Albinos Alton Abraham – Illinois

Abraham Lincoln im Kreise seiner Lieben

Uns erreichten mails mit der Bitte doch auch einmal kurz zu schildern, wie es uns bei all den Eindrücken und Erlebnissen auf unserer Reise geht. Diesem Wunsch wollen wir hier zu Anfang gern folgen.

Es ist schnell erzählt: Wir fühlen uns ausgezeichnet, um nicht zu sagen pudelwohl. Wie auch beim letzten Mal in 2011 empfinden wir wieder diese leichte Lebensart der Amerikaner als wohltuend, genießen ihre Höflichkeit und Hilfsbereitschaft, knüpfen zahlreiche Kontakte nicht zuletzt wegen unseres Wohnmobils mit dem außergewöhnlichen Nummernschild.

Die Reise verläuft bisher wie geplant ohne größere Zwischenfälle, von Kleinigkeiten einmal  abgesehen. Aktuell hat sich die Klimaanlage im Wohnmobil verabschiedet. Die Spezialisten von Camping World, einer Amerika weiten WoMo-Reparatur- und Servicekette, haben sich mehrere Stunden damit beschäftigt, brachten sie aber nicht wieder zum Kühlen. Fachkundige Hilfe aus Deutschland zeitigte auch kein anderes Ergebnis. Und so sind wir denn wohl fast das einzige Wohnmobil, das bei dem feucht heißen Wetter ohne Klimaanlage auskommen muss. Was soll’s, es gibt Schlimmeres.

Unserer Reiseneugierde tut dieser Umstand keinen Abbruch. Nach wie vor warten wir gespannt darauf, was sich hinter der nächsten Kurve verbirgt, wobei der Haken in dem Wörtchen „Kurve“ liegt. Die Straßen verlaufen meistens rasterförmig entweder von Nord nach Süd oder von Ost nach West. Der Anblick der Natur wechselt ab zwischen Mais- und Sojabohnenfeldern,  wie auch schon in Iowa durchsetzt mit unvorstellbar großen Silos.

Das hört sich zunächst nach Langweile an. Weit gefehlt! Allein der Name Illinois bürgt für Spannung. Denn er leitet sich ab von der französischen Version „Algonquin“ und bedeutet so viel wie „Krieger“ bzw. „Stamm der höhergestellten Männer“.

Und in der Tat, Illinois ist ein State voller nicht immer friedlicher Entwicklungsstränge. Wer Illinois wegen seiner Natur bereist, mag enttäuscht wieder heimkehren. Das Spektakuläre wie in den westlichen States oder Rocky Mountains ist hier nicht zu finden. Dieser State des Mittleren Westens hat andere Qualitäten, z.B. die Prärielandschaft und den Mississippi, beides voller Emotionalität immer wieder beschrieben.

Illinois in den Augen eines Dichters…

Carl Sandburg (1878-1967), ein großer amerikanischer Poet (Geburtshaus als State Historic Site ist in Galesburg zu besichtigen), zeichnete folgendes Bild: „I was born in the prairie and the milk of its wheat, the red of ist clover gave me a song and a poem / Ich bin in der Prärie geboren, und die Milch ihres Weizens, das Rot ihres Klees lieferten mir einen Song und eine Gedicht“. Ja, die Prärie lädt zu unerschöpflichen Gedankengängen ein.

… und aus der Sicht der Geschichte

Lincolnstatue in Sprinfield, Illinois

Lincolnstatue in Sprinfield, Illinois

Realistischer zeigt sich die Geschichte des States. ABRAHAM heißt das Stichwort, denn Illinois nennt sich auch „The State of Abraham Lincoln“. Intensiv und eindrucksvoll kann man den Spuren des auch heute noch verehrten, ehemaligen Präsidenten folgen. Obwohl er nur knapp fünf Jahre  regierte – bekanntlich fiel er 1865 einem Attentat zum Opfer – errang er  als 16. Präsident durch sein unerschrockenes Eintreten gegen die Sklaverei des Südens einen Ehrenplatz  in der Galerie der bis heute 44 amerikanischen Staatsoberhäupter. Allein in Illinois gibt es nicht weniger als 215 (!) ihm gewidmete Museen, Historic Sites,  Gedenkstätten und Informationstafeln oder Parks mit  unzähligen Statuen. Wer möglichst viele von ihnen besichtigen möchte, dem empfehlen wir den „Lincoln Heritage Trail“, der sich kreuz und quer durch den State zieht.

Lincoln tront über allem

Lincoln tront über allem

Als besonders hervorragend im Erhalt des historischen Lincoln-Erbes erweist sich der Regierungssitz dieses Bundesstaates,  Springfield.  Lebendige Museen sowie die „Presidential Library“ sind wahre Besichtungs- und Informationsschätze. Gelungen sind sowohl die Darstellungen seines Lebens vor der Präsidentschaft als Rechtsanwalt und Lokalpolitiker als auch sein Weg nach und Leben in Washington. Ein eigener „Historic District“ versetzt den Besucher in die „Welt des Abraham Lincoln um 1850 bis 1860“ mit den damaligen Häusern und Straßen. Das Innenleben dieser Originalnachbauten kann per geführter Tour besichtigt werden.

History Comes Alive

Das alles geschieht – nicht nur in Springfield – unter dem Motto „History Comes Alive / Geschichte wird lebendig“.  Als weitere Stätten gesellen sich z.B. die Orte Alton, Vandalia, Lincoln, Clinton, Pekin, Dixon, Galesburg Pontiac oder das Museumsdorf New Salem bei Petersburg hinzu. Dabei sind Führungen in „historischen Kostümen“ der oberflächlichste Teil der Darbietungen. Entscheidende Wendepunkte der Geschichte werden nachgespielt, wichtige Reden noch einmal gehalten, sei es in den Museen, sei es an den Originalschauplätzen.

Smalltalk mit Lincoln in Springfield-History Comes Alive

Smalltalk mit Lincoln in Springfield-History Comes Alive

Alles ist hervorragend organisiert und verleiht guten Einblick. Die entsprechenden „Spielpläne“ erhält man in den Touristeninformationen. In größeren Orten, wie z.B. in Springfield, kann man mit innerstädtischen Buslinien für wenig Geld die einzelnen Spielstätten und Besichtigungsorte erreichen (Tageskarte ca. $3).

Insbesondere die damaligen Wahlkampfredeschlachten mit seinem Erzkonkurrenten Stephen Douglas finden Widerhall. Verehrt wird Lincoln aber hauptsächlich wegen seines Kampfes gegen die Sklaverei, welche Douglas als naturgegeben befürwortete.

Zwei Lincoln-Argumente werden dabei immer wieder hervorgehoben. Zum einen You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time.
Du kannst alle Menschen für eine kurze Zeit täuschen, und du kannst einige Menschen für immer täuschen, aber Du kannst nicht alle Menschen für immer täuschen“;
zum anderen: „As I would not be a slave, so I would not be a master. This expresses my idea of democracy / Da ich nicht Sklave sein möchte, will ich auch nicht Herr sein. Dieser Gedanke drückt meine Vorstellung von Demokratie aus“.

Wobei Lincoln es nicht nur bei Worten beließ, auch bereits vor  seiner Präsidentschaft. So beteiligte er sich während seiner Springfield-Zeit aktiv an der sogenannten „Underground Railroad“, d.h. an einer Untergrundfluchthilfeorganisation, die entlaufenen Sklaven an geheimen Orten Unterschlupf gewährte und somit oftmals zum Entkommen in die Freiheit verhalf.

Bei aller Verehrung, die Illinois diesem großen Staatsmann entgegenbringt, wird aber auch nicht verschwiegen, dass Lincoln als junger Mann im sogenannten „Black Hawk Krieg“ als Freiwilliger teilnahm. Dieser Krieg führte schließlich zur endgültigen Vertreibung mehrerer Indianerstämme aus ihren Siedlungsgebieten in der Gegend von Rock Island. Dem Stammesführer „Black Hawk“ hat man nunmehr quasi als Teil einer späten Wiedergutmachung ein National Historic Site errichtet.

Springfield Illinois - The Lincoln Troubadours

Springfield Illinois – The Lincoln Troubadours

Beenden wir diesen Abschnitt musikalisch. Im musealen Old State Capital in Springfield präsentierte eine A-Capella-Gesangsgruppe, „The Lincoln Troubadours“, bestehend aus acht jungen Musikstudenten, eine perfekte Performance mit „Liedern aus dem Bürgerkrieg“, 45 Minuten geschichtlicher und musikalischer Hochgenuss.

The Presidential State…

Illinois, „The State of Our Presidents“ brachte einen weiteren berühmten Sohn hervor, Ronald Reagan. „Mr. Gorbachev, Tear This Wall Down / Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!“. Wir erinnern uns an die jüngste Geschichte, nur gut 30 Jahre her. Auch hier spiegelt sie sich wider, z.B im Ronald Reagan Museum in Eureka aber auch in Dixon oder Galesburg. Der gut ausgeschilderte „Ronald Reagan Trail“ führt an die wichtigsten Stationen seines Lebens.

Noch aktueller gefällig? Kein Problem: Barak Obama war hier in Illinois als Senatsmitglied tätig, bevor er 2008 zum Präsidenten gewählt wurde. Chicago, die Stätte seines juristischen und politischen Wirkens bietet bereits heute Stadtrundfahrten unter dem Thema „President Obama Highlights“ an.  Und man bastelt schon an der Erstellung und Bewahrung seines historischen Nachlasses, wie einem aktuellen Artikel in der „Chicago Sun-Times“ zu entnehmen ist. Es wurde ein hochkarätiges Komitee aus der Taufe gehoben, welches sich zunächst um den reputationsträchtigen Standort für die „Presidential Library“, halb Bücherei, halb Museum, kümmern soll. Die besten Karten hat im Moment Chicago, eine von Obamas vorherigen politischen Wirkungsstätten.

… und andere Größen

Captain Popeye

Captain Popeye

Aber lassen wir nun die Präsidenten einmal beiseite. Illinois hat weitere „große Persönlichkeiten“ hervorgebracht. Wer dabei gleich an „Superman“ denkt, wird nicht enttäuscht. In Metropolis ist eine überlebensgroße, filmische Statue mit angegliedertem Museum zu besichtigen.

Und wer kennt ihn nicht, die lustige Comicfigur „Captain Popeye“. Mit bekannt verkniffenem Gesicht, die Wangen aufgeblasen und mit Zigarre im Mund blickt er in Chester über den Mississippi.

Robert Wadlow

Robert Wadlow

„Alton’s Gentle Giant / Altons Freundlicher Riese“ ist eine der zahlreichen Attraktionen dieses quicklebendigen Ortes am Mississippi. Robert Wadlow mit seinen 8feet, 11.1inches (2,72m) gilt er als der größte Mensch der jemals gelebt haben soll. Für ein Foto stelle man sich am besten neben seine lebensgroße Statue und fühle sich dabei ganz klein.

Nicht immer nur Präsidenten

ALTON zeigt sich neben Lincoln und Wadlow aber noch wegen vieler weiterer Attraktionen bereisenswert, beginnend mit dem 33 Meilen langen Mississippi-Missouri Scenic Byway. In einem State Park ganz in Stadtnähe kann man den Zusammenfluss dieser beiden riesigen Ströme bestaunen. Wir trafen ihn allerdings geschlossen vor, mit relativ leicht überwindbaren Zugangsschranken. Denn trotz intensiven Deichbaus und/oder Schaffung von Überlaufflächen konnten große Überflutungen wie z.B. 1993 und 2005 mit Hunderten von Toten und unüberschaubaren Sachschäden nicht verhindert werden. Jeder stärkere Regenfall führt  zu einer „Beinahekatastrophe“. In diesem Fall an der State Border von IOWA und ILLINOIS hat es am Zusammenfluss von Mississippi und Missouri allein wegen langen starken Regens jetzt im Mai 2013 wiederum gefährliches Hochwasser mit Deichbruch gegeben. Die Lücke im Deich wirkt außerordentlich bedrohlich, zumal das Wasser nur wenige Zentimeter unterhalb fließt.

Nach dem Mississippihochwasser Mai 13-Zusammenfluss mit Ohia River

Nach dem Mississippihochwasser Mai 13-Zusammenfluss mit Ohia River

Ein ähnliches Bild zeigte sich übrigens 400 Km südlicher, im Dreiländereck von KENTUCKY; MISSOURI und ILLINOIS nahe der Stadt Cairo. Ein State Park ist rings um den Zusammenfluss von Mississippi mit dem nicht minder mächtigen Ohio River errichtet worden, mit Naherholungsgebiet, Campingplatz und Aussichtsturm. Seit dem Maihochwasser ist hiervon nicht mehr viel übrig. Die Landnase des Zusammenflusses hat es komplett weggerissen, von Naherholungsgebiet und Campingplatz wollen wir lieber gar nicht mehr reden, der Aussichtsturm steht jetzt an der Uferabbruchkante. Dafür ist das gesamte Areal überhäuft mit baumdickem Schwemmholz und Treibgut.

Zurück nach Alton. Besonders hervorragend präsentiert sich das „Great River Museum“ mit dem angegliederten „Confluence Tower“, d.h. einem dreistöckigen Aussichtsturm am Zusammenfluss von Missouri und Mississippi. Gleich nebenan lohnt sich eine Führung entlang der riesigen Schleusenkammern.

Stärker im Reich der Legende angesiedelt, ist die Entstehung des Piasa (sprich: Pie-a-saw) Parks mit seinem „Ungeheuer“, welches der Entdecker Marquette dort um 1670 gesehen haben will.

Da halten wir uns dann doch lieber an den „Lewis & Clark Historic Site“. Anand eines Original getreuen Nachbaus ihres Schiffes wird die zweijährige Erkundungsfahrt (1804-1806) den Missouri stromaufwärts dargestellt. Hier in Alton hatten sie damals ihr Winterlager aufgeschlagen, um die Reise vorzubereiten.

Womit wir schon wieder bei Geschichtlichem wären. Aber dieses Phänomen ereilt den Besucher hier auf Schritt und Tritt. Deshalb wollen wir auch Folgendes nicht unerwähnt lassen.

Urindianische Kultur – ein weiteres Mal

Cahokia Mounds bei Collinsville, Illinois

Cahokia Mounds bei Collinsville, Illinois

Wie bereits in Iowa gesehen,  gibt es auch in Illinois, bei Collinsville bedeutende Funde der ursprünglichen „Mounds-Kultur“. Mit den „Cahokia Mounds“ gelang es erstmalig die Anlage einer ganzen Stadt aus vorindiansicher Zeit zu erforschen, wenn wissenschaftlich natürlich auch noch viele Unsicherheiten bleiben.  Dem Betrachter bietet sich auf den ersten Blick ein Abbild früherer Inkakulturen dar. Was in Großbritannien für „Stonehenge“ gilt, findet sich bei den Mounds als „Woodhenge“ wieder. In beiden Fällen ein bewusst angelegter Kreis, hier aus Steinsäulen, dort aus Holzpfählen, für astrologische und kultisch-religiöse Zwecke.

Kunst im öffentlichen Raum

Hauswandkunst in Arcola

Hauswandkunst in Arcola

„If These Walls Could Talk / Wenn Diese Mauern Sprechen Könnten“ heißt die Überschrift zu „Von der Kunst geleiteten Spaziergängen“ durch mehrere kleine Orte. Arcola, Pontiac und Joliet haben sich diesbezüglich besondere Verdienste erworben. In letzterem Städtchen sind gut 100 Wandbilder, Mosaiken und Statuen zu erkunden.

Hauswandkunst in Pontiac

Hauswandkunst in Pontiac

Sie dienen natürlich der Verschönerung der Innenstädte unter dem Motto „Community Public Art“. Sie schildern obendrein oft aber auch die Geschichte der Gemeinden, wie z.B. besonders in Arcola.

Schützenswert

Nun, bevor uns Geschichte und Kunst völlig erschlagen, gehen wir doch lieber über zu unseren ALBINOS. In dem Dorf Olney, nicht auf jeder Landkarte ausfindig zu machen, leben sie, diese putzigen weißen Squirrels mit den roten Augen. Sie gelten als so

Weiße Squirrel

Weiße Squirrel

kostbares „Gut der Natur“, dass man ihnen in einem besonderen Naturpark nicht nur  Nistgelegenheiten baute, sondern auch für einen weiten Umkreis drum herum besondere Verkehrsregeln einführte. Das „Right-Of-Way to the Squirrels / Vorfahrt für die Squirrels“, gepaart mit einem „Verbot allgemeiner Sicherheitsbedrohnung“ für die Tiere wird bei Nichtbeachtung mit hohen Geldstrafen belegt (bis $10.000).

Vielleicht ist diese Form einer „touristischen Eroberung“ des States Illinois nicht jedermanns Geschmack. Uns hat sie in ihren Bann geschlagen mit den früher schon einmal erwähnten „Kleimnodien am Wegesrand“.

The Windy City

Chicago Riverwalk

Chicago Riverwalk

Und zum Schluss dieses Teils der Reise(beschreibung) tauchen wir noch ein in die verkehrsmäßig mehr stehende als rollende Megacity Chicago. Man kann nur raten, das Auto außerhalb des Stadtgebietes und der Vororte stehen zu lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln „downtown“ zu segeln. Unsere Suche nach einem „stadtnahen“ Campingplatz kostete nicht nur mehrere Stunden sondern blieb zusätzlich trotz anderslautender Informationen im AAA Campingführer bzw. Garmin-Navigator absolut erfolglos.

So stehen wir nunmehr friedlich auf einem KOA-Campingplatz rund 90Km nordwestlich von Chicago, in Union in ländlicher Idylle und bei direkter Nachbarschaft zu einem Wild-West-Vergnügungs- und Erlebnispark. Durch die dichte Grenzhecke genießen wir akkustisch, „Wie der Wilde Westen Wirklich War“, dank der drei täglichen Vorstellungen.

„Doiwntown“ geht es jetzt nur noch in knapp 90 Minuten mit der Bahn, denn der nächste Bahnhof liegt lediglich 15 Autominuten entfernt. Die Ticketpreise in 2013 sprechen für sich: eine einfache Fahrt an Werktagen $8,25, das Wochenendticket mit beliebig vielen Fahrten hingegen $7,00.

„Old Mother Road“, die legendäre Route 66 beginnt in Chicago. Sie war übrigens die erste Interstateverbindung von Chicago nach L.os Angeles. Allerdings ist die ursprüngliche Route nur noch rudimentär vorhanden, was der neuen Routenführung an Belebung mit abenteuerlichen Motorradgruppen keinen Abbruch tut.

Mit Ersterscheinungen kann Chicago noch mit weiterem aufwarten. Hier wurde der erste Wolkenkratzer erbaut. Und  hier hat McDonald’s 1955 sein erstes Fastfood Restaurant eröffnet.

Wie erobert man sich diesen Stadtmoloch? Wir haben für $40pP das Drei-Tages-Ticket eines Sightseeingsbusses erstanden, was wir im Nachhinein nicht bereuen. Auf seiner 17-Meilen-Route läuft der oben offene Doppeldeckerbus viele sehenswerte Stätten an. Im Hop-On-Hop-Off-Verfahren bleibt immer die Auswahl, ob man nun im Milleniumpark schlendern und sich in der Spiegelplastik „The Bean / Die Bohne“ als Spiegelbild wiederfinden, das Field-.Museum besuchen, sich auf der Navy Pier vergnügen oder vielleicht ein erfrischendes Bad an einem der 31 öffentlichen Sandbadestrände im Michigansee nehmen möchte. Vielleicht mag man auch die Weltraumreise der Voyager 1 durch schwarze Löcher in unbekannte Sonnensysteme miterleben. Hierfür bietet sich das Adlerplanetarium an.

Chicago Blick vom Willis Tower

Chicago Blick vom Willis Tower

Mit etwas Geduld wegen der langen Wartezeiten (bis zu drei Stunden) fasziniert den Besucher auch ein Rundblick vom Skydeck des Willis Tower über den „Urwald der Wolkenkratzer“. Mutige riskieren den Blick direkt 412m nach unten von dem durchsichtigen und begehbaren Akrylbalkon „The Ledge“. Oder aber man stürzt sich in das Shopping-Gewühl auf der Magnificent Mile. Wer dann noch nicht genug hat, schippere per Boot auf dem Chicago River durch die Downtown, wobei ein Spaziergang auf dem Chicago Riverwalk mindestens ebenso reizvoll ist, dafür aber gratis.

Chicago – The Windy City, wie sie genannt wird. Wir hatten Glück mit unseren herrlichen Sommertagen dort. Bei guten 25°C unter wolkenlosem Himmel kam die leichte erfrischende Brise gerade recht.

Chicago – The Dirty City Das mag vielleicht einmal so gewesen sein.  Man würde der Stadt heute damit Unrecht tun. Zumindest die Downtown und die angrenzenden Stadtviertel fanden wir sauber vor, geschmackvoll mit Blumenbeeten durchsetzt. Durch Bäume begrünte Straßen inmitten der Hochhäuser verleihen dem Stadtbild eine beruhigende, parkähnliche Ausstrahlung.

Chicago – The Criminal City. Das Flair ist geblieben, stimmt aber wohl nicht mit der Realität überein, wenn man offiziellen Verlautbarungen glauben schenken darf. Die Zeiten  Al Capones sind längst vorüber. Die Stadt „gedenkt“ seiner immerhin auch heute noch, im touristischen Sinne.

Wir waren von dieser Stadt begeistert. Ihr Besuch bildet sicherlich einen großen Höhepunkt dieses Reiseabschnittes durch Illinois.

 

 

Wolf Leichsenring

Gabriele & Wolf Leichsenring „Die Welt ist ein Buch. Und wer zu Hause bleibt, liest nur eine Seite darin“, lautet ein Spruch des weltoffenen Heiligen Augustinus (354-430 AD). Gabriele & Wolf Leichsenring sind lesefreudig. Mit einer einzigen Buchseite haben sie sich noch nie zufrieden gegeben. Wohnmobilisten seit nunmehr 30Jahren – und somit völlig „hoteluntauglich“ - blättern sie stetig im „Buch der Erde“, haben sich darin bereits recht vielfältige Kapitel erarbeitet. Sie reisen überall dorthin, wohin das Wohnmobil sie trägt. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, ihr WoMo auch einmal für eine längere Schifffahrt verladen zu lassen, z.B. nach Nordamerika. Seitdem sie ihren früheren beruflichen Pfaden (Lehrtätigkeiten) den Rücken gekehrt haben, stehen Langzeitreisen in fernere Ecken unseres Erdballs auf dem Programm. Mit der Zeit würden sicherlich viele der gewonnen Impressionen im Nebel der Erinnerungen verblassen oder gar gänzlich verschwinden. Um dem vorzubeugen, werden Berge von Fotos geschossen und regelmäßig Reiseberichte geschrieben. Damit nicht genug! Anfragen von Zeitungsverlagen ließen und lassen sie „live von unterwegs“ berichten. Blogs, sowohl auf der eigenen Website ( http://ga-wo.leichsenring.net/reisen/ ) wie auch schwerpunktmäßig für den Reisebuchverlag „traveldiary“, Hamburg, ergänzen das Schreibprogramm. Somit erscheint es dann nur konsequent, dass derartige Aktivitäten schließlich in der Publikation mehrerer Bücher mündeten mit den Themenschwerpunkten „Nordamerika“ und „Marokko“. Als gefragte Dozenten berichten sie in Form von DiaVorträgen über ihre Reisen, wobei die Zuhörerschaft sich entweder den eigenen Erinnerungen hingeben, auch einmal neue Pläne schmieden, ihren Wissensdurst stillen oder sich einfach in Träumereien fallen lassen kann. Bewährt hat sich Arbeitsteilung der beiden Globetrotter: Mit ausgeprägtem, motivsicherem Blick bannt Gabriele Leichsenring das Gesehene und Erlebte in ihre Kameras. Die entsprechenden Texte stammen aus der Feder von Wolf Leichsenring. Und so arbeiten sich diese neugierigen, vom Fernweh heimgesuchten Weltenbummler durch das dicke Buch des Globus‘. Wer aber auch eine andere – künstlerische – Seite dieser beiden Reiseautoren kennenlernen möchte, der rufe einfach deren weitere Website auf: http://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/