Höllentor zum Paradies Mucha Suerte in Mexiko

Dieser Beitrag nimmt an der Wahl der besten Reiseberichte 2008 teil. Am Ende des Berichts könnt Ihr Eure Wertung abgeben!

Eine Übersicht der teilnehmenden Berichte findest Du hier.

Angst, pure Angst durchzieht jede Faser meines Körpers, der mich abwechselnd mit unkontrolliertem Zittern und kalten Schweißausbrüchen plagt. Brüllende Motoren dröhnen in mein Ohr, nur verschwommen nehme ich die alptraumhafte Umgebung wahr. Vor mir erstreckt sich ein schier unbezwingbares Weg, von hinten folgt mir ein Polizeiwagen mit Blaulicht. Panik pulsiert in all meinen Poren, während rechts und links von mir dubiose Gestalten dunklen Geschäften nachgehen. Es regnet in Strömen, ein dunkelgrauer Himmel droht von oben mit weiterem Ungemach. Stinkender Verwesungsgeruch liegt in der Luft, der von vergammelnden Müll in den heruntergekommen Slums links des Straßenrandes herüber zieht. Rechts zieht sich eine hoch bewachte Grenze, die mit ihrem Stacheldraht an alte DDR-Zeiten erinnert.

Wo bin ich, und wie bin ich hierher gekommen?

Einen Tag vorher. Samstag morgen an einem strahlend schönen Tag in San Diego, USA, dem Land der Freiheit. Der Fernseher läuft im komfortablen Hotelzimmer, mein Mann, mit dem ich seit einem Jahr durch die Welt reise, liegt neben mir. Es laufen die Nachrichten. In den letzten Tagen wurden unsere Nerven durch ständige Warnungen vor unserem nächsten Reiseziel strapaziert. Unabhängig, wem wir davon berichteten, die Reaktion war stets „O mein Gott, passt bloß auf euch auf! Das ist ein Dritte-Welt Land, dort ist es gefährlich, man wird euch überfallen, entführen, die Menschen dort sind schlecht, fahrt lieber nicht.“ Nein, wir sind nicht bereit, diesen gängigen Vorurteilen blind zu folgen, bilden uns lieber eine eigene Meinung und wollen dem Land eine Chance geben. Die attraktive alterlose Dame blickt ernst vom Bildschirm auf uns, die eingeblendete Schlagzeile lautet „Terror in Tijuana“. Jetzt auch noch eine Horromeldung aus dem Fernsehen. Es werden Bilder einer verwaisten Innenstadt gezeigt, Drogenbanden, die sich Feuergefechte mit der Polizei liefern, ein Wohnmobil eines unschuldigen Touristen, das Einschusslöcher hat. Ein Bandenkrieg hat sich in Tijuana entwickelt, nachdem der oberste Drogenbaron von der Polizei gestellt wurde und nun ein Kampf um seine Nachfolge entbrannt ist. Diese Informationen sind nicht ganz neu, die Bilder zum Teil ein Jahr alt. Vollkommen vom sensationslüsternen Fernsehen übertrieben – das kann uns nicht abschrecken. Es folgt ein aktuelles Interview mit dem Bürgermeister. „Würden sie zur Zeit Touristen empfehlen, in ihre Stadt zu kommen?“ „Nein, die Situation ist noch nicht stabil, geben Sie mir sechs Wochen, dann wird alles in Ordnung sein, das Militär wurde zur Hilfe geholt, da viele der Polizisten leider korrupt sind. Außerdem setze ich eine neu geschaffene Touristen-Polizei ein, die unseren Besuchern Schutz geben soll.“ Schweigend lassen wir den Fernseher weiterlaufen, ein mulmiges Gefühl hat sich in unsere Mägen geschlichen. Morgen werden wir die Grenze überschreiten, und von den USA nach Mexiko einreisen. Von San Diego nach Tijuana, durch den berühmt berüchtigten „Tortilla Curtain“, einer der am stärksten genutzten Grenzübergänge der Welt. Wir verlassen die uns bekannte westliche Welt und begeben uns ins Ungewisse. Lateinamerika wird unsere Heimat für die nächsten Monate sein. Aber zuerst müssen wir es heil hinein schaffen.Sonntag morgen. Unsere amerikanischen Freunde spendieren uns noch ein kräftiges Frühstück, es könnte ja das letzte unseres Leben sein. Dann winken sie uns zu und wir biegen um die Ecke ab zur Grenzstation, durch die sich eine achtspurige Autobahn zieht. Der mexikanische Grenzbeamte wendet kaum den Blick von seiner plärrenden Soap Opera auf seinem kleinen Fernseher ab. Einreisegebühr gezahlt, Stempel auf die Tourist Card, ein kurzes Kopfnicken und wir rollen weiter, mit sechs Monaten Aufenthaltsgenehmigung. Das ging erstaunlich schnell, in südliche Richtung ist die Grenze durchlässig. Tortilla Curtain USA/MexikoDann trifft uns Mexiko wie ein Faustschlag. Hinter der Grenze herrscht Chaos. Menschenmassen stehen herum, bilden eine Warteschlange, laute Musik grölt, ein Mix aus harten Rap und mexikanischer Folklore mit Gitarren und Akkordeonklängen. An kleinen, schmuddeligen Buden werden würzig riechende Tacos verkauft. Bunte Farben knallen uns entgegen. Sofort sind wir umzingelt von verwahrlost wirkenden Männern, die unser Fortbewegungsmittel betrachten. Unser Fahrrad, genauer gesagt, ein Tandem, dass uns schon 14.000 Kilometer weit getragen hat, voll bepackt mit Taschen. Alles wird angefasst, an den Sätteln gedrückt, die Griffe geprüft, an den Taschen gerüttelt. Ob Ihr Lächeln echt oder verlogen ist, können wir nicht deuten. Für den deutschen Geschmack kommen sie uns jedenfalls viel zu nah. So weit wir sie in ihrem Spanisch-Englisch richtig deuten, wollen sie vor allen Dingen wissen, wie viel das Rad gekostet hat. Wir geben vor, kein Wort zu verstehen und bewegen uns schnellstmöglich weg und starten auf dem Highway 1, der so genannten Transpeninsular, in Richtung Süden. Der Plan: Tijuana so schnell wie möglich hinter uns lassen und in friedlichere Gebiete kommen.Am Highway Verkehrszeichen in spanischer Sprache, ältere Autos, um nicht zu sagen, Wracks, die sich auf ihm bewegen, manchmal haben sie keine Motorhaube, eines fährt gar ohne Windschutzscheibe. Links von uns schlecht gepflasterte Gassen voller kleiner, gedrungener dunkelhäutiger Menschen, die lauthals für uns Unverständliches von sich geben. Es herrschen slumartige Zustände. Halbfertige Rohbauten, in denen Obdachlose und Junkies herum hängen oder Wellblechbehausungen, die dem Regen kaum Stand halten können. Auf der rechten Seite zieht sich die mit Stacheldraht gesäumte Grenze entlang. Zwischen uns und der Grenze sind wenige Meter, dazwischen stehen gehetzte Gestalten, deren Blick sehnsüchtig gen Norden oder auf ihr Handy gerichtet ist. Mexikaner, die auf das Signal ihres Spähers zum illegalen Grenzübertritt in das Land ihrer Träume warten. Die Straße vor uns ist in schlechtem Zustand, Ölschlieren machen sie ausgesprochen rutschig, dichter Verkehr rauscht an uns vorbei. Ein Ausweichen würde einen Sturz verursachen, da der bröckelige Asphalt sofort in einen kleinen Abgrund übergeht. Vor uns ein steiler Berg, wir quälen uns langsam hinauf, immer wieder rutscht das Hinterrad weg. Hinter uns taucht ein Polizeiwagen mit Blaulicht auf. Wollen die etwas von uns? Tatsächlich, das gilt uns, unmissverständlich bedeuteten sie uns anzuhalten. Wir stoppen und hoffen inbrünstig, dass es sich nicht um korrupte Polizisten handelt, die von uns einen kleinen Wege-Zoll fordern wollen. Freundlich nickt uns ein sehr junger und gepflegt wirkender Polizist zu. Er stellt sich stolz als Supervisor der neuen Touristen-Polizei vor. „Ihr könnt hier nicht alleine radeln, das ist zu gefährlich, schaut euch doch mal um. Ihr seid ein leichtes Opfer “ „Wir müssen hier aber lang, um aus der Stadt herauszukommen, wir wollen nach Süden.“ Eine aufgeregte Diskussion mit seinem Kollegen folgt, dann wieder ein aufmunterndes Lächeln. „Na gut, dann geben wir euch eben Geleitschutz und fahren hinter euch her. Vorher nehmen wir noch eure Personalien auf, sicher ist sicher.“Was heißt hier bitte schön sicher? Damit sie unsere Daten haben, wenn später unsere Leichen gefunden werden? Der Polizei Pick-Up staut den Verkehr hinter uns und passt auf uns auf, was mögen sie wohl von uns denken? Mein Kopf sagt „So kann uns nicht passieren“. Das Herz entgegnet „Ich habe Angst, wenn ich schutzbedürftig bin, muss ich in Gefahr sein!“ Eine halbe Stunde später hupen unsere liebenswürdigen Beschützer, rufen uns „Alles Gute, genießt unser Land und findet das Baja-Paradies!“ und lassen uns allein. Irgendwann hört der Regen auf, die Sonne kommt heraus und nach weiteren Stunden erreichen wir ein bewachtes Hotel am Highwayrand. Wir schließen die Tür unsere Zimmers fest hinter uns und atmen auf. Jämmerlich ist uns zumute, am liebsten würden wir hier nie wieder heraus kommen. Zwei Tage bewegen wir uns nicht vom Fleck, doch nachdem wir ein bisschen Freundschaft mit den sehr modernen mexikanischen Hotelangestellten geschlossen und unser Spanisch aufpoliert haben, machen wir uns wieder auf den Weg. Es kann nur besser werden!
Der Highway 1, die Transpeninsular, zieht sich wie eine graue Schlange über 1.500 km lang durch die gesamte Baja California, von der US-amerikanischen Grenze bis zum südlichsten Punkt der Halbinsel in Cabo San Lucas. Nach dem abschreckenden Start in Tijuana erreichen wir bald Ensenada, touristisches Zentrum des Nordens, oftmals heimgesucht von amerikanischen Junggesellenabschieden. Entsprechend nordamerikanisch aufgeräumt wirkt die Innenstadt, abgesehen von endlosen Souvenir-Läden, die Mexiko-Kitsch zu überhöhten Preisen verkaufen. Doch dann passiert es, bei Margaritas in kleinen runden Gläsern mit Salzrand in der traditionellen Hussong Bar unter der Musik von Mariachis kommt das erste Mexiko-Gefühl auf. Man sitzt an einfachen Tischen, die Erdnuss-Schalen werden direkt auf den Boden geschmissen und die Straßenmusiker werden nicht als lästige Bettler, sondern als Bereicherung des Abends angesehen, 5 USD pro Lied werden ihnen begeistert zugesteckt. Die nächsten Radeltage werden von viel zu dichtem Verkehr und der zu engen Straße geprägt. Es gibt nur eine asphaltierte durchgehende Straße auf der Baja, und jeder, wirklich jeder, muss auf ihr fahren, die großen Versorgungstrucks, Touristen, Wohnmobilfahrer und Einheimische. Dazu ein Tandem, für das leider kein Platz auf der Straße mehr ist, wenn sich zwei LKWs begegnen. Dann heißt es schnell in den Graben fahren, lieber eine unsanfte Landung also vom 18-Tonner mitgerissen zu werden. Als Ausgleich gibt es spottbillige Hotels in kleinen Dörfern, eher Rohbausiedlungen entlang des Highways, bei denen wir beim Inspizieren der Bettlaken lieber unsere eigenen Schlafsäcke herausholen.Wir merken zudem schnell, dass die Baja nicht flach, sondern extrem bergig ist. Nach einer besonders schnellen Schussfahrt ins Tal erreichen wir den kleinen, ländlichen Ort El Rosario, seit den fünfziger Jahren Anlaufpunkt der Hollywood Stars für den berühmten Lobster Burrito bei Mama Espinoza. Das kleine, erstaunlich wenig heraus geputzte Lokal bietet eine der besten Küchen der Halbinsel. In einer Kneipe mit niedrigen Decken, schlichten Tischen mit rot-weißen Plastikdecken wird frisch gefangener Fisch und traditionelle mexikanische Küche serviert. Mama (die Tochter der Ur-Mama) kocht, die Kinder servieren, dabei wird gerne mal der Gast angefasst und ihm ein warmes Schulterklopfen gegeben. Hier ist Wohlfühlen angesagt!Bei El Rosario macht die Straße einen 90 Grad Knick, und kurz danach werden wir gefangen genommen von der Einsamkeit der Desierto Central. Der Verkehr ist wie verschluckt, nur alle Viertelstunde kommt ein Fahrzeug vorbei, ich muss nicht mehr ständig in meinem Rückspiegel die Straße im Auge behalten. Brennender Sonnenschein und Temperaturen bis 35 Grad. Über Stunden kein Zeichen einer menschlichen Besiedelung. Stattdessen ein Meer von Kakteen. Wir können uns an ihrem Märchenland nicht satt sehen, wie sich uns mit langen Armen entgegenstrecken. Bis zu 12 Meter hohe Cardón-, Saguara- und Ohrenkakteen, dazwischen riesige Granitblöcke und endlose Wüste, die im mexikanischen Winter recht grün ist und uns mit einem Blumenmeer in rot und gelb verzaubert. Dazu der sonderbare Cirio Baum, der sich wie eine große Gabel, deren Spitzen mit grünen Blättern besetzt sind, meterhoch dem Himmel entgegen reckt und nur auf der Baja wächst. Manchmal beugt er sich auch zu Boden und bildet so einen natürlichen Torbogen, wie eine Einladung zum Eintritt ins Paradies. In diesen Tagen bestreiten wir Etappen über einhundert Kilometer, an deren Ende abends an einer Kreuzung in der Wüste ein kleiner, verloren wirkender Stand vorzufinden ist, an dem wir uns mit Tecate-Bier und Fisch-Tacos versorgen können. Auf dem schützenden Hinterhof dürfen wir unser Zelt aufstellen und werden mit einem gütigen „Buenas Noches“ in den Schlaf entlassen. Die Nächte im Zelt sind kühl, ein gigantischer Sternenhimmel bietet natürliche Abendunterhaltung.Abenstimmung Baja California, MexikoNeben dem Land fasziniert auch das Reichtum des Meeres. Gen Osten ist die Baja vom Golf von Kalifornien umspült, gen Westen tobt der Pazifik. In Guerrero Negro, an der Grenze zwischen Nord- und Süd Baja California, befindet sich das Zentrum der Walbeobachtung. In erstaunlich kleinen Booten geht es in eine Lagune. Ein wenig Klopfen am Boot, Plätschern im Wasser, schon kommen die grauen Riesen heran geschwommen, die deutlich größer als uns traditionelle Fischerboot sind. Man fragt sich, beobachten wir die Wale oder sie uns? Die Grauwale kommen ganz nah, lassen sich berühren, tauchen unter dem Boot herum, zeigen ihre in der Sonne glitzernde Haut, auf der sich Algen und Muscheln angesiedelt haben und bringen ihre Babys ans Boot heran. Noch nie hat ein Wal ein friedliches Beobachter-Boot zum Kentern gebracht, obwohl sie jederzeit dazu in der Lage wären. Nur einmal, als in früheren Zeiten ein Walfänger in die Lagune vordrang, gingen die Wale in den Angriff über und kenterten den Feind. Wir fühlen uns sehr klein in Anwesenheit eines bis zu 15 Meter langen und 34 Tonnen schweren Kolosses. Bei Guerrero Negro macht unser Weg wiederum einen großen Knick und führt uns vom Pazifik weg an die Ostküste der Baja. Immer heißer werden die Temperaturen, immer tropischer das Klima. Im Örtchen Mulege mit dem schönen Motto „Keine schlechten Tage“, bleiben eine Woche hängen und lassen uns vom extrem entspannten Lebensstil anstecken. Mittags schon ein Bier und ein kleiner Schnack mit den Nachbarn und Dorfbewohnern. Tacos mittags und abends. Strandspaziergänge. Ein schönes, einfaches Leben. Nur schwer konnten wir uns losreißen, doch schon wartete das Städtchen Loreto, Zentrum der Outdoor-Begeisterten, auf uns. Danach war es vorbei mit Zivilisation, noch einmal ging es durch Berge und Wüste, 350 einsame Kilometer lang.
Radfahren auf der BajaGenau 100 Kilometer vor La Paz, Hauptstadt des Südens, ein erneuter Höhepunkt: wir erreichen einen Truckstop, essen Carna Asada, gegrilltes Rindfleisch, langsam rückt schon der Abend heran, wir fragen den Wirt, ob wir auf seinem Hinterhof zelten dürfen. „Si, claro, aber ich habe auch noch ein Quartito, für 100 Pesos könnt ihr es haben, dann braucht ihr das Zelt nicht aufzubauen und habt Ruhe vor meinen vier Hunden. Das Plumpsklo teilt ihr mit meiner Familie und den Gästen.“ Das Hundeargument überzeugt, wir nehmen das 6 EUR Zimmer, das aus einem noch feuchten Betonraum und einem 1 Meter Bett besteht. Getränke für die Gastwirtschaft werden auch noch gelagert, aber wer will sich bei dem Preis beschweren? „Wenn euch langweilig ist, könnt ihr in mein Wohnzimmer kommen und fernsehen“ bietet unser freundlicher Wirt an. Der knatternde Generator, der nur zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens schweigt, hält nicht vom Schlafen ab. Es gibt traditionelle Huevos Rancheros zum Frühstück, Eier in Paprika-Soße auf Maisfladen, ein Händedrücken, Klapps auf den Rücken, „Suerte“, viel Glück wünscht der Mann uns noch, dann sitzen wir wieder im Sattel. Dann endlich wieder eine Stadt, La Paz. Mediterranes Flair direkt am Meer. Die Touristen sind eher in der Minderzahl, alles fließt seinen ruhigen Gang und abends wird am Malecon, der Uferstraße, mit Kind und Kegel flaniert. Vor zu starkem Alkohol-Genuss kann in La Paz nur gewarnt werden, die Bürgersteige führen über steile Hügel und ähneln eher einem Hindernislauf, immer wieder gibt es unebene Stufen, und der Abstand zur Straße kann über einen Meter betragen.

Wir haben es bis La Paz geschafft, jetzt wollen wir auch ganz nach Süden, wo die Baja zu Ende ist, zum Land`s End. In San Pedro, kurz bevor sich der Highway Richtung Süden teilt und man die Wahl zwischen Bergen oder Meer hat, steht ein palmblattgedeckter großer Taco Stand. „Carnitas Barajas“ ist sein Name. Hier wird der hungrige Radler satt, Tortillas mit Rind- oder Schweine-Fleisch sind im Angebot, dazu eine Selbstbedienungsbar voll leckerer Köstlichkeiten als Beilage.Mexikanisches Essen„Könnt ihr ein bisschen Spanisch sprechen?“ Der lebhafte grauhaarige Besitzer – Senor Jorge Barajas Lizardi – kommt auf uns zu. Zur Sicherheit bringt er seine hübsche Tochter Dora herbei, die ein wenig Englisch spricht. „Wo kommt ihr her, wo fahrt ihr lang?“ Wir erzählen unsere Geschichte, und Jorge kommt in Schwärmen. „Ja, so muss man das machen, wenn man jung ist. Die Welt sehen. Alle meine drei Kinder habe ich nach Kanada geschickt, damit sie Englisch lernen und etwas anderes als Mexiko kennen lernen. Und euer Tandem finde ich ganz toll. Haben euch meine Tacos geschmeckt? Es sind die besten in ganz Baja California!“ Ehefrau und die restlichen Kinder werden herbei getrommelt und uns vorgestellt. Wir machen noch schnell ein Foto mit dem warmherzigen Familienclan, dann schwingen wir uns wieder in die Sättel.
Mexikanische FamilieDie Nacht verbringen wir zeltend in der Wüste. Biegen vom Highway ab und suchen uns einen versteckten Platz hinter Kakteen. Schnell ist unser mobiles Heim aufgebaut und wir sitzen davor, lauschen den zwitschernden Vögeln und sehen ein Chamäleon. Später gibt es mexikanisches Labber-Brot mit Thunfisch aus der Dose. Macht nichts,wir sind für heute angekommen, haben etwas zu essen, und beim Sonnenuntergang in rot-lila über der Kakteen-Wüste wird es richtig romantisch. Zum Rauschen des nicht weit entfernten Meeres schlafen wir ein. Schöner kann das Leben nicht sein.

Eine Woche später, wir haben Land`s End am südlichsten Zipfel der Baja California erreicht. 1500 Kilometer Mexiko liegen hinter uns. Wir sitzen am Meer, trinken ein Tecate Bier, schauen zu, wie Seelöwen munter schwimmen und Pelikane über uns fliegen. Tiefe Ruhe und Frieden umgibt uns. Wir haben es geschafft, unsere anfängliche Angst überwunden und sind in den mexikanischen Fluss des Lebens eingetaucht. Nachdem wir das Höllentor Tijuana durchschritten hatten, wurden wir reich entlohnt: Wir fanden das Paradies. Es heißt Baja California.
Cabo San Lucas

Dieser Beitrag nimmt an der Wahl der besten Reiseberichte 2008 teil.

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Julia Meinhold