune und machte sich dann auch gleich auf  Entdeckungstour durch die Ausstellung. Danach besteht sie natürlich noch darauf auch das Museumsdorf zu besichtigen (kostet pro Erwachsenen 1,50 Euro). Mama muss mit, Papa geht derweil zum Auto die Hunde holen und macht mit ihnen einen Regenspaziergang. Im Wald mündet der Feldweg nach einiger Zeit in eine Furt und der Schäferhund nimmt eine solch offensichtliche Einladung zu einem Bad immer gerne an, ich kann gerade noch verhindern das er sich komplett im Flüsschen versenkt, das Odeur „nasser Hund“ muss ich nicht tagelang im Auto und Wohnwagen haben, die Feuchtigkeit des Dauerregens reicht voll und ganz. Oben also noch trocken (und wollig), unten bis zum Bauch nass (und dürr) hat er jetzt durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Wolf! Die Hunde einige Meter vor mir an der dünnen, fast unsichtbaren Flexi-Leine laufend, komme ich am Zaun der Wolfsscheune an, da tritt eine Familie aus dem Eingang des Gebäudes und alle zusammen bekommen für einen Moment richtig große Augen, zeigen auf  Nanouk und stottern etwas das nach „Wo..Wo…Wolf“ klingt. Das folgende „oh, die Leine haben wir gar nicht gesehen“ klingt irgendwie sehr erleichtert! J

Im Erlichthof kann man auch Einkaufen – es gibt einige kleinere Läden die handwerkliche Dinge herstellen oder spezielle Lebensmittel verkaufen. Jo erwirbt in der sog. „Schoko-Scheune“ ein wenig hochwertige Schokolade und in einem kleinen Tante-Emma-Laden eine Butterform aus Holz.

 

Als wir am späten Nachmittag auf die Camp-Wiese zurückkehren hat sie sich stark gewandelt! Steffen hat ein großes Gruppenzelt aufgebaut und es sind schon einige Teilnehmer eingetroffen.

Wie sich schnell herausstellt sind wir nicht die einzigen „Wiederholungstäter“, aber natürlich sind aber auch ein paar Neue dabei!

Die Fahrzeugpalette reicht auch dieses Jahr wieder quer durch die Geländewagenlandschaft: Vom Suzuki Samurai (dieses Jahr ganz frisch im Zebralook lackiert), Mitsubishi L200 Pickup Turbodiesel mit absetzbarer Wohnkabine und Straßenbereifung, Opel Frontera Diesel, Toyota 4Runner V6 Benziner, zwei VW Busse T3 Allrad, zweimal Mercedes G: Einmal mit kurzem Radstand als 500er V8 Benziner mit ORC-Fahrwerk und funkelnagelneuen BFG MTs und ein langer G 400 CDI (V8 Diesel), bis hin zu zwei riesigen Toyota Buschtaxis: Ein 75er mit Aluminium-Hubdach und Warnwinde und ein 105er mit aufwändigem Campingaufbau.

 

Natürlich flackern schon bei der Begrüßung die ersten Benzingespräche auf und auch Vermutungen werden angestellt welches Fahrzeug wohl bei diesen Bodenverhältnissen die meisten Probleme haben könnte. Ich muss gestehen: Ich tippe, wegen der Bereifung, auf den Mitsubishi!

Bald schon findet sich die hungrige Meute im Gruppenzelt ein, Biertischgarnituren werden gemeinsam aufgestellt, die Theke mit den Vorräten eingerichtet und nach einem kleinen Kampf mit dem Benzinkocher köchelt schon bald ein leckerer, von Daniela vorbereiteter Eintopf in einem großen Topf – aus dem wir uns alle gerne und reichlich bedienen. Die Dusch- und Toilettencontainer sind nun geöffnet und als Steffen dann auch noch einen jetzt funktionierenden Stromanschluss verkündet, ist die Freude groß: Nun haben nämlich auch die Campingfahrzeuge wieder elektrisches Licht, fließend Wasser und die Umluftheizung funktioniert ebenfalls uneingeschränkt, was gerade bei Dauerregen eine wunderbare Möglichkeit ist die nasse Kleidung und den ein oder anderen nassen Hund wieder trocken zu bekommen!

 

 

Samstag, 30.07.11


Endlich ist der erste Offroad-Tag angebrochen – aber es regnet immer noch in Strömen, ob das gut geht? Selbst Steffen schickt den ein oder anderen besorgten Blick nach draußen:

 

Er hat aber schon früh mehrere große Tüten frischer Brötchen geholt, die werden natürlich im Rekordtempo verteilt und von der Meute mit großem Appetit vertilgt.

 

Kurz darauf starten die ersten dann schon voller Erwartung die Motoren oder bereiten ihre Fahrzeuge anderweitig auf den Geländetag vor: Hier und da wird Luft wird ablassen, die Bergeausstattung bereit gelegt, im Falle das Mitsubishi wird der Campingaufbau abgesetzt, usw.

 

Gegen 9:30 Uhr sind alle startklar, Steffen spricht noch ein paar kurze einweisende Worte, lässt die Funkgeräte verteilen – und los geht´s!

 

Letztes Jahr hatte ich mir geschworen, dass ich nie wieder eine Wasserdurchfahrt mache, ganz egal wie sehr man mich dazu drängt oder bettelt. Den Vorsatz konnte ich schon nach wenigen Metern im wahrsten Sinne des Wortes über Bord werfen, denn schon die ganz normalen, nennen wir es mal „Verbindungsetappen“, stehen nach den Regenfällen dermaßen unter Wasser, das man im Prinzip nur noch von einem Wasserloch zum nächsten fährt!

 

Unsere Fahrten im Rahmen der Safari erfolgen übrigens auf  bestehenden Versorgungswegen die später von den angrenzenden Seen überflutet werden oder im direkten Bereich des Tagebaus wo der Boden ohnehin noch abgetragen wird. Umweltschäden sind also keine zu befürchten!

Schon kurz nach der Abfahrt entdeckt Elke zwei Kraniche am Ufer die sich bei unserer Annährung würdevoll in die Luft erheben und einen in Deutschland sehr seltenen Zwergadler auf einer Wiese. Sie ist ganz begeistert!

 

Unser erstes Etappenziel ist auch dieses Jahr wieder der sogenannte „Rostige Nagel“ am Sedlitzer See. Der Verbindungskanal davor führt diesmal Wasser (kein Wunder bei den Regenfällen), also spätestens hier wird nun der Allradantrieb eingeschaltet und einzeln durch das klare, fliessende Wasser „gefurtet“.

 

 

Eigentlich war am Aussichtsturm ein kurzer Stopp geplant, ein befreundeter Ornithologe wollte uns einen kleinen Vortrag über die Vogelwelt der Lausitzer Seenlandschaft halten – wegen des strömenden Regens fällt das aber leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

 

Wir dagegen versuchen möglichst nicht in selbiges zu fallen und müssen daher die ein oder andere tiefe Auswaschung im Gelände umfahren:

 

Und dann kam irgendwann eine sehr tiefe Wasserstelle – und das „Zebra“ will nun unbedingt die tief ausgefahrene Spur auf der linken Seite testen!

Wie sich herausstellt können manche Zebras aber wohl doch nicht schwimmen – und wasserdicht sind sie auch nicht immer! So erklären sich die Beulen auf  Dach und Motorhaube, die regelrecht zum Sitzen oder Stehen einladen wenn die Sitze im Innenraum dafür einfach zu nass geworden sind.

Natürlich gibt es von dieser Aktion auch ein Video:

 

 

Große Mülltüten als provisorische Sitzbezüge machen das Sitzen im Samurai nach der Bergung aus dem Wasserloch wieder einigermaßen angenehm.

 

Treffpunkt für das Mittagessen ist die legendäre F60 die wir auch letztes Jahr schon mal kurz bestaunen durften.

 

Aber bis dahin gibt es noch die ein oder andere Matsch- und Wasserdurchfahrt und natürlich diverse andere Herausforderungen zu bezwingen! Mittels seiner genauen Ortskenntnis sorgt Steffen auch immer dafür das niemals Routine oder Langeweile aufkommen kann:

 

 

 

Motto: Schone die Umwelt – fahr mit dem Bus!

 

Und es wundert mich auch überhaupt nicht, daß nach diesem dauernden und ausgiebigen Kneipp-Bad der Fahrzeuge und ihrer Insassen bei meinem Cherokee irgendwann die Motorkontrolleuchte angeht!

 

Ich hoffe inständig das es das gleiche Symptom wie im letzten Jahr ist: Die Lambdasonde am Auspuffkrümmer meldet „Land unter“. Ich stelle aber auch eine verzögerte Gasannahme und einen unrunden Motorlauf fest, was in einigen trial-ähnlichen Passagen schon ein wenig unangenehm ist. Schlecht anspringen tut der Motor in warmen Zustand ebenfalls. Es gibt aber einfach keine Aussicht auf Besserung, schließlich ist hier im Umkreis alles triefend nass und auch der restliche Tag wird wohl eher schwimmend als fahrend zurückgelegt werden! In einer Pause lese ich den Fehlerspeicher des Motors aus: Fehler der Lambdasonde. Also nichts tragisches, warum der Motor ab und zu so schlecht läuft bleibt aber ungeklärt denn die Lambdasonde ist dafür nicht zuständig.

 

Unserer kleinen Zicke auf der Rücksitzbank wird offenbar die Zeit lang. Sie nörgelt an meinem Fahrstil herum, verlangt das ich keine Steilauf- oder -abfahrten mehr fahre (was natürlich so mitten im Tagebau und als Bestandteil einer Gruppe nun mal nicht zu ändern ist). Kontakte zu den Besatzungen der anderen Fahrzeuge der Gruppe hat sie natürlich schon lange geknüpft – und so verkündet sie in einer der Pausen, das sie zu Heinz und seiner Frau umziehen werde, sie habe das alles schon mit den beiden abgestimmt. So fährt sie also die nächsten Stunden im Dresdner Opel Frontera mit – und danach sind auch die Hörnchen wieder verschwunden. Ich fürchte nur, daß die beiden danach Blasen an den Ohren hatten. :-)

Die Gruppe zieht sich ein bisschen auseinander, denn der ein oder andere Wagen hat mit dem nassen Gelände durchaus so seine Probleme, aber zum erstaunen aller schlägt sich gerade der Mitsubishi trotz der geringen Motorleistung und seiner Straßenbereifung ganz ausgezeichnet!

 

 

Letztendlich aber kommen alle wohlbehalten zur Mittagspause an der F60 an:

 

Während wir langsam trocknen und uns hungrig wie die Wölfe auf das umfangreiche Vesper stützen, hält ein Mitarbeiter einen sehr interessanten Vortrag über die Geschichte der F60 und den uns umgebenden, ehemaligen Braunkohletagebau. Die Zahlen die er nennt haben Dimensionen die man mit menschlichen Maßstäben kaum erfassen kann, bildlich vorstellen kann man sich aber, dass das Volumen der vielen Seen dem Volumen entspricht das man dem Boden in Form von Braunkohle entnommen hat.

 

Nachdem fast alle Vorräte vernichtet und wir auch wieder halbwegs getrocknet sind, geht es wie schon letztes Jahr auch schon, zum „Spielen“ in eine nahegelegene Sandgrube! In dieser war letztes Jahr der VW Touareg  so kläglich gescheitert. Dieses Jahr ist die Sandgrube noch viel schwieriger zu befahren, denn sie ist nun teilweise mit Wasser gefüllt und mit mächtigen Auswaschungsrinnen durchzogen. Es kommt daher zu einigen sehr zeitaufwändigen Bergungsaktionen und mehrere Fahrzeuge müssen wegen diverser Defekte sogar den Rückweg ins Camp antreten: Der Suzuki schlitzt sich einen Reifen auf der sich so schnell auch nicht wechseln lässt (er fährt den Rest des Tages einfach mit defektem Reifen weiter), dem langen Mercedes G geht mit einem lauten, unschönen Knall der Antrieb der Vorderachse in die Brüche, der blaue VW Bus kämpft ebenfalls mit Antriebsproblemen und beim 75er Buschtaxi fallen beim Abrollen des Stahlseils ein paar große Zahnräder aus der Winde so dass das Windenseil dann als großes zusammengerolltes Paket die Stoßstange des Toyotas schmückt. Ich versuche mit dem Cherokee zu helfen so gut es geht, aber der Jeep hat eine von mir eigentlich sehr geschätzte Eigenschaft die hier nun zum Nachteil wird: Für ein Bergefahrzeug ist er einfach zu leicht! Egal an welchem Punkt des Buschtaxis ich ziehe, es rührt sich fast nicht vom Fleck!

 

Zu unserer Ehrenrettung sei aber gesagt: Auch das 105er Buschtaxi schafft es selbst mit roher Gewalt, nicht den 75er Toyota aus dem Dreck zu ziehen, ein Vorgehen das ich selbst mit einem entsprechenden Leiterrahmen meinem Auto niemals angetan hätte. Erst der Einsatz der großen Warn-Winde des kurzen G 500 schafft es dank Umlenkung und damit verdoppelter Zugkraft, das Auto aus der Umklammerung des tiefgründigen Sandbodens zu befreien!

 

Es gibt aber noch einen weiteren Grund warum ich die Bergungsaktion des Buschtaxis abgebrochen habe: Meine Motortemperatur steigt bis fast in den roten Bereich, das Öffnen der Motorhaube gelingt mir nur noch mit Handschuhen, so heiß ist sie! Hier finde ich nun bestätigt was mir auf der Autobahn schon verdächtig vorkam aber dann auch ja wieder in Vergessenheit geriet: Der große Elektrolüfter am Kühler macht keinen Mucks – nur der Viskolüfter läuft, aber eben abhängig von der Motordrehzahl, im Leerlauf tut sich da also nicht viel. Als Notlösung  drehe ich den Wagen mit der geöffneten Haube in den Wind (und den Regen) und lasse den Motor eine Weile mit leicht erhöhten Drehzahlen laufen. Das senkt die Motortemperatur zum Glück schnell wieder in deutlich erträglichere Bereiche, erst dann mache ich mich auf die Fehlersuche: Die elektrischen Kontakte des Lüfters scheinen ok zu sein, sie bekommen dennoch sicherheitshalber eine Dosis Caramba gegen die überall sitzende Feuchtigkeit. Dann überprüfe ich die Sicherungen, auch sie scheinen ok zu sein. Bleibt eigentlich nur noch das Relais des Lüfters. Funktioniert es oder nicht? Prüfen kann ich das hier im Gelände nicht. Einen Ersatz habe ich auch nicht dabei, also was machen? Ich ziehe das baugleiche Relais für die Treibstoffpumpe ab und tausche es mit dem Lüfterrelais. Es sollte mir ja sofort auffallen wenn die Spritpumpe wegen des defekten Relais keinen Treibstoff mehr fördert, einfach in dem der Wagen nicht mehr anspringt. Also: Zündschlüssel rumgedreht: Der Motor springt auf die erste Motor-Umdrehung an (so gut wie den ganzen Tag schon nicht!) und der Elektrolüfter nimmt Sekunden später ebenfalls seine Arbeit auf! Gewonnen!! Ich bin überglücklich ob meiner unter Feldbedingungen bei Regen und Matsch gelungenen Fehlersuche!! Ich kann mir das Ganze eigentlich nur so erklären: Offenbar hatten die beiden Relais nach 16 Jahren einfach mal Lust auf eine „Job-Rotation“ :-)

 

Trotz des glücklichen Ausgangs bei meinem Fahrzeug: Ob der Dramen die sich dieses und auch schon vergangenes Jahr hier abspielten, plädiere ich dafür diese Sandgrube als „Tal der Tränen“ in die Geschichte der Lausitz-Safari eingehen zu lassen!

 

Aber die Lausitz ist ja nicht nur für die Landschaft, die Seen und die Offroad-Möglichkeiten bekannt, sondern auch für den Lausitz-Ring. Von dort trägt der Wind immer wieder das Geräusch heulender Rennmotoren zu uns herüber, bei weiterer Annährung an den Ring meldet sich sogar die alles überwachende DEKRA bei uns auf dem Funkkanal und hält einen kurzen Plausch mit Steffen. An diesem Wochenende ist ein großes VW-Treffen angekündigt: „VW-Blasen“. Die Polizei nutzt die Gelegenheit die wildesten Umbauten mittels Straßensperren einzufangen und zu überprüfen. Immer wieder sehen wir von Streifenwagen umzingelte VWs mit offenen Motorhauben herumstehen. Auch wir geraten in eine solche Kontrolle, werden aber problemlos durchgewunken. Nur das kleine Zebra muss bleiben, es ist einfach zu auffällig. Aber mit dem Hinweis das es sich gar nicht um einen VW handelt (die Bodenfreiheit ist doch viel zu hoch!) und das Fahrzeug zu einer Offroadveranstaltung gehört, lassen es die Polizisten doch schnell wieder frei. Wobei ich mich an deren Stelle schon mal erkundigt hätte ob das eingebaute Aquarium auch wirklich in die Papiere eingetragen ist! :-)

 

Zurück im Camp werden ein paar der größeren Fahrzeuge zum Essen holen geschickt: Im Partwitzer-Hof  hat man uns nämlich freundlicherweise einen feinen Schweinebraten zubereitet, den gilt es nun herbei zu schaffen!

 

Nach dem erlebnisreichen Tag langen alle kräftig zu: Guten Appetit!

 

 

Sonntag, 31.07.11

 

Beim Aufwachen stelle ich erstaunt fest: Es regnet ja gar nicht mehr! Kann das sein? Doch, es stimmt! Aber an den Streckenverhältnissen ändert das natürlich nichts, es ist nur einfach angenehmer nicht bei jedem Aussteigen gleich auch noch von oben nass zu werden!

 

Heute fahren wir in den noch aktiven Tagebau „Welzow Süd“ – die Gruppe ist, nach den Ausfällen des Vortages etwas kleiner geworden: Der lange G bleibt im Camp zurück, genauso wie der blaue T3 Bus.

Vor der Abfahrt bekommen wir von Steffen noch einige wichtige Hinweise zum richtigen Verhalten in einem aktiven Tagebau. Unser Favorit ist das „dreidimensionale Freihalten der Tagebaugeräte“.

Und auch wenn sonntags die meisten Maschinen nicht in Betrieb sind, so kann man/frau sich doch ein sehr gutes Bild von dem irrsinnigen Aufwand machen, der hier zu Gewinnung der Braunkohle betrieben wird!

 

Hier erläutert uns Steffen gerade die Vorgehensweise anhand eines Schaubilds an einem der von Vattenfall extra angelegten Aussichtspunkte:

 

Und hier kann man es sich dann in Lebensgröße anschauen:

 

Die meisten sind einfach nur noch sprachlos!

 

Und dann zur Abwechslung ein bisschen Saharafeeling gefällig? Das Buschtaxi vor uns macht das angebliche Sahara-Foto noch viel glaubwürdiger, nicht?

 

Und hier kommt nun meine persönliche Schlüsselstelle für das Wochenende:

 

Während ich den Aufstieg hochfahre, realisiere ich zu spät das es oben über eine kurze, steile Kante in ein tiefes Wasserloch hinuntergeht. Ich überfahre die Kante also wie ein Anfänger fast im rechten Winkel, berühre dadurch mit dem Katalysator den sandigen Boden und der leichte Schubs genügt um die  Auspuffanlage vom Krümmer abzuziehen! Hörprobe gefällig?

 

 

Ich muss gestehen, so schlecht klingt der Wagen ohne Schalldämpfer gar nicht, das finden auch Steffen und Karsten der sich direkt an seinen früheren Wagen, einen G 55 AMG zurückerinnert fühlt (danke für die Ehre!). Aber mit dem Sound ein paar Stunden lang über die Autobahn brummen? Ich glaube das wird dann auf  Dauer doch kein Vergnügen! Naja, erst mal bleibt nichts anderes als weiterfahren und sich noch nicht den Kopf zerbrechen, es wird sich schon eine Lösung finden!

 

Um unser Etappenziel – das Mittagessen – zu erreichen, müssen wir nun die bisher meist durch Baumaschinen vorgegebenen Pfade verlassen und uns einen eigenen Weg quer durch den aktuellen Tagebau suchen!

 

Natürlich dauert es nicht lange und die nächsten Bergungen stehen an! Als das kleine Zebra in einem Schlammloch festsitzt stehe ich als nächster dran und werfe meinen Bergegurt aus. Aber auch hierfür ist das Gewicht meines Wagens offenbar zu gering, denn selbst mit ein bisschen Schwung (wir verwenden dafür einen speziellen, sogenannten kynetischen Bergegurt) gelingt es mir nicht das Samurai aus dem Schlamm zu zupfen! Und wenn man dabei, zwecks besserer Kommunikation nach hinten, die Fahrertür aufmacht, kann es sein dass das Hinterrad einen erfrischenden „Gruß“ nach vorne schickt:

 

Das Buschtaxi beendet die Bergung dann in gewohnter Toyo-Manier: Mit Schwung, Masse und einer gewissen Portion Gewalt! Unglaublich was diese Autos aushalten! Hoffentlich kommt zuhause dann keine Quittung in Form einer dicken Werkstattrechnung!

 

 

Und wie schon gesagt – trotz des fehlenden Regens werden die Bodenverhältnisse nicht besser!

Nur wenige Meter später hängt der nächste fest:

 

Sogar ein kleiner Stau entsteht dadurch:

 

Ehrensache das auch hier wieder alle mit anpacken und so ist die Ursache für den Stau auch schnell wieder behoben!

 

Aber Stau kann auch schön sein – wenn man den Grund dafür absichtlich erzeugt! Eine verrückte Idee von Steffen ist für unser Zebra-Team natürlich eine Herausforderung der sie sich gerne stellen, und es wird nichts unversucht gelassen die Idee in die Tat umzusetzen:

 

 

Und kaum steht der Samurai wieder auf festem Boden, dürfen auch die anderen Autos und ihre Besatzungen zeigen was in ihnen steckt: Die lange Steilauffahrt hat vom Regen ein paar ordentliche Löcher  bekommen, da ist nun schon ein bisschen „zügiges fahren mit Köpfchen“ angesagt! Und natürlich steht auch hier, wie bei allen Schlüsselstellen, Steffen per Funk immer beratend zur Seite:

 

 

 

Aber trotz aller verrückter Einfälle kommen wir fast pünktlich, aber auch ziemlich dreckig, müde und hungrig an der Schutzhütte an und fallen sogleich wieder über Danis vorbereitete Vespertische her!

 

Nach dem Mittagessen wird die wegen der Ausfälle vom Vortag schon ohnehin reduzierte Gruppe nochmals kleiner – diejenigen die noch eine längere Heimfahrt vor sich haben (wie gehören auch dazu), fahren von der Schutzhütte aus unter Danis Führung zurück ins Camp, ein kleinerer Teil fährt mit Steffen noch ein paar weitere Stunden durch den Tagebau.

 

Kaum sind wir im Camp, kommt auch Uli mit seinem weißen T3 Bus angefahren: Die Unterdruckschaltung seiner Sperren funktioniert nicht mehr, also ist auch für ihn die Geländefahrt damit aus technischen Gründen beendet. Schade, sein Bus hat sich das ganze Wochenende wirklich sehr tapfer geschlagen!

 

Auch sehr prima durchgekämpft hat sich, wie schon geschrieben, der Mitsubishi Pickup und seine Besatzung aus Vater und Sohn. Die Lichtmaschine beglagt sich offenbar über den einen Schwall zuviel Schlammwasser und verweigert nun die Ladung der Batterie. Zum Glück läuft ein Dieselmotor auch ohne Batterie – nur abstellen sollte man ihn unterwegs eben nicht mehr.

 

Und ich mich vor der Abfahrt noch schnell auf die Suche nach einer Lösung für den doch übermäßigen V8-Sound meines Jeeps. Eine große Fußmatte dient mir als provisorischer Nässeschutz in der nassen Wiese, vom Auto selbst tropft aber noch jede Menge Matsch-Wasser auf mich herunter. Durch den Dreckbeschuss von oben ein wenig unter Zeitdruck, mache ich keine langen Versuche sondern setze ich gleich die große Ratsche an der losen Schelle an und … sie lässt sich ohne jeden Kraftaufwand spielend leicht öffnen! Das Caramba hat offenbar trotz der weiteren massiven Wasser- und Schlamm-Behandlung seine Wirkung entfalten können! Also schnell die Schelle ganz aufgedreht, der Auspuffanlage einen kleinen Schubs Richtung Krümmer gegeben, noch ein paar satte Schläge mit dem Gummihammer als Argumentationsverstärker dazugeben … und schon kann ich die Schelle wieder zuziehen. Ergebnis: Geräusch wieder auf fernreisetauglichem Niveau!

Nun noch den Wohnwagen angekuppelt, schon sind wir startklar für die Heimreise:

 

Der Ferienverkehr auf den Autobahnen hält sich zu unserem Erstaunen sehr in Grenzen. Nur einmal kurz stehen wir im Stau und so sind wir (nach zweimal Tanken und Abendessen) um 1 Uhr nachts wieder zuhause. Seit meiner „Reparatur“ des Kühlerventilators ist dieser nun immer brav gelaufen und bei egal welcher Belastung und natürlich auch im Stau stand die Temperaturanzeige wie festgenagelt auf ihrem gewohnten Platz im grünen Bereich! So soll das sein, oder?

Ach, Steffen! Ich glaube ich spendiere dem Jeep einen Schnorchel – und Frau und Tochter neue Gummistiefel! Denn wenn ich Elke richtig verstanden habe, dann fahren wir die Tour nächstes Jahr alle zusammen wieder mit! Und: Sie hat sich fest vorgenommen dann auch selbst zu fahren, denn die freundliche und ruhige Art wie Du die Tour organisierst und durchführst, hat ihr (und natürlich nicht nur ihr!) sehr gefallen! Zudem gibt die individuelle Betreuung, ob nun live am Fahrzeugfenster oder per Funk, wirklich jedem Fahrer die Sicherheit die er braucht um ein Hindernis – und den zugehörigen inneren Schweinehund – zu überwinden!

 

Besser geht´s doch nicht, oder?

 

Viele Grüße von Markus, Elke und Jo !!

 

P.S.: Ich habe gerade selbst nachgemessen – das Auspuffrohr hat einen Durchmesser von ca. 60 mm (2,25″) und nicht 70 mm wie man mir in der ersten Werkstatt gesagt hatte! Man verlasse sich nie auf die Aussagen anderer!

Markus Koebler
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