Aberglaube, Halloween, Karaoke und Bukit Timah

Aberglaube, Halloween, Karaoke und Bukit Timah

Hallo liebe Daheimgebliebenen!

Wieder ist eine Woche vorbei und ich begrüße einige neue Zwangsverpflichtete im Verteiler. Ich weiß zwar nicht, obIm Halloween-Bus durch Singapurs Nachtleben jemand den Text überhaupt liest, aber ich glaube einfach mal dran.

Glaube ist hier übrigens eine wichtige Sache – genauso wie der Aberglaube. Horoskope sind ein Thema, sowohl unsere als auch die chinesischen, aber auch Glückszahlen spielen eine große Rolle. Für einen Kollegen (Hallo Flo, ich hoffe Du liest das nicht!), der gestern Geburtstag hatte, wollten wir einen Budda kaufen. Wir konnten den Preis ein Stück runterhandeln, bis die Verkäuferin uns SGD 88 vorschlug, unser Ziel war 80. Doch jetzt wollte sie kein Stück mehr nachgeben, denn die 8 ist eine chinesische Glückszahl und diese auch noch doppelt ist ein unübertreffliches Glückssymbol. Letztlich einigten wir uns, dass wir 80 bezahlen, ihr die 8 Glück bringen wird und wir mit der 0 durchaus zufrieden sind.

In den Geburtstag haben wir übrigens reingefeiert (und raus auch …) mit einer Halloween-Party. Dass Halloween erst am 31.10. ist, nimmt man hier nicht so genau. Die Halloween-Bustour, an der wir teilnehmen ist wohl schon berühmt (vielleicht sollt man sagen berüchtigt?) in Singapur. Vor 2 Jahren hatte das australische Fernsehen darüber berichtet und hat ein sich im Bus „küssendes“ Paar gezeigt, was die Regierung von Singapur veranlasst hat, eine Verordnung zu erlassen, dass Sex im Halloween-Bus verboten ist. Aus Protest habe ich beschlossen, ab sofort enthaltsam zu leben! Jedenfalls war die Nacht unglaublich, die gängigsten Kostüme waren japanische Schulmädchen und männliche Ärzte, die genialsten ein Pferd, ein Adler, eine Kuh, ein Waschkorb – wieder andere waren zwar nicht genial, aber optisch ansprechend. Und dazu gab es für „Zugereiste“ die Gelegenheit 7 Singapurer Clubs und Diskotheken in einer Nacht kennenzulernen. Ich glaube so viele kenne ich in Hamburg nach 4 Jahren noch nicht …

Eine weitere Attraktion war mein erster Besuch eines echt asiatischen Karaokes (heißt hier KTV), das Donnerstag abend von der Abteilung hier angesteuert wurde. Eine bessere Adresse war ausgewählt worden in einem guten Golfclub, wo wir einen separaten Raum bekamen, was ein Teil der gröbsten Ängste nahm. Dort saßen wir dann um kleine Tische, hatten eine eigene Videoscreen, Megaboxen, Essen und Getränke auf dem Tisch und zwei Mikrofone. Durch ein Duett mit einem Kollegen ermutigt habe ich mich dann auch an Soli rangewagt und mich das ein oder andere Mal grob verkalkuliert. Jetzt weiß ich auch, warum Phil Collins so viel Geld fürs Singen kriegt. Aber einige waren auch echt gelungen und der Hammer war es, asiatische Lieder mitzuerleben. Zwei vorbildlich traditionell chinesisch erzogene Kolleginnen saßen bewegungslos auf dem Sofa und sangen in zerbrechlich zarten Stimmen chinesischen Jasminblütenpop und unser Typ vom Japanese Desk musste sich erst nötigen lassen, bis er bereit war, ein japanisches Lied für uns zu singen – falsche Vokabel, zu performen! Er stand dazu auf, hielt während des ganzen Liedes die Augen geschlossen (kannte den Text also auswendig) und schmetterte inbrünstig den altbekannten Gassenhauer „Sukiyaki“ während der ganze Körper mitging. Unglaublich! Wahnsinn! Ich glaube, ich komme mit ein paar asiatischen CDs nach Hause …

Aber hier gibt’s nicht nur Party (falsch, ich glaube für einige gibt es nur Party), sondern auch Natur. Samstag morgen war ich als Frühaufsteher vor der Frühstücksverabredung mit ein paar Freunden (11:00 Uhr, pah!) im letzten ursprünglichen Dschungel Singapurs, dem Bukit Timah Nature Reserve. Auf dem Weg dahin wunderte ich mich, wie viele Leute Samstag morgens joggen, hunderte kamen mir klatschnass geschwitzt entgegen, viele mit einem Handtuch um den Hals. Selbst schuld, wenn man bei diesem Klima joggt! Knapp 2 Stunden später kam ich aus Bukit Timah wieder raus und war klatschnass – und ich war nicht gejoggt! Kennt Ihr diese Situation, wenn sich auf dem T-Shirt um die Achseln Flecken abzeichnen? Das wird hier nie passieren, da das ganze T-Shirt einheitlich durchweicht und somit einfach „die Farbe wechselt“ … Die 2 Stunden habe ich auf zwei abgelegeneren Tracks des Parks verbracht, Affen gehört und verschiedene, unbekannte Tierarten gesehen, die sich in der Größenklasse zwischen Maus und Marder bewegen. Die Luftfeuchtigkeit, die in Singapur üblicherweise zwischen 90 und 95% liegt muss hier noch höher sein. Ohne dass es geregnet hat, ist alles feucht, Tropfen perlen von Palmblättern, Moose die sich um Schlingpflanzen winden sind getränkt mit Nässe. Dschungel, Regenwald, Tropen! Der Bukit Timah ist übrigens auch der höchste Berg Singapurs – mit 84 m; aber bei diesem Klima ist selbst so ein Hügel ein ganz schöne Herausforderung. Jedenfalls stand ich nach 2 Stunden da in einem nicht frühstücksfähigen Outfit und musste Plan B einschlagen: Deo kaufen (Nivea, ca. EUR 2), neues T-Shirt kaufen (100% Cotton, witziger Aufdruck, EUR 5), in der Umkleidekabine kurz erfrischen und ab gehts. Es war übrigens 12 als ich im Frühstückscafe ankam und ich war der erste. Gegen 12:30 waren wir zu viert, 2 schafften es überhaupt nicht zum „Frühstück“ und ich bestellte mir einen Cesars Salad …

Grüße aus 31-Grad-Waerme!

Jens.

Jens Freyler