Frohe Oster(feuer)

Erst einmal „Frohe Ostern“ allerseits!

Zu Ostern hält im Raum Hamburg eine besondere Tradition einzug. Die sogenannten Osterfeuer. Was das besondere dann ist? Man zündet Holz an und das brennt dann.

Gut, das mag noch nicht so sonderlich spektakulär klingen, aber es entspricht in etwa dem in Teilen Nordfrieslands, an der Nordseeküste und auf den Inseln praktizierten Bikebrennen. Auch dort werden Holzstapel aufgehäuft und dann – meist früher im Jahr – mit Ihnen die Geister des Winters vertrieben.

Und ähnlich ist das auch in Hamburg und Umgebung. Dort immer am Ostersamstag, dürfen Holzschnitt und alles was auch nur irgendwie danach aussieht an diesem Feiertagswochenende aufgestapelt und verbrannt werden. Was vielfach im eigenen Garten passiert, passiert andernorts auf irgendwelchen Dorf- und Stadtteilplätzen und wird mancherorts auch mit ein paar Essensbuden bereichert.

Schaulustige beim Osterfeuer am Elbdeich, HamburgSo auch in Kirchwerder, wo uns Horst hin eingeladen hat. Hier, direkt am Elbdeich, wird gar ab 18:00 Uhr die Straße gesperrt – mehr oder weniger die einzige, die diesen Teil der Vier- und Marschlande mit der Außenwelt verbindet. Ob weil man den Verkehr vor Rauch und Funkenflug schützen will, weil man will, dass Reisende nicht weiterziehen können und am Fest teilnehmen müssen, oder ob man gerade allein und ungestört unter sich bleiben will, hier auf dem Hamburger „Dorf“, das weiß man nicht so genau. Wir jedenfalls sind noch rechtzeitig und verleiben uns bei Horst und Frauke erst einmal noch eine kleine Stärkung ein, bevor wir den Festplatz aufsuchen – übrigens gekennzeichnet mit gelben Schildern „Gelände betreten verboten“. Da dies die andern Hundert Leute aber auch nicht interessiert, besuchen wir den Festplatz ebenso, wie wir auch mit Hunderten anderer Schaulustiger den Deich erklimmen.

Warten auf das Osterfeuer, ElbdeichAuf der anderen Seite des Deichs, zwischen Deich und Elbe ist ein Bierwagen bereits mit durstigen Wanderern bevölkert und wartet der hoch aufgerichtete Holzstapel bereits auf das Feuer. Doch so schnell schießen die Preußen nicht, das wird hier geruhsam angegangen. Während vielerorts schon die Hoffeuer brennen und Rauchschwaden flächendeckend über das Land ziehen, wird in Kirchwerder auf die Dunkelheit gewartet.

So lange, kann man ja aber schon mal den Spielmannszug durch die Gemeinde ziehen lassen. Meine Hoffnungen auf „Lass die Finger von Emanuela“ werden zwar leider nicht erfüllt, aber ansonsten ist die Generationenband schmissig bei der Sache.

Spielmannszug beim Osterfeuer, Hamburg [MEDIA=11] Und mit dem Zug, nähert sich dem Holzstapel auch die Zeit der Geisteraustreibung. Kaum hätte man auch einen passenderen Tag finden können, um dem Winter den Garaus zu machen, seit ein paar Tagen ist die 20 Grad-Schwelle geknackt und die Schaulustigen können teils ohne Jacken ihre schon sonnenbrandverwöhnten Gesichter dem Feuer entgegenstrecken.

Flammen im Mond, HamburgIrgendwann fliegen dann die Fackeln in den Holzstapel, der von der Wärme der letzten Tage ausgetrocknet ist, der jedoch auch ein paar Eimer Schnellantzünder abgekriegt hat, so dass den Geistern keine Chance bleibt.

Der Mond steigt überm Kirchwerder Elbdeich in den Himmel und ich bin sicher, dass das Feuer noch lange lodert. Gesellig ist die Runde, immer wieder legt der Spielmannszug einen Klassiker nach, das Volk schunkelt zufrieden mit, singt dazu, genießt das ersts „Draußenbier“ in diesem Jahr.

Es stimmt, die Zeit ist reif, die Skier können eingemottet werden, die Sommerreifen wieder auf die Autos, Motorrad, Fahrrad und Gartenmöbel gewienert und ausgepackt, die Inliner gefettet und die Wintermäntel in den Schrank oder zum Roten Kreuz gegeben.

Hamburger Feuerwehr in Hab-Acht, Hamburg

Was das Feuer angeht, so wird es über Nacht runterbrennen, wird das Ufer geräumt und die Straße freigegeben sein müssen. Das wird wohl eine Aufgabe der Hamburger Feuerwehr sein, die auch jetzt schon mit Argusaugen die Flammen beobachtet und ein paar kleine Funkenquerschläger im Schilf mit Elbwasser löscht.

Und wenn die Flammen ausgehen, ist auch Hamburg soweit – der Sommer kann kommen!  Und ich bin es auch ;-)

Jens Freyler