Mein erster Deutsch-Intensivkurs

Mein erster Deutsch-Intensivkurs

Mein Beweggrund, diese Reise nach Nicaragua überhaupt erst zu planen und letztendlich anzutreten, war es, erste Berufserfahrungen im Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache zu sammeln. In Deutschand hatte ich gerade mein Fernstudium beim Goethe-Institut beendet und ein paar Mal in einem Abendkurs hospitiert, aber noch nie selbst unterrichtet. Der DAAD bietet verschiedene Praktikumsmöglichkeiten in der ganzen Welt an und das Angebot aus Nicaragua klang für mich am attraktivsten. Lehrerfortbildungen, vielfältige Hospitationsmöglichkeiten, deutsche Filmabende sollten ebenso zum Programm der Uni dort gehören wie kostenlose Unterkunft und Teilverpflegung. Ich würde gerade am Anfang viel hospitieren und von erfahrenen Dozenten lernen können, bevor ich dann vielleicht einen eigene Kurs anfangen würde, so wurde es mir im Vorhinein per E-Mail mitgeteilt.

Die Versprechungen treffen auf die Realität

Meine Uni - die Universidad La Salle

Meine Uni – die Universidad La Salle

An der Uni angekommen stellte es sich jedoch alles ganz anders dar. Bereits an meinem zweiten Tag in León sollte ich einen eigenen Intensivkurs leiten. Als ich um genauere Informationen bat bzw, darum, mit einem der anderen Deutschlehrer zu sprechen, erfuhr ich – nichts. Andere Deutschlehrer gab es nicht und welches Niveau der Kurs hatte, konnte mir auch keiner sagen. Immerhin wurde mir die Bibliothek gezeigt – ungefähr fünf Regale voller antiquierter alter Bücher, die den den Gesamtbestand der Universität darstellten. Ob die Schüler eines der Deutschbücher zuhause hätten? Keiner wusste es.

Der Unterrichtsalltag mit meinen ersten drei Schülern

Ich ging also ohne großes Hintergrundwissen in meine erste Stunde, versuchte vor allem um herauszufinden, was die Schüler berets konnten und wussten. Glücklicherweise hatte mein Kurs nur drei Teilnehmer, die ich darauf vorbereiten sollte, Ende September ein Austauschsemester in Deutschland anzutreten. Unterricht war von Montag bis Freitag immer vormittags.

Meine drei Schüler und eine Besucherin aus Deutschland

Meine drei Schüler und eine Besucherin aus Deutschland

Überraschenderweise konnten die drei Studenten noch sehr wenig Deutsch, selbst einfache Sätze zu verstehen fiel ihnen schwer, zuhause beschäftigten sie sich wenig mit Deutschland und der deuschen Sprache, obwohl sie wussten, dass sie bald nach Deutschland reisen und dort die Fremdsprache würden benutzen müssen. Trotz dieser Startschwierigkeiten entwickelten wir uns innerhalb der insgesamt sechs Wochen Intensivkurs zu einem guten Team. Ich versuchte, ihnen alles Nötige zum Leben in Deutschland und der deutschen Kultur zu erklären und ihnen die Basics der Sprache mit auf den Weg zu geben. In meiner letzten Kurswoche besuchte uns manchmal eine deutsche Austauschstudentin im Unterricht, was meinen nicaraguanischen Studenten noch einmal einen Motivationschub zum Lernen gab.

Letzter Unterrichtstag

Letzter Unterrichtstag

Zu unserer letzten gemeinsamen Unterrichtsstunde brachte ich deutsches Brot und Kartoffelsalat mit und wir spielten Aktivity. Die drei Studenten waren sehr aufgeregt, was ihren Auslandsaufenthalt in Deutchland anging, es würde ihre erste Auslandsreise überhaupt sein und dann gleich nach Deutschland – der Kulturschock ist sicher vorprogrammiert. Sehr gespannt bin ich darauf, was sie alles erlebt haben und wie sie sich verändert haben werden innerhalb des kommenden halben Jahres. Mit etwas Glück kann ich sie noch in Deutschland treffen.

Fazit nach sechs Wochen

In diesen letzten sechs Wochen habe ich viel übers Unterrichten und das Vorbereiten der Unterrichtsstunden gelernt, einfach indem ich es selbst ausprobiert habe. Da ich keine Vorgaben hatte, keine Leitlinie und kein Lehrbuch, musste ich viel improvisieren. Obwohl ich gut zurecht gekommen bin, war ich mit der Organsation des Praktikums sehr unzufrieden. Fast alles, was mir versprochen wurde, erwies sich als nicht vorhanden oder nicht verfügbar. Abgesehen von den fehlenden Hospitationen und Möglichkeiten, etwas von anderen, erfahrenen Deutschlehrern zu lernen, gab es auch keine kostenfreie Unterkunft und Verpflegung. Ich hatte immerhin Glück und kann zurzeit mietfrei bei einer deutschen Dozentin wohnen, aber dies nur, weil sie selbst so großzügig ist und nicht, weil die Uni oder der DAAD für meine Kosten hier aufkommt. Verpflegen muss ich mich selbst. Nach einer Weile habe ich festgestellt, dass es noch weitere Praktikanten und Lehrer an der anderen Uni in León, der UNAN gibt. Für sie gibt es die Unterkunft und Verpflegung in einem Studentenwohnheim, hier werden theoretisch auch Filmabende und andere Veranstaltungen organisiert. Leider sind mir, als Praktikantin an der ULSA, diese Vorzüge nicht vergönnt. Ich bin mit meinem Praktikum hier keinesfalls generell unzufrieden oder bereue meine Entscheidung, nach Nicaragua zu kommen. Aber enttäuscht darüber, dass mir das Praktikum ganz anders beschrieben und schmackhaft gemacht wurde, bin ich schon.

Sarah Bannholzer

Hallo, mein Name ist Sarah und ich bin seit Mitte August in León, Nicaragua. Dort mache ich ein Praktikum als Deutschlehrerin und versuche in meiner Freizeit Nicaragua so gut wie möglich kennenzulernen. Anschließend werden für mich die Nachbarländer Costa Rica und vielleicht auch Panama in den Fokus meiner Reise rücken. In den kommenden Monaten möchte ich euch hier von meinen Erlebnissen berichten,von meinem Alltag in León, von touristischen Highlights, Surferstränden, einsamen Inseln, unberührter Natur, Bergdörfern, Kolonialstädtchen und natürlich meinen Erfahrungen mit dem Unterrichten.