Mit dem Heißluftballon über Kappadokien

Über Kappadokien geht die Sonne auf. Keine Wolke ist am noch dunkelblauen Himmel zu sehen. Die Luft ist klar und kalt. Es ist beinahe windstill. Ich trage meine Kleidung im Zwiebelsystem und dennoch zittere ich, ziehe meine Wollmütze tiefer ins Gesicht. Noch gibt die frostige Nacht nicht kampflos auf.

Eine riesige Flamme bricht mit lautem Getöse los. Sie erwärmt die Morgenluft, schickt 350.000 Kubikmeter davon in einen elastischen Sack – ein Volumen, welches den Kölner Dom zum Platzen bringen würde.

IMG_6545 (Copy) IMG_6552 (Copy)Langsam, beinahe unmerklich, verlassen wir den Boden unter unseren Füßen. Als Kind habe ich mal versucht, so viele Luftballons aufzupusten, dass sie mich hätten tragen können. Doch scheiterte das Projekt einst an fehlendem Material. Es gab nicht genug Ballons.

Jetzt schweben wir in einem geflochtenen Korb bereits 20 Meter über dem Boden und steigen gemeinsam mit der aufgehenden Sonne. Immer höher geht es hinauf. Die anfängliche Kälte verfliegt. In der Nähe des Gasbrenners ist es beinahe angenehm warm.

Die skurrilen Felsformationen Kappadokiens liegen unter uns. Spitze Berge aus weichem, vulkanischem Erosionsgestein, in Jahrtausenden geformt. Doch spektakulär ist nicht nur die Landschaft, sondern auch der Luftverkehr. 100 Heißluftballons sind jeden Morgen in der Luft, um die Schönheit der Natur aus der Vogelperspektive zu beobachten. Mehr als 1.300 Fluggäste pro Tag. Kappadokien ist mit Abstand das zahlenmäßig größte Fluggebiet für Heißluftballons weltweit. Der Himmel ist übersät mit bunten Punkten. Hier und da züngelt eine Flamme unter den enormen Ballons.

IMG_6572 (Copy) IMG_6593 (Copy) IMG_6600 (Copy) IMG_6614 (Copy) IMG_6656 (Copy)Über das offene Walkie-Talkie unseres Piloten Halis können wir die Manöver der anderen Ballonführer mitverfolgen. Sie steigen mal auf und mal ab, immer auf der Suche nach geeigneten Winden, die den Ballon in eine noch eindrucksvollere Ecke der Gegend treiben.

Lila Wolken stehen am Himmel. Wir schweben über einer atemberaubenden Kulisse. Seit 1985 gehören Kappadokiens Steinformationen zum UNESCO-Weltnaturerbe und wir können uns kaum sattsehen an den unzähligen Abtragungen, Schluchten und Tälern, die den Reiz der Umgebung ausmachen. Felsschornsteine ragen, Phallussymbolen gleich, aus dem Erdboden. Seit ein paar Franzosen diese Formationen entdeckten, sind sie als das Love Valley bekannt.

Plötzlich sinken wir wieder. Nur wenige Meter gleiten wir an einer steilen Felswand vorbei. Halis manövriert zu unserem Staunen den großen Heißluftballon durch eine so schmale Öffnung zwischen zwei Bergspitzen, dass wir beinahe das Gestein berühren können. „Ich mache das nicht, um euch zu beeindrucken. Mir macht das einfach Spaß!“, scherzt er.

IMG_6685 (Copy) G0462771 (Copy) IMG_6669 (Copy) IMG_6743 (Copy) IMG_6797 (Copy)Dann geht es wieder hinauf. Immer höher, der Sonne hinterher, die mittlerweile den Tag vollends eingeläutet hat. Unmerklich steigen wir auf eine Höhe von 600 Metern. Ich kann es kaum glauben und erst ein vorsichtiger Blick über die Brüstung des Korbes bestätigt die Angabe des Höhenmessers auf erschreckende Weise. Doch für meine Höhenangst habe ich keine Zeit. Zu fasziniert bin ich vom Flug, von der Stille, von der Klarheit des Morgens, von der Schönheit der Natur.

Nach etwas mehr als einer Stunde setzen wir zur Landung an. Mit drei Metern pro Sekunden kommen wir der Erde wieder näher. Kurz vor dem Aufsetzen wird der Ballon an einem langen Seil in die richtige Position gezogen und landet perfekt und unerwartet butterweich auf dem Anhänger eines Pick-Ups.

Zum Abschluss serviert uns Halis, nach Tradition der Heißluftballonfahrer, Champagner, den wir uns hier, auf einem brachliegenden Acker, feierlich schmecken lassen.

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Wir bedanken uns bei Cappadocia Voyager Balloons für die Einladung zur Fahrt im Heißluftballon.

Morten und Rochssare

Aus dem hohen Norden Deutschlands hinein in die Welt. 2011 zog es Morten und Rochssare für zwei Jahre auf den südamerikanischen Kontinent. Per Anhalter und mit Couchsurfing reisten sie kreuz und quer zwischen Feuerland und der Karibik. Genauso geht es nun weiter. Jetzt jedoch in die andere Richtung. Von Deutschland geht es für die beiden diesmal nach Indien. Natürlich wieder per Anhalter. Schotterpisten und endlose Straßen sind jetzt wieder ihr zuhause, Tankstellen ihre Rettungsanker in kalten Nächten. Das Zelt ersetzt von nun an die eigenen vier Wände. Von Sesshaftigkeit ist keine Spur. Es gibt noch viel zu entdecken. Mehr zu lesen gibt es auf ihrem Blog: http://nuestra-america.de