Colorado Plateau – Indianerland und Naturparks (Teil 2)

Colorado Plateau – Indianerland und Naturparks (Teil 2)

                                                                                                            Mexican Hat

 

Teil 2:  Die Navajo-Indianer und das Monument Valley

John Ford, der Filmeproduzent, und John Wayne, die unsterbliche Ikone des Wild West Films, haben es berühmt gemacht. Es gibt nur eine Straße, die von Utah aus hinführt, die US163; schnurgerade entschwindet sie am Horizont, wo die Konturen der berühmtesten  Filmkulisse Hollywoods erkennbar werden: das Monument Valley im Land der Navajos

 

Die heiligen Berge der Navajos

Die Navajos sind die größte Indianergruppe Nordamerikas, sie selbst nennen sich „Dine“, was soviel wie „Menschenvolk“ bedeutet. Allein in der Navajo Nation Reservation auf dem Colorado Plateau leben nach der letzten Volkszählung Census 2000 an die 175.000 Navajos auf einer Fläche von über 69.000 Quadratkilometern, das sind vier fünftel der Fläche Österreichs. Es ist ein karges, steiniges Land, in dem   die Navajos seit tausend Jahren siedeln. Ende des 10. Jahrhunderts kamen sie aus dem Norden hierher; sie suchten ihren Mythen folgend ein Land, das von vier heiligen Bergen umgrenzt wird. Sie fanden es auf dem Colorado Plateau: in den Rocky Mountains liegen die heiligen Berge des Nordens, der Hesperus Peak, und des Ostens, der Blanca Peak, beide über 4.000 Meter hoch; der heilige Berg des Südens, der Mount Taylor gehört zu den San Mateo Mountains, und der des Westens, der Humphreys Peak, zu den San Francisco Mountains, beide weit über 3.000 Meter hoch. Im 18. Jahrhundert unterdrückten die Spanier die Dine und führten viele von ihnen als Sklaven fort. Im 19.Jahrhundert kamen dann die Amerikaner und vertrieben die Dine aus ihrem Land, sie mussten 1864 nach New Mexico an den Rio Pecos umsiedeln. 8.500 Männer, Frauen und Kinder quälten sich wochenlang durch die Wüste, viele starben bei diesem Zug, der als „langer Marsch“ in die Geschichte der Navajos einging. Im Lager am Rio Pecos wären sie alle zugrunde gegangen, und so gestattete ihnen die Regierung  in Washington 1868 die Rückkehr in ihre alte Heimat.

Heute haben sie eine eigene Regierung, Polizei, Gerichtsbarkeit und Steuerhoheit wie ein amerikanischer Bundesstaat. Doch in der unwirtlichen Gegend zu überleben ist alles anders als einfach. Die Haupteinnahmequelle ist der Tourismus, trotz steigender Besucherzahl liegt die Arbeitslosenrate trotzdem immer noch bei 40 Prozent.

                                                                               auf der US163,  die berühmteste Kullisse  Hollywoods

 

Die berühmteste Filmkulisse Hollywoods

Gleich neben dem San Juan Inn Motel überquert die US163 den San Juan River und wir betreten das Land der Navajo Nation. Unmittelbar nach  der Brücke führt die Straße auf einen Hügel hinauf, und nach der Kuppe liegt eine lange, schnurgerade Fahrbahn vor mir, die in eine Senke hinunter und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinaufführt – und am Horizont die berühmteste Felskulisse Hollywoods, auf Millionen Bildern und Ansichtskarten verewigt: das Monument Valley. Nicht weit nach dem Monument Pass erreiche ich dann die Einfahrt in den Park. „Monument Valley Navajo Tribal Park“ ist der offizielle Name des Naturparks, es ist kein National Park, sondern Eigentum des Navajo-Stammes und wird auch von ihm verwaltet.

Das Monument Valley ist kein Tal, das Gebiet ist, wie das gesamte Colorado Plateau, durch Aufwölbung der Erdkruste entstanden, Erosion trug die weichen Gesteinsschichten ab, die härteren blieben als Türme und Plattenberge erhalten und zeigen uns eine unglaubliche Palette an Formen und Farben. Der Park ist über 5.000 Quadratkilometer groß, die doppelte Fläche Vorarlbergs. Schon bei der Einfahrt fällt einem auf, dieser Park ist anders als die National Parks, die der National Park Service verwaltet: das Besucherzentrum ist nicht ganz so perfekt ausgestattet, die Parkplätze sind nicht asphaltiert und es gibt nur staubige, holprige Wege durch den Park. Etwas für Geländewagen oder für die offenen, mit Holzbänken bestückten, Pickups, mit denen die Navajo-Ranger die Touristen durch den Park kutschieren. Über 3 Stunden dauert so eine etwa 35 Kilometer lange „Tortur“, die Passagiere sind nach der „rasanten“ Fahrt bei der Rückkehr nicht nur mit rotem Staub überzuckert sondern auch mächtig durchgerüttelt.

 

                                                                                                    Monument Valley, Arizona

 

Monument Valley – Indianerland

Ich nehme mir mehr Zeit und fahre langsam, erstens damit der Wagen nicht aufschlägt und zweitens möchte ich dieses Naturschauspiel doch ein wenig länger auskosten – und es wird eines der eindruckvollsten Erlebnisse meiner Streifzuges durch den Südwesten der Vereinigten Staaten.

Der Weg windet sich durch eine rotbraune Sand- und Steinwüste, vorbei an bizarren Felsnadeln und plattigen Bergen mit fast senkrechten, bis 600 Meter hohen, Wänden, in denen man jede einzelne Steinschicht erkennen kann. Manchmal stehen die Felskolosse viele hundert Meter voneinander entfernt, dann wieder auf beiden Seiten des Fahrweges fast nebeneinander – man hat dann den Eindruck, sich in einer breiten Mulde zu befinden, da ist dann der Name „Monument Valley“ treffend. Ziemlich am Anfang kommt man am „John Ford’s Point“ vorbei, zur Erinnerung an den berühmten Hollywood-Filmproduzenten, der mit seinen Filmen diese Landschaft zum Urbild des „Wilden Westens“ machte und der gerade an dieser Stelle oftmals seine Kamera aufstellte. Mit seinem Star John Wayne drehte er im Monument Valley Filme wie „Stagecoach“, der deutsche Titel hieß „Ringo“,  oder   „Bis zum letzten Mann“, Originalfassung  „Fort Apache“, – Kultfilme für Western-Fans.

                                                                                          Monument Valley, Arizona

Beim „Camel Bute“, dem „Kamel-Tafelberg“, stehen gesattelte Pferde in den Koppeln, bereit für Touristen, die mit Navajo-Rangern das Valley auf Pferden erkunden wollen. Ab hier wird es auf der etwas schmaler gewordenen Staubpiste ziemlich einsam, in der nächsten Stunde überholt mich nur ein Pickup mit einigen Parkbesuchern. Der Weg schlängelt  sich nun zwischen Tafelbergen hindurch, danach liegt eine weite Ebene vor mir, aus der die Felstürme und Tafelberge aus dem rotbraunen Boden herauszuwachsen scheinen. Schon fast am Ende des Rundweges haben Navajo-Frauen Tische aufgebaut und bieten Silberschmuck und Webereien an, sie drängen sich nicht auf, fast teilnahmlos sitzen sie hinter ihren Tischen und beachten auch die wenigen Interessenten kaum – die agressive Marktwirtschaft hat hier noch nicht Fuß gefasst.

 

                                                                       Navajo-Pferde  –  bereit zum Aufsitzen

 

Die Weisheit der Indianer 

Es ist bereits spät am Nachmittag, die Sonne steht schon ziemlich tief, die Schatten der Steingebilde werden länger und schärfer, die Farben satter und leuchtender. Als ziemlich Letzter erreiche ich wieder den Parkplatz vor dem Besucherzentrum, mein Wagen ist heil geblieben, aber über und über mit rotem Staub bedeckt, und ich bin um ein einmaliges Naturerlebnis reicher. Möglicherweise können nur Indianer  ein solches Naturschauspiel in seiner Urtümlichkeit bewahren, sie haben eine spirituelle

Beziehung zu ihrer „Mutter Natur“, sie verändern nur wenig an der Landschaft, bauen keine Hotelanlagen und keine Asphaltstraßen.

 

                                  

 

 

 


 

 

Monument Valley  Navajo Tribal Park im Navajo-Land

 

Ich bin das Land.  Meine Augen sind der Himmel.  Meine Glieder sind die Bäume.  Ich bin der Fels, die Wassertiefe.  Ich bin nicht hier, um die Natur zu beherrschen oder sie zu nutzen.  Ich bin selbst Natur.
                                                                                         (Hopi Indianer)

 

 

 

Franz  HASLINGER

Mexican Hat,  August 2008

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www.fhaslinger.com

 

Franz Haslinger
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